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Ausstellung „Mind the Gap“ der Meisterklasse der Ostkreuzschule für Fotografie

Pressemitteilung Nr. 105 vom 20.03.2026

Die Gegenwart ist brüchig. Sie zeigt sich nicht als geschlossen-lineare Erzählung, sondern als Organismus von Übergängen, Verschiebungen und Leerstellen, simultan überlagernd, ineinandergreifend, lose verwoben. Die Ausstellung „Mind the Gap“ bewegt sich in Zwischenräumen: Zwischen dem, was nicht mehr gilt, und dem, was noch nicht ist. Zwischen Vertraut-Gewohntem und Ungewissheit und Zweifel, zwischen dem Sichtbaren und dem, was sich entzieht.

Ausstellung „Mind the Gap“ von der Meisterklasse der Ostkreuzschule für Fotografie
kuratiert von Linn Schröder und Ingo Taubhorn

Laufzeit der Ausstellung: 18. April bis 21. Juni 2026

Kommunale Galerie Haus am Kleistpark
Grunewaldstraße 6-7, 10823 Berlin

„Mind the Gap“ versammelt 15 Positionen, die Spannungsfelder und Wandlungsprozesse untersuchen. Sie richten den Blick auf Fragmentarisches, auf Übergänge, Verwerfungen und das Ungefähre, das sich im Umbruch offenbart. Die Serien greifen zentrale gesellschaftliche und persönliche Themen auf: Gewalt und ihre Spuren, Flucht- und Grenzerfahrungen, fragmentierte Familienbiografien, das Verhältnis von Menschen zu Natur, nach Geschlechterrollen und Identität, sogar Fragen nach außerirdischem Leben.

Aus der Vielzahl fragmentarischer Zugänge und individueller Blicke entfaltet sich ein Diskursmaterial, dessen Fäden facettenreich offen liegen. Der Mensch erscheint darin als Beobachtender, Wahrnehmender und Erinnernder. Über den bloßen Mangel hinausgehend begreift „Mind the Gap“ die Lücke vielmehr als schöpferischen Raum, der Platz hält für Wahrnehmung, Reflexion und Neuorientierung.

Dabei verwenden die Fotografinnen und Fotografen unterschiedliche Präsentationsformen, die die dokumentarische und künstlerische Abbildung erweitern: bewegte Bilder sind ebenso Bestandteil der Auseinandersetzung wie Installationen mit Objekten, Found Footage, Collagen oder Projektionen.

Ingo Taubhorn:
„Die Vielfältigkeit des Mediums drückt sich in dieser Meisterklasse nicht nur thematisch aus, sondern blickt mit großer Geste auch über den fotografischen Moment hinaus.“

Die Meisterklasse ist das Postgraduiertenprogramm der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin. Unter der Leitung von Prof. Linn Schröder und Ingo Taubhorn wurde mit den Meisterschülerinnen und Meisterschüler in den Jahren 2024 bis 2026 ein reiches Spektrum an künstlerischen Arbeiten entwickelt.

Verdiana Albano (geboren 1993) zeigt in „i ain‘t from no east coast“ Archivmaterial, eigene Fotografien und Objekte. Die Arbeit entfaltet sich als fragmenthafte Recherche zwischen afro-europäischer Biografie und postsozialistischen Lebenswirklichkeiten.

Sandra Buschow (geboren 1976) zeigt in „Häutungen/Shedding“ Selbstporträts und abstrakte Farbkompositionen in einer intimen Bildfolge. Der Körper wird zum Ort von Grenzerfahrung, Verletzlichkeit und Selbstermächtigung.

Eva Grillhösl (geboren 1974) bringt in „Black Box“ historische Fotografien aus der Hand des Großvaters in einen Dialog mit eigenen Arbeiten. Archiv und Gegenwart werden in einem spannungsvollen Miteinander nach Kriegserfahrungen und familiäre Verdrängung befragt.

Paulina Hildesheim (geboren 1995) rückt in „Monuments“ Nebelfänger im Südwesten Marokkos ins Zentrum ihrer installativen Arbeit. Funktionale Technik erscheint als Antwort auf das Krisenhafte von Klimawandel und Wasserknappheit.

Jana Islinger (geboren 1999) zeigt in „It’s my wound because it’s pain for me“ einen dokumentarischen Kurzfilm und Fotografien aus dem armenischen Alltag unter militärischen Konflikten. Verlust, Resilienz und weibliche Perspektiven werden im Spannungsfeld geopolitischer Macht sichtbar.

Telke Jungjohann (geboren 1994) legt in „I give them titty, try to keep them calm“ den Fokus ihrer seriellen Arbeit auf das Verhältnis von Mensch und Nutztier. Am Beispiel der Milchkuh werden Begriffe wie Fürsorge, Kontrolle und ökonomische Verwertbarkeit reflektiert.

Rainer Kurzeder (geboren 1971) zeigt mit „Beyond the Silence“ ein fotografisches Langzeitprojekt zu Vätern und ihren queeren Söhnen. Im Spannungsfeld von Schweigen, Erwartungen und tradierten Männlichkeitsbildern entstehen Momente von Nähe.

Ramon Lehmann (geboren 1986) unternimmt mit „Zwischen Himmel und Erde“ eine fotografische Erkundung von UFO-Sichtungen und den Menschen dahinter. Dokumentarische Porträts und Bildinszenierungen eröffnen einen Raum zwischen Glauben, Wissenschaft und Spekulation.

Michelle Maicher (geboren 1997) untersucht in „Achillesferse“ die sogenannte Suwałki-Lücke als politisch-sensibler Grenzraum Polens. In Landschafts- und Porträtfotografien verdichten sich Abschottung, Ängste und Zukunftssuche.

Claudia Neuhaus (geboren 1980) entwirft in „Sind wir nichts“ typologische Porträts von Jugendlichen im Stadtraum. Zwischen Grünflächen und urbaner Umgebung verdichten sich Bestandsaufnahme und Inszenierung zur Frage nach dem Ungewissen der Zukunft.

Lukas Ratius (geboren 1989) richtet in „waltan“ mittels Fotografien und Recherchematerial den Blick auf das Thema Polizeigewalt. Die künstlerische Aufarbeitung beleuchtet die individuellen Perspektiven von Betroffenen im Spannungsfeld staatlicher, normgebender Strukturen.

Helen Stevens (geboren 1976) nähert sich in „Kein Kinderspiel“ an die eigene ungewollte Kinderlosigkeit. In der entstandenen Bildfolge werden Abschied, Trauer, Schmerz und Neuverortung behutsam sichtbar gemacht.

Eva von Schirach (geboren 1968) entwirft in „ZEITmagazin: vermöbeln“ Collagen aus Familienfotografien der eigenen raufenden Söhne und der Luxus-Möbelwerbung. Zeitloses Design kontrastiert mit den chaotischen Zuständen des Heranwachsens.

Tara Wolff (geboren 1971) thematisiert in „Ich bin Wolf“ eine Begegnung von Frau und Wolf im Randbereich gesellschaftlicher Kontrolle als Verbündete. In der Auseinandersetzung mit herrschenden Narrativen werden Wildheit und Freiheit jenseits etablierter Zuschreibungen erfahrbar.

Antine Karla Yzer (geboren 1993) entwickelt in „It’s not violence, if it’s normal“ fotografische Diptychen, die in Zusammenarbeit mit delinquenten Jugendlichen entstanden sind. An einem Ort, an dem Disziplin den Alltag prägt, erzählt die Arbeit von Vorstellungen jugendlicher Männlichkeit und der Suche nach Halt.

Die Ausstellung wird von Linn Schröder und Ingo Taubhorn kuratiert.

Linn Schröder ist Fotografin, Mitglied der Agentur Ostkreuz und Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Ingo Taubhorn ist Fotograf, Ausstellungsmacher und Publizist. Er war von 2003 bis 2023 Chefkurator des Hauses der Photographie/Deichtorhallen in Hamburg.

Weitere Informationen und Material:

Kommunale Galerie Haus am Kleistpark

  • Schwarzweißfotografie von Jugendlichen an einem Pavillon

    It’s not violence, if it’s normal, seit 2024

  • Ein Mann sitzt an einem Tisch, hinter im steht eine Frau und hat die Hände auf seinen Schultern.

    ain’t from no east coast, 2024/2025

  • Schwarzweißfotografie von einer Person, die den Pelz eines Wolfes trägt.

    Ich bin Wolf, 2023-2026

  • schwarzer Fleck auf einem Rücken

    Back Portrait II, 2025

  • Flugzeug über einem Gewässer

    Das Mutterbild, 2025

  • Sieben Personen unterschiedlichem Alters sitzen an einem gedeckten Tisch.

    In einer Grenzstadt unweit von Aserbaidschan versucht eine Familie, trotz der latenten Bedrohung ihre tägliche Routine bei Kaffee und Kuchen aufrechtzuerhalten, während die Nähe zur Grenze allgegenwärtig bleibt und ständige Wachsamkeit erfordert. Jermuk, Armenien, 2024

  • geschlossenes Auge einer Kuh

    Ohne Titel, 2025

  • Ein Mann sitzt auf einem Sessel in einer Grünfläche. Schräg hinter ihm steht ein weiterer Mann und lehnt an die Lehne des Sessels.

    Göttingen I, 2025

  • Eine Person steht in einem Mini-Planetarium.

    Würzburg I, 2024