Murakami fotografiert menschenleere Orte, kaum wahrgenommene Details und Spuren von Bewegungen. Mittels leerstehender Stadtansichten navigiert der Künstler zwischen Erinnerung und Gegenwart, indem er auch an die Orte zurückkehrt, die einst Heimat bedeuteten. Unbemerkte Details rücken ins Zentrum und erlauben ihm eine distanzierte Beobachtung vertrauter Szenarien, die er zu entschlüsseln versucht.
Erst in einem zweiten Moment nähert sich Murakami seinen Bildern erneut an. Neben dieser spezifischen Form des Sehens, die in seinen Fotografien zum Ausdruck kommt, werden visuelle Eingriffe wie Übermalungen und Fragmentierungen zum Kern seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Mittels dieser Eingriffe überspitzt Murakami seine Empfindungen und das Gefühl der Zerstreutheit. Er nähert sich seinen Bildern auf eine physische, fast meditative Weise. Indem er gezielt bestimmte Bildelemente ausblendet oder hervorhebt, zeigt er: Wahrnehmung ist nicht neutral, sondern wird durch Erfahrung, Erinnerung und kulturelle Prägung geformt. Wenn Murakami dasselbe Foto mehrfach bearbeitet, legt er mit jeder neuen Version eine weitere Schicht seiner konditionierten Wahrnehmung frei. Wie ein visuelles Tagebuch dokumentiert jede Bearbeitung seine persönliche Suche nach dem Verborgenen im Sichtbaren.
Mit „Dispersion“ erzählt Wataru Murakami von der Sehnsucht, sein Ich – als Individuum und als Künstler – klar zu definieren, und von der Gewissheit, dass eine Welterfahrung ohne eingeschriebene Konditionierung nicht möglich ist. Diese fotografische Spurensuche verweist auf das Verlangen nach Zugehörigkeit in einer zunehmend fragmentierten Welt.
Wataru Murakami (geboren 1983 in Matsuyama, Japan) lebt und arbeitet seit 2017 in Berlin. Nach seinem Studium der Geisteswissenschaften an der Sophia Universität in Tokio, studierte er Fotografie und Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Seine Werke wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, zuletzt im Ehime Museum of Art (2025) und im Tokyo Metropolitan Art Museum in Japan (2023), sowie bei der Kunststiftung Baden-Württemberg in Stuttgart (2019). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter im Jahr 2023 das Foto-Arbeitsstipendium des Haus am Kleistpark, das INITIAL Sonderstipendium der Akademie der Künste Berlin (2021), sowie das Stipendium der POLA Art Foundation.
Galerie im Tempelhof Museum
- Alt-Mariendorf 43, 12107 Berlin
- Dienstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr
Donnerstag von 10 bis 18 Uhr
- Der Eintritt ist frei.
- weitere Informationen auf der Interseite vom Haus am Kleistpark