Als der Gartenarchitekt Erwin Barth vor über hundert Jahren den Volkspark Jungfernheide plante, lag ihm die Zentrale Wiese besonders am Herzen. Hier wollte er einen Ort schaffen, an dem sich die Menschen – die damals oft mit vielen Personen zusammen in kleinen Wohnungen lebten – austoben und erholen können. Und noch immer wird die Wiese gerne zum Spielen und Sonnen genutzt.
Erlebnispfad Stadtnatur im Volkspark Jungfernheide
Station 5: Zentrale Wiese
Ökologische Sanierung: "Frischzellen-Kur" für die Zentrale Wiese
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Ökologische Sanierung des Volksparks Jungfernheide
Zwischen 2019 und 2023 wurden neben der Zentralen Wiese auch weitere Bereiche des Volksparks Jungfernheide aufwendig saniert. So wurden unter anderem der vorhandene Spielplatz erweitert, der Strandbereich erneuert und Wege barrierefrei saniert.
Das Vorhaben „Nachhaltige ökologische Aufwertung des Naturraums Volkspark Jungfernheide in Charlottenburg-Nord“ wurde mit rund 2,43 Millionen Euro im Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin (Förderkennzeichen 1239-B6-A).
Die Kosten aller Maßnahmen zur Sanierung der Zentralen Wiese beliefen sich auf etwa 100.000 Euro (inklusive Planungs-, Material- und Ausführungskosten).
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Eine wahre Win-win-Situation
Um den Wasserhaushalt zu verbessern, wurde die Fläche zunächst vorsichtig aufgelockert. Hierzu wurden in regelmäßigen Abständen kleine Löcher in den Boden gebohrt. Diesen Vorgang bezeichnet man als Aerifizieren.
Im Gegensatz zum Vertikutieren, mit dessen Hilfe abgestorbene Rasengräser sowie organisches Material (Rasenfilz) aus der Grasnarbe entfernt werden, dient das Aerifizieren der mechanischen Belüftung des Bodens. Diese Maßnahme war auf der Zentralen Wiese im Volkspark Jungfernheide äußerst wichtig, da die Fläche aufgrund der intensiven Nutzung sehr stark verdichtet war.
Zweck der schonenden Auflockerung war es, den Gasaustausch und die Belüftung des Bodens zu verbessern, seine Wasseraufnahmefähigkeit zu erhöhen und dadurch das Wurzelwachstum sowie das gesunde mikrobielle Bodenleben zu fördern.
Anschließend wurde Biokohle aus Gehölz- und Grünschnitt in den Wiesenboden eingebracht. Biokohle ist sehr porös und kann daher – ähnlich wie ein Schwamm – hohe Mengen an Wasser binden (bis zum Fünffachen ihres Eigengewichts). Aufgrund dieser chemisch-physikalischen Eigenschaften kann die Pflanzenkohle die Speicherfähigkeit von Böden für Wasser und Nährstoffe deutlich erhöhen.
Im Volkspark Jungfernheide soll die Kohle der Wiese nun dabei helfen, Wasser zu speichern und sie vor dem Austrocknen zu bewahren, um so Dürreperioden besser zu überstehen. Gleichzeitig können Starkregenereignisse von der Wiese besser verkraftet werden, da überschüssiges Wasser gerichtet versickern und so dem Grundwasser zugeführt werden kann. Und zudem hilft Pflanzenkohle beim natürlichen Humusaufbau und stärkt die Pflanzen auf ganz vielfältige Art.
Die Biokohle wurde mit Pilzen (Mykorrhizapilz-Suspension) beimpft. Diese Pilzbeimpfung dient als Kommunikator zwischen den Rasenpflanzen und der Kohle. Die Hyphen der Pilze sorgen für den Austausch von Wasser und Nährstoffen zwischen der schwammporigen Kohle und den Rasenpflanzen. So wird der Speicher nutzbar und entfaltet seine volle Funktion.
Doch die Biokohle kann noch mehr, denn sie speichert Kohlenstoff (CO₂) und zwar mehr als sie bei der Herstellung freisetzt. Jede Tonne Pflanzenkohle speichert circa 3,2 Tonnen CO₂. Da in die Zentrale Wiese rund 22 Tonnen Pflanzenkohle eingebracht wurden, konnten auf diese Weise insgesamt über 70 Tonnen CO₂ dauerhaft im Boden fixiert werden.
Durch den Prozess der Verkohlung wird CO₂ also aus der Atmosphäre dauerhaft entfernt und im Boden gebunden. Somit wird auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Eine wahre Win-win-Situation!
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Gut geschützt
Bei all diesen Arbeitsschritten wurde äußerst behutsam vorgegangen, um die bestehende Grasnarbe bestmöglich zu erhalten. Denn – so lückenhaft der Bewuchs der Wiesenfläche vor Maßnahmenbeginn auch war – so wuchsen hier doch einige historische und schützenswerte Gräser und Kräuter.
Im Herbst 2022 wurde die Fläche dann neu angesät, wobei das lichtkeimende Saatgut auf die alte, noch vorhandene Grasnarbe ausgebracht wurde. Hierbei kam Regiosaatgut zum Einsatz. Das sind Gräser und Rasenkräuter, die hier heimisch und somit genetisch an das Umfeld von Berlin angepasst sind, wie beispielsweise Rotes Straußgras, Flaumiger Wiesenhafer und Wolliges Honiggras. Diese Pflanzen kommen daher mit den hiesigen Standortbedingungen (sandiger Boden, Trockenheit) viel besser zurecht als hochgezüchtete Rasengräser, welche regelmäßig bewässert und gedüngt werden müssen. Einige der Pflanze gehören zudem der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) an und sind in der Lage, Luftstickstoff aufzunehmen und so zur Nährstoffanreicherung im Boden beizutragen.
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Erfolgversprechende Bilanz
Abschließend können wir sagen, dass die Sanierungsmaßnahmen sehr erfolgreich waren. Nicht nur, dass die Wiese bislang sehr vital wirkt, auch hat es sich gelohnt, das Konzept zu testen. Denn sehr viele Berliner Grünflächen leiden unter der Kombination aus hohem Nutzungsdruck und zunehmender Trockenheit. Daher braucht es in Zukunft vermehrt nachhaltige Methoden, um Wiesen gegen diese Faktoren zu wappnen. Dass wir uns schon mit mehreren Zuständigen aus anderen Berliner Grünflächenämtern und auch anderen Städten aus ganz Deutschland ausgetauscht haben, die überlegen, ihre Grünflächen ähnlich zu sanieren, freut uns sehr.