Erlebnispfad Stadtnatur im Volkspark Jungfernheide

Station 6: Jungfernheideteich

Erlebnispfad Stadtnatur Volkspark Jungfernheide Jungfernheideteich

Natürlich geplant

Der Jungfernheideteich ist ein künstlich angelegtes Gewässer, das über den Nonnengraben mit Wasser aus dem Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal gespeist wird. Im Bereich des Strandbades wird der See zudem während der Badesaison mit Grundwasser angereichert, um die Wasserqualität zu erhöhen.

Achtung: Im Strandbad Jungfernheide dürft ihr nach Herzenslust planschen und baden. In den anderen Abschnitten des Jungfernheideteichs ist das Baden nicht erlaubt!

Libelle Spitzenfleck (Libellula fulva)

Funkelnde Flugakrobaten

Im, auf und unter Wasser finden zahlreiche Tiere ein Zuhause. Eines von ihnen ist die Libelle. Diese Tiere sind nicht nur wunderschön anzusehen, sondern können auch Erstaunliches leisten. Sie zeichnen sich durch einen aerodynamisch optimierten, schlanken Körper und einen hocheffizienten Flugapparat aus.

Sie verfügen über zwei Paar Flügel, die sie unabhängig voneinander bewegen. Dabei können sie Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde erreichen, in kürzester Zeit die Richtung wechseln, rückwärts fliegen oder wie ein Helikopter in der Luft auf der Stelle stehen. Auch bemerkenswert: Die Aderung der Flügel ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck – keine zwei Individuen haben vollkommen identische Flügel.

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  • Faszinierende Flugkünstler

    Libellen sind der Inbegriff schwereloser Schönheit, wie sie feengleich mit ihren zarten Flügeln in der Luft schweben. Heinrich Heine, Annette von Droste-Hülshoff und viele weitere bedeutende Poetinnen und Poeten haben ihre Anmut beschrieben. Doch Libellen faszinieren nicht nur mit ihrer grazilen Schönheit, sondern beeindrucken auch mit ihren vielen Fähigkeiten.

    Mit den Libellen hat die Natur nicht nur etwas wirklich Schönes, sondern auch ein Meisterwerk der Flugtechnik erschaffen. Kaum ein von Menschenhand konstruiertes Luftfahrtgerät kann es mit ihren Flugkünsten aufnehmen.

    Die Tiere zeichnen sich durch einen aerodynamisch optimierten, schlanken Körper und einen hocheffizienten Flugapparat aus. Sie verfügen über zwei Paar meist durchsichtige Flügel, die sie unabhängig voneinander bewegen können. Mit ihnen sind sie schnell und wendig in der Luft unterwegs. Sie können Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen, in kürzester Zeit die Richtung wechseln, rückwärts fliegen oder wie ein Helikopter in der Luft auf der Stelle stehen.

    Ihre Flügel werden durch ein komplexes Adergeflecht so effektiv stabilisiert, dass sie auch bei großen mechanischen Beanspruchungen nicht abknicken können. Die Aderung der Flügel ist dabei so einzigartig wie ein Fingerabdruck: Keine zwei Individuen haben vollkommen identische Flügel.

  • Augen auf

    Fliegen allein reicht für eine erfolgreiche Jagd allerdings noch nicht, man muss die Beute auch sehen können. Libellen verfügen über riesige Facettenaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen können. Damit können sie vollständig rundum sehen und mit über 30 Farbrezeptoren auch viel mehr Farben wahrnehmen als wir Menschen. Auf dem Kopf liegen noch drei Punktaugen, die das Gleichgewicht regulieren und bei der Stabilisierung des Fluges eine wichtige Rolle spielen.

    Auch bei der Fortpflanzung bieten manche Libellenarten ein besonderes Schauspiel: Sie verbinden ihre Hinterenden und fixieren sich gegenseitig so, dass ein herzförmiges Rad entsteht. So entsteht eine stabile Verbindung und die Begattung braucht keine unromantische Eile.

  • Fressen und gefressen werden

    Den größten Teil ihres Lebens verbringen die meisten Libellenarten als Larven im Wasser. Dort schlüpfen sie aus dem Ei, machen ihre erste Häutung durch und gehen auf die Jagd. Am liebsten jagen Libellen Fliegen und Mücken. Aber eigentlich sind sie nicht wählerisch: Auf ihrem Speisezettel steht alles, was sich bewegt und nicht schnell genug weg ist. Das können auch mal andere Libellen sein.

    Auch ohne Flügel ist die Larve ein effizienter Jäger und frißt und wächst, bis der feste Chitinpanzer nicht mehr passt. Dann steht die nächste Häutung an – insgesamt häuten sich Libellenlarven mehr als zehn Mal.
    Die Jugendphase im Wasser kann von einigen Monaten bis zu fünf Jahren dauern, während die meisten erwachsenen Libellen nur etwa sechs bis acht Wochen leben.

    Die geschickten Jäger fallen auch selbst Räubern zum Opfer, vor allem, wenn sie das Wasser verlassen und sich ein letztes Mal häuten. Dann sind sie besonders angreifbar, weil sie einige Stunden brauchen bis zum Abheben. Ihre Freßfeinde sind zahlreich, sie schmecken Fröschen, Fledermäusen und Vögeln sowie auch der fleischfressenden Sonnentau-Pflanze. Auch Parasiten machen sich über Libellen her, vor allem die Larven von Wassermilben.

  • Auf Wasser angewiesen

    Aufgrund der Larvenentwicklung im Wasser sind Libellen meist in der Nähe von Gewässern anzutreffen. Hierzulande leben die verschiedenen Libellenarten an stehenden und fließenden Gewässern, in Feuchtgebieten und Mooren sowie den angrenzenden Flächen. Die erwachsenen Libellen bejagen die Randgebiete der Gewässer, in denen sie später die Eier ablegen, können aber auch in Standrandgebieten und begrünten Wohngebieten gesehen werden. Nur Flächen, die dem Wind ausgesetzt sind, meiden sie.

    Libellen sind sehr wichtig für funktionierende Ökosysteme, denn als Räuber regulieren sie Schadinsekten wie Mücken und Fliegen. Ihre Präsenz ist ein Indikator für gesunde Gewässer, da sie in ihrer larvalen Phase sauberes Wasser benötigen. Wo sie verschwinden, ist das ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt.

  • Schönheit in Gefahr

    Weltweit gibt es etwa 6.000 Libellenarten, etwa 80 von ihnen leben in Deutschland. Diese tragen so wohlklingende Bezeichnungen wie Prachtlibellen, Teichjungfern, Edellibellen und Flussjungfern. Die Namensgebung zeigt, wie sehr die Schönheit dieser Insekten die Menschen zu allen Zeiten in ihren Bann gezogen hat.

    Aber diese Schönheit ist in Gefahr. Etwa die Häfte der Libellenarten in Deutschland steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten bzw. ist vom Aussterben bedroht. Das liegt vor allem daran, dass die Lebensräume der Libellen unter Druck stehen und teils verschwinden.
    Libellen brauchen immer Wasser im Habitat. Vor allem die Moore, wichtiger Lebensraum vieler Kleinlibellen, sind durch Entwässerung und intensive Bewirtschaftung bedroht. Erst seit Kurzem findet hier ein Umdenken statt und erste Moorflächen werden renaturiert. Zudem ist durch die zunehmende Erwärmung, die Dürren der letzten Jahre und teils auch durch Schadstoffeintrag aus der Landwirtschaft die Qualität der Gewässer beeinträchtigt, worunter die Libellen leiden.

    Der Schutz unserer Moore, Gewässer und Uferbereiche ist aus zahlreichen Gründen wichtig. Einer davon ist, dass diese Schutzmaßnahmen dazu beitragen, dass wir auch in Zukunft noch die Schönheit der Libellen bestaunen können.