Die vielen denkmalgeschützten Bänke der Seeterasse laden dich zu einer kleinen Pause ein. Auch lassen sich von hier aus wunderbar die zahlreichen Vögel beobachten, denen der See ein Zuhause bietet: zum Beispiel Graureiher, Höckerschwäne, Haubentaucher, Kormorane und viele mehr.
Erlebnispfad Stadtnatur im Volkspark Jungfernheide
Station 7: Seeterrasse
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Perfekt angepasst
Der Biber ist wieder da! Nachdem er vor rund 100 Jahren in Europa fast ausgerottet war, hat er sich in Berlin viele neue Lebensräume erschlossen. Vielleicht hast du ihn noch nie gesehen – kein Wunder, denn da er tagsüber schläft, sieht man ihn selten. Aber die vielen angenagten Bäume an unseren Uferrändern zeigen zuverlässig an: Hier leben Biber.
Der Biber ist das größte europäische Nagetier, er wiegt 20 bis 30 kg und kann bis zu 1,35 m lang werden. Sein natürlicher Lebensraum ist der Übergangsbereich zwischen Land und Wasser, wobei er langsam fließende bis stehende Gewässer bevorzugt.
Dafür hat ihn die Natur besonders ausgerüstet: Sein braunes Fell ist außergewöhnlich dicht mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter Haut und besteht aus einer dichten Unterwolle und langen Grannenhaaren. Dadurch bildet sich eine isolierende Luftschicht, die vor Auskühlung schützt und beim Schwimmen für Auftrieb sorgt.
Augen, Ohren und Nasenlöcher liegen oben am Kopf und erlauben dem Biber, fast ganz unter Wasser und damit unbemerkt seine Bahnen zu ziehen und trotzdem den Überblick zu behalten. An den Füßen trägt er Schwimmhäute, sein langer breiter Schwanz dient ihm beim Schwimmen als Ruder.
Biber können bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben, Nase und Ohren sind dabei verschlossen und die Augen werden durch ein zusätzliches Augenlid geschützt.
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Familienbande
Biberpaare halten einander lebenslang die Treue und bekommen jedes Jahr im Frühjahr ein bis drei Junge, bei deren Aufzucht die Geschwister vom Vorjahr mithelfen. So lebt immer eine ganze Familie in einem Biberbau. Bis zu 20 Jahre können Biber alt werden, wenn ihnen nichts passiert, denn natürliche Feinde gibt es kaum, wenn sie erst einmal ausgewachsen sind.
An seine Wohnstatt stellt der Biber hohe Ansprüche. Ein ständig unter Wasser liegender Zugang ist für ihn unverzichtbar – deshalb sind Biber immer an Gewässern zu finden. Der Bau muss Platz für eine Biberfamilie mit ein bis zwei Generationen an Jungtieren bieten und möglichst ein paar Jahre halten.
An hohen Böschungen kann der Biber einen Erdbau graben. Wo das nicht möglich ist, wird aus Ästen, Zweigen und Laub am Übergang zwischen Ufer und Wasser eine Biberburg angelegt. Der Wohnkessel liegt immer oberhalb der Wasserlinie, die Zugangsröhren immer unterhalb. Vom Wohnkessel, der mindestens einen Meter im Durchmesser misst und mit Laub ausgepolstert wird, können mehrere Röhren abgehen, die Fluchtmöglichkeiten bieten.
So ein Biberbau hält nicht ewig, denn wechselnde Wasserstände, Starkregen und andere Naturereignisse können ihn beschädigen. Dann zieht die Biberfamilie um und baut an einem anderen Ort neu.
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Kreative Futterbeschaffung
Bild: Studio Eden
Als konsequenter Vegetarier frisst der Biber vor allem krautige Pflanzen und Weichhölzer, die er während der Vegetationszeit in seinem Lebensraum findet. Am liebsten mag er die zarten Zweige und Knospen in den Kronenbereichen junger Weiden und Pappeln.
An die muss er aber erst einmal herankommen und weil er nicht klettern kann, legt er die begehrten Bäume einfach um. Mit seinen eisenhaltigen, sehr harten und stetig nachwachsenden Nagezähnen kann er Stämme bis zu einem Durchmesser von 20 cm fällen. Das macht er vor allem im Herbst und Winter, wenn der Bestand an krautigen Pflanzen langsam zur Neige geht.
Der Biber hält keinen Winterschlaf, und bis im Frühjahr wieder neue Pflanzen austreiben, bilden die im Wasser gelagerten Zweige und die Rinde der Bäume eine lange haltbare Winterverpflegung.
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Begabter Baumeister
Der Biber braucht einen ausreichenden Bestand an Pflanzen und Weichhölzern, um das ganze Jahr über satt zu werden, und ein Gewässer, welches ihm die Anlage einer Burg erlaubt.
Hat der Lebensraum kleine oder größere Mängel, legt der Biber als begnadeter Landschaftsgestalter kurzentschlossen selbst Hand an. Wo Wasser fließen oder eben nicht fließen soll, wo Land bleiben oder überflutet werden soll, das bestimmt der Biber so, wie es ihm zweckmäßig erscheint.
Vor allem an kleinen Fließgewässern ist der Wasserstand meist nicht hoch genug, dann baut der Biber mit Ästen und Zweigen einen Damm, der den Bach zu einem Biberteich aufstaut. Der ist mindestens 30 cm tief und kann sich über eine größere Fläche ausbreiten. Manche Biberteiche haben eine Ausdehnung von mehreren Hektar.
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Lebensraum im Wandel
Die Landschaftsgestaltung durch den Biber hat vielfältige Konsequenzen für das gesamte Biotop. Von den neu geschaffenen Lebensräumen profitieren zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. So stehen beispielsweise Bäume am Uferrand plötzlich mit den Wurzeln im Wasser und sterben ab. Das Kronendach lichtet sich, mehr Sonne fällt auf den Boden und eine andere, vielfältigere Pflanzengesellschaft entsteht im Laufe der Zeit.
Das veränderte Biotop bietet auch Tieren einen Lebensraum, die mehr Licht und Wärme brauchen und vorher dort nicht zuhause waren. Jetzt fühlen sich auch Amphibien hier wohl und verschiedene Libellenarten und andere Insekte siedeln sich an. Und unter Wasser können sich Jungfische in den Ästen der Dämme verstecken.
Die verbleibenden Reste der gefällten Bäume bilden als verrottendes Totholz wichtige Lebensräume für Pilze und Insekten und auch Vögel finden in den toten Bäumen Unterschlupf.
Biberdämme unterstützen zudem beim Hochwasserschutz, denn sie stauen das Wasser und verringern die Fließgeschwindigkeit. Auf diese Weise fließt das Wasser langsamer ab – je nach Gelände um bis zu 160 Mal langsamer als in Gebieten ohne Biberdämme. Dadurch kann schon im Oberlauf von Bächen mehr Wasser versickern und der Wasserstand sinkt.
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Beinahe ausgerottet
Es ist nachvollziehbar, dass der Biber in seiner Eigenschaft als Landschaftsgestalter dem Menschen über die Jahrhunderte gehörig in die Quere kam. Während der Mensch das Land entwässern wollte, um Weidewirtschaft und Ackerbau zu betreiben, hatte der Biber das genaue Gegenteil im Sinn. Der Konflikt zwischen Bibern und Menschen war damit vorprogrammiert und wäre den Bibern fast zum Verhängnis geworden.
Nicht nur die davon betroffenen Bauern machten sich daran, den Biber zu jagen. Mit seinem ordentlichen Gewicht und wärmenden Biberpelz war er eine begehrte Jagdbeute. Und das so genannte Bibergeil – ein „duftendes” Drüsensekret, mit dem Biber ihr Revier markieren – war in der mittelalterlichen Heilkunde sehr begehrt.
Zur Beinahe-Ausrottung der Tiere trugen auch katholische Geistliche bei. Denn Fleischverzehr war traditionell in der Fastenzeit strengstens untersagt, der Fischkonsum hingegen erlaubt. Und so erklärten sie in ihrem Einfallsreichtum, die strengen Fastenvorschriften zu umgehen, den Biber aufgrund seiner wassergebundenen Lebensweise und seines schuppigen Schwanzes kurzerhand zum „Fisch” und damit zur legitimen Fastenspeise.
Alles zusammen führte dazu, dass der Biber bis zur ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beinahe ausgerottet wurde.
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Biber in Berlin
Erst in den letzten Jahrzehnten nahmen die Bestände durch Auswilderung und konsequente Schutzmaßnahmen wieder deutlich zu. Heute sollen etwa 40.000 Biber in Deutschland leben, seit 2015 gibt es auch wieder welche in Berlin. Mit geschätzt 120 Tieren in 60 Revieren ist der Lebensraum Berlin mittlerweile jedoch bis an die Grenze der Tragfähigkeit von Bibern besiedelt.
Es ist nicht verwunderlich, dass die wasserreiche Hauptstadt dem Biber wie ein attraktiver Lebensraum vorkommt. Die vielen Menschen stören ihn weniger, allerdings sind die Uferböschungen ihm oft zu hoch. Dann legen Berliner Behörden schon einmal einen bibertauglichen Ausstieg an.