Rund um die Bülowstraße/Urban Street Art

Spaziergang vom 16.09.2017 mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

Straßenschild Bülowstraße

Der 40. Kiezspaziergang führte rund um die Bülowstraße. Das Highlight war die Besichtigung von Kunstwerken, sogenannter „Street Art“, im Rahmen des Projekts Urban Nation.

Begrüßung

Bezirksbügermeisterin Angelika Schöttler begrüßte alle Teilnehmenden auf dem Vorplatz der Zwölf-Apostel-Kirche zum Kiezspaziergang und stellte die Gastredner_innen vor:

  • Pfarrer Bornemann (Leiter der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde)
  • Frau Bornemann, Herr Hampel und Herr Doster (Bürgerinitiative für die Gestaltung der Parkanlage)
  • Dr. Christopher Vorwerk (kaufmännischer Museumsleiter des URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART)

Vorplatz der Zwölf-Apostel-Kirche

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Pfarrer Bornemann und seine Gemeinde leisten hier wichtige und wertvolle Arbeit. So berichteten sie, dass der Garten gar nicht zur Kirche gehört. Vor gut vier Jahren war die Fläche noch sich selbst überlassen und es lag viel Müll auf dem Platz herum. Sie setzten sich demnach für die nachhaltige Bepflanzung des Platzes ein. So findet man nun einen schön bepflanzten und gepflegten Garten vor allem mit Stauden, welche jedes Jahr wieder kommen. Herr Doster koordiniert alles und berichtet, dass der Garten sogar eine eigene E-Mail-Adresse hat. Bei dieser können sich Bürger_innen zur Mitbepflanzung und Pflege des Platzes anmelden.

Weiter ging es auf der Bülowstraße

Benannt ist die Bülowstraße nach Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz.

Er war ein preußischer General und schlug 1813 mit seinen Truppen in der Schlacht von Großbeeren die französischen Truppen. Dies war nur einer seiner Siege, man nannte ihn auch den „allzeit glücklichen Bülow“, da er alle seine Schlachten gewann.

Durch seine Erfolge vor Berlin wurde er als „Retter von Berlin“ gerühmt und 1864 nach seinem Tod mit der Benennung dieser Straße geehrt.

Urban Nation Museum

Am gleichen Tag fand auch die Eröffnung des “Museum für Contemporary Art” von Urban Nation statt, in dem zeitgenössische Kunstwerke aus der Street- und Urban-Art-Szene aus der ganzen Welt zu sehen sind. Finden tut man das Gebäude in der Bülowstraße 7.

Das Besondere an dem Bauwerk ist, dass es durch mobile Fassadenelemente, ein Boden aus Asphalt und einem Galeriesteg durch das zweigeschossige Innere selbst zu einem Kunstwerk wird.

Im Gebäude kann man 150 Werke von Künstler_innen wie Shepard Fairey und The London Police bewundern. Die Ausstellung bildet die verschiedene Stile, Techniken und Entwicklungen der Szene ab.

Die Teilnehmenden des Kiezspazierganges hatten das Glück, dass Herr Dr. Christopher Vorwerk (kaufmännischer Museumsleiter) sich trotz Eröffnungsstress die Mühe gemacht hat, eine Privatführung – entlang der Street-Art-Meile und weiteren Kunstwerken rund um die Bülowstraße – zu geben.

Von ihm erfuhr man viele spannende Hintergrundinformationen des Museums und der Street-Art-Kunstwerke. 130 Werke wurden an diesem Tag anlässlich der Museumseröffnung zustätzlich auf dem Mittelstreifen der Bülowstraße, unter der U-Bahn-Trasse, ausgestellt. Auch an den Häuserwänden rund um den Mittelstreifen lassen sich zahlreiche Fassadenbilder erblicken.

Art-Meile

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Verschiedene Installationen und Bilder internationaler Künstler_innen waren am Tag der Eröffnung des Museums entlang der Bülowstraße zu bewundern.

In der Froben-/Ecke Schwerinstraße zeigte Herr Dr. Christopher Vorwerk den Kiezspaziergänger_innen ein beeindruckendes Fassadenbild.

Mit der unmissverständlichen Botschaft „NO Future für Apathie! Ignoranz! Sexismus! Fremdenfeindlichkeit! Rassismus!“ wurde es von dem weltbekannte Streetart-Künstler Shepard Fairey umgesetzt. Die Idee ist in Zusammenarbeit mit der Künstlerischen Leiterin der URBAN NATION, Yasha Young, entstanden.

Die klare Botschaft soll der Betrachter zum Nachdenken angeregt.

Weitere Kunstwerke entlang der Bülowstraße

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Praxis Bülowbogen

Auch über die Street-Art-Kunst hinaus ist die Bülowstraße im Zentrum Berlins ein interessanter Ort mit einer langen Geschichte.

Die Bülowstraße erhielt 1902 besondere Aufmerksamkeit durch die Hochbahn. Doch vielleicht noch größere Bekanntheit erreichte sie durch den Fernseharzt Dr. Brockmann, dargestellt von Günter Pfitzmann. Seine Fernsehpraxis, die Praxis Bülowbogen, befand sich allerdings nicht direkt in der Bülowstraße, sondern in der Zietenstraße.

In den 107 Folgen war auch immer wieder die als Bülowbogen bekannte Kurve der Hochbahn zu sehen und wurde von 1987 bis 1996 in ganz Deutschland ein Begriff.

Schwerin- /Ecke Bülowstraße

An dieser Ecke befand sich eine in der 1950er Jahren errichtete Tankstelle von Shell. Benzin zapfen konnte man hier aber schon lange nicht mehr. Viele Jahre wurde das Gebäude als Lager und Werkstatt genutzt. Eigentlich eine Verschwendung für ein Grundstück in dieser Lage. Das sah auch Juerg Judin so. Der Galerist war so sehr von dem 50er Jahre Design der alten Shell-Tankstelle angetan, dass er das Gelände im Jahr 2006 kaufte und das Gebäude restaurieren ließ. Zusätzlich wurde nach seinen Entwürfen ein schmaler Neubau errichtet. Durch die umgebende Hecke des Grundstückes kann man leider nicht mehr die Restaurierte Tankstelle aus den Wirtschaftswunderjahren und den neuangelegten Garten sehen. Nichtsdestotrotz ist dieses Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie sich alte Architektur modern interpretieren und vor allem nutzen lässt.

Finanzamt/Bülowstr. 89

Dieses Gebäude wurde von Paul Schwebes entworfen. Der deutsche Architekt hat für die Berliner Architektur der Nachkriegszeit eine herausragende Bedeutung und in Westberlin eine Vielzahl von Gebäuden entworfen. Unter anderem entwarf er das Gebäudeensemble „Zentrum am Zoo“, das heute als Bikini Berlin bekannt ist. Schwebes war also in den Jahren des Wiederaufbaus einer der am meisten beschäftigten Architekten in der Stadt und dieses Gebäude hier plante er im Auftrag der Berliner Disconto-Bank.
Gelernt hatte Schwebes bei Bruno Paul, einem Wegbereiter der modernen Zweckarchitektur. Diese Schule spiegelt sich auch in dem 1950/51 errichteten Geschäftshaus wider, dessen Stil für die Modernität der Wirtschaftswunderjahre stand. Heute steht dieses Haus unter Denkmalschutz und ist die Heimat des Finanzamtes Schöneberg.

Das Haus davor in der Bülowstraße, die Nummer 89, ist eng verknüpft mit der Hausbesetzerzeit in Berlin. Dieses Haus wurde als eines von 8 in Berlin am 22. September 1981 von der Berliner Polizei geräumt.
Bei der darauffolgenden Pressekonferenz des damaligen Innensenators Heinrich Lummer an dieser Stelle kam es zu Protesten. Die Polizei ging dagegen vor und trieb die Protestierenden bis zur Potsdamer Straße, wo der 18-jährige Klaus-Jürgen-Rattay von einem Bus erfasst und getötet wurde.

Der Tod Rattays führte zu weiteren tagelangen Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch in anderen Städten gab es Solidaritätsbekundungen.
In der Folge änderte der Senat seine Strategie und setzte unter dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Richard von Weizsäcker, auf Verhandlungen mit der Berliner Hausbesetzerszene.
Heute erinnert eine Gedenksteinplatte an den Tod Rattays.

Am Ende der Bülowstraße befanden sich weitere besetzte Häuser, unter anderem das erste „Tuntenhaus“ Berlins. Diese erste Besetzung eines Hauses erfolgte am 12. Februar 1981 als fünf Tunten die Nummer 55 in das zweite Hinterhaus einstiegen und es so bis Ende 1983 in Besitz nahmen.

Hochbahn entlang der Bülowstraße

Hochbahntrasse mit U-Bahn entlang der Bülowstraße

Der Bau der Hochbahn wäre fast am Wiederstand der Berliner_innen gescheitert.
Wie auch heutzutage häufig der Fall, war die Hochbahn eine Neuerung, mit der sich viele nicht so recht anfreunden konnten. Skepsis erzeugten vor allem die Stelzen, von denen befürchtet wurde, dass sie das Stadtbild ruinieren würden. Heute ist die Hochbahn nicht mehr wegzudenken, aber damals wurden die Bedenken vom Magistrat Berlins selbstverständlich ernstgenommen.
Erst mit seinem dritten Entwurf konnte Werner von Siemens den Magistrat überzeugen und den Konkurrenten AEG bei der Vergabe des Bauprojekts ausstechen.
Der Bau der Bahnstrecke begann 1896 als eine der weltweit wenigen Hochbahnen dieser Zeit. Sechs Jahre dauerte der Bau und im Februar 1902 wurde die Strecke zwischen den Bahnhöfen Stralauer Tor und Potsdamer Platz eröffnet.

Bahnhof Bülowstraße

Im darauffolgenden Monat wurde auch der Bahnhof Bülowstraße als Teil der westlichen Stammstrecke fertiggestellt. Die Verlängerung der Strecke zum Bahnhof Zoo realisierte man dann allerdings unterirdisch.
Den Bahnhof Stralauer Tor gibt es inzwischen natürlich nicht mehr. Er wurde bereits 1924 in Osthafen umbenannt und dann im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und aufgegeben. Zur Eröffnung kostete eine Fahrt übrigens je nach Wagenklasse zwischen 10 und 30 Pfennig.

Der Bahnhof Bülowstraße wurde von dem Architekten Bruno Möhring entworfen, der sich vor allem durch die architektonische Gestaltung von Eisenkonstruktionen hervorgetan hat. Dies ist insofern bemerkenswert, als das er einen Stil entwickelte, bei dem auch die Zierelemente seiner Bauwerke aus Eisen gestaltet sind. Die Konstruktion und die architektonische Gestaltung verband er damit zu einer Einheit aus „einem Guss“.

Andere Architekten seiner Zeit verfolgten dagegen weiterhin den Ansatz, eine nützliche Eisenkonstruktion mit Elementen aus anderen Baumaterialen zu schmücken. Besonders auffällig ist dies bei Eisenbrücken, die häufig mit steinernen Brückentürmen verziert wurden. Sein eigenes Haus, das heute unter Denkmalschutz steht, baute Möhring übrigens in der Parallelstraße in Berlin-Marienfelde, die später in Bruno-Möhring-Straße umbenannt wurde

Der Bahnhof Bülowstraße ist in seinen jetzigen Dimensionen ein gemeinsames Werk des Architekten Bruno Möhring und seines Sohnes Rudolf Möhring. Ursprünglich vom Senior entworfen und 1902 eröffnet erhielt der Bahnhof Bülowstraße 1928 eine Verlängerung der Halle, die der Sohn entworfen hatte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof teilweise beschädigt und nach dem Krieg nur vereinfacht wieder hergestellt.

Durch die Berliner Teilung und die Schließung der Station Potsdamer Platz kam der Verkehr auf der U2 und damit auch hier ab 1972 zum Erliegen. Die Westberliner mussten statt der U2 die parallel verlaufende U1 benutzen. Der Bereich unter diesem Bahnhof der heute ein Baudenkmal ist, wurde dagegen bis zur Wiedereröffnung der Linie U2 als sogenannter „Türkischer Basar“ genutzt.

Verabschiedung

“Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass Sie auch im nächsten Monat am Kiezspaziergang teilnehmen möchten. Dann werden wir am 21. Oktober die Siedlung Lindenhof besuchen.

Wenn Sie sich für den Newsletter anmelden möchten, um über die nächsten Kiezspaziergänge auf dem Laufenden gehalten zu werden, können Sie das bei Frau Meyling tun. Sie hat auch Visitenkarten vom Kiezspaziergang, die Sie gerne an Bekannte weitergeben können, wenn Sie möchten.
Ich wünsche Ihnen Allen ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund.”