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Evangelische Paul-Gerhardt-Kirche

Denkmal des Monats Januar 2013 - Eine Höhle aus Licht und Beton

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Evangelische Paul-Gerhardt-Kirche

Schöneberg. Gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde stellt die Berliner Woche regelmäßig ein Tempelhof-Schöneberger „Denkmal des Monats“ vor. Im Januar ist es die Paul-Gerhardt-Kirche an der Schöneberger Hauptstraße. Sie wurde kürzlich 50 Jahre alt.

„Denkmalwert aus stadtgeschichtlichen und architekturhistorischen Gründen sowie wegen ihrer Bedeutung für das Stadtbild“, urteilt die Datenbank der Unteren Denkmalschutzbehörde. Auch wenn die evangelische Paul-Gerhardt-Kirche, abgerückt von der tosenden Hauptstraße zwischen der Alten Dorfkirche und der katholischen St. Norbert-Kirche derzeit im Dornröschenschlaf schlummert: Ein Juwel ist sie gleich aus mehreren Gründen.

Die Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch entwarfen ab 1958 einen Bau aus unregelmäßig übereinander geschichteten Elementen aus Stahl- und Sichtbeton sowie massigen, rau verputzten Wandflächen. Außen wie innen erscheint der 1962 geweihte Bau damit als Fels, in dessen Höhle sich die Gemeinde geschützt zusammenfinden kann. Die Lichtführung durch sparsam eingesetzte, im Raum verteilte Wandöffnungen verleiht dem Raum seine aus der Alltagswelt herausgehobene Stimmung.

Städtebaulich ist der Bau als Teil der „Kircheninsel“ mit der Dorfkirche und der St. Norbert-Kirche von Bedeutung. Schließlich entstanden die Gebäude hier über der Wiege Schönebergs, der Dorfaue um den „schönen Berg“. Und an Stelle zweier im Krieg teilzerstörten Vorgängerbauten: Als die Zahl der Gemeindemitglieder zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Höhe schossen, hatten die Gemeinden um die Alte Dorfkirche herum neue Gotteshäuser bauen lassen. Ein Teil der früheren St. Norbert-Kirche ist noch heute an der Dominicusstraße zu sehen. Sie wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg – ebenfalls durch die Architekten Fehling, Gogel und Pfankuch – erheblich umgebaut. Die Ruine der alten Paul-Gerhardt-Kirche, deren enormer Turm früher die gesamte Straßenecke beherrschte und spöttisch „Thermoskanne“ oder „Leuchtturm“ genannt wurde, ist nach dem Krieg beinahe komplett abgeräumt worden. Nur eine Apsis der alten Kirche wird im Neubau als Kapelle genutzt.

Und ist heute frequentierter als der eigentliche Kirchenbau. „Viele unserer Gemeindeaktivitäten finden inzwischen in der Alten Dorfkirche statt. Oder eben in dieser Kapelle“, sagt Volker Georg Buismann, Gemeindeglied und Fachmann für die Architektur vor Ort. Im großen Kirchenraum der neuen Paul-Gerhardt-Kirche finden nur noch selten Veranstaltungen statt. Die Gemeinde ist von rund 20.000 Mitgliedern in den 1960er-Jahren auf knapp 4.000 geschrumpft. Sonntags kommen noch knapp 30 Besucher zum Gottesdienst, die große Kirche bleibt meistens dicht. Zumindest bis 2014. Denn dann wird voraussichtlich die Superintendentur des Kirchenkreises auf die „Kircheninsel“ ziehen. Neben einem Teil der Verwaltungsräume um die Kirche herum wird so auch in den 60er-Jahre-Bau neues Leben einziehen. „Wie das genau aussehen wird, wissen wir noch nicht“, sagt Buismann. Vielleicht werde man einen Teil des Kirchenraums abtrennen, um ihn anders zu nutzen.