Im Zentrum der Ausstellung stehen monumentale Blumenbilder, deren wandfüllende Präsenz das Medium Malerei zu einer unmittelbaren körperlichen wie auch räumlichen Erfahrung werden lässt und die Besuchenden förmlich in das Bild hineinzieht. Die großformatigen Arbeiten knüpfen an Klares jüngste Rückkehr zur en plein air-Malerei an. In einer Gegenwart, in der digitale und KI-basierte Bildwelten zunehmend Wirklichkeit formulieren, sucht Klare den direkten, sinnlichen Kontakt zur Welt. Farbe, Licht und Atmosphäre werden zum Ausgangspunkt einer Malerei, die weniger Abbilder erzeugt als Resonanzräume öffnet. Die floralen Bildwelten erscheinen insofern imaginiert und real zugleich, wie die Erinnerungen an einen Sehnsuchtsort, an dem innere und äußere Landschaften ineinander übergehen.
Die Verschiebung zwischen Wirklichkeit und Bild wird unter anderem auch in Klares weiteren fotografischen Werkgruppen sichtbar. In „Silver“ verwendet Klare selbst aufgenommene und analog entwickelte Stadt- und Landschaftsansichten, die er mit Silberpigmenten, zeichnerischen Eingriffen und malerischen Überlagerungen bearbeitet. Die dokumentarische Eindeutigkeit wird aufgelöst. In der Reihe „Collagen“ treffen historische Fotografien von Klares Großvater aus Schwaan auf fragmentartig geformte eigene Arbeiten des Künstlers, die auf die amerikanische Hard-Edge-Malerei verweisen. Vergangene und gegenwärtige Bildräume lagern sich übereinander, Maßstäbe verschieben sich, persönliche Zugänge verbinden sich mit malerischen Konstrukten.
Aus den wiederkehrenden Umrissen und Formen wiederum entwickeln sich skulpturale Arbeiten aus Leinwänden wie die Serie „Shapes“ oder jene Figuren, die sich als dreidimensionale Gemälde zwischen Bildträger, Objekt und Installation bewegen. Architektonische Elemente oder amorphe Körper erscheinen als malerisch geformte Volumen und erweitern die Fläche in den Raum. Das Taktile und Haptische spielen dabei eine zentrale Rolle. Klares Arbeiten sollen sich „anfühlen“. Sie bestehen auf Materialität in einer zunehmend entkörperlichten Bildwelt.
Die Ausstellung „Schwaananien“ folgt den Übergängen zwischen Bildfläche, Objekt und Raum. Formen, Farben und Materialien kehren in unterschiedlichen Zusammenhängen wieder und verändern dabei fortwährend ihre Gestalt. So entsteht ein Werkzusammenhang, der Wahrnehmung nicht festschreibt, sondern in Bewegung hält.
Peter Klare, 1969 in Jena geboren, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, dort von 1992 bis 1996 als Meisterschüler, sowie in Montevideo und an der University of California in Los Angeles, wo er 1998 seinen Master of Fine Arts erhielt. 2020 wurde Klare mit einem Stipendium der Pollock-Krasner Foundation in New York ausgezeichnet. Seit Mitte der 1990er Jahre entstehen zahlreiche Ausstellungen und Projekte im In- und Ausland. Er lebt und arbeitet in Berlin.