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Ausstellung „Leaving was the only option left“ von Cihan Çakmak im Haus am Kleistpark

Pressemitteilung Nr. 486 vom 18.12.2025

Die Künstlerin und Fotografin Cihan Çakmak beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit verschiedenen Aspekten von Herkunft und Identität. Insbesondere im Kontext ihrer deutsch-kurdischen Biografie bewegt sie sich in einer kritischen Auseinandersetzung zwischen Tradition und Selbstfindung. Mit performativen fotografischen Selbstporträts, gestischen Darstellungen von vorwiegend weiblichen Protagonistinnen, einer Videoinstallation, Zeichnungen und Texten erkundet Çakmak Momente von Nähe und Distanz, Emanzipation und Fremdbestimmung.

Ausstellung „Leaving was the only option left“

23. Januar 2026 bis 12. April 2026
Dienstag bis Sonntag, von 11 bis 18 Uhr

Haus am Kleistpark / Projektraum
Grunewaldstraße 6–7, 10823 Berlin

eine Frau von hinten in blauem Umhang und mit Kopftuch

Foto aus der Werkserie „When we leave“

Die Ausstellung präsentiert Arbeiten aus verschiedenen Werkserien der letzten Jahre und arrangiert diese neu. Ein Fokus der Ausstellung liegt auf den Fotoarbeiten aus den Serien „em fraktal“ (2021) und „My Sister and I“ (2023) sowie der zweiteiligen Videoarbeit „Where I Left You“ (2023), welche sich mit transgenerationalen Traumata auseinandersetzen. In „em fraktal“, was so viel wie „Selbstähnlichkeit“ bedeutet, betrachtet Çakmak die Erfahrungen einzelner Personen als Teil eines kollektiven Erlebens. Sie sucht in den Ansichten anderer kurdischer Frauen nach einem Selbstbild und nach Spuren von durchlebten physischen und psychischen Verletzungen und Krisen, die sich in ihre Körper eingeschrieben haben. Während die fotografischen Reflexionen etwaige Verbindungen zwischen persönlichen und gemeinschaftlichen Traumata offenbaren, erzählen in „Where I Left You“ zwei Personen in fotografisch geprägten Videosequenzen mittels Gestik und Körperhaltung von Verlust und Aufbruch. Eine flüsternde Stimme berichtet dabei autofiktional von Erfahrungen des Kriegs, der Angst und der Wut. Dahingegen ergänzt die Fotoarbeit „My Sister and I“ die Erzählung der Vergangenheit um das Jetzt. Çakmak fotografiert sich und ihre Schwester in der Weise traditionell-klassischer Porträtfotografie, die jedoch weit über das Gesehene hinausgeht. Ihre Gesten sind symbolisch aufgeladen, ihre abgewandten Gesichter gleichen verschlüsselten Botschaften.

In der fotografischen Arbeit „When we leave“ (2018-2025) hingegen betrachtet Çakmak das Phänomen von Identität als etwas, das sich im Wandel äußerer Umstände ständig neu formt. Mit inszenierten Selbstporträts untersucht sie die Erwartungen, die an weiblich migrantisch gelesene Personen herangetragen werden, und verweist dabei auf Mechanismen der Macht, Klasse und Hierarchisierung, denen sie sich selbst immer wieder ausgesetzt fühlt.

Frau mit Pflanzen im Arm

„Not me not you!“

Ein weiterer Schwerpunkt von Çakmaks künstlerischem Schaffen liegt in den farbintensiven Buntstiftzeichnungen, in denen sie das Zusammenwirken von Tradition und Moderne erkundet. Dabei liegt den Zeichnungen eine starke körperliche Präsenz zugrunde: Çakmak arbeitet mit konstantem, kraftvollem Druck, indem sie die gleichen Bewegungen fortlaufend wiederholt – ein gestischer Rhythmus, der sie an die vielfältigen frauenhandwerklichen Tätigkeiten ihrer Mutter erinnert. Florale Muster, die sich sowohl aus der Kindheit als auch aus dem inneren Empfinden schöpfen, prägen ebenso ihre Bildfindungen wie das Zusammenspiel abstrakter Formen. In diesen Arbeiten verbindet die Künstlerin persönliche Erinnerung, Körperlichkeit und eine zeichnerisch abstrahierte Sinnlichkeit.

In den Ausstellungsumsetzungen und -installationen reflektiert Çakmak auf sensible und intuitive Weise ihren Lebensweg und ihre Bestimmung als Kind kurdischer Einwanderer, eine Biografie, die sie nachzuempfinden und gleichzeitig in etwas Neues zu verwandeln sucht. In ihren Bildwelten spiegeln sich die Unsicherheiten ihrer Herkunft wider, die sich stets im Spannungsfeld von Überlieferung, Assimilation und Neubestimmung bewegen.

„Leaving was the only option left” thematisiert nicht nur gesellschaftliche und individuelle Zugehörigkeit, sondern hinterfragt auch stereotype Betrachtungen und Zuweisungen. In Çakmaks Eigenannahme und künstlerischen Äußerung entfaltet sich letztendlich die persönliche Selbstbestimmung.

Cihan Çakmak (*1993) studierte Fotografie an der Fachhochschule Dortmund und ab 2017 künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, ebendort in der Klasse von Prof. Tina Bara, die sie 2023 als Meisterschülerin abschloss. Çakmak absolvierte zudem Studienaufenthalte am International Center of Photography in New York und an der IADE in Lissabon und war Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Çakmaks Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter im Kunstpalast in Düsseldorf, im Kunstverein in Hildesheim, im Museum der bildenden Künste in Leipzig oder im Museum Morsbroich in Leverkusen. Cihan Çakmak erhielt den Paula Modersohn-Becker Nachwuchspreis (2020), den ein-blicke-Preis beim Filmfestival blicke (2023) und ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (2025).