Hinweise und Tipps zur Fassadenbegrünung

Hinweise und Tipps für Planung und Praxis von Fassadenbegrünungsmaßnahmen.

Allgemeines

Sowohl Zugvögel, die über Herbst und Winter in wärmere Länder fortziehen, als auch Standvögel, die ganzjährig in unseren heimatlichen Gefilden zu Hause sind, kommen gerne auch bis in die steinerne Enge der Großstadt, wenn sie hier die ihnen zusagenden Lebensbedingungen vorfinden. Neben künstlichen Nisthilfen sind es insbesondere dicht bewachsene Fassaden, in denen die Gefiederten gerne wohnen. Hier finden sie ihren Nistplatz, Schutz, Nestbaumaterial und Nahrung. So können Mücken, Fliegen und andere Plagegeister nicht überhandnehmen.

Dichter Bewuchs aus Kletter-, Schling- und Rankgehölzen, wie Efeu, Wilder Wein, Jelängerjelieber und Blauregen, auch heimische Waldrebe, Hopfen und Geisblatt bieten ideale Nistmöglichkeiten. Hecken- und Freibrüter, zuweilen auch Boden- und Halbhöhlenbrüter wählen als Wohnstatt gerne “Häuser mit grünem Pelz”.

Fassadenbewuchs fördert außerdem vielfältige Wohlfahrtswirkungen für den “Standort Großstadt”:

Verbesserung der Luftqualität und des örtlichen Kleinklimas durch Sauerstofferzeugung und Verbrauch von Kohlendioxid (CO2).

Durch Wasserverdunstung über die Blätter wird überhitzte, trockene Stadtluft abgekühlt und mit Feuchtigkeit angereichert.

Staub und Schadstoffe werden auf den Blattoberflächen abgelagert und somit aus der Luft herausgefiltert.

Minderung der Einstrahlungswirkung auf die Fassadenwand und damit Herabsetzung der Raumlufterhitzung im Sommer,

Wärmeisolierung in der kalten Jahreszeit durch immergrünen Bewuchs (Efeu).

Minderung von Windturbulenzen im Straßenraum und unmittelbaren Gebäudebereich.

Erzeugung von Biomasse (Kompostierung des Fallaubs).

Förderung des natürlichen Stoffkreislaufes.

Dämpfung bzw. Minderung des vom Straßenverkehr ausgehenden Lärmpegels.

Positiver Einfluß auf das menschliche Wohlbefinden durch vegetativen Formenreichtum, jahreszeitlich wechselnde Farben (Blätter, Blüten, Früchte) und windbewegtes Laub.

Trittstein- und Brückenfunktion i.S.d. Biotop-Verbunds zu anderen Stadt-Biotopen, wie Parks, Grünanlagen und andere Landschaftselemente und somit

Lebensraum für Vögel (Nist- und Schlafplätze, Zuflucht, Nahrungsangebot).

Bauliches

Voraussetzung und Vorbedingung für die Anpflanzung eines überzeugenden Fassadenbewuchses sind geeignete bauliche Gegebenheiten:

Lage und Standort des zu bepflanzenden Gebäudes (Innenstadt oder Villenkolonie, Charakter der Straße, Hof, Vorgarten, Wohn- oder Gewerbegebäude u.a.) sind auf Eignung zu prüfen (ggf. den Rat eines Gartenarchitekten einholen).

Ideal sind Wände und Gebäudeteile aus Klinkern, Keramikmaterial oder Naturstein mit 100 %ig geschlossenen Fugen, Giebel- und Fassadenteile aus intaktem Hart- oder Isolierputz und vergleichbaren Materialien. Es muß gewährleistet sein, daß keine Pflanzenteile (Triebe, Ranken, Haftorgane, Luftwurzeln u.a.) in offene Wandfugen und -hohlräume hineinwachsen können.

Dachüberstände und Dachrinnen, Öffnungen von Lüftungsgittern und hinterlüfteten Sandwich-Fassaden, Rollo-Kästen u.a. müssen permanent von Bewuchs freigehalten werden.

Die Materialien und die Konstruktion der evtl. Rankhilfen (Spanndrähte, Spaliere, Gitter, Stangen u.ä.) müssen auf Art und Material der Wand und auf die zu erwartende Belastung (Eigengewicht, Winddruck und -zug, Schneelast u.ä.) abgestimmt sein. Hierzu sollte ein Statik-Ingenieur gefragt werden. Wärmedämmschichten und Leitungen dürfen durch die Montage der Rankhilfe nicht beschädigt werden! Die Ausführung sollte daher tunlichst einer Fachfirma übertragen werden (Gewährleistung!). Gleiches gilt für die dauernde Wartung und evtl. Reparaturen. In der Regel werden solche Arbeiten durch Garten- und Landschaftsbaufirmen ausgeführt.

Wenn bauliche Maßnahmen an Gebäuden mit Pflanzenbewuchs geplant werden, sollte immer das Umweltamt des Bezirks Wilmersdorf möglichst frühzeitig durch den Hauseigentümer benachrichtigt werden. So können vorsorgliche Schutzmaßnahmen und sinnvolle Zeitabläufe gemeinsam beraten und festgelegt werden.

Solche baulichen Maßnahmen sind insbesondere:

Erweiterungen, An- und Umbauten

Dach-Erneuerungen und Dachausbauten

Erneuerungen von Rollo-Kästen, Tür und Fensterkonstruktionen

Vollwärmeschutzmaßnahmen

Fassaden- und Balkonsanierungen

Außenanstricharbeiten

Installierung von Beleuchtungs- und Alarmanlagen

Klempner- und Dachdecker-Reparaturarbeiten

Einbau von Be- und Entlüftungsanlagen im Fassadenbereich

Erneuerungen und Reparaturen von Vordächern

u.a.

Pflanzliches

Für die Anpflanzung eines überzeugenden Fassadenbewuchses sind im hiesigen Klima geeignet:

Laubabwerfende Arten in südlich ausgerichteten Lagen mit voller Besonnung:

Echter Wein (Rankhilfe) – Vitis viniflora

Glyzine, Blauregen (Rankhilfe) – Wisteria sinensis

Knöterich – Polygonum aubertii

Wilder Wein, Jungfernrebe – Parthenocissus tricuspidata‘Veitchii’

Wilder Wein, Jungfernrebe (Rankhilfe) – Parthenocissus quinquefolia

Wilder Wein, Jungfernrebe (Rankhilfe) – Parthenocissus quinquefolia ‘Engelmannii’

Laubabwerfende und immergrüne Arten in Ost-, West- oder Halbschatten-Lagen:

Baumwürger (Rankhilfe) – Celastus orbiculatus

Efeu – Hedera helix

Geißblatt, Jelängerjelieber (Rankhilfe) – Lonicera caprifolium

Knöterich (Rankhilfe) – Polygonum aubertii

Pfeifenwinde (Rankhilfe) – Aristolochia macrophylla

Waldrebe (Rankhilfe) – Clematis vitalba

Wilder Wein, Jungfernrebe (Rankhilfe) – Parthenocissus quinquefolia

Wilder Wein, Jungfernrebe (Rankhilfe) – Parthenocissus quinquefolia ‘Engelmannii’

Immergrüne Arten in Nord- oder Schattenlagen ohne oder überwiegend ohne direkte Besonnung:

Efeu – Hedera Helix

Kletter-, Rank- und Schlinggehölze sind starke Nährstoffzehrer und auf ausreichende Wasserversorgung angewiesen. Deshalb sollte der Pflanzort freie Bodenverbindung haben und vor der Bepflanzung ausreichend Humusboden eingebracht werden. Bei anhaltender Trockenheit muß in der Anwachs-Phase künstlich bewässert werden. Die Bepflanzung wird am besten im Frühjahr nach Frostende und vor dem endgültigen Blattaustrieb vorgenommen.

Tierisches

Vögel suchen sich gerne im Schutz eines dichten Fassadenbewuchses ihren Nist- und Brutplatz. Sowohl Freibrüter, die in Hecken, Sträuchern und Bäumen nisten, als auch Halbhöhlenbrüter (in Verbindung mit Gebäudenischen o.ä.) und sogar Bodenbrüter finden hier ihren Lebensraum: (Durch Anklicken des Vogelnamens gelangt man zur Beschreibung der einzelnen Vogelart. Das Anklicken des Fotos zeigt das Bild des Vogel in seiner maximalen Größe an.)

Im Laub- und Astwerk des Rankbewuchses:

Link zu: Amsel - Foto von Enrico Seehawer
Amsel
Bild: Enrico Seehawer

Amsel, Schwarzdrossel Turdus merula

Link zu: Freibrüter - Gelbspötter
Gelbspötter
Bild: Mike Pennington

Gelbspötter Hippolais icterina

Link zu: Freibrüter - Girlitz
Girlitz
Bild: Luis García

Girlitz Serinus serinus

Link zu: Foto in Originalgröße
Grauschnäpper
Bild: Jerzystrzelecki

Grauschnäpper Musicapa striata

Link zu: Foto in Originalgröße
Grünfink
Bild: Enrico Seehawer

Grünfink Carduelis chloris

Link zu: Foto in Originalgröße
Heckenbraunelle
Bild: Jim Middleton

Heckenbraunelle Carduelis chloris

Link zu: Foto in Originalgröße
Klappergrasmücke
Bild: Steevie

Klappergrasmücke Sylvia curruca

Link zu: Foto in Originalgröße
Singdrossel
Bild: Enrico Seehawer

Singdrossel Turdus philomelos

Link zu: Foto in Originalgröße
Zaunkönig
Bild: Joan Kocur

Zaunkönig Troglodytes troglodytes

Im Rankbewuchs in Verbindung mit Wandnischen:

Link zu: Foto in Originalgröße
Gartenrotschwanz
Bild: Steve Garvie

Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus

Link zu: Foto in Originalgröße
Grauschnäpper
Bild: Jerzystrzelecki

Grauschnäpper Musicapa striata

Link zu: Foto in Originalgröße
Hausrotschwanz
Bild: Wikinoby

Hausrotschwanz Phoenicurus ochruros

Link zu: Foto in Originalgröße
Haussperling
Bild: Iva Villi

Haussperling, Spatz Passer domesticus

Natürlich können hier und da auch noch andere Vogelarten Gefallen finden am grünen Mantel bewachsener Hausfassaden.

Verhalten, Lebensabläufe und Eigenheiten der Vogelarten, die gerne in Fassadenbewuchs ihre Nester bauen und hier ihren Lebensraum haben, sind im Sinne des gesetzlichen Artenschutzes unbedingt zu beachten, bevor am Gebäude Baumaßnahmen durchgeführt werden.

Hierfür wollen die 12 Artenbeschreibungen, die Sie direkt durch Anklicken der einzelnen Vogelarten erreichen können, entsprechende Hinweise geben.

Rechtliches

Bestand, Wiederansiedlung und Populationsentwicklung unserer heimischen Vogelarten werden durch berankte Gebäudewände maßgeblich geschützt bzw. gefördert. Fassadenbewuchs ist praktischer Vogel-Artenschutz! Da fast alle unsere heimischen Vogelarten gesetzlich besonders geschützt sind, müssen Eigentümer von Gebäuden mit Fassadenbewuchs, in dem Vögel zu beobachten sind, darauf achten, daß dieser Lebensraum nachhaltig gesichert wird. Dies gilt ganz besonders für die Zeiten des Nestbaues, des Brutgeschäfts und der Jungenaufzucht.Der Schutz-Status gilt in diesem Fällen gemäß Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung.

Darüber hinaus gilt das gesetzliche Verbot,

Vögeln (Tieren) der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten zu entnehmen, zu beschädigen oder zu beseitigen.

Lebensstätten, die von Vögeln (Tieren) normalerweise wiederholt benutzt werden, bzw. benutzt werden können, sind auch dann geschützt, wenn die Tiere jahreszeitlich bedingt gerade nicht anwesend sind, wie bei den Zugvögeln während der Winterzeit oder auch außerhalb der Nestbau-, Eiablage-, Brut- und Aufzuchtzeiten.

Fassadenbewuchs als potentielle Vogel-Lebensstätte, der als wohnumfeld-verbessernde Maßnahme mit öffentlichen Fördermitteln hergestellt wurde, unterliegt während des Bindungszeitraums der Förderung, i.d.R. 20 Jahre, den Förderungsverpflichtungen, die der Fördermittelnehmer gegenüber dem Fördermittelgeber (Investitionsbank Berlin/Senatsverwaltung) durch öffentlich-rechtlichen Vertrag eingegangen ist.

Unter rechtlichem Bestandsschutz stehen auch Fassadenbepflanzungen im Geltungsbereich rechtskräftiger Landschafts- und Bebauungspläne mit diesbezüglichen Bindungen oder Festsetzungen.

Außerdem sollen nach § 29 Naturschutzgesetz Berlin (NatSchGBln) Lebensstätten, die den wildlebenden Tieren als Nahrungsquellen, Nist-, Brut-, Fortpflanzungs-, Wohn-, Rast- oder Zufluchtgelegenheit dienen, erhalten oder neu geschaffen werden.

Schließlich ist es nach § 29 NatSchGBln auch verboten,

Gebüsch … oder ähnlichen Bewuchs (wie z.B. Fassadenbewuchs) in der Zeit vom 01. März bis 30. September abzuschneiden, zu fällen, zu roden oder auf andere Weise zu beseitigen…

Diese Verbote gelten jedoch nicht für gesetzlich oder behördlich angeordnete oder zugelassene Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse … nach Art und Umfang den Schutzzweck nicht beeinträchtigen.

Literarisches

Zu den Themen “Vögel” und “Vogel-Artenschutz” sowie “Fassaden-Bepflanzung” und “Fassadenbewuchs” sind viele instruktive Buchtitel auf dem Markt, die man in Buchhandlungen kaufen oder auch in öffenlichen Büchereien ausleihen kann. Darüber hinaus geben die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie die Naturschutzverbände NaBu und BUND für jedermann leicht verständliche Informationsschriften zu diesen Themen heraus.

Empfehlungen zum Lesen und eifrigen Studieren:

Aichele , Dietmar und Schwegler, H.-W. u.a.
Der große Kosmos Tier- und Pflanzenführer
Franckh-Kosmos-Verlags GmbH & Co. Stuttg.
1987/1992

Althaus , Christoph
Fassadenbegrünung
Patzer-Verlag Berlin – Hannover

Bezze , Einhard
Vögel / Band 1 Singvögel
Büchergilde Gutenberg-Verlagsges. mbH
München
1983

Falkenberg , M. und Salinger, Dr., S.
Der Vogelzug
BUND Landesverband Berlin e.V.
1995

Francke , D. u.a.
Naturschutz an Gebäuden
Naturschutzbund Deutschland (NaBu)
Landesverband Baden-Württemberg e.V.
AK Siedlungsökologie
1994 (?)

Frieling , Dr. Heinrich
Was fliegt denn da?
Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde

Ludwig , K.
Kletterpflanzen
BLV-Verlagsges. mbH München
1986

Mehl , Dipl.-Ing., U. (Bearbeiterin)
Lebendiges Grün auf Dach und Wand
BUND Landesverband Schleswig-Holstein
19.. (?)

Nicolai , Jürgen
Singvögel
GU Kompaß
Gräfe und Unzer GmbH, München
1988

Peterson , Roger u.a.
Die Vögel Europas
11. erweiterte Auflage
Verlag Paul Paray, Hamburg und
Berlin
1976

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung , Berlin
Bearb. Gottlebe, S. u.a.
Mut zu grünen Wänden
1976

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung , Berlin
Bearb.: Schwarz, Johannes, Dipl.-Biol.
Brutbiologie gebäudebrütender Vogelarten

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung , Berlin
Bearb.: Schwarz, Johannes, Dipl.-Biol.
Naturschutz an Gebäuden (Entwurf)
1996

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung , Berlin
Bearb.: Schwarz, Johannes, Dipl.-Biol.
Naturschutz an Gebäuden (Entwurf)
1996

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung , Berlin
Das Berliner Naturschutzgesetz
11. erweiterte Auflage 1996

Stich , R., Porger, K.-W. u.a.
Stadtökologie in Bebauungsplänen
Bauverlag GmbH Wiesbaden und Berlin
1992

Die hier genannte Fachliteratur diente auch gleichzeitig als Quelle für die Erarbeitung der vorliegenden Informationsschrift “Vögel, Efeu, Wilder Wein …”. Herausgeber und Verfasser wollen mit diesem kleinen Kompendium den Wilmersdorfer Bürgern eine nützliche Planungs- und Praxishilfe an die Hand geben, damit “Amsel, Drossel, Fink und Star …” in der steinernen Großstadt-Umwelt ihren Lebensraum finden und behalten können. Helfen wir ihnen dabei!

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Bild: Senatskanzlei

Diese Informationen werden Ihnen präsentiert vom Umwelt- und Naturschutzamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Ansprechpartner zu diesem Thema aus anderen Berliner Bezirken erfragen Sie bitte bei der jeweiligen örtlichen Unteren Naturschutzbehörde Weitere Informationen