Tourenvorschläge zur Fahrradkarte Charlottenburg-Wilmersdorf

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Der Weltkugelbrunnen am Europa-Center
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

Ausgangspunkt unserer Tour ist der Breitscheidplatz als touristisches Zentrum des Berliner Westens.

Wir stehen zwischen Gedächtniskirche und Weltkugelbrunnen und blicken in Richtung Europacenter, das 1963-65 am Ort des legendären Romanischen Cafés errichtet wurde, in den 20er Jahren Treffpunkt von Künstlern und Literaten. Es wurde neben der Gedächtniskirche zum Wahrzeichen West-Berlins und gilt als Berlins wichtigster Beitrag zur westlichen Nachkriegsmoderne, dem sog. International Style.

Links davon sehen wir die blaue Kugel, in die Sabine Christiansen ihre Gäste zur sonntäglichen Talkrunde einlädt. Dahinter steht das Elefantentor, ein besonders schön gestalteter Eingang in den Zoologischen Garten. 1844 auf Initiative der Naturforscher Alexander v. Humboldt und Martin Lichtenstein gegründet, war er der erste Zoo Deutschlands. Rechts vom Elefantentor steht das Aquarium.
Auf der anderen Seite des Europacenters blicken wir in die Tauentzienstraße hinein, die ihre Entwicklung zur Einkaufsmeile vor allem dem Kaufhaus des Westens verdankt. Das große Gebäude auf der rechten Seite am Ende der Straße ist das KaDeWe. Ein Besuch lohnt sich. Besonders die Lebensmittel- und Delikatessenabteilung in den obersten Etagen sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wir folgen dem Verlauf der Straße seitlich des Platzes und sehen in den Kurfürstendamm hinein.
Vor uns steht die 1891-95 erbaute Gedächtniskirche. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Turmruine als Mahnmal gegen den Krieg gesichert. Die benachbarten modernen Kirchenbauten entstanden 1957-63. Sehr beeindruckend ist das Innere der achteckigen Halle mit dem großen goldenen Kruzifix vor dem tiefblauen Hintergrund der mit Glas ausgefüllten Betonwabensteine.

Unser anschließendes Tourenziel ist nur wenige Gehminuten entfernt. Dazu gehen wir halb um die Gedächtniskirche herum, überqueren die Hardenbergstraße auf Höhe des Kinos „Zoopalast“ und sehen den Bahnhof Zoo. Er wurde 1878-82 zunächst für die Straßenbahn gebaut und ab 1884 auch für den Fernverkehr geöffnet. Kurz danach wurde der Ausbau des Kurfürstendamms beendet. Schnell wurde der Bahnhof zu einer Art Hauptbahnhof für die neue City im Berliner Westen. Während der Teilung der Stadt war er der Hauptbahnhof West-Berlins.
Berühmt wurde er nicht zuletzt durch das Buch und den Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Christiane F.

Wir fahren die Hardenbergstraße entlang, unterqueren den Bahnhof und machen jenseits der Fasanenstraße einen kurzen Stopp. Auf der anderen Seite der Hardenbergstraße steht das Gebäude der Industrie- und Handelskammer. Dahinter, an der Fasanenstraße, sehen wir den 1998 fertig gestellten Erweiterungsbau, in dem die Börse untergebracht ist. Leider ist die Qualität des Bauwerks von der Straße her kaum wahrnehmbar, denn Vorbild für die Konstruktion war die organische Gestalt eines Gürteltierpanzers, umgesetzt in Form einer freitragenden Konstruktion aus bogenförmigen Stahlbindern, in die die anderen Bestandteile des Bauwerks gewissermaßen hineingehängt sind. Die ungewöhnliche Ingenieursleistung stammt von dem britischen Architekten Nicholas Grimshaw.

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Foto vom Ernst-Reuter-Platz
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

Wir fahren die Hardenbergstraße weiter, vorbei an dem Hauptgebäude der Universität der Künste und den anschließenden Gebäuden der Mensa und der Physikalischen Institute der Technischen Universität und erreichen kurz darauf den Ernst-Reuter-Platz, benannt nach dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister. Er ist einer der größten und verkehrsreichsten Plätze der Stadt und besteht aus Bürobauten um eine grüne Mittelinsel mit Wasserspielen. Bei seiner Einweihung im Jahre 1953 wurde er für seine Modernität gelobt, heute gilt er eher als Beispiel für die negativen Auswirkungen ausschließlich am Verkehr orientierter Stadtplanung.

Wir fahren ein Viertel um den Platz herum und stehen nun an der Straße des 17. Juni. Der Name erinnert an den Volksaufstand am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin, als sowjetische Panzer und „Volkspolizisten“ das Feuer auf die Menschenmenge eröffnete, die versuchte, das kommunistische Regierungsviertel zu stürmen. Die Straße bildet gemeinsam mit Unter den Linden sowie der Bismarckstraße, dem Kaiserdamm und der Heerstraße die städtebauliche Ost-West-Achse Berlins.
Wir schauen nach rechts. Beiderseits der Straße sehen wir Gebäude der Technischen Universität. In halber Entfernung steht das Charlottenburger Tor, das 1907/08 als Stadteingang nach Charlottenburg und Pendant zum Brandenburger Tor erbaut wurde. Dahinter sehen wir die Siegessäule. Das 1865-73 geschaffene Monument erinnert an die Siege Preußens 1864, 1866 und 1870/71 gegen Dänemark, Österreich und Frankreich. Der Säulenschaft ist mit vergoldeten erbeuteten Geschützrohren verziert. Ebenfalls in der Achse steht das Brandenburger Tor, das wir allerdings aufgrund der großen Entfernung nicht erkennen können.
Zwischen Charlottenburger und Brandenburger Tor erstreckt sich auf beiden Seiten der Allee der Tiergarten. Es ist schon eine Besonderheit Berlins, dass in ihrem geografischen Zentrum ein großer Park liegt. Der Tiergarten war ursprünglich Teil eines riesigen Waldgebietes, das sich vor den Toren Berlins erstreckte. Nur wenige Wege führten durch den dichten Wald, in dem der Adel auf die Jagd ging. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der gesamte Tiergarten als Landschaftsgarten gestaltet. Die Bäume sind nicht sehr alt, denn im Zweiten Weltkrieg wurden große Flächen zerstört, und die Bestände, die überlebt hatten, wurden in den Nachkriegswintern als Brennholz gefällt und die gerodeten Flächen als Ackerland genutzt. Erst 1949 begann die Wiederaufforstung.

Wir fahren weiter um den Platz herum und biegen in die Otto-Suhr-Allee ein. Nach ein paar Minuten Fahrt taucht rechts, zuvor durch die Straßenbäume verdeckt, recht unvermittelt die Jugendstilfassade des Rathauses Charlottenburg auf. Erbaut wurde es 1899-1905 für die damals noch unabhängige Stadt Charlottenburg. Mit dem 89 Meter hohen Turm ärgerten die selbstbewussten Charlottenburger den Kaiser, da dieser Turm höher war als das Schloss und alle anderen damaligen weltlichen und kirchlichen Bauten.

Nach kurzer Fahrt haben wir das Schloss vor uns.

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Foto vom Schloss Charlottenburg
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

Wir fahren auf dem Spandauer Damm bis auf Höhe Schlossstraße und befinden uns jetzt genau in der Mittelachse der barocken Anlage. Wir betrachten das Schloss und sehen an der Stirnseite des Ehrenhofes den zentralen Mittelbau, der 1695-99 als Lustschloss für die Kurfürstin Sophie Charlotte erbaut wurde.

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Der Goldene Saal im Schloss Charlottenburg
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

1701 bis 1713 wurden beiderseits zwei niedrigere Seitenflügel angebaut, die zur Gartenseite eine monumentale Fassade bilden. Zur Stadtseite hin formen zwei schmale Flügel den Ehrenhof, der durch ein Gitter abgeschlossen ist. Gekrönt wurde das Ensemble durch einen hohen Turm mit Kuppel und Laterne, über der sich die vergoldete Kriegsgöttin Fortuna erhebt.
Der langgestreckte Bau der Orangerie auf der westlichen Seite wurde 1713 fertiggestellt.
1740-46 entstand der „Neue Flügel“ auf der östlichen Seite als Pendant zur Orangerie.
Als letzter Bauteil kam in Verlängerung der Orangerie 1787-91 das Schlosstheater hinzu, das heute – im Inneren völlig umgestaltet – das Museum für Vor- und Frühgeschichte beherbergt.

Um auf die Gartenseite zu kommen, müssen wir links oder rechts um den Schlossbau herumgehen (Radfahren ist hier leider nicht erlaubt).
Der Schlossgarten wurde 1697 mit dem Lustschloss angelegt und war der erste Barockgarten nach französischem Vorbild in Deutschland. Der vordere Teil des Gartens zeigt die barocke Struktur, die achsensymmetrisch auf das Schloss als Zentrum der Anlage ausgerichtet ist. Der hintere Teil ist dagegen als Landschaftspark des 19. Jahrhunderts nach englischem Vorbild gestaltet.

Wir kehren dem Schloss den Rücken und blicken in Richtung Schlossstraße. Wir sehen zwei Kopfbauten, die achsensymmetrisch links und rechts der Schlossstraße angeordnet sind. Im linken Kopfbau befand sich das Ägyptische Museum, dessen Sammlung mittlerweile auf die Museumsinsel umgezogen ist. Im rechten Gebäude befindet sich die Sammlung Berggruen. In dem Gebäude dahinter ist das Broehan-Museum.

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Blick auf den Lietzensee
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

Wir fahren auf dem markierten Radstreifen der Schlossstraße bis zum Kaiserdamm, biegen nach rechts ab, überqueren den Kaiserdamm auf Höhe der Sophie-Charlotten-Straße und fahren entweder auf der Wundtstraße weiter oder laufen am Lietzensee entlang und genießen die herrliche Parkanlage. An der Neuen Kantstraße biegen wir rechts ab, überqueren die Stadtautobahn und den Messedamm. Wir machen einen kurzen Stopp. Vor uns liegt jetzt das Messegelände mit dem Internationalen Kongresszentrum (ICC) und dem Funkturm.

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Das Internationale Congress Centrum (ICC)
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

Der 150 Meter hohe Funkturm wurde 1924-26 gebaut. Von ihm aus wurden die ersten regelmäßigen Rundfunksendungen übertragen.

Das Messegelände wurde 1928 konzipiert, ist jedoch durch Bauten im Stil der NS-Architektur geprägt, so etwa die Ehrenhalle am Hammarskjöldplatz.

Der futuristische Bau des Internationalen Congress Centrums (ICC) wurde 1979 eröffnet und ist seither der wichtigste Veranstaltungsort für Kongresse und Tagungen.

Für die lange Tour fahren wir die Masurenallee weiter (s. Tourenbeschreibung „ Große Tour”).

Für die kurze Tour biegen wir links in den Messedamm, unterqueren die Brückenverbindung zwischen ICC und Messegelände und überqueren den rechts abbiegenden Messedamm. Vor uns sehen wir zwei Motorradfahrer-Skulpturen, die an die großen Zeiten der AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) erinnern.

Wir überqueren den Zubringer zur AVUS und fahren nach ein paar Minuten entlang der Stadtautobahn am Halensee vorbei zum Rathenauplatz . Walter Rathenau war Reichsaußenminister und wurde 1922 ganz in der Nähe von zwei jungen rechtsradikalen Offizieren auf offener Straße ermordet.

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Die Beton Cadillacs-Skulptur
Bild: Umwelt- und Naturschutzamt CW

Im Zentrum des Platzes steht die Skulptur „Beton-Cadillacs“ von Wolf Vostell. Sie kommentiert die Blechlawine, die den Kurfürstendamm an seinem westlichen Ende in Richtung Stadtautobahn verlässt bzw. von ihr in den Kurfürstendamm einmündet.

Wir fahren um den Platz herum in den Kurfürstendamm, der hier noch nichts von großstädtischer Flaniermeile hat. Erst jenseits der Bahnüberführung wird die Architektur langsam prachtvoller.

Auf der Busspur geht’s weiter. Nach kurzer Fahrt erreichen wir den Lehniner Platz mit der Schaubühne. Sämtliche Gebäude dieses Blocks wurden von Erich Mendelsohn im Stil der Neuen Sachlichkeit geplant und 1926-28 errichtet. Das Gebäude der Schaubühne wurde ursprünglich als Kino genutzt. 1976-81 wurde das Innere des Gebäudes für die Theaternut-zung komplett umgebaut.
Dreihundert Meter weiter kommen wir zum Adenauer Platz. Vor uns haben wir den eigentlichen Prachtboulevard. Genießen wir die Fahrt unter der herrlichen Platanenallee. Nach wenigen Minuten sehen wir bereits wieder die Gedächtniskirche zwischen den Bäumen hervorlugen.
Um einen Eindruck von der Vielfalt und Lebendigkeit dieses reizvollen Innenstadtquartiers zu erhalten, eignet sich ganz besonders das Gebiet um den Savignyplatz innerhalb der Leibnizstraße als westliche Grenze, der Goethestraße als nördliche, der Fasanenstraße als östliche und der Pariser Straße als südliche Grenze. Hier lohnt es sich, in aller Ruhe einen Schaufensterbummel zu machen, in den zahlreichen Cafés und Restaurants etwas zu sich zu nehmen oder einfach mit dem Rad auf Entdeckungstour zu gehen.

Wir sind jetzt kurz vor dem Ziel unserer Tour.
An der Kreuzung Joachimstaler Straße sehen wir rechts das denkmalgeschützte Bauwerk des U-Bahneingangs mit der Kanzel zur Verkehrsüberwachung aus den 50er Jahren. Gegenüber das Café Kranzler. Den gläsernen Querriegel dahinter hat der deutsch-amerikanische Architekt Helmut Jahn entworfen. Er wurde im Jahr 2000 fertig gestellt.

Wir sind wieder am Breitscheidplatz, dem Ausgangspunkt unserer Tour angelangt.