Mai 8, 2025 – Mai 11, 2025
In den Jahren 1930-34 arbeitete in der Bleibtreustraße 17 die Fotografin Yva. Im Mai 2025 veranstaltete die Galerie eine große Ausstellung zum Leben von Yva. Im Ankündigungstext auf der Seite von Photography Now heißt es:
Zum 80. Todestag der Berliner Fotografin YVA zeigt das YVA Archiv am historischen Ort in der Bleibtreustraße 17, wo Yva zwischen 1930 und 1934 frei von Repressionen arbeitete, eine Auswahl ihres Schaffens. An diesem Ort konnte YVA ihr kreatives Potenzial als Fotografin frei von Repression und Terror bis 1934 voll entfalten. Berühmte Autoren wie Vicki Baum und Erich Kästner stiegen die fünf Treppen zu Yvas Dachatelier hinauf, ebenso wie bekannte Tänzerinnen, Designer und Schauspieler.
Die unverwechselbare Interpretation von Licht und Schatten, jene zeitlosen Räume und Perspektiven, entstanden hier und wirken bis heute nach – insbesondere in der Porträt-, Akt- und Modefotografie, wie sie später von Yvas Schüler Helmut Newton weiterentwickelt wurde.
Die Ermordung von Else Ernestine Neuländer-Simon (YVA) sowie nahezu all ihrer Geschwister, Verwandten und Freunde vor genau 80 Jahren führte zu einem “Atlantis-Phänomen”: YVAs Frühwerk aus der Schaffensphase vor 1934 verschwand nahezu vollständig und wurde von ihren späteren Modefotografien verdrängt – Bildern, die bereits unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Diktatur entstanden. Ein Grund hierfür liegt darin, dass weder Abzüge noch Negative ihres Frühwerks erhalten sind.
Erstmals legt diese Ausstellung den Fokus auf das Frühwerk YVAs, also ihre Zeit, und auf das Mekka der Lichtbildkünstler ihrer Generation, auf das “lasterhafte Berlin” (Kurt Moreck), dem YVA ihre Akt-, Porträt- und Modefotografien widmete. Werke aus privaten Sammlungen, die teilweise mit rekonstruktiver Fotografie restauriert wurden, ermöglichen einen neuen, einzigartigen Blick auf diese verlorene Epoche.
YVA fotografierte Berlin, bevor es zerriss. Ihre Bildsprache bevölkerte die Werbung, Illustrierte Magazine wie Die Dame oder den UHU und sie porträtierte die Großen ihrer Zeit. Ihre Modefotografien hatten den “Cool Factor”.
YVA galt als stilbildend, als modern, als kompromisslos – aber ihr Werk wurde nach der sukzessiven Machtübernahme der Nationalsozialisten mehr und mehr unsichtbar gemacht.
Als Jüdin wurde die Berlinerin 1942 nach Majdanek deportiert. Dort verliert sich ihre Spur – vor dem 8. Mai 1945. Ihr Tod wurde später auf den 31. Dezember 1944 festgelegt. Ihr Spätwerk blieb in Bruchstücken erhalten – Modeaufnahmen, Werbung, der schöne Schein des Dritten Reiches. Doch ihr Frühwerk – das künstlerisch freie, avantgardistische, experimentelle – ist heute weitgehend vergessen. Sie selbst wurde (nur) als “Lehrerin Helmut Newtons” bekannt.
Die Ausstellung spürt jenem avantgardistischen Frühwerk aus einem untergegangenen Berlin nach und erinnert YVA damit in ihrer ganzen künstlerischen Entwicklung.
“YVA & her time” präsentiert bewusst restaurierte Neuabzüge: eine Form von Rückkehr unter dem Stern der Frage: Würde YVA heute alte Gebrauchsgrafiken mit Staub und Rissen der Geschichte zeigen oder moderne, klare Abzüge – ihre ganze Kunst in Licht und Schatten?
Vier Themenräume strukturieren die Ausstellung:
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Mode – Zeitgeist, Familie und Herkunft der Fotografin
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Porträt – Gesichter einer untergegangenen Stadt
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Atelier – Studioumgebung als Quelle der Inspiration und als Schutzraum
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Sturmfrau – Traum und Trauma
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Kirstin Buchinger, Historikerin, Kunsthistorikerin, Fotokünstlerin und Leiterin des IVA Archives. Seit 2012 betreibt sie den unabhängigen GOLDENCALB Verlag. Ihr Buch über die Fotografin YVA erscheint im August 2025.
Im Rahmen von “Denk Mal am Ort” engagiert sie sich ehrenamtlich für Formen kollektiver Erinnerung. Mehr Informationen: https://yvaarchiv.de/yva/