Erlebnispfad Stadtnatur im Volkspark Jungfernheide

Station 2: Wildtiergehege

Damwild

Gucken und Staunen

Als der Park 1923 eröffnet wurde, lag er noch weit vor den Toren der Stadt Berlin. Die Menschen reisten mit Kutschen an, um hier den Tag zu verbringen. Ein besonderes Vergnügen war es, gut geschützt durch einen Zaun, Tiere wie Damwild und Wildschweine betrachten zu können.

Biotopbaum Volkspark Jungfernheide

Ungestörte Natur

Seit 2013 wird auf dem Gebiet des ehemaligen Wildtiergeheges der Natur freien Lauf gelassen. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Landschaft nach und nach verändert.

Und auch heute noch lassen sich hier zahlreiche Tiere beobachten, denen die natürlich gewachsene Baumgesellschaft ein Zuhause bietet. Aufgrund der unterschiedlichen Wuchshöhe der Pflanzen fühlen sich Bodenhocker, Kletterkünstler und Flugakrobaten hier äußerst wohl.

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  • Biotopholz: Tot und doch voller Leben

    „Können die Verantwortlichen hier nicht mal richtig aufräumen?“ hast du vielleicht schon mal gedacht, wenn du beim Spaziergang durch Wald oder Parkanlage am Wegesrand große Äste und Stämme abgestorbener Bäume gesehen hast. Und tatsächlich erhalten die Berliner Grünflächenämter immer wieder Anrufe oder E-Mails von Bürgerinnen und Bürgern mit der Aufforderung, die so unordentlich aussehenden Baumreste doch endlich mal zu beseitigen.

    Dabei spielen geschädigte, absterbende und tote Bäume eine ganz wichtige Rolle in unseren Wäldern und Parkanlagen, denn sie bieten zahlreichen darauf spezialisierten Lebewesen Nahrung und ein Zuhause.

  • Bedeutender Lebensraum

    In diesem Zusammenhang ist der Begriff „Biotopholz“ wichtig. Dazu zählen lebende und abgestorbene Bäume und Äste, die von Holzpilzen, holzbewohnenden Insekten, Moosen und Flechten als Lebensraum genutzt werden können. Geschwächte Bäume, die ihr Lebensende bald erreicht haben, sowie Bäume, die zwar abgestorben sind, jedoch noch stehen, werden Habitatbäume genannt. Diese Bäume weisen häufig Höhlen und Risse auf, in denen sich Vögel, Fledermäuse, Baummarder und manches Nagetier wohlfühlen, und sind oft von Pilzen befallen.

  • Gewolltes Wimmeln

    Sicherlich ist es dir schon mal passiert, dass du draußen ein Stück Holz angehoben hast und es darunter ganz stark gewimmelt hat. Das ist nicht verwunderlich, schließlich leben rund 25 Prozent der 6.500 in Deutschland vorkommenden Käferarten an absterbenden oder toten Bäumen und nutzen sie als Kinderstube für ihren Nachwuchs.

    Auch sonst tobt in Totholz das pure Leben: So sind beispielsweise mehr als 2.500 Pilzarten, 2.800 Pflanzenarten sowie der überwiegende Teil unserer 1.000 Wespen- und Bienenarten von Biotopholz abhängig. Zudem sind viele Vögel, Tausendfüßler und Insekten, wie Ameisen und Schmetterlinge, auf Alt- und Totholz angewiesen.

    Liegendes Biotopholz bietet Blindschleichen und Molchen sowie anderen Amphibien Versteck- und Überwinterungsplätze. Amphibien wie der Feuersalamander und die Erdkröte richten sich in liegendem Holz gerne ihr Winterquartier ein oder nutzen es als feuchtes Tagesversteck. Und für einen Großteil der Wildtiere ist das Biotopholz als Nahrungsquelle, Schlafplatz, Zufluchts- und gegebenenfalls Überwinterungsort lebensnotwendig.

  • Der Kreislauf der Natur

    Wälder und Parkanlagen brauchen einen gewissen Anteil an Biotopholz, denn dieses erfüllt im Ökosystem viele unverzichtbare Funktionen. So ist es die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Lebewesen wie Pilzen, Insekten und anderen Kleinstlebenwesen. Sie ernähren sich von totem Holz und zersetzen es. Dadurch gelangen Nährstoffe in den Boden, die dann wieder von anderen Pflanzen aufgenommen werden können.

    Gleichzeitig dienen die Organismen, die das Holz zersetzen, selbst als Nahrung für verschiedene Tierarten: Beispielsweise finden Vögel in dem Holz Larven und Insekten, mit denen sie ihre Brut aufziehen, Wildschweine zerkleinern Holzreste auf der Suche nach Käfern und Larven und für das Rotwild gibt es leckere Pilze.

    In einem fortgeschrittenen Stadium der Verrottung speichert Biotopholz zudem Wasser, welches es in Trockenphasen wieder abgeben kann. Dadurch trägt abgestorbenes Holz auch dazu bei, dass Wälder und Parkanlagen trockene Zeitabschnitte besser überstehen können. Darüber hinaus schützen auf dem Boden liegende Stämme den Boden vor Erosion und tragen dazu bei, vor allem bei Starkregen, eine Auswaschung des Bodens und seiner Nährstoffe zu verhindern.

  • Mehr Wildnis wagen

    In einem gesunden Ökosystem durchlaufen Bäume eine Entwicklung, die mit der Keimung beginnt und mit der Alters- bzw. Zerfallsphase endet. Leider ist es im Stadtraum häufig so, dass Bäume beschnitten oder gefällt werden müssen, bevor sie diese letzte Phase durchlaufen. Der Grund hierfür: Es soll sichergestellt werden, dass niemand durch herabfallende Äste oder umfallende Bäume gefährdet wird.

    Deshalb ist es umso wichtiger, dass Äste, Stämme, Baumstümpfe und Habitatbäume immer dort, wo es möglich ist, vor Ort verbleiben. Denn nur so können wir diese artenreichen Lebensräume in unseren Städten erhalten. Unsere Berliner Parkanlagen und Wälder sind hierfür bestens geeignet.

    Wenn du also das nächste Mal bei deinen Streifzügen durch Wald oder Park am Wegesrand Baumstämme und Äste liegen siehst, dann schau doch mal genauer hin: Vielleicht entdeckst du ja die Spuren des Lebens, die es an diesen nur vermeintlich toten Holz zu erkennen gibt!