Überblick Grünflächen

Öffentliche Grünflächen dienen vor allem der Erholung, dem Stadtklima und dem Naturschutz in dicht bebauten Räumen.
Dazu zählen typischerweise Parks, Grünanlagen, Spielplätze, begrünte Plätze, Grünzüge oder straßenbegleitende Grünstreifen.

Goebelplatz 12.08.2025

Grünflächenpflege

Grünflächenpflege umfasst regelmäßiges Mähen, Rückschnitt, Reinigung und ökologische Pflege öffentlicher Grünflächen, Spielplätze und Straßenbegleitgrün. Weitere Informationen

Mehrere Eichenprozessionsspinner an einem kahlgefressenen Zweig einer Eiche

Pflanzenschutz

Schädlinge im Fokus: Eichenprozessionsspinner, Lindenspinnmilbe und Gespinstmotten. Weitere Informationen

Fürstenplatz, Grünanlage, Stauden

Öffentliche Grünflächen

11 Prozent der Bezirksfläche (680 Hektar) sind öffentliche Grünanlagen und bieten vielfältige Erholungsmöglichkeiten. Weitere Informationen

Schloss Charlottenburg

Gartendenkmäler

Gartendenkmale sind Grünanlagen, Garten- oder Parkanlagen, Friedhöfe, Alleen und Bauwerke. Weitere Informationen

Pflanzenwahl

Die richtige Pflanzenwahl prägt städtische Grünanlagen nachhaltig und einladend. Robuste, einheimische Arten widerstehen den Herausforderungen des Stadtklima – wie Trockenheit, Wind, Hitze und Luftverschmutzung – und fördern gleichzeitig Biodiversität durch Nahrung und Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere.

  • 1. Was sind einheimische, gebietseigene, gebietsfremde und nicht-einheimische Pflanzen und warum wird diese Unterscheidung gemacht?

    Mit dem Senatsbeschluss „Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt“ fördert der Berliner Senat die Verwendung gebietseigener Pflanzen und leistet damit einen äußerst wichtigen Beitrag für den Naturschutz. Um zu verstehen, was das in der Praxis für Grünflächen und Parkanlagen, für Stadtbäume und andere urbane Naturflächen bedeutet, sind zunächst einige Begriffe zu klären.

    Unter dem Begriff „einheimische Pflanzen” können sich vermutlich viele etwas vorstellen, aber was heißt „gebietseigen“ (gleichbedeutend mit gebietsheimisch) und können beide Begriffe synonym verwendet werden? Einheimisch bedeutet zunächst nur, dass eine Pflanzenart in einem definierten Gebiet natürlich vorkommt.
    Einheimisch ist zum Beispiel der Löwenzahn oder das Gänseblümchen, sie sind auf fast jeder Wiese in Berlin anzutreffen. Nicht nur in Berlin, in ganz Deutschland findet man Löwenzahn und Gänseblümchen, und wahrscheinlich waren sie auch schon vor der Besiedlung durch uns Menschen dort.

    Sind deswegen Löwenzahn und Gänseblümchen in beispielsweise Ostfriesland ganz genau identisch mit denen in Berlin? Könnte man die Samen aus Ostfriesland in Berlin aussäen und würden die Nachkommen in Berlin genauso wachsen wie in Ostfriesland? Wahrscheinlich nicht, und das hat den einfachen Grund, dass in Ostfriesland das Klima und die Bodenverhältnisse anders sind als bei uns. In Berlin ist es trockener, die Winter sind kälter und die Sommer heißer und die Böden sind sandiger als in Ostfriesland. Das schlägt sich in der Evolution der Pflanzen nieder und wird in den Samen an die nächste Generation weitergegeben. Es ist also wahrscheinlich, dass ostfriesische Gänseblümchen die Berliner Umweltbedingungen schlechter vertragen als Berliner Gänseblümchen.

    Die Vorgabe, gebietseigenes Pflanzenmaterial für das Berliner Stadtgrün zu verwenden, bedeutet also, nur Saat- und Pflanzgut von Pflanzen zu beschaffen, die in Berlin und Umland gewachsen sind. Gänseblümchen aus Ostfriesland sind folglich zwar einheimisch, aber gebietsfremd.
    Werfen wir der Vollständigkeit halber noch einen Blick auf „nicht-einheimische Pflanzen”. Es wird geschätzt, dass in Berlin circa 1.500 Pflanzenarten anzutreffen sind. Über 1.200 davon sind einheimisch oder schon seit sehr langer Zeit hier, kamen also zumeist schon vor Tausenden von Jahren in der vom Menschen unbeeinflussten Landschaft natürlicherweise vor.

    Knapp dreihundert Arten stammen aus anderen Teilen der Welt und haben sich inzwischen in Berlin erfolgreich eingebürgert. Viele dieser Pflanzen wurden von Weltreisenden früherer Jahrhunderte als exotische Kuriosität mitgebracht und hier kultiviert. So fanden beispielsweise Mais, Kartoffeln und Tomaten ihren Weg nach Europa und in die Landwirtschaft und Tulpen und Rosen Einzug in hiesige Gärten.
    Doch einige dieser sogenannten „Neophyten“ wären wir heute gerne wieder los. Ein Beispiel hierfür ist der Riesen-Bärenklau, der im 19. Jahrhundert als dekorative Zierpflanze in Mitteleuropa eingeführt wurde. Da er jedoch schwere Allergien auslösen kann, wird er selbstverständlich nicht mehr angepflanzt, sondern nach Möglichkeit bekämpft.

  • 2. Was wird unter dem Begriff „Neophyten“ verstanden und warum sind diese oftmals problematisch?

    Neophyten heißt übersetzt „neue Pflanzen“. Als solche werden Pflanzen bezeichnet, die nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492 vom Menschen in Gebiete gebracht wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Etwas anders beschrieben geht es um Pflanzen, die sich in Gebieten ausbreiten, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind. Pflanzen, die bereits vor 1492 in gebietsfremde Regionen gelangten, werden Archäophyten genannt, z. B. Gerste und Weizen, die aus Vorderasien stammen.
    Es gibt auch eine Reihe von Tierarten, die bei uns ursprünglich nicht vorkommen, mittlerweile aber lange hier heimisch geworden sind und sich stark ausgebreitet haben wie z. B. der aus Nordamerika stammende Waschbär. Diese nennt man Neozoen. Der Begriff Neobiota beinhaltet im gleichen Sinne beides, Pflanzen und Tiere.

    Viele Neophyten wurden durch den Menschen gezielt eingeführt und haben eine große Bedeutung als Nahrungs- und Futtermittel erlangt. Mais, Tomate und Kartoffel z. B. wurden aus der Neuen Welt nach Europa gebracht. So stammt der Mais aus Mittelamerika, die Tomate ist in Mittel- und Südamerika heimisch und die Kartoffel hat ihren Ursprung in der Andenregion in Südamerika. Auch viele Pflanzen, die bei uns gartenbauliche Verwendung fanden und finden und auch in öffentlichen Grünanlagen angepflanzt wurden, sind Neophyten (beispielsweise Rose und Tulpe). Andere Neophyten wiederum sind unbeabsichtigt in unsere Regionen gelangt, z. B. als Saatgutverunreinigungen.

    In der Natur sind Neophyten nicht per se schlecht. Zum Problem werden sie, ob absichtlich oder unbeabsichtigt hier verbreitet, wenn sie sich in der Natur unkontrolliert massenhaft ausbreiten und dabei einheimische Pflanzen verdrängen. Solche Pflanzen bezeichnet man als invasive Arten. Diese gibt es entsprechend auch in der Tierwelt. Meist arrangieren sich invasive Arten besonders gut mit den gegebenen Standortbedingungen, wachsen bzw. vermehren sich schnell und es gibt keine Fraßfeinde für sie. Manchen kommen auch die Veränderungen der klimatischen Bedingungen zugute. Haben sich solche invasive Arten erst einmal etabliert, sind sie meist kaum noch einzudämmen. Sie sind eine große Bedrohung für die biologische Vielfalt (Biodiversität) und für die Struktur und Funktion von Ökosystemen, auch können sie wirtschaftlichen Schaden in der Landwirtschaft anrichten.
    Beispiele invasiver nicht-einheimischer Pflanzenarten sind die Ambrosia (Beifußblättrige Ambrosie), die auf Grund ihrer stark allergieauslösenden Pollen gesundheitsgefährdend ist, der Japanische Staudenknöterrich, das Indische Springkraut oder der Riesen-Bärenklau, welcher bei uns Menschen beim Kontakt mit der Haut zusammen mit Sonnenlicht zu schweren Verbrennungen führen kann.

    Mit der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 „über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ existiert eine für alle EU-Mitgliedsstaaten rechtsverbindliche Handlungsgrundlage zum Umgang mit invasiven Arten. Zur Verordnung gibt es eine Liste der als invasiv eingestuften Tier- und Pflanzenarten, die regelmäßig aktualisiert wird.

    Für Deutschland wurden bzw. werden Neobiota naturschutzfachlich von Expertinnen und Experten bewertet, um Aussagen treffen zu können, wie invasiv jede Art ist. Vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) sind derzeit 38 Pflanzenarten sowie 4 Moos- und 7 Algenarten als invasiv eingestuft. Auch gelten 42 Pflanzen- und 5 Algenarten als potentiell invasiv. Für diese Arten wurden Steckbriefe erarbeitet, die über die Internetseite des BfN aufrufbar sind. Darunter sind z. B. auch die aus Ostasien stammenden Pflanzen Götterbaum, der als Park- und Straßenbaum häufig gepflanzt wurde, und Teppich-Zwergmispel, die oft als Bodendecker verwendet wird. Beide wurden in früheren Zeiten zu gartenbaulichen Zwecken eingeführt.
    Zukünftig sollte in öffentlichen Grünflächen auf die weitere Anpflanzung invasiver und potentiell invasiver Arten verzichtet werden.

  • 3. Warum sollte vor allem gebietseigenes Saat- und Pflanzgut verwendet werden?

    Der Berliner Senat hat sich mit dem Senatsbeschluss „Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt“ die vorrangige Verwendung von gebietseigenen Pflanzen im Städtischen Grün zum Ziel gesetzt. Was sind die wesentlichen Gründe dafür und welche Vorteile bieten Pflanzen aus gebietseigenem Saat- und Pflanzgut?

    Die Verwendung von gebietseigenem Saat- und Pflanzgut ist mit entscheidenden Vorteilen verbunden: Es verspricht den größeren Ansaaterfolg, erhält die Vielfalt der heimischen Pflanzen und beugt möglichen biologischen Invasionen vor.
    Pflanzen aus gebietseigenem Saat- und Pflanzgut wachsen erfolgreicher an, entwickeln sich schneller und nutzen die örtlichen Standortfaktoren besser als Pflanzen aus gebietsfremdem Saatgut. Zudem kommt es zu weniger Ausfällen, die nachgepflanzt werden müssen.
    Der Grund hierfür: Die Mutterpflanzen sind unter Berliner Klima- und Standortverhältnissen gewachsen und aufgrund der vorhergegangenen Evolution optimal an diese angepasst. Diese Genetik geben sie über die Samen an ihre Nachkommen weiter.
    Von nicht-einheimische Pflanzen geht die Gefahr aus, dass sich diese massiv ausbreiten. Beispiele für diese invasiven Arten sind das Indische Springkraut, die Kanadische Goldrute oder die Gewöhnliche Robinie. Diese Pflanzen wurden eins als Zier- und Bienenweidepflanzen in städtischen Parks und Gärten kultiviert, bedrohen heute die Vielfalt zahlreicher Lebensräume, da sie sich stark in der Landschaft ausgebreitet haben. Von gebietseigenen Pflanzen geht diese Bedrohung nicht aus, da sie sich mit anderen heimischen Tier- und Pflanzenarten arrangieren und ergänzen, statt diese zu verdrängen. Ein weiterer Grund dafür, warum gebietseigenes Saat- und Pflanzgut Verwendung finden soll.

    Viele Pflanzen bieten Nahrung, Brutraum und Versteckmöglichkeiten für zahlreiche Insekten. Diese haben sich im Laufe der Evolution ebenfalls an die Berliner Umweltbedingungen sowie an das spezifische Angebot ihrer Wirtspflanzen angepasst. Dieses Phänomen wird als Koevolution bezeichnet. In manchen Fällen geht diese Anpassung sogar so weit, dass eine Insektenart auf nur eine einzige Wirtspflanze spezialisiert ist oder dass eine Pflanzenart nur von einer einzigen Insektenart bestäubt werden kann. Gebietsfremde Pflanzen haben mitunter geringfügig andere Blühzeiten oder andere kleine Veränderungen – und schon passt es vielleicht für so hoch spezialisierte Synergien nicht mehr. Deshalb bieten gebietseigene Pflanzen entscheidende Pluspunkte für die Artenvielfalt, vor allem für vom Aussterben bedrohte Arten.

    Zahlreiche einheimische Pflanzenarten sind durch intensive Landnutzungen in ihren ursprünglichen Lebensräumen bedroht, beispielsweise auf Landwirtschaftsflächen. Im städtischen Grün könnten viele eine zweite Heimat finden. Dies fördert die biologische Vielfalt – und beglückt zugleich Menschen, die sich an der Formen- und Blütenvielfalt artenreicher Pflanzenbestände erfreuen. Grund genug, die Priorität auf einheimische Arten mit gebietsheimischen Herkünften zu setzen.

    Alles, was die natürliche Umwelt stärkt, hilft auch bei der Anpassung an den fortschreitenden Klimawandel. Dafür sind gebietsheimische Pflanzen besser gerüstet als Saat- und Pflanzgut aus weniger gut angepassten Umweltbedingungen. Deshalb bietet der Berliner Senatsbeschluss eine gute Basis, die einheimische Flora fit für die Zukunft zu machen.

    Nicht nur die für das städtische Grün Verantwortlichen, sondern all jene, die im Besitz eines Gartens, einer Kleingartenparzelle oder auch nur eines Balkons sind, können einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten, indem sie in ihren privaten Refugien einheimischen Pflanzen Lebensraum gewähren. Dabei sollten sie gebietseigene Herkünfte bevorzugen und ihre Lieferanten gezielt danach fragen.
    Viele praktische Hinweise zu diesem Thema finden sich in der Broschüre “Pflanzen für Berlin – Verwendung gebietseigener Herkünfte” der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

  • 4. Was bedeutet die Verwendung gebietseigener Pflanzen konkret für die Stadt Berlin?

    In Berlin kommen mehr als 1.500 wildwachsende Pflanzenarten vor. Etwa 300 davon sind Neophyten, stammen also aus anderen Regionen der Erde. Mehr als 1.200 Arten gelten aber als heimische Pflanzen oder sind Archäophyten, d. h. sie wurden vor weit über 500 Jahren hier ansässig. Viele dieser Arten sind in ihren natürlichen Lebensräumen unter anderem durch intensive Landnutzung oder sich stark ausbreitende gebietsfremde Arten (invasive Neophyten) bedroht. Eine Möglichkeit, sie langfristig zu erhalten, ist, sie im städtischen Grün anzusiedeln.

    Die bereits im Jahr 2012 beschlossene ”Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt“ enthält als eines von vier großen Themenfeldern die „Genetische Vielfalt“. Eines der dabei definierten konkreten Ziele ist, „… in der freien Landschaft und an geeigneten Stellen auch innerhalb des bebauten Gebietes verstärkt zertifiziertes gebietseigenes Pflanz- und Saatgut bei Maßnahmen von Landschaftsbau und Gartenpflege zu verwenden.“

    Gebietseigenes Material ist auf dem Markt mittlerweile verfügbar und sollte daher bei Neuanpflanzungen zunehmend verwendet werden. Dies war in der Vergangenheit oft nicht der Fall. Das für Begrünungen eingesetzte Saatgut und Pflanzenmaterial war meist gebietsfremd und stammte mitunter aus anderen, auch weit entfernten Gebieten. So wurde z. B. der Kienberg in Marzahn-Hellersdorf seinerzeit größerenteils mit Neophyten bepflanzt, diese waren leicht verfügbar und wuchsen schnell und üppig.

    Zur Herstellung von zertifiziertem regionalen Saat- und Pflanzgut hat man Deutschland auf wissenschaftlicher Basis in sogenannte Vorkommensgebiete eingeteilt – 6 Gebiete für Gehölze und 22 für krautige Pflanzen. Unter einem Vorkommensgebiet versteht man hier die genetische Herkunfts- oder Ursprungsregion einer Pflanzenart. Saatgut von Wildpflanzen aus den jeweiligen Gebieten wird gesammelt und zwischenvermehrt, um letztlich gebietseigenes Pflanzgut zu erhalten.
    Bei den Gehölzen liegt Berlin im Gebiet Ostdeutsches Tiefland, bei den krautigen Pflanzen gehört Berlin zu zwei Gebieten: Der größere Teil der Stadtfläche zählt hier ebenfalls zum Ostdeutschen Tiefland, der Nordosten Berlins wird hingegen zum Gebiet Uckermark mit Odertal gerechnet. Das sind die Bereiche der Stadt, die geographisch zur Barnimhochfläche gehören.

    Laut Bundesnaturschutzgesetz darf seit März 2020 das Saat- und Pflanzgut von krautigen Arten und von Gehölzen in der freien Natur nur noch innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden, das heißt, die Verwendung von gebietseigenem Material ist gesetzlich vorgeschrieben.
    Für innerstädtische Grünanlagen gilt diese Vorgabe nicht, wird aber empfohlen und in Berlin auch mehr und mehr umgesetzt. Übrigens, kleine Tüten Regiosaatgut werden auch den Bürgerinnen und Bürgern kostenlos zur Verfügung gestellt. Und Kleingärtnerinnen und Kleingärtner können über den Landesverband der Gartenfreunde und die Stiftung Naturschutz Berlin regionales Saatgut erhalten.

    Berlin ist also auf einem guten Weg, dass hier immer mehr Pflanzen aus der Region bewusst angepflanzt bzw. die Samen regionaler Gewächse ausgesät werden.
    Und alle können dabei mithelfen: Wenn es um Pflanzen auf dem Balkon geht, im Schrebergarten, im begrünten Hinterhof oder im Garten des Eigenheims. Packen wir’s gemeinsam an und setzen wir den eingeschlagenen Weg fort!

  • 5. Was muss bei der Pflanzenwahl beachtet werden?

    Bei der Auswahl von Pflanzen für das öffentliche Grün ist es zunächst entscheidend, wo und zu welchen Zwecken sie eingesetzt werden sollen. Geht es zum Beispiel um besonders schön blühende Sträucher und Zierpflanzen, um Rasen für eine Liegewiese, um Bäume, Sträucher und krautige Pflanzen für naturnahe Standorte oder um robustes Straßenbegleitgrün?
    Dies sind nur einige Beispiele für die vielen verschiedenen Arten von von Bepflanzungen. Für den jeweiligen Zweck müssen die geeignetsten Pflanzen ausgewählt werden.
    Pflanzen im öffentlichen Grün erfüllen zum einen eine soziale Funktion für uns Menschen. Wir nutzen Grünflächen zum Verweilen, zur Ruhe und Erholung vom Großstadtstress, zum Sport treiben, Picknicken usw. Die Grünanlagen und die dort wachsenden Pflanzen helfen dabei, dass wir uns wohl fühlen. Auf der anderen Seite erfüllen die Grünflächen vielfältige ökologische Funktionen. Sie sind Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen, ihre Blüten bieten Nahrung für Insekten, sie sorgen für Abkühlung im Sommer, reinigen die Luft, lassen das Regenwasser im Boden versickern und sind somit wichtig für die Grundwasserneubildung.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt und derzeit viel benutzter Begriff ist Biodiversität, was biologische Vielfalt bedeutet. Diese gilt es in der Stadt zu fördern und auszubauen. Hier spielen Grünflächen eine entscheidende Rolle. Das Artenspektrum soll breit und vielfältig sein. Bei manchen Grünflächen ist deren soziale Funktion besonders wichtig, andere haben primär ökologische Funktionen. Auch der Pflegeaufwand spielt eine Rolle und mögliche Pflanzenschädlinge sollten auch in Betracht gezogen werden. Die Pflanzenwahl muss all diese Faktoren berücksichtigen und entsprechend ausgewogen sein.

    Hinzu kommt in den letzten Jahren immer mehr die Tendenz, sogenannte gebietseigene Arten zu verwenden. Durch das Bundesnaturschutzgesetz ist der Einsatz heimischer Arten seit März 2020 für Aussaaten und Anpflanzungen in der freien Natur vorgeschrieben. Für städtisches Grün gilt diese Regelung nicht, wird aber empfohlen. Berlin hat sich genau das vorgenommen und bereits 2012 in der „Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt“ das Ziel formuliert, verstärkt zertifiziertes gebietseigenes Pflanz- und Saatgut zu verwenden.

    Bei der Anschaffung von Pflanzen und Saatgut ist es wichtig, dass deren Herkunft sicher belegt werden kann. Hierfür gibt es entsprechende Zertifizierungen, die sicherstellen, dass das Material tatsächlich aus der gewünschten Region stammt sowie Anzucht und Ernte nach speziellen Qualitätskriterien erfolgten.

    Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und vom Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege herausgegebene Broschüre ”Pflanzen für Berlin – Verwendung gebietseigener Herkünfte“ bietet fundierte Unterstützung für alle, die sich mit der Verwendung gebietseigener Pflanzen befassen. Unter anderem wird erklärt, welche Vorkommensgebiete für Berlin zutreffen.
    Auch sind umfangreiche Artenlisten für ganz verschiedene Standorte enthalten, welche bei der Auswahl der richtigen Pflanzen für den jeweiligen Standort und Zweck sehr hilfreich sind.

  • 6. Wie kann die richtige Pflanzenwahl dazu beitragen, die Folgen des Klimawandels abzufedern, die Artenvielfalt zu erhöhen und so die Stadtnatur fit für die Zukunft zu machen?

    Die Folgen des fortschreitenden Klimawandels werden immer deutlicher spürbar. So führt die globale Erderwärmung in unseren Breiten unter anderem zu relativ milden Wintern, langen Trockenperioden vom Frühjahr bis zum Herbst sowie einer Zunahme von Extremwetterereignissen wie starken Gewitter mit Sturm, Hagel und Starkregen. Die über die letzten Jahre betrachtet milden Temperaturen in den Wintermonaten tragen auch dazu bei, dass mehr Schädlinge den Winter überleben. Extreme Trockenheit, wie wir sie in vielen der letzten Jahre erlebt haben, wirkt sich negativ auf die Grundwasservorräte aus. Wenn oberflächennahes Grundwasser fehlt und kein bzw. zu wenig Regen fällt, leiden Pflanzen unter Wassermangel. Ohne genügend Wasser im Wurzelbereich können nicht ausreichend Nährstoffe aus dem Boden aufgenommen werden, da diese in Wasser gelöst in die Pflanze gelangen. Trockenstress trägt auch dazu bei, dass Pflanzen weniger widerstandsfähig und somit anfälliger für den Befall durch Schädlinge werden. Zudem erhöht extreme Trockenheit die Waldbrandgefahr.

    Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität sind verheerend. So wird geschätzt, dass rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in den weltweit bedeutendsten Naturregionen mittelfristig dem Klimawandel zum Opfer fallen werden. Der Erhalt der Biodiversität ist jedoch eine elementare Voraussetzung für Erfolge beim Klimaschutz und bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Denn gesunde Ökosysteme speichern enorme Mengen an Treibhausgasen und mildern die Folgen von extremen Wetterereignissen. Sie tragen dazu bei, dass auch zukünftig wichtige Ökosystemleistungen wie sauberes Wasser oder frische Luft für alle Menschen zur Verfügung stehen.

    Manche Pflanzen kommen mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen besser zurecht, andere weniger. Handelt es sich dabei um Arten, die das Potenzial haben, sich sehr schnell und unkontrolliert auszubreiten – auch auf Kosten einheimischer Pflanze – (invasive Neophyten) können Ökosysteme enormen Schaden nehmen. Bei der Auswahl von Pflanzen für öffentliche Grünflächen wird man zukünftig noch genauer hinschauen müssen, welche mit den sich verändernden Klimabedingungen gut zurechtkommen. Auch Schädlingsanfälligkeit und Widerstandskraft gegenüber Stürmen spielen zunehmend eine Rolle.

    Berlin und Brandenburg gehören schon lange zu den trockeneren Regionen Deutschlands. Pflanzen, die hier schon immer zu Hause waren, konnten sich über einen sehr langen Zeitraum an die hiesigen Verhältnisse wie auch die Bodenbeschaffenheit anpassen. Somit scheint eine stärkere Verwendung einheimischer bzw. gebietseigener Pflanzen auch vor dem Hintergrund der fortschreitenden Klimawandels sinnvoll. Dies hat sich auch das Land Berlin vorgenommen und in seiner „Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt“ das Ziel formuliert, verstärkt zertifiziertes gebietseigenes Pflanz- und Saatgut zu verwenden. Zusätzlich können Pflanzenarten aus angrenzenden wärmeren Regionen und die an sie gebundenen Insekten und Nahrungsketten die heimische Biodiversität nachhaltiger stützen und ergänzen als Arten aus weiter entfernt liegenden Gebieten.

    Wichtig ist, dass besonders auf Vielfalt geachtet und für zu bepflanzende Flächen ein breites Artenspektrum ausgewählt wird, denn grundsätzlich begünstigt eine hohe genetische Diversität einer Art die Anpassung an sich wandelnde Umweltbedingungen.
    Diese Prozesse gilt es bei der Pflanzenwahl im Blick zu behalten, um die Folgen des Klimawandels bestmöglich abzufedern und so das öffentliche Grün fit für die Zukunft zu machen.