Wichtige Informationen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine und Helfende

Українська - Ukrainian Важлива інформація для біженців війни з України

Informationen zum Coronavirus

Stolpersteine Badensche Straße 21

Hausansicht Badensche Str. 21

Der Stolperstein für Margarethe Weisstein geb. Baswitz wurde am 29.9.2010 verlegt.

Die Stolpersteine für Gertrud Fürst, Ursula Henschel, Eugen Krohn, Edith und Hugo Jacob, Ingeborg und Else Levinsohn wurden am 01.06.2017 verlegt. Gespendet wurden sie aus der Firma Paypal, deren Berliner Filiale sich heute dort befindet und von der zahlreiche Mitarbeiter/innen dabei waren. Anwesend waren auch Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klasse der Friedenauer Gemeinschaftsschule.

Stolperstein Margarethe Weisstein

HIER WOHNTE
MARGARETHE
WEISSTEIN
GEB.BASWITZ
JG. 1874
DEPORTIERT 31.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.9.1442

Margarethe Weisstein geb. Baswitz wurde am 23. Oktober 1874 in Frankfurt/Oder geboren.
Sie war Witwe und wohnte 1933 in der Niebuhrstraße 11, 1939 in der Badenschen Straße 21 als Untermieterin bei der Pensionärin („Privatiere“) Gertrud Fürst, geb. Behrendt, geboren am 5. Februar 1882. Wann ihr Mann gestorben war, ist nirgends vermerkt.

Sie wurde in die Sammelstelle an der Großen Hamburger Straße 26 gebracht, wo sie noch eine „Vermögenserklärung“ ausfüllen und unterschreiben musste und wo ihr vorgegaukelt wurde, sie würde in ein „Altersheim nach Böhmen“ kommen. Am 31. August 1942 ist sie vom Anhalter Bahnhof mit 100 Menschen zwischen 56 und 82 Jahren, von denen nur einer überlebte, nach Theresienstadt deportiert und dort einen Monat später am 30. September 1942 umgebracht worden. Die Ghetto-Ärzte schrieben als Todesursache „akuter Darmkatarrh“ in den Totenschein – das war ihre übliche Umschreibung für unhaltbare hygienische Zustände, Mangelernährung und fehlende medizinische Versorgung im Lager.
Margarethe Weissteins letzte Vermieterin Gertrud Fürst wurde am 28. März 1942 nach Piaski deportiert und dort emordet.

Stolperstein Gertrud Fürst

HIER WOHNTE
GERTRUD FÜRST
GEB. BEHRENDT
JG. 1887
DEPORTIERT 28.3.1942
PIASKI
ERMORDET

Gertrud Fürst geb. Behrendt wurde am 5. Februar 1882 i n Berlin geboren, Am 17.5.1939, dem Tag der Volkszählung, war sie in der Badenschen Straße 21 polizeilich gemeldet. Ihr Ehemann war zu dieser Zeit schon gestorben. Sie war als „Privatiere“ eingetragen, sie konnte also von ihrem Vermögen leben und war nicht auf staatliche Alterssicherung angewiesen. Gertrud Fürst hatte allerdings eine Untermieterin: Margarete Weisstein, die nach Theresienstadt deportiert und dort umgebracht wurde. Am 28. März 1942 ist Gertrud Fürst mit 985 Menschen vom Bahnhof Grunewald in den polnischen Ort Piaski gefahren und dort ermordet worden.

Peter Fürst aus New York (USA) hat einen Entschädigungsantrag gestellt für Guthaben bei der Dresdner Bank, Gold, Silber, persönliche Gegenstände/Einrichtung.

Stolperstein Eugen Krohn

HIER WOHNTE
EUGEN KROHN
JG. 1872
DEPORTIERT 10.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 4.7.1943

Eugen Krohn wurde am 23. März 1872 in Oranienburg bei Potsdam geboren. Er war der Sohn von Yitzkhak und Rosalie Krohn und war mit Gertrud geb. Domsky (1888-1940) verheiratet. Von Beruf war er, wie dem Adressbuch zu entnehmen ist, Kaufmann.

In der Badenschen Straße 21 hatte er offenbar eine geräumige Wohnung, denn er konnte an die Eheleute Jacob sowie Mutter und Tochter Levinsohn untervermieten. Außer diesen vieren wohnten bis zu ihrem Tod 1940 seine Frau Gertrud und deren Tochter Ursula, die inzwischen verheiratet war und Henschel hieß, dort.

Am 10. August 1942 ist Eugen Krohn ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Dort ist er am 4. Juli 1943 umgekommen. Er litt nach Angaben der Ärzte in Theresienstadt, wie in dem unter veröffentlichten Totenschein nachzulesen ist, unter „Herzmuskelentartung“ und hatte außerdem einen „Darmkatarrh“, was die dort übliche Umschreibung der grauenhaften sanitären Umstände war, und sie bescheinigten ihm als „Todesursache Lungenentzündung“.

Ein Verwandter namens John Henry Richter, der sich als „Kousin 1. Grades“ ausgab, unterschrieb 1970 aus Ann Arbor (Michigan, USA) ein Gedenkblatt, das er für Eugen Krohn in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem archivieren ließ.

Quellen: Bundesarchiv, Adressbuch, Theresienstadt-Archiv, Zentralarchiv Yad Vashem

Stolperstein Ursula Henschel

HIER WOHNTE
URSULA HENSCHEL
GEB. KROHN
JG. 1920
DEPORTIERT 19.4.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Ursula Henschel geb. Krohn, geboren am 26. Oktober 1920 in Berlin, war vermutlich, jedenfalls nach dem Geburtsdatum zu urteilen, die Tochter von Eugen und Gertrud Krohn. Gemeldet war sie, wie die Meldebehörde auf einer Karteikarte festhielt, als Ursula Krohn. Sie war in das Forsteinsatzlager Kersdorf abkommandiert worden, von wo sie dann am 19. April 1943 deportiert wurde.

Von 1939 an waren jüdische Zwangsarbeiter/innen in zwei Gasthöfen und einem Stall in Kersdorf bei Biesen in Brandenburg untergebracht. Kersdorf war ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Im Forst wurden Bäume gerodet, neue Wälder gepflanzt und Harz gewonnen. Ein Waldstück wurde später, wie in der Ortschronik von Biesen nachzulesen ist, „Judenwald“ genannt.

Die damals 18 Jahre alte Ursula Henschel ist in einem Zug vom Güterbahnhof Moabit zum Konzentrationslager Auschwitz abtransportiert worden. Dort wurde sie wahrscheinlich wie die meisten der 681 Insassen zunächst in ein Arbeitslager eingewiesen und dann ermordet.

Quellen: Bundesarchiv; Ortschronik Biesen

Stolperstein Edith Jacob

HIER WOHNTE
EDITH JACOB
GEB. BERNSTEIN
JG. 1910
DEPORTIERT 17.5.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Geboren wurde Edith Bernstein am 24. März 1910 in Berlin. Ihr Vater Max Bernstein war Bankbeamter, arbeitete jedoch später als Kaufmann. Mutter Elisabeth (geb. Hess) war bei der ihrer Heirat »ohne Beruf«. Edith war das einzige Kind der Familie, sie hatte keine Geschwister. Als Tochter jüdischer Eltern war auch Edith jüdischer Konfession.

Edith Bernstein besuchte von 1916 bis 1929 das Hohenzollern-Oberlyzeum in Berlin und wollte nach der Reifeprüfung gerne »Sprachen im Ausland erlernen« – so ein Vermerk in ihrem Reifezeugnis. Diesen Wunsch konnte sie jedoch durch die angespannte finanzielle Situation ihrer Eltern nicht verwirklichen. Denn ihr Vater und ihre Mutter waren bereits aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr berufstätig. Stattdessen immatrikulierte Edith sich zum Wintersemester 1930 für das Studium der Zahnmedizin an der (damaligen) Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Bis zu ihrer Heirat war sie noch bei den Eltern in deren Wohnung in Berlin-Charlottenburg gemeldet und wohnte auch dort, mit Ausnahme ihrer Studienzeit in Münster. An der Universität Münster immatrikulierte sie sich am 2.
November 1932, im sechsten Fachsemester in Medizin. Im Dezember 1933 bestand sie in Münster das zahnärztliche Staatsexamen mit dem Prädikat »gut«.

Edith Bernstein heiratete am 22. August 1935 Hugo Jacob, der ebenfalls jüdischen Glaubens war und gemeinsam mit Edith in Münster Zahnmedizin studierte. Nach dem Studium lebte das Paar in Berlin. Am 13. August 1939 wurde die gemeinsame Tochter Tana Jacob geboren.

Am 7. November 1941 wurde Edith Jacob zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet. Um weiterer Verfolgung, insbesondere einer drohenden Deportation zu entkommen, konvertierte Edith Jacob 1942 zum katholischen Glauben. Dies hatte jedoch nicht den gewünschten Erfolg: Im Februar 1943 wurde sie zusammen mit ihrer damals dreijährigen Tochter verhaftet und am 17. Mai 1943 gemeinsam mit Ehemann Hugo und Tochter Tana nach Auschwitz-Birkenau deportiert. In der Zeit zwischen Verhaftung und Deportation mussten sich Mutter und Tochter im Sammellager »N4« in der Große Hamburgerstraße 26 in Berlin aufhalten.

Sammellager waren meist die Lager, in die die Häftlinge nach ihrer Abholung oder Meldeaufforderung kamen. Oft waren die Lager ein erster Schritt auf dem Weg zur Ermordung durch die Nationalsozialisten. So dienten die Sammellager einerseits zur Vorbereitung von Deportationen der Häftlinge, andererseits fand dort der verwaltungstechnische Ausschluss der Häftlinge aus der Gesellschaft statt. Sie verloren die Staatsbürgerschaft und ihr Vermögen.

Das Sammellager Große Hamburger Straße war vor seiner Funktion zur Verfolgung und Deportation von Juden und Jüdinnen ein Altenheim der Jüdischen Gemeinde Berlin.
Das Heim ist Teil der Fürsorge durch die Gemeinde, die – in der Stadt verteilt – weitere Heime unterhielt. Es diente als wohltätige Einrichtung, in der bedürftige Gemeindeangehörige ihren Lebensabend verbrachten. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erschwerten sowohl – besonders finanzielle – Einschränkungen als auch die wachsende Anzahl Hilfsbedürftiger den Betrieb der Einrichtung. Das Heim wurde zwar bis 1942 in seiner ursprünglichen Funktion betrieben, die Situation hatte sich jedoch deutlich zum Zustand vor 1933 verschlechtert.

Im Juni 1942, als die Transporte nach Theresienstadt begannen, wurde das Altenheim zum Sammellager umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa 180 bis 200 Bewohner, die erst kurze Zeit zuvor, teilweise wegen der Räumung anderer Heime eingezogen waren, in dem Altenheim. Sie waren – genauso wie vier Pflegerinnen – die ersten Opfer der Deportationen. Anschließend wurde das Altenheim zu einer Sammelstelle beziehungsweise einem Durchgangslager für die Alterstransporte mit Juden und Jüdinnen über 65 Jahren von Berlin nach Theresienstadt. Zwischen November 1942 und März 1943 wurde die Praxis der Deportationen in Berlin radikalisiert. Opfer wurden zunehmend jüngere Juden und Jüdinnen. Die Inhaftierten wurden auf offener Straße aufgegriffen oder überraschend zuhause abgeholt, ihnen stand deutlich weniger Platz zur Verfügung, sie mussten zum Teil auf Stroh oder bloßem Boden schlafen. Deportationen fanden schließlich auch nach Auschwitz statt. Mit dem Ziel, alle noch im Reich befindlichen Juden und Jüdinnen zu deportieren, nahmen die Zahl der vorübergehend Inhaftierten und die Anzahl der Osttransporte zu. Im Juni 1943 wurde die Jüdische Gemeinde Berlins offiziell aufgelöst. In den Transporten befanden sich weniger Häftlinge. Am 1. März 1944 zog das Sammellager Große Hamburger Straße auf das Gelände des Jüdischen Krankenhauses in der Iranischen Straße im Berliner Stadtteil Wedding. Dort bestand es bis zum Ende des Krieges.

Edith, Hugo und Tana Jacob wurden am 17. Mai 1943 vom Bahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit deportiert. Der Transport war die 38. Deportation von Jüdinnen und Juden in Ghettos und Konzentrationslager im Osten Europas von Berlin aus. Aus diesem Grund wurde der Zug 38. Osttransport benannt. Neben der jungen Familie Jacob wurden 403 weitere Menschen mit dem Transport deportiert. Sie alle waren zuvor in verschiedenen Sammellagern in der Stadt inhaftiert und mussten dort ihr Einverständnis zum Transport unterschreiben. Die Deportation fand in verschlossenen Viehwaggons statt, wahrscheinlich nahm der Zug eine Route über Wroclaw und Katowice. Zwei Tage nach Abfahrt kam der Transport im Lager Auschwitz-Birkenau an.

Laut der Historikerin Danuta Czech kam am 19. Mai 1943 ein Zug mit 1.000 Juden und Jüdinnen in Birkenau an, von denen 80 Männer und 115 Frauen zur Arbeit selektiert wurden. Die anderen fast 800 Menschen wurden direkt in den Gaskammern ermordet. Da Frauen mit kleinen Kindern in der Regel direkt zur Ermordung in den Gaskammern selektiert wurden, ist davon auszugehen, dass Edith Jacob und ihre Tochter Tana kurz nach der Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau getötet wurden.

Die Historikerin Rita Meyerhoefer berichtet von fünf Personen, die mit dem gleichen Zug wie Edith, Hugo und Tana Jacob deportiert wurden und Ausschwitz überlebt haben. Edith Jacobs Eltern wurden am 19. April 1943 – einen Monat vor ihrer Tochter – nach Auschwitz deportiert und dort ebenfalls ermordet.

Edith Jacob war kein Opfer der NS-Strukturen an der Westfälischen Wilhelms-Universität: Sie konnte ihr Studium 1933 mit dem Staatsexamen abschließen. Obwohl sie durch den Wechsel der Glaubensrichtung versuchte, der Verfolgung zu entgehen, wurde sie spätestens 1941 durch den Reichsarbeitsdienst zum Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Es ist möglich, allerdings nicht mehr nachzuvollziehen, dass Edith Jacob bereits in Münster mit Einschränkungen aufgrund ihrer Konfession leben musste. Mit ihrer Deportation und Ermordung in Auschwitz-Birkenau wurde ihre Familie ausgelöscht. Ihre Spuren sind heute kaum noch zu finden.

Diese Kurzbiografie wurde verfasst von Sina Resch, 2017
http://www.flurgespraeche.de/edith-bernstein/

veröffentlicht auch in: Happ, Sabine, Jüttemann, Veronika (Hgg.): „Es ist mit einem Schlag alles so restlos vernichtet“. Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Münster (Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Münster, 12), Münster 2018.

Quellen:
Archive:
Universitätsarchiv Münster: Bestand 51, Album der Medizinischen Fakultät
Bundesarchiv: Bestand R 1509, Reichssippenamt

Literatur:
Jah, Akim: Die Deportation der Juden aus Berlin. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und das Sammellager Große Hamburger Straße, Berlin 2013

Internet:
http://www.flurgespraeche.de/hugo-jacob/, Zugriff: 15.2.2017
http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=11528933& ind=5 ind=5, Zugriff: 15.2.2017
https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/ artikel.240430.php artikel.240430.php, Zugriff: 15.2.2017
http://db.yadvashem.org/deportation/transportDetails.html?language=de&itemId=5092747, Zugriff: 15.2.2017

Auskünfte von Michael Dimitrijevic, ehemals Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, 24.1.2017.

Stolperstein Hugo Jacob

HIER WOHNTE
HUGO JACOB
JG. 1910
DEPORTIERT 17.5.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hugo Albert Jacob wurde am 2. Mai 1910 in Düren als Sohn des jüdischen Kaufmanns Ludwig Jacob und seiner Ehefrau Gerta Jacob, geb. Wolf, geboren. Zur Familie gehörten noch zwei weitere Kinder, Hildegard und Margarete Jacob.
1916 wurde Hugo Jacob in der katholischen Gemeindeschule in Köln-Sülz eingeschult und erlebte danach einige Schulwechsel. 1930 bestand er dann seine Reifeprüfung am Paulsen-Realgymnasium in Berlin Steglitz. Wann die Familie genau nach Berlin zog, ist unklar, doch lebten sie zu diesem Zeitpunkt in der Massmannstr. 12, ebenfalls in Steglitz. Als Hugo Jacob 18 Jahre alt war, verstarb sein Vater am 14. September 1928.

1930 begann er sein Studium der Zahnmedizin in Berlin, wo er im Februar 1932 erfolgreich seine zahnärztliche Vorprüfung bestand. Im November 1932 führte er sein Studium in Münster weiter und wohnte in dieser Zeit im Dahlweg 11 in Münster nahe der St. Joseph Kirche, damals Heilig Geist Kirche, in der Hammer Straße in Münster-Süd. Besonders verwunderlich ist auf Jacobs Studentenkarte in Münster eine Markierung, welche ihn als „Arier“ bezeichnet. 1933 legte Hugo Jacob sein zahnärztliches Staatsexamen in Münster ab und arbeitete bis zum März 1934 an verschiedenen Unikliniken. Obwohl Hugo Albert Jacob zweifellos ein Opfer des Nationalsozialismus wurde, ist er nicht als Opfer der Universität Münster zu bezeichnen, denn er bestand dort sein Staatsexamen und konnte daraufhin als Zahnarzt arbeiten.
Im April des Jahres 1934 ließ Hugo Jacob sich in der Badenschen Str. 21 in Berlin-Wilmersdorf als Zahnarzt nieder und besaß im selben Haus mit seiner Mutter eine großzügige Wohnung mit 5 Zimmern und Dampf- und Warmwasserheizung. Seine Geschwister sind zu diesem Zeitpunkt bereits nach Israel ausgewandert.

Am 22. August 1935 heiratete er dann Edith Marianne Bernstein (*24. März 1910 in Berlin), ebenfalls eine ausgebildete Zahnärztin. Vier Jahre später, am 13. August 1939 kam die gemeinsame Tochter Tana Jacob zur Welt.

Hugo Jacob wurde am 10. März 1943 wegen Beihilfe zur Urkundenfälschung
in das Gefängnis Plötzensee in Berlin eingeliefert und am 22. April 1943 im Verfahren vor dem Sondergericht II zu sechs Monaten Haft verurteilt. Diese wurde jedoch nicht vollzogen, denn bereits 25 Tage später wurden Hugo Jacob, seine Frau und sein Kind nach Auschwitz deportiert.

In seiner Haft musste Hugo Jacob einen handschriftlichen Lebenslauf verfassen, in dem er auf ein schwebendes Abstammungsverfahren hinweist. Er wollte beweisen, dass seine rechtlichen Eltern nicht seine leiblichen Eltern sind und dass er somit keiner jüdischen Abstammung ist, sondern arischer. In einer Vermögenserklärung verwies er wieder auf das Abstammungsverfahren und versuchte auch so die ungeklärte Abstammung seiner Tochter zu begründen. Ob dieses Verfahren ein Versuch war, um die Verfolgung aufzuschieben, oder ob er seine Abstammung wirklich in Frage stellte, ist ungeklärt. In seiner Geburtsakte sind seine rechtlichen Eltern eingetragen, jedoch war es bei einer Adoption zu dieser Zeit üblich, jegliche Akten und Urkunden so zu verändern, dass die Adoption vertuscht bleibt. Somit kann man keine Schlüsse daraus ziehen. Innerhalb der Vermögenserklärung schrieb Hugo Jacob sogar, dass er katholischer Konfession wäre.

Seine Frau und seine Tochter befanden sich bereits zu diesem Zeitpunkt im jüdischen Sammellager „N4“ in der Große Hamburgerstr. 26. In einem Schreiben der Stapo IV vom 15. Mai 1943 wird Hugo Jacob der Staatspolizeistelle zur „Evakuierung“ überlassen und zwei Tage später mit dem Transport 38 von Berlin nach Auschwitz-Birkenau in Polen deportiert worden. Hier wird er in der Quelle als „verschollen“ bezeichnet und im Buch für Todeserklärungen wird der Todeszeitpunkt auf das Ende des Jahres 1945 gesetzt. Seine Frau und seine Tochter sind wohl im selben Zeitraum deportiert und ermordet worden. Im Buch für Todeserklärungen im Standesamt Berlin wurde 1960 das Jahresende 1945 als Todeszeitpunkt festgelegt.

Diese Kurzbiografie wurde verfasst von Johanna Jung
http://www.flurgespraeche.de/hugo-jacob/
veröffentlicht auch in: Happ, Sabine, Jüttemann, Veronika (Hgg.): „Es ist mit einem Schlag alles so restlos vernichtet“. Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Münster (Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Münster, 12), Münster 2018.

Quellen

Archive:
  • Universitätsarchiv Münster: Bestand 209, Studierendenkarte Hugo Jacob
  • Landesarchiv Berlin: Gefängnisakte des Gefängnisses Plötzensee, A Rep. 369, Nr.484
  • Wiedergutmachungsakte B. Rep. 025-05, Nr. 216/57
  • Stadtarchiv Düren: Geburtsurkunde Nr. 344
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam: Akten der „Vermögensverwertungsstelle“, Bestand Rep.36 A, Akte Nr. 16682
  • Standesamtsarchiv I in Berlin: Buch für Todeserklärungen, Reg. Nr. 20929/1961

Websites:
www.geschichtswerkstatt-dueren.de Aufruf am 20.4.2015
www.yadvashem.org Aufruf am 20.4.2015

Stolperstein Else Levinsohn

HIER WOHNTE
ELSE LEVINSOHN
GEB. SACHS
JG. 1873
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Else Levinsohn geb. Sachs ist am 29. Juni 1873 in Berlin geboren. Sie war die Mutter von zwei Kindern: Wadim Roman, geb. 10. Januar 1904 und Ingeborg Levinsohn, geb. 28. Dezember 1906. Beide kamen in Charbin in der Mandschurei auf die Welt. Die Stadt Charbin war damals ein Zentrum jüdischer Kultur in der Mandschurei in China.

Warum Else Levinsohn dort lebte und wer die Väter ihrer beiden Kinder waren, ist nicht mehr zu ermitteln. In den Berliner Adressbüchern war sie als Else Roman bereits ab 1920 mit den Zusätzen Witwe und Korrespondentin unter der Adresse Friedenau, Blankenbergstraße 8 eingetragen. Dort wohnte auch ihr Sohn Wadim bis zu seiner Emigration nach England. Dr.Wadim Roman war wissenschaftlicher Schriftsteller und Experimentalforscher. Gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden aus seinem Labor in einer Städtischen Krankenanstalt sämtliche chemische Apparate beschlagnahmt und ihm so seine Lebensgrundlage genommen.
Else Levinsohn wollte ebenfalls nach England auswandern. Sie hatte bereits Reichsfluchtsteuer gezahlt und den Lift nach England bei einem Spediteur deponiert. Unter ihren Sachen befanden sich wertvolles chinesisches Porzellan, handgeschnitzte chinesische Möbel aus Zedernholz und zahlreiche wertvolle Bücher. Der Kriegsausbruch verhinderte ihre Ausreise und ihr Hab und Gut wurde versteigert.
Auch ihre Wohnung in Friedenau musste sie gezwungenermaßen verlassen. Mit ihrer Tochter Ingeborg lebte sie in Berlin jedenfalls in der Badenschen Straße 21 als Untermieterin bei Eugen Krohn und Ursula Henschel geb. Krohn. Am 13. Januar 1942 sind beide vom Bahnhof Grunewald in die lettische Hauptstadt Riga deportiert worden. Wahrscheinlich wurden beide sofort nach der Ankunft erschossen.

Stolperstein Ingeborg Levinsohn

HIER WOHNTE
INGEBORG LEVINSOHN
JG. 1906
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Ingeborg Levinsohn wurde am 28. Dezember 1906 in Charbin in der Mandschurei (China) geboren. Warum sie diesem entlegenen Teil der Erde zur Welt kam, was um jene Zeit ungewöhnlich war ist ebenso unbekannt wie die Frage, wer ihr Vater war. Die Mutter war sicherlich Else Levinsohn geb. Sachs, mit der sie zusammen als Untermieterin bei Eugen Krohn in der Badenschen Straße 21 wohnte. Soweit dem Melderegister von 1939, das nach einer Volkszählung angelegt wurde, zu entnehmen ist, war Ingeborg Levinsohn unverheiratet. Gemeinsam mit ihrer Mutter Else musste sie sich in der einstigen Synagoge Levetzowstraße registrieren lassen und musste auf langen Wegen durch die Stadt marschieren. Am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald mussten sie dann 13. Januar 1942 einen Zug besteigen, der aus Personenwagen 3. Klasse bestand und nach Riga fuhr. Nach der Ankunft am 16. Januar 1942 wurde sie ebenso wie fast alle der 1034 Insassen erschossen.

Texte:
Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Helmut Lölhöffel mit Ergänzungen von Karin Sievert

Quellen:

Bundesarchiv Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde
Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Deportationslisten
Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
IST Arolsen