Stolpersteine Duisburger Straße 1

Duisburger Straße 1, 27.2.2013

Hausansicht Duisburger Straße 1

Die 14 Stolpersteine an der Duisburger Straße 1 wurden am 29.3.2008 verlegt, gemeinsam mit den 6 Stolpersteinen an der Konstanzer Straße 4 unmittelbar daneben.
Am 5.11.2011 wurde an der Ecke Duisburger und Konstanzer Straße neben den Stolpersteinen eine gläserne Gedenktafel aufgestellt.

Stolperstein für Wanda Frank, 27.2.2013

Stolperstein für Wanda Frank, 27.2.2013

HIER WOHNTE
WANDA FRANK
GEB. LEVY
JG. 1877
DEPORTIERT 9.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
TREBLINKA

Wanda Frank geb. Levy wurde am 9. Januar 1877 in Bochum geboren. Sie war die Tochter von Moritz Levy und hatte eine ältere Schwester namens Ida (verheiratete und verwitwete Awner, geboren am 26. Oktober 1875.

1897 zog Wanda Levy nach Berlin. Hier absolvierte sie am Stern´schen Konservatorium eine Musik- und Gesangsausbildung zur Sopranistin und heiratete den Kaufmann Max Frank, der Mitte der 1930er Jahre starb.

In Berlin lebte Wanda Frank in den 1920er Jahren in der Brandenburgischen Straße 37 und der Mommsenstraße. In den 1930er Jahren zog sie in die Duisburger Straße 1 in Wilmersdorf. Am 9. Juli 1942 wurde die 65-Jährige zusammen mit ihrer Schwester Ida nach Theresienstadt deportiert. Zwei Monate später, am 19. September 1942, wurden die beiden Schwestern in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach der Ankunft – ermordet.

Text: Stolpersteine-Initiative C-W nach Informationen aus dem Nachlass von Wolfgang Knoll

Stolperstein für Ida Awner, 27.2.2013

Stolperstein für Ida Awner, 27.2.2013

HIER WOHNTE
IDA AWNER
GEB. LEVY
JG. 1875
DEPORTIERT 9.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
TREBLINKA

Ida Awner geb. Levy wurde am 16. Oktober 1875 in Bochum geboren, Ihr Vater hieß mit Vornamen Moritz, ihre am 9. Januar 1877 geborene jüngere Schwester Wanda. Sie heiratete den Kaufmann Hermann Awner, der auch als Aroner auftauchte. Sie wohnten jahrelang in der Duisburger Straße 14. Ob sie Kinder hatten, ist aus den zugänglichen Unterlagen nicht ersichtlich. Nach dem Tod ihres Mannes (1932) zog sie in das Haus Nummer 1 um. Dort wohnte auch Wanda Frank, die ebenfalls verwitwet war.

Am 9. Juli 1942 wurde die 66-Jährige zusammen mit ihrer Schwester Wanda nach Theresienstadt deportiert. Zwei Monate später, am 19. September 1942, wurden die beide in das Vernichtungslager Treblinka weiterdeportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach der Ankunft – ermordet.

Text: Stolpersteine-Initiative C-W nach Informationen aus dem Nachlass von Wolfgang Knoll

Stolperstein für Günter Hoffmann, 27.2.2013

Stolperstein für Günter Hoffmann, 27.2.2013

HIER WOHNTE
GÜNTER HOFFMANN
JG. 1913
DEPORTIERT 11.7.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Günter Hoffman Geburt

Günter Hoffmann wurde am 8. März 1913 in Berlin geboren. Er war der Sohn von Margarete (geb. 1889) und Leo Hoffmann (geb. 1877), der in Berlin Mitinhaber der Baumwollgroßhandlung G. + H. Jacoby in der Spandauer Str. 38 in Berlin-Mitte war, sowie ehrenamtlicher Schatzmeister der Jüdischen Gemeinde Berlin. Günter hatte zwei Geschwister: Sein älterer Bruder Harry war am 22. Februar 1910 zur Welt gekommen, seine jüngere Schwester Erika wurde am 1. Juni 1915 geboren.
Günter Hoffmann arbeitete in Berlin als kaufmännischer Angestellter und lebte Ende der 1930er-Jahre zusammen mit seinen Eltern in einer Wohnung in der Duisburger Straße 1 in Wilmersdorf. Sein Bruder Harry konnte 1937/1938 in die USA emigrieren. Seine Schwester Erika lebte mit ihrem Mann Dr. Erich Wreschner in der Leibnitzstr. 4 in Charlottenburg.
Günter Hoffmann wurde am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Sein Bruder Harry überlebte die Shoah in den USA. Seine Schwester Erika wurde mit ihrem Mann am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern wurden als letzte in Berlin verbliebene Familienmitglieder am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Biografische Zusammenstellung: Nachlass Wolfgang Knoll

Stolperstein für Edith Hoffmann, 27.2.2013

Stolperstein für Edith Hoffmann

HIER WOHNTE
EDITH HOFFMANN
GEB. FALK
JG. 1910
DEPORTIERT 11.7.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Edith Hoffmann wurde als Adelheid Johanna Edith Falk am 13. Oktober 1910 in der Hohenstaufenstraße 54 in Berlin-Schöneberg geboren. Für ihre Eltern, den aus Aachen stammenden Kaufmann Hermann Löb Falk (*16. Dezember 1876) und dessen Ehefrau Erna Hanna geborene Löwenthal (*14. Juni 1888), war sie das einzige Kind. Sie erhielt ihren ersten Vornamen nach der Mutter ihres Vaters, ihrer Großmutter Adelheid Falk, und den zweiten Vornamen nach der Mutter ihrer Mutter, ihrer Großmutter Johanna Löwenthal. Die Familie von Ediths Mutter stammte aus Stettin (Szczecin, Polen) und wohnte seit 1891 in Flensburg, wo Ediths Eltern am 22. Dezember 1909 geheiratet hatten. Anschließend waren sie nach Berlin gezogen, wo ihre Tochter zur Welt kam und aufwuchs. Edith wurde Schneiderin von Beruf.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Edith 22 Jahre alt. Sie wohnte mit ihren Eltern im dritten Stock des Vorderhauses der Rankestraße 25 in Berlin-Charlottenburg. Ihr Onkel, der Herrenkonfektionär Julius Löwenthal (*4. Dezember 1886), der ältere Bruder ihrer Mutter, wohnte mit seiner nicht-jüdischen Ehefrau Grete geborene Schabel (*5. März 1861) und seinen Söhnen Gerhard (*8. Dezember 1922) und Norbert (*13. März 1925) in der Mommsenstraße 62 ebenfalls in Berlin-Charlottenburg. Aufgrund der zunehmenden Bedrohung durch die Nationalsozialisten zogen auch Ediths Großeltern, Emil (*14. Juni 1857) und Johanna Löwenthal (*5. März 1861), von Flensburg nach Berlin. Sie wohnten bei ihrem Sohn Julius in der Mommsenstraße 62.

Wann und wo Edith ihren späteren, drei Jahre jüngeren Ehemann, den kaufmännischen Angestellten Günter Emanuel Hoffmann (*8. März 1913), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 28-jährige Edith und der 25-jährige Günter heirateten am 27. Januar 1939. Als Trauzeugen waren Ediths Vater und Günters Vater Leo anwesend. Edith zog zu Günter und seinen Eltern, Leo und Margarete Hoffmann geborene Wreschner, die seit Juli 1938 im Vorderhaus Parterre im Eckhaus Duisburger Str. 1 und Konstanzer Straße 4 in Berlin-Wilmersdorf wohnten.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie weiterhin dort gemeldet.
Seit 1940 musste Edith Zwangsarbeit leisten. Ihr Onkel Julius und ihr Cousin Gerhard Löwenthal waren zeitweise im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert gewesen.

Edith und Günter waren die ersten der Familie Falk/Löwenthal und der Familie Hoffmann, die den Deportationsbefehl erhielten. Mit dem 17. Osttransport wurden sie zusammen mit 208 Leidensgenossen und -genossinnen aus Berlin und Potsdam und weiteren Juden aus anderen Städten am 11. Juli 1942 vermutlich nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Edith Hoffmann geborene Falk starb vermutlich mit ca. 32 Jahren.

Ediths Eltern, der 65-jährige Hermann Löb Falk und die 54-jährige Erna Hanna Falk geborene Löwenthal, holte die Gestapo Anfang September 1942 aus der Rankestraße 25 ab. In einer Sammelstelle hatten sie ihre Vermögenserklärung auszufüllen. Vom Anhalter Bahnhof in Berlin wurden der nicht mehr arbeitsfähige Hermann Falk und seine Ehefrau zusammen mit 204 über 65-jährigen Leidensgenossinnen und -genossen mit dem 59. Alterstransport am 8. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie lebten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. Ediths Großeltern, Emil und Johanna Löwenthal deportierte die Gestapo am 13. Januar 1943 auch nach Theresienstadt. Laut Todesfallanzeige starb Ediths Vater Hermann am 13. Februar 1943 mit 66 Jahren an Herzschwäche und akutem Darmkatarrh. Drei Tage später starb auch Ediths Großvater Emil am 16. Februar 1943. Ediths Mutter Erna und ihre Großmutter Johanna Löwenthal wurden am 16. Mai 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden.

Seit August 2004 erinnern Stolpersteine an Emil und Johanna Löwenthal und seit Juli 2023 auch an Erna und Hermann Falk in der Norderstraße 27/29 in Flensburg.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

Stolperstein für Leo Hoffmann, 27.2.2013

Stolperstein für Leo Hoffmann, 27.2.2013

HIER WOHNTE
LEO HOFFMANN
JG. 1877
DEPORTIERT 19.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Margarete Werschnet und Leo Hoffmann Verlobung

Leo Hoffman wurde am 25. Januar 1877 in Groß Wolz (heute Welcz) geboren. Er war ein erfolgreicher Kaufmann, wurde Mitinhaber der Baumwollfirma Gustav und Heinrich Jacoby in der Spandauer Straße in Berlin. Neben seinem Beruf betätigte er sich noch ehrenamtlich als Schatzmeister der jüdischen Gemeinde zu Berlin.
Er heiratete Margarete Wreschner, geboren am 26. September in 1889 in Rakwitz, (heute Rakoniewice). Das Ehepaar bekam drei Kinder: Hans Ludwig genannt Harry, geb. am 22.Februar 1910, Günter, geb. am 8. März 1913 und Erika geb. am 1. Juni 1915.
Sie übte außerdem in der Firma ihres Mannes den Beruf der Bürovorsteherin aus.
Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Firma
auch den immer aggressiver werdenden Boykottmaßnahmen ausgesetzt. Die Maschinen, die Fabrikate, alle Büroeinrichtungen wurden beschlagnahmt.
Leo Hoffmann wurde zur Zwangsarbeit verpflichtet als Metallarbeiter in den Deuta-Werken (Deutsche Tachowerke) in der Oranienstraße 25. Dort erhielt er einen Wochenlohn von 27RM und musste eine Miete von 111,20 RM zahlen.
Die Ersparnisse und Lebensversicherungen waren vorher eingezogen worden.
Da die Firma ihres Mannes nicht mehr existierte, hatte auch Margarete Hoffmann ihre Arbeit verloren.
Nach dem Ausfüllen der Vermögenserklärung wurde das Ehepaar am 19. Februar 1943 mit dem 29.Osttransport nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Landesarchiv Entschädigungsakten
Textbearbeitung Stolpersteininitiative Charlottenburg – Wilmersdorf

Stolperstein für Margarete Hoffmann, 27.2.2013

Stolperstein für Margarete Hoffmann, 27.2.2013

HIER WOHNTE
MARGARETE
HOFFMANN
GEB. WRESCHNER
JG. 1889
DEPORTIERT 19.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Margarete Hoffmann geb. Wreschner wurde am 26. September 1889 als Tochter von Selma, geb. Midowsky und Dr. Siegfried Wreschner in Rakwitz (dem heutigen Rakoniewice) geboren.

Um 1909 heiratete sie Leo Hoffmann, der Mitinhaber der Baumwollgroßhandlung G. + H. Jacoby in der Spandauer Str. 38 in Berlin-Mitte war und ehrenamtlicher Schatzmeister der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Das Ehepaar hatte drei Kinder: Harry Hoffmann kam am 22. Februar 1910 zur Welt, Günter wurde am 8. März 1913 geboren und Erika Hoffmann am 1. Juni 1915. Ende der 1930er Jahre lebten Margarete und Leo Hoffmann zusammen mit ihrem Sohn Günter in einer Wohnung in der Duisburger Straße 1 in Wilmersdorf. Ihre Tochter Erika wohnte mit ihrem Ehemann Dr. Erich Wreschner in der Leibnitzstr. 4 in Charlottenburg. Ihr ältester Sohn Harry konnte 1937/1938 in die USA emigrieren.

Am 11. Juli 1942 wurde ihr Sohn Günter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Erika wurde mit ihrem Mann am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert. Leo und Margarete Hoffmann wurden als letzte in Berlin verbliebene Familienmitglieder am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn Harry überlebte die Shoah in den USA.

Biografische Zusammenstellung: Nachlass Wolfgang Knoll

Stolperstein für Ernst Schein, 27.2.2013

Stolperstein für Ernst Schein

HIER WOHNTE
ERNST SCHEIN
JG. 1895
DEPORTIERT 26.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Ernst Schein wurde als Emanuel Schein am 19. November 1895 in Beuthen in Oberschlesien (Bytom, Polen) geboren. Für seine Eltern, den aus Groß Strelitz im Kreis Oppeln (Strzelce Opolskie, Polen) stammenden Kaufmann Oskar Schein (*4. Oktober 1863) und dessen aus Belk im Kreis Rybnik (Bełk, Polen) stammende Ehefrau Emma geborene Löbinger (*24. September 1867), war er der jüngste von drei Söhnen. Sein Bruder Paul (*6. April 1891) war vier Jahre und sein Bruder Max (*17. September 1893) drei Jahre älter als er.

Sein Bruder Paul besuchte eine Drogisten-Fachschule in Kattowitz und wurde Drogist von Beruf. Wie der Vater wurde sein Bruder Max Kaufmann. Emanuel, der sich Ernst nannte, nahm mit 18 Jahren aktiv am Ersten Weltkrieg teil und wurde am 17. Juni 1916 leicht verwundet. Danach studierte er Architektur und promovierte.

Am 22. April 1915 heiratete sein Bruder Paul die aus Beuthen stammende, katholische Marie Anna Sboron in Beuthen. Für sie wurde Paul Mitglied in der katholischen Kirche. Sein Bruder Max heiratete am 7. Juli 1919 die aus Belk im Kreis Rybnik (Bełk, Polen) stammende Selma Juliusburger (*30. Juni 1893) in Beuthen.

Wann und wo Ernst seine spätere Ehefrau, die aus Kattowitz (Katowice, Polen) stammende Selma Noher (*18. Dezember 1893) kennenlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich kannten sich sein Vater und ihre Mutter, da beide aus Groß Strelitz kamen. Der 25-jährige Ernst und die 27-jährige Selma heirateten am 23. Dezember 1920 in Kattowitz. Als Trauzeugen waren Ernsts Vater Oskar Schein und Selmas ältester Bruder Benjamin Noher anwesend. Ernst und Selma wurden Eltern von zwei Kindern. Günther kam am 23. Mai 1922 noch in Kattowitz zur Welt. Danach zog die kleine Familie nach Berlin, wo ihre Tochter Erna Eva am 10. November 1927 geboren wurde. Anfangs wohnte die Familie in der Stindestraße 7 in Berlin-Steglitz.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Ernst 37 Jahre alt. Ostern 1934 wurde die Tochter Eva in der 9. Volksschule eingeschult. Der Sohn Günther war damals 12 Jahre alt und ebenfalls Schüler. Seit April 1935 wohnten sie in einer 6 ½ Zimmer-Wohnung mit allem Komfort im zweiten Stock des Hauses Duisburger Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf. Die Miete betrug monatlich 190 RM.

Am 25. September 1936 starb Ernsts 69-jährige Mutter Emma in Beuthen, wo sie bis zuletzt mit ihrem Ehemann Oskar in der Kasernenstraße 4 gewohnt hatte. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Ernsts Vater Oskar und auch die älteste Schwester seiner Ehefrau, Else Noher, bei ihnen in der Duisburger Straße 1 als Untermieter gemeldet.

Sein Bruder Max wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt in seinem Wohnort Breslau verhaftet und kam über Coswig am 11. Februar 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er am 3. April 1941 angeblich an akuter Herzschwäche starb.

Sein Bruder Paul, der eigentlich durch seine nicht-jüdische Ehefrau vor der Deportation geschützt war, wurde am 16. September 1941 in die Strafanstalt Brandenburg-Görden gebracht und dort inhaftiert.

Ab ca. 1940 musste Ernst Zwangsarbeit als Techniker in der Firma Johannes W. Piontek in der Stolpischen Straße 13 (seit 1978 Paul-Robeson-Straße) in Berlin-Pankow für 32 RM die Woche leisten. Auch sein 18-jähriger Sohn Günther leistete seit ca.1940 Zwangsarbeit bei der Berliner Färberei und Druckerei R. Wolff KG in der Köpenicker Straße 18-20 in Berlin-Kreuzberg. Als seine Tochter Eva mit 14 Jahren am 31. März 1942 aus der Schule entlassen wurde, musste auch sie für 16 RM wöchentlich Zwangsarbeit leisten.

Vermutlich wurden sein 79-jähriger Vater Oskar Schein und seine Schwägerin Else Noher Anfang Januar 1943 von der Gestapo abgeholt. Sein Vater wurde „Heiminsasse“ im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Else Noher kam in ein Sammellager, wo sie ihre Vermögenserklärung auszufüllen hatte. Am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo sie zusammen mit über 1.180 weiteren Personen vom Güterbahnhof Moabit mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Else Noher starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag.

Ernst, seine Ehefrau Selma und seine Tochter Eva bekamen Anfang Februar 1943 den Deportationsbefehl. Die Vermögenserklärung unterschrieb Ernst am 22. Februar 1943.
Mit dem 30. Osttransport wurden 1.100 gelistete Personen, darunter die drei Scheins, am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden.

Wann sein Bruder Paul von Brandenburg-Görden, wo er inhaftiert war, nach Auschwitz deportiert wurde, konnte nicht recherchiert werden. Am 19. März 1943 wurde er in Auschwitz ermordet.

Ein Vierteljahr nach seinen Eltern und seiner Schwester wurde Ernsts Sohn Günther mit 394 gelisteten Personen mit dem 38. Osttransport am 17. Mai 1943 kurz vor seinem 21. Geburtstag ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde er im Konzentrationslager noch zur Zwangsarbeit herangezogen. Auch er überlebte Auschwitz nicht.

An Günthers Deportationstag, dem 17. Mai 1943 morgens um 10 Uhr, starb Ernsts Vater Oskar Schein laut Sterbeurkunde an Herzmuskelschwäche im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Da er erst sechs Tage nach seinem Tod bestattet wurde, kann vermutet werden, dass er seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 33592, Ernst Schein

Stolperstein für Selma Schein, 27.2.2013

Stolperstein für Selma Schein

HIER WOHNTE
SELMA SCHEIN
GEB. NOHER
JG. 1893
DEPORTIERT 26.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Selma Schein wurde als Selma Noher am 18. Dezember 1893 in Kattowitz in Oberschlesien (Katowice, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den aus Kromolow (Kromołów, Polen) stammenden Schneidermeister und Kaufmann Szymon Noher, auch Simon genannt (*1853), und dessen aus Groß Strehlitz im Kreis Oppeln (Strzelce Opolskie, Polen) stammende Ehefrau Bertha geborene Herzfeld (1844-1916), war sie das jüngste von insgesamt neun Kindern. Zu ihrer zwölf Jahre älteren Schwester Else (*16. Januar 1882) hatte sie ein besonders enges Verhältnis. Da die Eltern ein Geschäft betrieben, hatten sie wenig Zeit, sich um Selma zu kümmern, und übertrugen diese Aufgabe an ihre älteste Tochter Else.

Am 9. September 1913 starb der Vater Simon mit 60 Jahren. Selmas Mutter wurde mit 69 Jahren Witwe. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, meldeten sich ihre Brüder zum aktiven Kriegseinsatz „im Felde“.

Ihre Mutter starb am 23. Januar 1916 mit 72 Jahren in der Gutenbergstraße 4 in Kattowitz. Der Friseur Benjamin Noher, Selmas ältester Bruder, meldete den Tod beim Standesamt.

Wann und wo Selma ihren späteren Ehemann, den aus Beuthen stammenden Architekten Dr. Ernst Schein (*19. November 1895) kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 27-jährige Selma und der 25-jährige Ernst heirateten am 23. Dezember 1920 in Kattowitz. Als Trauzeugen waren Ernsts Vater Oskar Schein und Selmas Bruder Benjamin Noher anwesend. Das Ehepaar Schein wurde Eltern von zwei Kindern. Günther kam am 23. Mai 1922 noch in Kattowitz zur Welt. Danach zog die kleine Familie nach Berlin, wo ihre Tochter Erna Eva am 10. November 1927 geboren wurde. Damals wohnte die Familie in der Stindestraße 7 in Berlin-Steglitz.

Als am 30 Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Selma 39 Jahre alt. Ostern 1934 wurde Eva in die 9. Volksschule eingeschult. Günther war 12 Jahre alt und ebenfalls Schüler. Im April 1935 zogen sie in eine 6 ½ Zimmer-Wohnung mit allem Komfort in den zweiten Stock des Hauses Duisburger Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf. Die Miete betrug monatlich 190 RM.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren ihr Schwiegervater, der 1936 verwitwete Oskar Schein, und auch ihre älteste Schwester Else Noher bei ihnen in der Duisburger Straße 1 als Untermieter gemeldet.

Ab ca. 1940 musste ihr Ehemann Ernst Zwangsarbeit als Techniker bei der Firma Johannes W. Piontek in der Stolpischen Straße 13 (seit 1978 Paul-Robeson-Straße) in Berlin-Pankow für 32 RM die Woche leisten. Auch ihr 18-jähriger Sohn Günther leistete seit ca.1940 Zwangsarbeit bei der Berliner Färberei und Druckerei R. Wolff KG in der Köpenicker Str. 18-20 in Berlin-Kreuzberg. Als ihre Tochter Eva mit 14 Jahren am 31. März 1942 aus der Schule entlassen wurde, musste auch sie für 16 RM wöchentlich Zwangsarbeit leisten.

Vermutlich wurden ihr 79-jähriger Schwiegervater Oskar Schein und ihre Schwester Else Anfang Januar 1943 von der Gestapo abgeholt. Oskar Schein wurde „Heiminsasse“ im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Else Noher kam in ein Sammellager, wo sie ihre Vermögenserklärung auszufüllen hatte. Am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo sie zusammen mit über 1.180 weiteren Personen vom Güterbahnhof Moabit mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Else Noher starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag.

Selma, ihr Ehemann Ernst und ihre Tochter Eva bekamen Anfang Februar 1943 den Deportationsbefehl. Die Vermögenserklärung unterschrieb Selma am 22. Februar 1943.
Mit dem 30. Osttransport wurden 1.100 gelistete Personen, darunter die drei Scheins, am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Selma Schein geborene Noher starb vermutlich mit 49 Jahren.

Ein Vierteljahr nach seinen Eltern und seiner Schwester wurde Sohn Günther mit 394 gelisteten Personen mit dem 38. Osttransport am 17. Mai 1943 kurz vor seinem 21. Geburtstag ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde er im Konzentrationslager noch zur Zwangsarbeit herangezogen. Auch er überlebte Auschwitz nicht.

An Günthers Deportationstag, dem 17. Mai 1943 morgens um 10 Uhr, starb Oskar Schein laut Sterbeurkunde an Herzmuskelschwäche im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Da er erst sechs Tage nach seinem Tod bestattet wurde, kann vermutet werden, dass er seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 33592, Ernst Schein

Stolperstein für Eva Schein, 27.2.2013

Stolperstein für Eva Schein

HIER WOHNTE
EVA SCHEIN
JG. 1927
DEPORTIERT 26.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Erna Eva Schein wurde am 10. November 1927 als zweites Kind des Architekten Dr. Ernst Schein (*19. November 1895) und dessen Ehefrau Selma geborener Noher (*18. Dezember 1893) in der Stindestraße 7 in Berlin-Steglitz geboren. Ihr fünf Jahre älterer Bruder Günther (*23. Mai 1922) kam in Kattowitz (Katowice, Polen) zur Welt, dem ehemaligen Wohnort der Familie.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Eva 5 Jahre alt. Ostern 1934 wurde sie in die 9. Volksschule eingeschult. Günther war damals 12 Jahre alt und ebenfalls Schüler. Seit April 1935 wohnte die Familie Schein in einer 6 ½ Zimmer-Wohnung mit allem Komfort im zweiten Stock des Hauses Duisburger Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf.

Eva besuchte ab dem 16. August 1937 die Joseph-Lehmann-Schule in der Joachimsthaler Straße 13. Im Zuge der Vertreibung jüdischer Kinder aus staatlichen deutschen Schulen war diese Schule 1935 vom Bildungsverein der Jüdischen Reformgemeinde gegründet worden. Der Lehrer Dr. Fritz Wachsner (*1886) hatte das Amt des Gründungsdirektors inne.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren nicht nur ihre Eltern und ihr Bruder Günther in der Duisburger Straße 1 gemeldet, sondern auch die 12 Jahre ältere Schwester ihrer Mutter, ihre Tante Else aus Kattowitz, und ihr verwitweter Großvater Oskar aus Beuthen, der Vater ihres Vaters.

Ab 1939 wurde die Joseph-Lehmann-Schule Teil der VIII. Privaten Volksschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Eva wurde mit 14 Jahren am 31. März 1942 aus der Schule entlassen. Kurze Zeit später musste die Schule ihre Türen für immer schließen. Lehrer und Schüler wurden deportiert.

Vermutlich wurden Evas 79-jähriger Großvater Oskar Schein und ihre Tante Else Anfang Januar 1943 von der Gestapo abgeholt. Oskar Schein wurde „Heiminsasse“ im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Else Noher kam in ein Sammellager, wo sie ihre Vermögenserklärung auszufüllen hatte. Am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo sie zusammen mit über 1.180 weiteren Personen vom Güterbahnhof Moabit mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Else Noher starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag.

Bis Januar 1943 leistete Eva als Arbeiterin für 16 RM Wochenlohn Zwangsarbeit.

Anfang Februar 1943 erhielten ihre Eltern und sie den Deportationsbefehl in den Osten.
Ihre Vermögenserklärung unterschrieb ihr Vater am 22. Februar 1943. Mit dem 30. Osttransport wurden 1.100 gelistete Personen, darunter die drei Scheins, am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Eva Schein starb vermutlich mit 15 Jahren in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 33592, Ernst Schein

Stolperstein für Günter Schein, 27.2.2013

Stolperstein für Günter Schein

HIER WOHNTE
GÜNTER SCHEIN
JG. 1922
DEPORTIERT 17.5.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Günther Schein wurde am 23. Mai 1922 in Kattowitz in Oberschlesien (Katowice, Polen) geboren. Er war das erste Kind seiner Eltern, des Architekten Dr. Ernst Schein (*19. November 1895) und dessen Ehefrau Selma geborener Noher (*18. Dezember 1893), die am 23. Dezember 1920 in Kattowitz geheiratet hatten. Bei seiner Geburt war seine Mutter 28 und sein Vater 26 Jahre alt. Danach zog die kleine Familie nach Berlin, wo am 10. November 1927 seine kleine Schwester Erna Eva, genannt Eva, geboren wurde. Damals wohnte die Familie in der Stindestraße 7 in Berlin-Steglitz.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Günther 10 Jahre alt und ging noch in die Schule. Seit April 1935 wohnte die Familie Schein in einer 6 ½ Zimmer-Wohnung mit allem Komfort im zweiten Stock des Hauses Duisburger Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf. Vermutlich verließ Günther 1937 mit 14 Jahren die Schule und erlernte einen Beruf.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren nicht nur seine Eltern und seine Schwester Eva in der Duisburger Straße 1 gemeldet, sondern auch die 12 Jahre ältere Schwester seiner Mutter, seine Tante Else (*16. Januar 1882) aus Kattowitz und sein verwitweter Großvater Oskar (*4. Oktober 1863) aus Beuthen (Bytom, Polen), der Vater seines Vaters.

Ab ca. 1940 musste sein Vater Zwangsarbeit als Techniker bei der Firma Johannes W. Piontek in der Stolpischen Straße 13 (seit 1978 Paul-Robeson-Straße) in Berlin-Pankow für 32 RM die Woche leisten. Auch der 18-jährige Günther leistete seit ca.1940 Zwangsarbeit bei der Berliner Färberei und Druckerei R. Wolff KG in der Köpenicker Str. 18-20 in Berlin-Kreuzberg.

Vermutlich wurden sein 79-jähriger Großvater Oskar Schein und seine Tante Else Anfang Januar 1943 von der Gestapo abgeholt. Oskar Schein wurde „Heiminsasse“ im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Else Noher kam in ein Sammellager, wo sie ihre Vermögenserklärung auszufüllen hatte. Am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo sie zusammen mit über 1.180 weiteren Personen vom Güterbahnhof Moabit mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Else Noher starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag.

Anfang Februar 1943 erhielten seine Eltern und seine Schwester den Deportationsbefehl in den Osten. Da Günther für einen Rüstungsbetrieb Zwangsarbeit leistete, wurde er vorerst von der Deportation zurückgestellt. Mit dem 30. Osttransport wurden 1.100 gelistete Personen, darunter die drei Scheins, am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Günthers Vater starb vermutlich mit 47, seine Mutter mit 49 Jahren und seine Schwester Eva starb wahrscheinlich mit 15 Jahren in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau.

Günther blieb mit seinem Großvater allein in Berlin zurück.

Ein Vierteljahr nach seinen Eltern und seiner Schwester wurde er mit 394 gelisteten Personen mit dem 38. Osttransport am 17. Mai 1943 kurz vor seinem 21. Geburtstag ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde er im Konzentrationslager noch zur Zwangsarbeit herangezogen. Auch er überlebte Auschwitz nicht.

An Günthers Deportationstag, dem 17. Mai 1943 morgens um 10 Uhr, starb sein Großvater Oskar Schein laut Sterbeurkunde an Herzmuskelschwäche im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Da er erst sechs Tage nach seinem Tod bestattet wurde, kann vermutet werden, dass er seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 33592, Ernst Schein

Stolperstein für Else Noher, 27.2.2013

Stolperstein für Else Noher

HIER WOHNTE
ELSE NOHER
JG. 1882
DEPORTIERT 12.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Else Noher wurde am 16. Januar 1882 in Kattowitz in Oberschlesien (Katowice, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den aus Kramelau in Oberschlesien (Kromołów, Polen) stammenden Schneidermeister und Kaufmann Szymon Noher, auch Simon genannt (*1853), und dessen aus Groß Strehlitz im Kreis Oppeln (Strzelce Opolskie, Polen) stammende Ehefrau Bertha geborene Herzfeld (1844-1916), war sie das zweitälteste von insgesamt neun Kindern. Ihr Bruder Benjamin (*18. Dezember 1880), der auch Bruno genannt wurde, war ein Jahr älter als sie. Nach Else, die auch Ella genannt wurde, folgten die Geschwister Charlotte, genannt Lotte (*7. April 1883), Leopold, auch Leo oder Leon genannt (*26. Juli 1884), Salo (*31. Mai 1886), Amalie (*16. Mai 1889), Bernhard (*29. Juni 1890), Gertrude, genannt Trude (*28. April 1892) und Selma (*18. Dezember 1893).

Ihr älterer Bruder Benjamin heiratete Gittel Herzfeld. Sie wurden Eltern zweier Töchter, Margot (1900-1934) und Luzie (1914-2008). Elses Schwester Lotte heiratete 1911 Paul Pincus Bromberger (*24. Oktober 1883). Sie zogen nach der Hochzeit nach Wien und wurden dort Eltern zweier Töchter, Regina (3. Februar 1912-1942) und Ruth (26. Dezember 1922-1931). 1912 heiratete ihr Bruder Salo die aus Belk im Kreis Rybnik stammende Ella Juliusburger (*25. April 1886) und am 17. Oktober 1912 ihr Bruder Bernhard die aus Tarnowski in der Nähe von Kattowitz (Tarnowskie Góry, Polen) stammende Dorothea Eichner (*5. Juli 1887). Bernhard war Installateur in Beuthen. Salo und Ella wurden Eltern von zwei Kindern, Regina (1913-1979) und Heinz-Günther (1915-1997).

Am 9. September 1913 starb ihr Vater mit 60 Jahren. Ihre Mutter wurde mit 69 Jahren Witwe. Else, die ledig blieb, unterstützte die Mutter im Haushalt und im Geschäft, welches diese nach dem Tod ihres Ehemannes weiter betrieb. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, meldeten sich Elses Brüder zum aktiven Kriegseinsatz „im Felde“.

Ihre Mutter starb am 23. Januar 1916 mit 72 Jahren in der Gutenbergstraße 4 in Kattowitz. Der Friseur Benjamin Noher, ihr ältester Sohn, meldete den Tod beim Standesamt.

Elses Bruder Leopold heiratete in Warschau und wurde 1920 Vater eines Sohnes, den sie Janek nannten. Ihre Schwester Amalie heiratete Anfang 1920 den Dentisten Chaim Ajzyk Feldmann (*16. Mai 1896). Sie wurden Eltern von Ruth (*8. Dezember 1920). Die Ehe von Amalie und Chaim wurde 1927 aufgrund von Geldproblemen in der Wirtschaftskrise geschieden. Elses Schwester Gertrud blieb wie Else ledig.

Ihre jüngste Schwester Selma heiratete am 23. Dezember 1920 den Architekten Dr. Ernst Schein (*19. November 1895) aus Beuthen. Sie wurden Eltern von zwei Kindern. Günther kam 1922 noch in Kattowitz zur Welt. Danach zog die kleine Familie nach Berlin, wo ihre Tochter Erna Eva 1927 geboren wurde.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Else gerade 51 Jahre alt geworden. Wann genau sie nach Berlin zu ihrer Schwester Selma und deren Familie zog, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war sie als Untermieterin bei Schein in der Duisburger Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet.1935 war ihre Schwester Selma mit ihrer Familie dort in eine 6 ½ -Zimmer-Wohnung in der zweiten Etage des Vorderhauses gezogen. Vermutlich 1938 zog Selmas 1936 verwitweter Schwiegervater Oskar Schein (*4. Oktober 1863) auch zu ihnen, denn auch er war hier 1939 gemeldet.

Elses Bruder Salo und dessen Ehefrau Ella geborene Juliusburger waren bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 in Kiel gemeldet. Ihnen gelang noch rechtzeitig die Flucht ins Ausland. Nach dem Krieg bauten sie sich in Neuseeland ein neues Leben auf.

Ihre Schwester Amalie Feldmann starb 1941 an einer Überdosis Schmerzmittel, die ihr nach einer Herzattacke verabreicht wurde. Der Todeszeitpunkt ihrer Schwester Gertrude konnte nicht ermittelt werden.

Am 20. August 1942 deportierte die Gestapo ihre Schwester Charlotte und deren Ehemann Paul Pincus Bromberger von Wien nach Theresienstadt und von dort am 26. September 1942 nach Treblinka, wo sie sie ermordeten. Die Töchter Regina und Ruth waren zu diesem Zeitpunkt schon gestorben.

Zusammen mit Else Bromberg, einer Nachbarin aus dem Haus Duisburger Straße 1, wurde Else Noher Anfang Januar 1943 von der Gestapo abgeholt und in ein Sammellager gebracht, wo sie ihre Vermögenserklärungen auszufüllen hatten. Am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo sie zusammen mit über 1.180 weiteren Personen vom Güterbahnhof Moabit mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Else Noher starb kurz vor ihrem 61. Geburtstag.

Ihre Schwester Selma, ihr Schwager Ernst und ihre Nichte Erna Eva deportierte die Gestapo am 26. Februar 1943 nach Auschwitz, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Ihr 21-jähriger Neffe Günther Schein wurde am 17. Mai 1943 ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde er im Konzentrationslager noch zur Zwangsarbeit herangezogen. Auch er überlebte Auschwitz nicht. Ebenfalls am 17. Mai 1943 morgens um 10 Uhr starb Oskar Schein, der Vater ihres Schwagers Ernst, laut Sterbeurkunde an Herzmuskelschwäche im Jüdischen Siechenheim in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding. Da er erst sechs Tage nach seinem Tod bestattet wurde, kann vermutet werden, dass er seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 33592, Ernst Schein

Stolperstein für Elly Herzog, 27.2.2013

Stolperstein für Elly Herzog, 27.2.2013

HIER WOHNTE
ELLY HERZOG
GEB. HEINEMANN
JG. 1884
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Heinz Herzog Geburt

Elly Herzog geb. Heimann wurde am 12. September 1884 in der Hansestadt Anklam in Vorpommern geboren. Ihre Eltern waren Isidor und Bertha Herzog, geb. Wolf. Um 1910 heiratet sie Benno Herzog, der zusammen mit seinem Bruder Max die „Papierwarengrosshandlung Gebr. Herzog“ in der Spandauer Str. 38 in Berlin betreibt. Am 30. Januar 1912 bekommt das Paar einen Sohn namens Heinz.
In dem Papiergeschäft ihres Mannes findet Elly Anstellung und arbeitet dort auch nach dem Tod Bennos am 27. September 1929 weiter. Nach 1933 erlebt das Geschäft antijüdische Hetzkampagnen, Boykotte und eine zunehmend restriktive NS-Gesetzgebung. 1937 wird Elly Herzog entlassen und die Großhandlung kurz darauf aufgelöst. Ab den 1940er-Jahren muss sie in einer Berliner Firma (vmtl. in der Gipsstraße) Zwangsarbeit leisten.

Am 15. August 1942 wird Elly Herzog nach Riga deportiert und dort unmittelbar nach der Ankunft in den Wäldern von Biķernieki, östlich der lettischen Hauptstadt, ermordet. Ihr Sohn Heinz überlebte den Nationalsozialismus. Er konnte sich 1935 über Dänemark nach Bogota in Kolumbien in Sicherheit bringen.

Biografische Zusammenstellung: Nachlass Wolfgang Knoll

Stolperstein für Siegmund Schneller, 27.2.2013

Stolperstein für Siegmund Schneller

HIER WOHNTE
SIEGMUND
SCHNELLER
JG. 1883
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Siegmund Schneller wurde am 27. November 1883 in Breslau (Wrocław, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Max Schneller (1847-1910) und dessen aus Posen (Poznań, Polen) stammende Ehefrau Rosza geborene Levy (1852-1926), war er das vierte von insgesamt fünf Kindern. Seine älteste Schwester Sophie kam acht Jahre vor ihm am 16. September 1875 in Hirschberg in Schlesien zur Welt. Seine Schwester Minna (*21. Oktober 1877) war bei seiner Geburt sechs und sein Bruder Leo (*23. Mai 1879) vier Jahre alt. Sein Bruder Eli (*15. Oktober 1885) war zwei Jahre jünger als er. Kindheit und Jugend verbrachten Siegmund und seine Geschwister in Breslau.

Seine Brüder und er traten in die Fußstapfen des Vaters, jeder wurde Kaufmann von Beruf. Als die älteste Schwester Sophie am 14. Juni 1901 den Sohn eines jüdischen Kultusbeamten, den Verkäufer Moritz Morris Michael Fifar (*1873), heiratete, wohnte die Familie Schneller in der Rosenthaler Straße 20-21 in Berlin-Mitte. Minna heiratete am 14. Juli 1905 den Kaufmann David Ehrmann (1879-1926). Sie wurden Eltern von vier Kindern. Am 11. Februar 1910 starb der Vater. Die Mutter wurde mit 58 Jahren Witwe und wohnte fortan bei ihrer ältesten Tochter Sophie in der Friedrichstraße 131 in Berlin-Mitte.

Der 31-jährige Leo heiratete am 16. März 1911 die 24-jährige Margarete Cohn (*13. Januar 1887). Sie wohnten in der Gervinusstraße 19 in Charlottenburg. Eli heiratete am 12. September 1916 die aus Rumänien stammende Buchhalterin Rosa Klein (*6. November 1889). Siegmund blieb ledig.

Als seine Schwester Sophie mit 50 Jahren am 5. März 1926 fünf Tage nach der Mutter Rosza starb, meldete Siegmund den Tod beim Standesamt. Damals wohnte er in der Sybelstraße 37 in Berlin-Charlottenburg. Einen Monat später starb auch sein Schwager David Ehrmann, der Ehemann seiner Schwester Minna. Zusammen mit seinem Bruder Leo betrieb Siegmund ein Chamois & Leder Import- und Exportgeschäft. 1929 gründete er seine eigene GmbH in der Branche, indem er den Großhandel Chamois & Leder von Joel Mayer im Hohen Steinweg 15 in Berlin-Mitte übernahm. In der Windscheidstraße betrieb Siegmund auch eine Fensterlederfabrik. Sein Bruder Leo starb am 17. April 1930 mit 50 Jahren.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Siegmund 45 Jahre alt. Seine Geschäfte wurden ihm zunehmend erschwert. 1939 erlosch seine Firma im Handelsregister. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Siegmund Schneller in der Duisburger Straße 1 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Seiner Schwester Minna und ihren vier Kindern gelang noch am 13. Juni 1939 die Flucht nach England und von dort in die USA. Vermutlich wohnte Siegmund noch bis Mai 1942 in der Duisburger Straße 1. Im Mai 1942 zog er zur Untermiete bei Anna Sauber geborener Kohorn (*19. August 1889) und ihrer Schwester Else Wolff geborener Kohorn (*23. August 1887) in eine Dreizimmerwohnung in die Kaiserallee (heute Bundesallee) 111 in Berlin-Friedenau. Als die beiden Schwestern am 13. Juni 1942 von der Gestapo nach Sobibor deportiert und im Vernichtungslager Majdanek ermordet wurden, musste auch Siegmund die Wohnung verlassen.

Im August 1942 erhielt auch er „die Liste“, womit die Vermögenserklärung gemeint war, aufgrund derer sein Vermögen dem Deutschen Reich zwangsübertragen wurde. In der Synagoge in der Levetzowstraße, die als Sammellager umfunktioniert worden war, wartete er auf den Transport, der am 15. August 1942 vom Güterbahnhof Moabit abging. Zusammen mit 1.000 Leidensgenossinnen und -genossen, vorwiegend mit der Berufsbezeichnung “Arbeiter“, deportierte sie die Gestapo mit dem „18. Osttransport“ nach Riga, wo er am 18. August 1942 ankam. Vermutlich wurde alle kurz nach der Ankunft in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Nur die Kleidungsstücke gelangten in das Ghetto Riga. Siegmund Schneller starb mit 58 Jahren.

Sein jüngster Bruder Eli und dessen Ehefrau Rosa deportierte die Gestapo am 12. März 1943 nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurden.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 33302, Anna Sauber

Stolperstein für Sara Schwersenz, 27.2.2013

Stolperstein für Sara Schwersenz, 27.2.2013

HIER WOHNTE
SARA SCHWERSENZ
GEB. JACOBOWSKI
JG. 1871
DEPORTIERT 23.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Sara Schwersenz geb. Jakobowski wurde am 30. Dezember 1871 in Gostin, Schlesien (heute Gostyn) geboren.
Ihr Vater war ein Getreidekaufmann und Spediteur der Firma Lachmann und Jakobowski.
Sie besuchte die höhere Töchterschule, lernte den Beruf der Haushälterin und heiratete im Jahre 1896 Josef Schwersenz. Aus der Ehe ging am 16. März 1898 die Tochter Paula hervor. Die Ehe dauerte nicht sehr lange, schon drei Jahre später, 1899, wurde das Ehepaar in Berlin geschieden.
Wegen finanzieller und persönlicher Probleme holte Paula ihre Mutter nach Waldenburg in Schlesien. Dort gelang es ihr zunächst, ein Schuhwarengeschäft einzurichten, von dessen Einnahmen sie leben konnte.
Doch zu Beginn der dreißiger Jahre begannen die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte.
Als die Angriffe unerträglich wurden, gab Sara Schwersenz das Geschäft auf und siedelte nach Berlin zurück. Ihre Tochter Paula, verheiratete Ehrlich, später Trisom wollte angesichts der Restriktionen in allen Lebensbereichen, Verfolgung und wegen der gewalttätigen Angriffe nicht mehr in Deutschland bleiben, und es gelang ihr noch rechtzeitig in die USA zu emigrieren.
Sara Schwersenz wurde am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie unter unsäglichen Bedingungen leben musste. Am 16. April 1944 wurde sie nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.

Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Landesarchiv Entschdigungsakten
Textbearbeitung Stolpersteininitiative Charlottenburg -Wilmersdorf

Die Stolpersteine vor dem Haus an der Duisburger Straße 1 wurden am 29.3.2008 gemeinsam mit den Stolpersteinen an der Konstanzer Str.4 verlegt. Die Verlegung der Stolpersteine war ein Vorhaben der Bewohnerinnen und Bewohner beider Häuser und ist von ihnen finanziert worden. Initiator war Prof. Dr. Klaus Brake. An einer Feierstunde zur Übergabe der Stolpersteine an die Öffentlichkeit am 26.4.2008 nahmen ca. 80 Personen teil.

  • Beitrag von Prof. Dr. Klaus Brake
  • Beitrag von Wolfgang Knoll
  • Frank, Wanda, geborene Levy am 09.01.1877 in Bochum, deportiert 09.07.1942, nach Theresienstadt, 19.09.1942 nach Treblinka, dort ermordet;
  • Awner, Ida, geborene Levy am 26.10.1875 in Bochum, deportiert 09.07.1942, nach Theresienstadt, 19.09.1942 nach Treblinka, dort ermordet;
  • Hoffmann, Günter, geboren 08.03.1913 in Berlin, deportiert 11.07.1942, vermutl. nach Auschwitz, dort ermordet
  • Hoffmann, Edith, geborene Falk am 13.10.1910 in Berlin, deportiert 11.07.1942, vermutl. nach Auschwitz, dort ermordet
  • Hoffmann, Leo, geboren 25.01.1877 in Groß Wolz, deportiert 19.02.1943 nach Auschwitz und dort ermordet
  • Hoffmann, Margarete, geborene Wreschner am 26.09.1889 in Rakwitz, deportiert 19.02.1943 nach Auschwitz und dort ermordet
  • Schein, Ernst, geboren 19.11.1895 in Beuthen O. S., 26.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
  • Schein, Selma, geborene Noher am 18.12.1893 in Kattowitz, 26.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
  • Schein, Eva, geboren 10.11.1927 in Berlin, 26.02.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
  • Schein, Günther, geboren 23.05.1922 in Kattowitz, 17.05.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
  • Noher, Else Ella, geboren 16. Januar 1882 in Kattowitz, 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
  • Herzog, Elly, geborene Heinemann am 12.09.1884 in Anklam, 15.08.1942 nach Riga deportiert und dort am 18.8.1942 ermordet
  • Schneller, Siegmund, geboren 27.11.1883 in Breslau, 15.08.1942 nach Riga deportiert und dort am 18.8.1942 ermordet
  • Schwersenz, Sara, geborene Jacobowski am 30.12.1871 in Gostin, 23.09.1942 nach Theresienstadt und von da am 16.05.1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet

Prof. Dr. Klaus Brake zur Feierstunde am 26.4.2008

bq. Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie im Namen der Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Duisburger Str. 1 / Konstanzer Str. 4, an dessen Ecke wir hier stehen.
Wir freuen uns über die zahlreiche Teilnahme, insbesondere auch der Bürgermeisterin unseres Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Frau Monika Thiemen und des früheren Regierenden Bürgermeisters von Berlin und deutschen Botschafters in Israel, Klaus Schütz.
Ich wünsche uns ausdrücklich einen guten Tag, und ich denke auch: wir haben einen guten Tag heute; damit meine ich nicht nur das schöne frühlingshafte Wetter. Ich meine damit vor allem: ein guter Tag ist der, an dem wir vor diesen Stolpersteinen hier stehen; dass nämlich unsere Hausgemeinschaft diese Stolpersteine auf den Wege gebracht hat, und dass wir damit die Erinnerung an diejenigen Mitbürgerinnnen und Mitbürger manifestieren und öffentlich machen können, die in Deutschland wegen ihres jüdischen Glaubens zu Tode gekommen sind, und die – in diesem Fall – im Mai1939 in unserem Haus ihren letzten selbständigen Wohnsitz hatten.
So viele Stolpersteine vor einem Haus
Diese Erinnerungs-Aktion hier begann einmal mit dem Wissen um 1 solchen Fall von Verfolgung und Ermordung. Schließlich sind es 20 Stolpersteine geworden, die deshalb hier nun liegen. Davon allein 14 für den Hausteil Duisburger Str.1, der eigentlich nur 7 Wohnungen hatte. Das sind erstaunlich viele. Und doch sind z.B. für das Haus Duisburger Str. 6 sogar 32 Menschen nachgewiesen, die später deportiert und ermordet wurden.
War die Duisburger Str. 1 das bereits, was Nazi-Deutschland als “Judenhäuser” installiert hatte? Nein, die wurden später eingerichtet.
Für die Überbelegung unseres Hauses ist folgendes zu bedenken:
Mit Wirkung vom 30. April 1939 war das neue “Gesetz über Mietverhältnisse von Juden” in Kraft getreten. Seine Regelungen waren darauf gerichtet, Juden den Mieterschutz zu verwehren, ihre Kündigung und die Räumung ihrer Wohnungen zu erleichtern und auch Zwangseinmietungen anderer Juden zu ermöglichen.
Und speziell für Berlin kam bereits seit 1938 noch etwas weiteres hinzu: hier sollte möglichst viel Wohnraum für diejenigen nicht-jüdischen Mieter verfügbar gemacht werden, die der Neuplanung für die Reichshauptstadt “Germania” weichen sollten. Dafür wurden ersatzweise Ansiedlungsgebiete ausgewiesen und als “judenreine Gebiete” deklariert. Und um sie dazu zu machen, gab es eine “Verordnung über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin und der Hauptstadt der Bewegung München” (v. 8. Februar 1939); sie ermöglichte die Exmittierung speziell der jüdischen Mieter. “Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau” bevorzugte dafür große Altbauwohnungen – sie waren auch von Juden bewohnt und lagen in den westlichen Bezirken Berlins. Eine entsprechende Karte “judenreiner Gebiete” für Charlottenburg und Wilmersdorf umfasst das Gebiet rund um den Kurfürstendamm zwischen Fasanenstraße und Dahlmannstraße und im Süden bis zur Xantener Straße.
Diese beiden Strategien bewirkten, zumal zusammen, auf jeden Fall eine forcierte Wohnungsnot der jüdischen Bevölkerung Berlins. Die Duisburger Straße war noch nicht als “judenreines Gebiet” deklariert – umso mehr war sie ein Auffanggebiet für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die anderswo vertrieben wurden.
Auf diesem Hintergrund muß es nicht verwundern, daß in einem relativ kleinen Haus wie der Duisburger Str. 1 insgesamt 14 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger lebten. Wir haben es also keineswegs mit einem “Judenhaus” zu tun, sondern mit der damals erzeugten “Normalität” des Wohnens jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Berlin:
20faches Erinnern
Und das erklärt uns auch, warum wir hier nun vor so besonders vielen Stolpersteinen hier stehen.
Sie erinnern an die folgenden Mitbürgerinnen und Mitbürger:
Verlesung der 20 Namen
“Hier wohnte:
Ida Awner,
Wanda Frank,
Elly Herzog,
Edith Hoffmann,
Günter Hoffmann,
Leo Hoffmann,
Margarete Hoffmann,
Else Ella Noher,
Erna Eva Schein,
Ernst Schein,
Günther Schein,
Selma Schein,
Siegmund Schneller,
Sara Schwersenz,
Alice Bromberg,
Ernst Bromberg,
Else Brombert,
Max Pollack,
Johanna Sechehaye,
Paula Sommerfeldt.
und Niederlegung je einer roten Rose
Wir erinnern damit also an das tödliche Geschehen, das Mitbürgerinnen und Mitbürger damals in Wilmersdorf-Charlottenburg erleiden mussten. Wir wirken mit an einer Erinnerungs-Kultur dieses Stadtbezirks.
Was wir über die diese Menschen wissen
Die Stolpersteine informieren uns über die 20 Mitbürgerinnen und Mitbürger anhand wesentlicher “Eckdaten” ihres Lebens, wie: Geburts-Jahr und -Ort / Zeit und Ort der Deportation und der Ermordung. Das sind erst einmal sehr nüchterne Informationen. Wir erfahren wenig über die Menschen selbst, an die hier erinnert wird.
Immerhin wissen wir, daß oft ganze Familien hier wohnten und betroffen waren, wie z.B. in der Konstanzer Str. 4:
Else Bromberg mit ihren Eltern Ernst und Alice Bromberg bzw.
in der Duisburger Sr. 1:
die Schwestern Wanda Frank und Ida Awner, aber auch
die Geschwister Eva Schein und Günter Schein mit ihren Eltern Ernst und Selma Schein und deren Schwester Else Ella Noher, und
Edith und Günter Hoffmann und dessen Eltern Leo und Margarete Hoffmann.
Und dennoch wissen wir leider zu wenig darüber, wer sie waren, wenn wir nämlich fragen: was waren ihre Lebensumstände? z.B. familiär, beruflich, sozial oder kulturell – oder auch: wie sind sie mit der Verfolgung umgegangen? Es befriedigt überhaupt nicht, darüber kaum etwas zu wissen. Möglichkeiten, zu recherchieren, sind noch zu wenig genutzt.
Immerhin hat sich folgendes z.B. schon ergeben:
Die meisten wohnten hier erst kurze Zeit nur im Mai 1939; denn anderswo in Berlin hatten sie ihre eigentlichen und größeren Wohnungen bereits verloren.
Viele waren von Beruf “Kaufmann”; in Wirklichkeit aber waren sie Inhaber von Konsumgüter-Großhandlungen gewesen – mit Sitz rund um die Spandauer Straße, der klassischen historischen Gegend jüdischer Handelshäuser.
Und von Leo Hoffmann wissen wir, daß er ehrenamtlicher Schatzmeister der Jüdischen Gemeinde Berlin war.
In 1 Fall aber konnten wir in Kontakt kommen mit Hinterbliebenen, und zwar von
Johanna Hilda Sechehaye.
Sie wurde am 27. April 1942 ermordet – also morgen vor 66 Jahren.
Ihr möchte ich unsere Erinnerung heute insbesondere widmen.
Wer war Johanna Hilda Sechehaye? Wie ist ihr Leben verlaufen?
Johanna Hilda Sechehaye wird geboren am 08.April 1897 in Augsburg -
als zweite Tochter von Karl Schwarz (1857-1926) und Anna Schwarz (1870-1939), geb. Rosenmayer – wächst dort auf zusammen mit ihrer älteren Schwester Emmy (1895-1970/USA)(verh. m Martin Cohn bzw. m. Kurt Glaser) und ihrer jüngeren Schwester Charlotte (1904-1942/Ravensbrück-Bernburg)(verh. m. Wilhelm Eckart)(für die Tochter Gabriele verliert sich mit 6 Jahren jede Spur) – graduiert in Mathematik, Ökonomie und Philosophie – heiratet Emil Josef Karl Sechehaye (in den 1920er Jahren in München und Berlin bekannter Graphiker / Josef Seche) – bringt am 19. Dezember 1924 ihren Sohn René zur Welt – übersiedelt mit ihrer Familie 1928 nach Berlin – arbeitet in einem Ingenieurbüro (bzw. Architekturbüro) – trennt sich unter beginnenden antijüdischen Kampagnen 1930 von ihrem nichtjüdischen Mann.
Johanna Hilda Sechehaye bringt ihren Sohn 1936 in ein Internat nach Zagreb (nach gewaltsamer Rückführung 1944 nach Deutschland und Emigration nach Skandinavien konnte er schließlich )(?12.02.2000 in Augsburg) – sie versucht in Mailand, eine Auswanderungs-Möglichkeit zu ihrer Schwester Emmy zu finden – kehrt erfolglos nach Berlin zurück – verliert am 20.September 1939 ihre Mutter, die sich am Vorabend ihrer Deportation das Leben nimmt.
Johanna Hilda Sechehaye ist polizeilich zuletzt wohnhaft gemeldet im Haus Konstanzer Str. 4 – wird im Frühjahr 1941 polizeilich festgesetzt – schreibt (am 31. März 1941) an einen Gewährsmann (wohl ihr Rechtsanwalt) mit der Bitte um ein paar alltägliche Dinge im Hinblick auf einen “Transport”, den sie für den 5. April erwartet.
Johanna Hilda Sechehaye wird 1942 nach Ravensbrück deportiert – wird im April 1942 in das Tötungslager Bernburg a.d.Saale verlegt und dort am 27. April 1942 ermordet.
In dem erwähnten Brief beschreibt sie die kleinen persönlichen Dinge, um die sie bittet, vor allem danach, wo sie in ihrer Wohnung zu finden sind: damit führt sie uns durch die Wohnung, die sie in der Konstanzer Str. 4 hatte (wir wissen nicht, welche es war) und die sie unter polizeilichem Zwang verlassen musste.
Was aber bedeutete es nun praktisch, wenn wir davon sprechen, sie wurde – wie alle anderen – “deportiert”?
Zum Schluß bleibt unser Dank, dass Sie sich haben ansprechen lassen für diese Stolpersteine.
Sie liegen hier zunächst zur Erinnerung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in 1939 in unserem Haus gewohnt haben und später deportiert und ermordet wurden.
Sie liegen hier auch als Ausdruck von Verantwortung für begangenes Leid in deutschem Namen, als Bekenntnis begangenen Unrechts.
Insbesondere liegen sie hier aber als Mahnung, daß auch nur annähernd ähnliches nie wieder und nirgendwo geschehen darf.
Diese 20 Stolpersteine sind hier nun verlegt, und wir haben sie der Öffentlichkeit unseres Gemeinwesens übergeben. Damit aber beginnt das Engagement auch erst wieder:
Nämlich dazu beizutragen, jedem Anfang von Unrecht zu wehren und Zivilcourage – zumal gegen Diskriminierung – als erste Bürgerpflicht zu üben.
Und es bleibt, die Recherchen zu vertiefen, wer diese 20 Menschen waren.
Für alles bitte ich um gemeinsames Engagement.

Wolfgang Knoll zur Feierstunde am 26.4.2008

bq. 20 Stolpersteine für Menschen, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden – so sagen wir heute.
Wie war es aber wirklich in der dunklen deutschen Zeit bis 1945?
Das Wort “Deportation” war den Deutschen, ganz gleich, ob bei der Gestapo, der Polizei, dem Finanzamt, der Reichsbahn, der Post beamtet oder auch den Gerichtsvollziehern, den Angestellten von Banken, Bewag, Gasag, den Hauseigentümern und -verwaltern und den Nachbarn nicht geläufig. Man sprach und schrieb von “Evakuierung”, “Abwanderung” oder schlimmstenfalls von “Abschiebung”.
Wahr ist – auch wenn es immer noch von einigen Unverbesserlichen geleugnet wird, dass Deutsche andere Menschen, die nach den “Nürnberger Gesetzen” von 1935 und dem penibel genauen Kommentar dieser Gesetze Juden oder “jüdisch versippt” waren, ausgeplündert und ermordet haben.
Wahr ist auch, dass alle Deutschen die “Führer-Reden” gehört oder gelesen hatten, in denen von der “Vernichtung der jüdische Rasse” gesprochen – nein, gebrüllt wurde.
Wahr ist auch, dass der Mitverfasser des Kommentars der “Nürnberger Gesetze”, Dr. Hans Globke, nach dem Krieg Staatssekretär im Bundeskanzleramt geworden ist. Globke steht hier für tausende andere Täter, die nach dem Krieg in der Bundesrepublik Deutschland Karriere machten.
Dies alles kann meiner Generation und den folgenden Generationen nicht den Stempel der Kollektivschuld aufdrücken – aber es vereint uns Deutsche in einer Kollektivscham, wie Theodor Heuß es 1949 genannt hat.
Und so verbeugen wir uns, wenn wir die Namen auf diesen Stolpersteinen lesen, in Scham und Trauer.
Als erste wurde aus den beiden Häusern die Architektin Johanna Sechehaye Ende März 1941 verhaftet, 1942 nach Ravensbrück deportiert und am 27. April 1942 in der zur Tötungsstätte umgebauten Heilanstalt Bernburg ermordet.
Paula Sommerfeldt wurde am 13. Juni 1942 mit dem 15. Osttransport zusammen mit über 730 Berlinern nach Sobibor deportiert und vermutlich sofort nach Ankunft am 15. Juni 1942 ermordet.
Am 9. Juli 1942 wurden die Schwestern Ida Awner und Wanda Frank vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt gebracht. Wahrscheinlich hofften sie, im sogenannten “Altersghetto” weiterleben zu können, aber schon am 19. September 1942 wurden sie nach Treblinka deportiert und dort ermordet.
Am 11. Juli wurden Edith und Günter Hoffmann vermutlich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Elly Herzog und einer ihrer Untermieter, Siegmund Schneller, mußten Berlin am 15. August 1942 zusammen mit 1000 Anderen vom Güterbahnhof Moabit aus verlassen und wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Wäldern bei Riga ermordet. Im Transport waren auch 57 Kinder unter 10 Jahren.
Am 26. August 1942 wurde Ernst Bromberg nach Theresienstadt deportiert, seine Frau Alice Bromberg, die nach Globkes Kommentar “arisch, aber jüdisch versippt” war, ließ ihren Mann nicht im Stich. Ernst Bromberg lebte noch bis zum 10. Februar 1943, Alice Bromberg wurde am 9. Mai 1944 ermordet.
Sara Schwersenz, mit fast 71 Jahren das älteste Opfer aus beiden Häusern, war am 23. September 1942 mit einem der kleinen Transporte nach Theresienstadt gebracht worden. Im Mai 1944 wurde auf Befehl des RSHA der “Lagerbestand” dort um 7500 Menschen durch Transporte nach Auschwitz reduziert, weil man einer für Juni 1944 angekündigten internationalen Kommission des Roten Kreuzes einen “schönen und wohnlichen Ort” vorführen wollte. Sara Schwersenz wurde vermutlich am 17. Mai 1944 in eine der Gaskammern von Birkenau getrieben.
Am 12. Januar 1943 wurden Else Bromberg und Else Noher und am 19. Februar Leo und Margarete Hoffman nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Ihnen folgten am 26. Februar Ernst und Selma Schein mit ihrer 15-jährigen Tochter Eva. Sie erlitten in Auschwitz das gleiche Schicksal.
Ihr Sohn Günther Schein mußte noch bis Mitte Mai 1943 Zwangsarbeit bei der Berliner Färberei und Druckerei R. Wolf leisten. Er wurde am 17. Mai 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sein “Arbeitgeber” hat den Restlohn von rd. 84,— RM an die Vermögensverwertungsstelle beim Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg überwiesen.
Mit der Deportation des 66-jährigen Max Pollack am 4. August 1943 nach Auschwitz waren beide Häuser dann “judenfrei”. Es ist zu vermuten, dass Max Pollack auf Grund seines Alters nach der “Selektion” auf der Rampe sofort in einer der Gaskammern ermordet worden ist.
Teile seines Mobiliars wurden “mit Genehmigung durch den Dienststellenleiter, Herrn Oberregierungsrat Bötcher, an Bombengeschädigte, Wehrmachtsangehörige usw.” verkauft.
Hier liegen jetzt 20 Stolpersteine für Menschen, die 1939 in diesen Häusern gewohnt haben und deportiert und ermordet worden sind – Stolpersteine für zwanzig der über 7.000 aus Wilmersdorf deportierten und ermordeten Juden.
Mit den Stolpersteinen werden ihre Namen dem Vergessen entrissen, mit den Daten auf den Steinen wird ihr Schicksal den heute Lebenden verdeutlicht.
Unausgesprochen steht für jeden Stolperstein das “Nie wieder!”.

Quellen: Gedenkbuch des Bundesarchivs, 2. Auflage 2006; “Dr. Hans Globke, Aktenauszüge, Dokumente” Reinhard-M. Strecker (Herausgeber) Rütten & Loening Verlag 1961; Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, 1995; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep 36 A II; Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945, Gottwald/ Schulle, 2005.