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Stolpersteine an der Konstanzer Straße 4

Konstanzer Straße 4, Ecke Duisburger Straße, 27.2.2013, Foto: KHMM

Die sechs Stolpersteine an der Konstanzer Straße 4 wurden am 29.3.2008 verlegt, gemeinsam mit den 14 Stolpersteine an der Duisburger Straße 1 unmittelbar daneben.

Am 5.11.2011 wurde an der Ecke Duisburger und Konstanzer Straße neben den Stolpersteinen eine gläserne Gedenktafel aufgestellt.

Stolperstein für Ernst Bromberg, 27.2.2013, Foto: KHMM

HIER WOHNTE
ERNST BROMBERG
JG. 1872
DEPORTIERT 26.8.1942
THERESIENTADT
ERMORDET 10.2.1943

Ernst Bromberg (Isaac Ernst Bromberg) kam am 18. April 1872 in Aachen (damals Rheinprovinz) als Sohn des jüdischen Kantors und Grundschullehrers Abraham Bromberg (1833/1834–1915) und seiner Ehefrau Friederike (Riekchen), geb. Steinberg (1838/39–1920) auf die Welt. Sein Vater
stammte laut Sterberegistereintrag aus der Kreisstadt Aldenau in der Provinz Posen, der Großvater Bromberg war dort ebenfalls Kantor gewesen. Seine Mutter war in Vlotho in
Ostwestfalen aufgewachsen. Großvater Steinberg und auch ein Onkel waren Metzgermeister.
Der Vater von Ernst Bromberg arbeitete als Kantor und Lehrer zuerst im westfälischen Sauerland und dann in Aachen. Die ältesten Geschwister kamen noch im Sauerland auf die Welt: 1860 die Schwester Deborah in Marsberg (Kreis Brilon) und 1861 der Bruder Jeremias in Brilon. (Er lebte später als „Jermie“ Bromberg in den Niederlanden, wo er 1935 gestorben ist.)
In Aachen waren 1862 am Promenadenplatz (seit 1984 Synagogenplatz) eine Synagoge und 1868 eine neue jüdische Gemeindeschule eröffnet worden. Im Aachener Adressbuch von 1868 ist Abraham Bromberg bereits als Kantor der Gemeinde und Lehrer an der israelitischen Schule
verzeichnet. Die Familie wohnte in der Promenadenstraße 21/1. Sohn Ernst Bromberg wuchs also neben der Synagoge auf und wird die Schule besucht haben, an der sein Vater unterrichtete.
Wie viele Geschwister er hatte, bleibt unklar. Neben einigen wohl früh verstorbenen Schwestern und Brüdern kamen in Aachen 1863 der Bruder Adolph, 1865 die Schwester Anna und 1875 die Schwester Rosalie auf die Welt.
Ernst Bromberg wurde Kaufmann und ging nach Berlin. Dort heiratete er am 30. August 1899 die 1868 in Berlin geborene Alice Freudenberg, die noch bei ihren Eltern Gustav und Rebekka Freudenberg in der Klosterstraße 79 in „Alt- Berlin“ (heute Berlin-Mitte) lebte. Ihr Vater war gerichtlich vereidigter Taxator, also Gutachter, für Möbel und Nachlässe. Sie selbst war „ohne Beruf“. Im Heiratsregistereintrag steht als Religionszugehörigkeit „mosaisch“. Ob Alice Freudenberg auch nach den Rassengesetzen der NS-Diktatur Jüdin, jüdischer Herkunft oder „jüdisch versippt“ war, bleibt unklar oder wird widersprüchlich angegeben. Klar ist, dass fast all ihre nahen Verwandten Mitglieder der jüdischen Gemeinde gewesen sind oder – wie ihre Schwester Else und ihr Bruder Paul – vor der Taufe gewesen waren.
Ebenfalls 1899 heiratete Ernst Brombergs Schwester Rosalie nach Berlin, und die Eltern Bromberg zogen aus Aachen in die Reichshauptstadt. In den folgenden Jahren lebten sie im ruhigen Pankow, bis 1920 noch eine Landgemeinde bei Berlin.
Ernst Bromberg arbeitete als Geschäftsreisender und „Vertreter auswärtiger Häuser“. Er wohnte mit seiner Ehefrau zu Beginn des neuen Jahrhunderts in der Steinmetzstraße 25 in Schöneberg.

Hier wurde am 18. März 1900 die Tochter Else geboren. Am 30. Dezember 1903 kam Sohn Werner in der Moselstraße 8 in Friedenau auf die Welt. Aber dort blieb die Familie laut Adressbuch nur für ein Jahr. (Auch Schöneberg und Friedenau gehörten noch nicht zu Berlin.)
Danach lagen die Wohn- und Geschäftsadressen bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg zuerst in der Lindenstraße und dann in der Wilhelmstraße. Beide Straßen stehen eigentlich für das Berliner Presseviertel und das Regierungsviertel, aber in der Nähe war auch das Exportviertel Ritterstraße im heutigen Kreuzberg. Rund um die Ritterstraße waren nicht allein kleine Industriebetriebe und viele Handelsfirmen, sondern auch – wie eine ständige Messe – unzählige Musterlager. Ernst Bromberg besaß ein Tuchlager in der Wilhelmstraße.
Von 1912 bis zur NS-Diktatur lebten Ernst und Alice Bromberg in der Martin-Luther-Straße 45.
Heute wäre dies in der Nähe der Urania und der Keithstraße, damals standen hier repräsentative Bürgerhäuser. Als Beruf von Ernst Bromberg wird „Kaufmann“ angegeben. Es scheint, dass auch die Tochter Else – während dieser Jahre erwachsen geworden – weiterhin bei den Eltern gewohnt
hat.
Ernst Brombergs Schwestern Anna und Rosalie (die erste ledig geblieben und von Beruf Gesangslehrerin, die andere verheiratet) waren bereits Anfang des Jahrhunderts in Berlin
gestorben. Mitte Oktober 1915 starb auch sein Vater Abraham Bromberg, und seine Mutter zog zu Sohn und Schwiegertochter in die Martin-Luther-Straße. Dort starb sie am 4. April 1920.
Nach dem Beginn der NS-Diktatur wechselte die Familie Bromberg einige Male die Wohnung, wohnte in der Erfurter Straße und der Sybelstraße. Seit 1938 lebte sie in einer 4-Zimmer-Wohnung in der ersten Etage des Vorderhauses der Konstanzer Straße 4, ein Eckhaus zur Duisburger
Straße. Ernst Bromberg wurde im Berliner Adressbuch bis zum letzten Eintrag im Jahr 1940 als „Kaufmann“ notiert. Sohn Werner Bromberg, der beim Lette-Verein eine Lehre zum Fotografen absolviert hatte, wohnte Ende der 1930er-Jahre nicht mehr bei den Eltern, sondern in der nahen
Xantener Straße 10. Die unverheiratete Tochter Else Bromberg war Zwangsarbeiterin bei der Krone Presswerk GmbH in Berlin-Lichtenberg.
Am 13. Juni 1942 wurde der Sohn Walter Bromberg Richtung Sobibor/Maidanek deportiert und am 19. Juni 1942 im Vernichtungslager Maidanek ermordet. Seine Eltern Ernst und Alice Bromberg wurden am 26. August 1942 vom Anhalter Bahnhof aus mit einem der „kleinen“ Alterstransporte
(100 Personen in zwei Personenwaggons) nach Theresienstadt deportiert. Tochter Else Bromberg
blieb in der Wohnung und musste jüdische Untermieter aufnehmen.
Ernst Bromberg kam bereits am 10. Februar 1943 in Theresienstadt um. Seine Ehefrau Alice lebte noch bis zum 8. Mai 1944. Else Bromberg wurde am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Quellen:
Adressbuch Aachen
Berliner Adressbücher
Berliner Telefonbücher
BLHA Brandenburgisches Landeshauptarchiv

Deutscher Reichsanzeiger
Gedenkbuch Bundesarchiv
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005
HU Datenbank Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry
Yad Vashem. Opferdatenbank
https://www.geni.com/people/
https://www.mappingthelives.org/
https://www.statistik-des-holocaust.de/
https://www.juedische-gemeinden.de/
https://arolsen-archives.org/

Vorrecherchen Nachlass von Wolfgang Knoll

Stolperstein für Alice Bromberg, 27.2.2013, Foto: KHMM

HIER WOHNTE
ALICE BROMBERG
GEB. FREUDENBERG
JG. 1875
DEPORTIERT 26.8.1942
THERESIENTADT
ERMORDET 9.5.1944

Alice Bromberg kam am 12. November 1868 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Gustav Freudenberg (1834–1902) und seiner Ehefrau Rebekka, geb. Franck (Friederike genannt, 1840–1909) auf die Welt. Ihr Vater war gerichtlich vereidigter Taxator, also Gutachter, für „Möbel, Betten, ausgeräth und Nachlaßsachen“. Er stammte aus einer jüdischen Tuchmacherfamilie: Großvater Moses Freudenberg (1786–1846) hatte noch in der Tuchmacherstadt Burg nicht weit von Magdeburg gelebt. Die zehn Kinder des Ehepaars waren in Gommern „vor den Toren Magdeburgs“ auf die Welt gekommen und später nach Magdeburg und Berlin gegangen oder ausgewandert. Alice Freudenberg muss einige ihrer Onkel und Tanten während ihrer Kindheit kennengelernt haben.
Über die Familie ihrer Mutter ist wenig bekannt. Friederike Franck, Tochter von Bernhard Franck, stammte wohl aus Hannover und hatte 1860 in Berlin Gustav Freudenberg geheiratet. Einige Kinder der Beiden waren früh verstorben, erwachsen wurden fünf Geschwister von Alice Freudenberg: Lydia (*1862), Marie (*1865), Paul (*1867), Richard (?, *1871) und Else (*1880).
1868, im Jahr ihrer Geburt, wohnte die Familie in der Heiligegeiststraße in Alt-Berlin (heute Mitte).
In den folgenden Jahren zog sie einige Male um. Zuletzt wohnten die Eltern in der Klosterstraße 79, ebenfalls im „alten“ Berlin.
Alice Freudenberg lebte bis zur Hochzeit bei den Eltern – so war es üblich, wenn das Einkommen des Vaters reichte. Einen der wenigen für Mädchen ihrer Herkunft möglichen Berufe lernte sie nicht. Am 30. August 1899 heiratete Alice Freudenberg den 1872 in Aachen geborenen Kaufmann
Ernst Bromberg. Er war der Sohn des jüdischen Kantors und Grundschullehrers Abraham Bromberg (1833/1834–1915) und der Friederike, geb. Steinberg (1838/39–1920). Sein Vater hatte seit 1868 in Aachen gearbeitet, und Sohn Ernst Bromberg war dort im Schulgebäude neben der Synagoge aufgewachsen. Aber er war nicht Kantor geworden wie Vater und Großvater, sondern Kaufmann und nach Berlin gegangen.

Im Heiratsregistereintrag steht als Religionszugehörigkeit „mosaisch“. Ob Alice Freudenberg auch nach den Rassengesetzen der NS-Diktatur Jüdin, jüdischer Herkunft oder „jüdisch versippt“ war, bleibt unklar oder wird widersprüchlich angegeben. Klar ist, dass fast all ihre nahen Verwandten Mitglieder der jüdischen Gemeinde gewesen sind oder – wie ihre Schwester Else und der Bruder Paul – vor der Taufe gewesen waren.

Ebenfalls 1899 heiratete Alice Brombergs Schwägerin Rosalie nach Berlin, und die Schwiegereltern Bromberg zogen aus Aachen in die deutsche Hauptstadt.
Ernst Bromberg arbeitete als Geschäftsreisender und „Vertreter auswärtiger Häuser“. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts lebten Alice Bromberg und ihr Ehemann in der Steinmetzstraße 25 in Schöneberg. Hier wurde am 18. März 1900 die Tochter Else (genannt nach einer Schwester der
Mutter) geboren. Am 30. Dezember 1903 kam Sohn Werner in der Moselstraße 8 in Friedenau auf die Welt. Die Wohnadressen der Familie und gleichzeitigen Geschäftsadressen lagen danach bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg zuerst in der Lindenstraße und dann in der Wilhelmstraße im heutigen Kreuzberg. In der Nähe war das Exportviertel Ritterstraße. In dieser Gegend gab es nicht
allein kleine Industriebetriebe und viele Handelsfirmen, sondern auch unzählige Musterlager:
Ehemann Ernst Bromberg besaß ein Tuchlager in der Wilhelmstraße.
1902 starb der Vater von Alice Bromberg in der Klosterstraße 79. Lydia Liedtke, die verwitwete Schwester von Alice Bromberg, lebte bei ihm. 1909 starb auch die Mutter Friederike/Rebekka Freudenberg – sie hatte zuletzt als Rentiere mit ihrer Tochter Else zusammengelebt und Zimmer
vermietet.
Von 1912 bis zur NS-Diktatur lebten Alice und Ernst Bromberg in der Martin-Luther-Straße 45.
Heute wäre dies in der Nähe der Urania und der Keithstraße, damals standen hier repräsentative Bürgerhäuser. Es scheint, dass auch die Tochter Else – während dieser Jahre erwachsen geworden – weiterhin bei den Eltern gewohnt hat.
Mitte Oktober 1915 starb auch der Schwiegervater Abraham Bromberg, und die Schwiegermutter Friederike zog zu Sohn und Schwiegertochter in die Martin-Luther-Straße. Dort starb sie am 4. April 1920.
Nach dem Beginn der NS-Diktatur wechselte die Familie Bromberg einige Male die Wohnung, wohnte in der Erfurter Straße und der Sybelstraße. Seit 1938 lebte sie in einer 4-Zimmer-Wohnung in der ersten Etage des Vorderhauses der Konstanzer Straße 4, an der Ecke zur Duisburger
Straße. Sohn Werner Bromberg, Fotograf mit einer Ausbildung beim renommierten Lette-Verein, wohnte Ende der 1930er-Jahre nicht mehr bei den Eltern, sondern in der nahen Xantener Straße 10. Tochter Else Bromberg wurde zur Zwangsarbeit bei der Firma Krone Presswerk GmbH in
Berlin-Lichtenberg gepresst.
Am 13. Juni 1942 wurde Sohn Walter Richtung Sobibor/ Maidanek deportiert und am 19. Juni 1942
im Vernichtungslager Maidanek ermordet. Seine Eltern Ernst und Alice Bromberg wurden am 26. August 1942 vom Anhalter Bahnhof aus mit einem der „kleinen“ Alterstransporte (100 Personen in zwei Personenwaggons) in das Ghettolager Theresienstadt deportiert. Else Bromberg blieb in der
Wohnung der Familie und musste jüdische Untermieter aufnehmen.
Ernst Bromberg kam bereits am 10. Februar 1943 in Theresienstadt um. Alice Bromberg lebte noch bis zum 8. Mai 1944. Ihre Tochter Else Bromberg wurde am 12.Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Quellen:

Adressbuch Aachen
Berliner Adressbücher
Berliner Telefonbücher
BLHA Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Deutscher Reichsanzeiger
Gedenkbuch Bundesarchiv
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005
HU Datenbank Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry
Yad Vashem. Opferdatenbank
https://www.geni.com/people/
https://www.mappingthelives.org/
https://www.statistik-des-holocaust.de/
https://www.juedische-gemeinden.de/
https://arolsen-archives.org/
https://peoplepill.com › people ›
https://de.findagrave.com › memorial
https://commons.wikimedia.org
https://www.xn—jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/s-t/1761-schoenebeck-elbe-sachsen-anhalt
Vorrecherchen Nachlass von Wolfgang Knoll

Stolperstein für Else Bromberg, 27.2.2013, Foto: KHMM

ELSE BROMBERG
JG. 1900
DEPORTIERT 12.01.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Else Bromberg kam am 18. März 1900 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Ernst Bromberg (1872–1943) und seiner Ehefrau Alice, geb. Freudenberg (1868–1944) auf die Welt. Ihr Vater stammte aus Aachen und war dort als Sohn des jüdischen Kantors und Grundschullehrers Abraham Bromberg (1833/1834–1915) und der Friederike, geb. Steinberg (1838/39–1920) aufgewachsen. Ihre Mutter war Berlinerin und Tochter des aus der Nähe von Magdeburg stammenden Kaufmanns Gustav Freudenberg (1834-1902) und seiner Ehefrau Rebekka (genannt Friederike), geb. Franck (1840–1909).
Ihr Vater arbeitete in Berlin als Geschäftsreisender und „Vertreter auswärtiger Häuser“. Am 30. August 1899 hatte er Alice Freudenberg, die noch bei ihren Eltern lebte, geheiratet. Ernst und Alice Bromberg wohnten anfangs in der Steinmetzstraße 25 in Schöneberg, fast an der Ecke
Goebenstraße. In dieser Wohnung wurde Else Bromberg (genannt nach einer Schwester der Mutter) am 18. März 1900 geboren. Mehr als drei Jahre später, am 30. Dezember 1903, kam ihr Bruder Werner in der Moselstraße 8 in Friedenau auf die Welt. Während ihrer Kindheit zogen die Eltern einige Male um. Bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg befanden sich die Wohnungen der Familie, die gleichzeitig auch die Geschäftsadressen des Vaters waren, nacheinander in der
Lindenstraße und in der Wilhelmstraße im heutigen Berlin-Kreuzberg. Hier verbrachte Else Bromberg ihre Kindheit. 1912 zogen Eltern und Kinder in die Martin-Luther-Straße 45 und blieben dort bis zum Beginn der NS-Diktatur. Heute wäre dies in der Nähe der Berliner Urania und der Keithstraße, damals standen hier repräsentative Bürgerhäuser.
Else Bromberg und ihr Bruder wurden während dieser Jahre erwachsen. Beide blieben ledig, und es scheint, dass zumindest Else bei den Eltern geblieben ist. Auf welche Schule sie gegangen ist, welchen Beruf sie gelernt hat, war bis jetzt nicht zu erfahren. Ihr Bruder Werner absolvierte eine
Ausbildung zum Fotografen beim Lette-Verein in Berlin. Ob auch er weiterhin in der Martin-Luther-Straße wohnte?
Zahlreiche Verwandte lebten ebenfalls in Berlin. Die Großmutter Freudenberg und die Großeltern Bromberg, letztere seit 1899 in Berlin, müssen zur Kindheit und/oder Jugend von Else Bromberg gehört haben. (Zudem lebte die verwitwete Großmutter Friederike Bromberg während ihrer letzten Lebensjahre bei ihrem Sohn und dessen Familie in der Martin-Luther-Straße.) Auch Tanten und Onkel, ledig und verheiratet, wohnten in der Nähe. Nach dem Beginn der NS-Diktatur wechselte die Familie Bromberg einige Male die Wohnung. Seit 1938 lebte sie in einer 4-Zimmer-Wohnung in der ersten Etage des Vorderhauses der Konstanzer Straße 4. Werner Bromberg war ausgezogen und Ende der 1930er-Jahre Untermieter (?) in der nahen Xantener Straße 10.
Else Bromberg musste während des Krieges als Zwangsarbeiterin bei der Krone Presswerk GmbH in der Frankfurter Allee 288 in Berlin-Lichtenberg arbeiten. Die Firma, Tochtergesellschaft eines älteren Betriebes, produzierte seit 1938 kriegswichtige Zünder aus Pressstoff. – Ein weiter Weg und ein langer Arbeitstag für die Frau aus der Konstanzer Straße.
Im Juni 1942 begann die Deportation ihrer Familie: Ihr Bruder Werner Bromberg, dessen letzte Anschrift laut Transportliste wieder die Konstanzer Straße 4 war, wurde am 13. Juni 1942 Richtung Sobibor/Maidanek deportiert und am 19. Juni 1942 im Vernichtungslager Maidanek ermordet. Ihre
Eltern Ernst und Alice Bromberg wurden am 26. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ihr Vater kam dort bereits am 10. Februar 1943 um. Ihre Mutter lebte noch bis zum 8. Mai 1944.
Else Bromberg musste jüdische Untermieter aufnehmen: In zwei möblierten Zimmern wohnten Richard Gottschalk (*1892) und seine Ehefrau Grete (*1904) mit ihrem Sohn Klaus (*1932). Eine Schlafstelle war an die erst 17-jährige Erna Gutschein aus Berlin vermietet.
Ende 1942 musste Else Bromberg ihre Vermögenserklärung ausfüllen. Vom Sammellager in der Großen Hamburger Straße wurde sie am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert. In dem „26. Osttransport“ befanden sich über 1100 Menschen. Nach der Ankunft am 13. Januar 1943 wurden 127 Männer zur Arbeit in das Lager selektiert, alle anderen wurden in den Gaskammern von Birkenau ermordet. Zu ihnen gehörte auch Else Bromberg.

Die Familie Gottschalk wurde am 26. Januar 1943 nach Theresienstadt deportiert. Mutter und Sohn überlebten, der Vater starb 1944 in Auschwitz. Erna Gutschein wurde mit dem nächsten Osttransport am 29. Januar 1943 direkt nach Auschwitz verschleppt. In die leer gewordenen Zimmer wurde ein ausgebombtes Ehepaar eingewiesen.

Quellen:
Adressbuch Aachen
Berliner Adressbücher
Berliner Telefonbücher
BLHA Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Deutscher Reichsanzeiger
Gedenkbuch Bundesarchiv
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005
HU Datenbank Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry
Yad Vashem. Opferdatenbank
https://www.geni.com/people/
https://www.mappingthelives.org/
https://www.statistik-des-holocaust.de/
https://www.juedische-gemeinden.de/
https://arolsen-archives.org/
https://peoplepill.com › people ›
https://de.findagrave.com › memorial
https://commons.wikimedia.org
https://www.xn—jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/s-t/1761-schoenebeck-elbe-sachsen-anhalt

Vorrecherchen Nachlass von Wolfgang Knoll

Stolperstein für Paula Sommerfeldt, 27.2.2013, Foto: KHMM

HIER WOHNTE
PAULA SOMMERFELDT
GEB. DAVIDSOHN
JG. 1884
DEPORTIERT 13.6.1942
SOBIBOR
ERMORDET

Stolperstein für Max Pollack, 27.2.2013, Foto: KHMM

HIER WOHNTE
MAX POLLACK
JG. 1877
DEPORTIERT 4.8.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Stolperstein für Johanna Sechehaye, 27.2.2013, Foto: KHMM

HIER WOHNTE
JOHANNA SECHEHAYE
GEB. SCHWARZ
JG. 1897
DEPORTIERT 1942
RAVENSBRÜCK
ERMORDET 27.4.1942
BERNBURG