HIER WOHNTE
DR. HERMANN
NELKI
JG. 1863
FLUCHT 1933
BELGIEN
1938 ENGLAND
Hermann Nelki, geboren 1863, entstammte einer nicht-religiösen, aschkenasischen Familie. Anders als seine Vorfahren entschied er sich ein Studium aufzunehmen. Trotz finanzieller Not wurde er 1894 approbierter Zahnarzt und erreichte gesellschaftlich einen bemerkenswerten Aufstieg. Hermann engagierte sich in der Politik, war Wahlmann der nationalliberalen Partei und gemeinsam mit seiner Frau Ernestine aktiv im „Verein zum Schutz der Kinder“.
Im Jahr 1910 änderte sich das Leben der Familie Nelki in Spandau abrupt, als ein großes Schild vor der Zahnarztpraxis angebracht wurde: „Geht nicht zum jüdischen Zahnarzt Nelki“. Die Familie zog nach Schöneberg in die Wartburgstraße, wo das jüngste Kind, Wolf, geboren wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte der Umzug in die Augsburger Straße 25 in Charlottenburg – eine Siebenzimmerwohnung mit Vor- und Hintereingang. Das beste Zimmer mit Parkett wurde zur Praxis, das ehemalige Dienstmädchenzimmer zum Dentallabor umfunktioniert. Die Familie richtete die Praxis gemeinsam ein und lebte hier wieder unter einem Dach.
1921 promovierte Hermann im Alter von 59 Jahren an der Universität Königsberg in Zahnmedizin. Hermanns 70. Geburtstag am 17. Januar 1933 wurde in der Presse gefeiert – er galt als hervorragender Zahnarzt. Die Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 veränderte alles. Am 31. März 1933 verließen Hermann und Ernestine mit ihrem Sohn Henry Berlin – „für zwei Wochen“, sagte Hermann. Sie kehrten nie zurück.
Mit Hilfe von Verwandten lebten sie zunächst in Brüssel, dann bei Otto in London. Hermann Nelki starb am 12. Januar 1941.
Deutscher Text: Dr. Friederike Kendel nach der englischen Vorgabe von Julia Nelki.