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Erich Mendelsohn, Architekt

Erich Mendelsohn war einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1887 in Allenstein in Ostpreußen geboren und kam 1908 nach Berlin, wo er an der Technischen Universität Architektur studierte. 1912 machte er sich zunächst in München selbständig, kam aber 1918 wieder nach Berlin. Bis 1929 lebte er in der Katanienallee in Westend.

1920 bis 1921 wurde nach seinen Entwürfen der Einstein-Turm in Potsdam gebaut, der als eines der wichtigsten frühen Beispiele expressionistischer Architektur gilt. 1927 bis 1928 baute er am Kurfürstendamm für die WOGA die große Wohnanlage zwischen Albrecht-Achilles- und Cicerostraße mit dem Kabarett der Komiker und dem Universum-Kino, in dem heute die Schaubühne residiert, ebenfalls ein bedeutendes Baudenkmal des Expressionismus.

Er baute eine Reihe von Villen in Charlottenburg und Zehlendorf, darunter 1929 bis 1930 hier seine eigene Am Rupenhorn 6. Es ist ein flachgedeckter, zweigeschossiger, weiß geputzter Backsteinbau mit einer großen Terrassenanlage zur Havel hin. Die Villa gilt als bedeutendes Beispiel für seinen in den 20er Jahren entwickelten Stil der horizontal betonten und gekurvten Fassaden mit langen Fensterbändern. Alle Wohnräume sind zur Havel hin ausgerichtet. Die Fenster im Wohn- und im Musikzimmer können versenkt werden, um die Landschaft optimal in den Wohnbereich einzubeziehen. Quer durch den Garten ließ Mendelsohn einen Zaun bauen zum Schutz vor Wildschweinen. Der Garten ist inzwischen allerdings mehr und mehr zugewachsen. Zu der Gesamtanlage heißt es in einem Kommentar in “Berlin und seine Bauten” von 1972: “Die Durchformung der Details im Hause und in den Mauern, Wegen und Terrassen des Gartens hat in Berlin nicht ihresgleichen.”

Mendelsohn konnte hier allerdings nur noch drei Jahre leben. Dann musste er vor den Nazis fliehen, im April 1933 zunächst nach London, dann 1939 nach Palästina und schließlich 1941 in die USA. In Haifa hatte er bereits 1936 ein Büro eröffnet. 1937 bis 1938 baute er dort die Hebräische Universität und 1938 in Jerusalem das Hadassa-Krankenhaus. Auch in den USA war er als Architekt produktiv. 1950 baute er die Synagoge in St. Louis und 1952 in Cleveland. 1987 bis 1988 wurde ein Anbau errichtet, und an der Straßenfront wurden leichte Veränderungen vorgenommen.

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Gedenktafel für Erich Mendelsohn, 7.2.2007
Bild: BACW/ KHMM

Die Gedenktafel (Porzellantafel der KPM) für Erich Mendelsohn wurde am 19.9.1988 am Haus, Rupenhorn 6, enthüllt.

BERLINER GEDENKTAFEL
Wohnhaus Mendelsohn
erbaut 1928 bis 1930 von dem Architekten
ERICH MENDELSOHN
21.3.1887-15.9.1953
der hier von 1930 bis zu seiner Emigration
im März 1933 lebte und arbeitete

vgl. auch Erich Mendelsohn, Architekt