Hornblatt (Ceratophyllum demersum)

Hornblatt (Ceratophyllum demersum)

Das Hornblatt: Eine ganz besondere Pflanze!

  • Repositionspflanze, die viele Nährstoffe aus dem Wasser zieht (natürlicher Wasserfilter).
  • Sie ist ein sehr guter Sauerstoffspender (der gebildete Sauerstoff steht dem Gewässer besser zur Verfügung als durch jede künstliche technische Zufuhr von außen).
  • Sie verhindert Fischsterben durch ihre Sauerstoffproduktion.
  • Sie bietet Fischen Versteckmöglichkeiten für die Brut sowie Schutz vor Fressfeinden.
  • Das Hornblatt hilft vorhandene Verschlammung am Boden zu reduzieren.
Hornblatt Zeichnung

Das Hornblatt ist eine frei schwimmende heimische Unterwasserpflanze, die in Seen und Teichen anzutreffen ist. Sie wächst in stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Das Hornblatt hat keine Wurzeln zur Verankerung im Boden. Es treibt durch das Wasser und nimmt Nährstoffe durch wurzelähnliche Gebilde auf, welche aus umgewandelten Sprossen entstanden sind. Die Pflanze wächst an einem Ende weiter und stirbt gleichzeitig am anderen ab. Das Hornblatt ist eine anspruchslose Pflanze, die auch bei wenig Licht und geringen Temperaturen sehr schnell wächst. Die fedrigen, dünnen Sprosse brechen allerdings sehr leicht ab und entwickeln sich dann zu neuen Pflanzen weiter. Sie neigt dazu bei genügend Nährstoffgehalt, sich stark auszubreiten und andere Pflanzenarten zu verdrängen. Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort.
Im Herbst bilden sich Knospen, die im nächsten Frühjahr wieder austreiben. Die restlichen Teile der Pflanzen sterben bei Minusgraden ab. Die Vermehrung erfolgt über Seitentriebe oder die Knospen.

Hornblatt

Ökologische Funktion

Das Hornblatt und die Wasserqualität

Unter der Wasseroberfläche lebende Pflanzen (submerse Wasserpflanzen), allen voran das Hornblatt, spielen eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Wasserqualität von flachen, sehr nährstoffreichen Gewässern. Das Hornblatt muss seinen Nährstoffbedarf direkt aus dem Wasser aufnehmen. Auf diese Weise reduziert es, durch den Aufbau eigener Biomasse aus den im Wasser gelösten Nährstoffen, den Nährstoffgehalt im Wasser. Durch den Kampf um Nährstoffe und Licht, konkurrieren Wasserpflanzen mit dem Phytoplankton. In Seen mit submersen Wasserpflanzen, sind die Voraussetzungen für das Zooplankton, tierisches Plankton, daher günstiger als für das Phytoplankton, pflanzliches Plankton. Dieser Umstand und die Tatsache, dass das Hornblatt zu den Pflanzen gehört, welche über die Abgabe pflanzeneigener chemischer Verbindungen, das Wachstum und die Entwicklung anderer Pflanzen beeinflussen und hemmen können (Allelopathie), kann sich positiv z.B. auf die Verhinderung einer Algenblüte auswirken. Aus diesem Grund sind Gewässer, in denen das Hornblatt anzufinden ist, auch relativ klar und zeichnen sich durch eine gute Sichttiefe aus. Die Allelochemikalien, chemische Verbindungen aus dem Stoffwechsel der Pflanze, die diese über Blätter und Wurzeln an ihre Umgebung abgibt (Allelophatie), sind jedoch nicht bei allen Pflanzen wirksam. Vor allem Aufsitzerpflanzen sind gegenüber diesen Wirkstoffen weniger empfänglich und werden in ihrem Wachstum daher nicht besonders gehemmt. Die Fadenalge ist eine häufige Aufsitzerpflanze des Hornblatts und reduziert dessen Vitalität.

Wasserpflanzen produzieren, wie alle Pflanzen, Sauerstoff, welches sie dem Wasser zufügen. Sauerstoff ist nicht nur lebensnotwendig für alle tierischen Lebensformen im Wasser, sondern spielt auch bei dem Abbau der organischen Abfallstoffe und dem Schlammabbau eine wichtige Rolle. Dieser Effekt der Pflanze ist in den Sommermonaten besonders wichtig, da es in dieser Zeit häufig zu Sauerstoffarmut in den Gewässern kommt, der dann zu einem Fischsterben führen kann.

In Seen mit schlammigen Grund, indem sich außerdem viele Schadstoffe fixieren und Nährstoffe anreichern, wie in unseren Stadtseen, kann das Hornblatt zu weiteren positiven Effekten beitragen. So wird die wetterbedingte Durchmischung des Wassers, z.B. bei Stürmen oder Starkwetterereignissen, die sich im Zuge des Klimawandels in Zukunft häufen werden, und das damit einhergehende erneute Aufwirbeln von belasteten Bodensedimenten durch den Pflanzenbewuchs besser verhindert und es kommt nicht zu einem erneuten Düngeeffekt und einer Lösung der Schadstoffe aus dem Bodensediment.
Gerade in unseren, von Schadstoffen belasteten, Seen ist das Hornblatt daher sogar ein Segen. Wasserpflanzen können Schwermetalle in ihrer Biomasse akkumulieren und entziehen diese dem Gewässer. Das Hornblatt kann dabei besonders effektiv bei der Entfernung von Zink, Kupfer und Blei eingesetzt werden.

Wasserfloh

Das Hornblatt als Lebensraum

Unter der Wasseroberfläche lebende Pflanzen haben aber noch weitere Vorteile. Sie tragen zur Strukturvielfalt eines Sees bei und lassen so vielfältigere Lebensräume entstehen, die sich positiv auf die Artenvielfalt auswirken. Je vielfältiger das Biotop strukturiert ist, desto mehr Nischen können entstehen, die von einer Vielfalt von Lebewesen als Lebensraum genutzt werden können.
Das Hornblatt zeichnet sich dabei sogar durch eine höhere Artenvielfalt aus, als andere submerse Wasserpflanzen mit vergleichbaren Ansprüchen an den Lebensraum. Auf Pflanzenteilen, die dem Licht zugewandt sind, etabliert sich ein Biofilm aus verschiedenen Phytoplanktern, wie z.B. Kieselalgen, der u.a. von Süßwasserschnecken begrast wird, die wiederum eine Nahrungsquelle für Wasservögel stellen. So setzt sich ein weit verzweigtes Nahrungsnetz in Gang, das das komplexe Ökosystem intakt hält.

Das Phytoplankton stellt die Nahrungsgrundlage vieler anderer Arten dar, wie z.B. das Zooplankton, wie Wasserflöhe (Daphnia) und Rädertierchen (Rotifera). Das Zooplankton zieht sich gerne in das schützende Dickicht des Hornblatts zurück, um sich vor ihren Fressfeinden, den Fischen, zu verbergen. Doch auch die junge Fischbrut und kleinere Fische, die die Nahrungsquelle für größere Fische darstellen, ziehen sich zum Schutz in das Hornblatt zurück. Es stellt für sie Nahrungsgrundlage und Sicherheit in einem dar. Das Zooplankton und viele Wirbellose, die im Wasser leben, gehören in einem See zu den aktiven Filtrierern, die Nahrungspartikel aus dem Wasser filtern und für eine natürliche Selbstreinigung von Gewässern essentiell sind. Vor allem Insektenlarven, die für ihr Larvenstadium ans Gewässer gebunden sind, kommen hier vor, verstecken sich vor ihren Fressfeinden und ernähren sich zugleich von der hier vorkommenden großen Nahrungsvielfalt im See.

Das Hornblatt stellt vor allem einen Lebensraum für die Zuckmückenlarve dar, die eine besondere Rolle im Ökosystem spielt. Durch ihr massenhaftes Auftreten, nimmt sie eine besondere Stellung in der Nahrungskette ein. Im See ist die Zuckmückenlarve die Hauptnahrung vieler Fische. Schlüpfen die Larven entstehen regelrechte Mückenschwärme über dem Wasser, die zur Grundnahrung vieler Vögel, wie z.B. dem Mauersegler und der Schwalbe, aber auch Fledermäusen, wie z.B. der Wasserfledermaus gehören. Im Sommer kann man vor allem in den Abendstunden z.B. am Koenigssee oft Fledermäuse beim Jagen über dem Wasser beobachten.
Aber auch andere räuberische Insektenlarven sind Fressfeinde der Zuckmückenlarve. Zygopteralarven, die Larven der Wasserjungfern, einer Kleinlibellenart, sind besonders häufig in Seen in denen das Hornblatt vorkommt. Viele Libellen gehören zu den bedrohten Arten, aus diesem Grund sind alle Libellen, auch die Kleinlibellen, in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz §39 Abs. 1 und durch die Bundesartenschutzverordnung §1 geschützt. Um sie effektiv zu schützen ist es vor allem wichtig, auch den Lebensraum zu bewahren, indem sie ihre Kinderstube verbringen und somit bekommen Gewässer mit submersen Wasserpflanzen, wie das Hornblatt, eine besondere Bedeutung.

Das Hornblatt ist somit wichtiger Bestandteil im intakten Ökosystem See und wichtiger Bestandteil zur Aufrechterhaltung des Nahrungsnetzes aller ans Wasser gebundener Lebewesen. Aus diesem Grund ist es nach §39 Bundesnaturschutzgesetzt verboten, wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten.

Quellen:

Heavy metal adsorption properties of a submerged aquatic plant (Ceratophyllum demersum)
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Habitat structural complexity mediates the foraging success of multiple predator species
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Die Zukunft der Arten, Neue ökologische Überraschungen
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Ceratophyllum demersum hampers phytoplankton development in some small Norwegian lakes over a wide range of phosphorus concentrations and geographical latitude
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Can allelopathically active submerged macrophytes stabilize clear-water states in shallow lakes?
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Impact of submerged macrophytes including charophytes on phyto- and zooplankton communities: allelopathy versus other mechanisms
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Fish predation and benthic community structure: The role of omnivory and habitat complexity
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