Neubewertung von Stadtnatur als lebende Infrastruktur
Der Fachdialog „Neubewertung von Stadtnatur als lebende Infrastruktur“ brachte Expert:innen aus Medizin, Ökonomie, Umwelt und Verwaltungsrecht mit Vertreter:innen von Bezirk, Senat und kommunalen Unternehmen zusammen, zum Austausch entlang der Leitfrage:
Wie kann Stadtentwicklung Gesundheit, Klimaresilienz und Gemeinwohl systematisch mitdenken? Wie lassen sich Infrastrukturprojekte so planen, dass zentrale Gemeinwohlziele wie Klimaschutz, Gesundheit, soziale Teilhabe und ökonomische Weitsicht systematisch in rechtliche Rahmenbedingungen und haushaltspolitische Entscheidungen integriert werden?
Im Zentrum standen die gesundheitlichen Kosten urbaner Hitzeinseln, rechtliche Spielräume im Planungsrecht und neue Finanzierungsmodelle für grüne Infrastruktur. Daraus ergaben sich konkrete Ansatzpunkte: für sofortige Anpassungen der aktuellen M10-Trassenplanung auf der Mierendorff-Insel, für die Ausrichtung von Planungsprozessen in weiteren Berliner Bezirken, für die systematische Einbindung der Vermögenswerte grüner Infrastruktur in Investitions- und Planungsprozesse von Bezirk, Senat und kommunalen Unternehmen sowie für die Entwicklung eines neuen Verfahrens, das Fachlichkeit, Gemeinwohl und langfristige Kostenwahrheit in Einklang bringt und bisherige Standards ablösen kann.
- Der Fachdialog machte deutlich: Stadtnatur ist Teil einer präventiven Gesundheitsinfrastruktur und zugleich ein volkswirtschaftlich relevanter Standortfaktor. Denn die Abwägung ökologischer, gesundheitlicher und sozialer Belange ist nach Planungsrecht nicht nur verpflichtend, sondern auch ein doppelter Gewinn: Sie schafft rechtliche Verbindlichkeit – und ermöglicht zugleich, Investitionen in lebende Infrastruktur über die Bilanzierung von Umweltleistungen als wirtschaftlich tragfähige und berichtspflichtige Maßnahmen darzustellen.
- Die Studie zur ökosystembasierten Baumbewertung, beauftragt vom Bezirksamt und The Nature Conservancy, begleitet von DorfwerkStadt e.V. und durchgeführt vom Trees-as-Infrastructure Team der gemeinnützigen Organisation Dark Matter Labs, quantifiziert erstmals den ökologischen, gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen der dortigen Straßenbäume. Sie zeigt, dass der Verlust von Bestandsbäumen durch die geplante Verlängerung der Tramlinie M10 erhebliche Gemeinwohlkosten in Millionenhöhe verursachen würde.
Die Ergebnisse des Fachdialogs fließen in eine stadtweite Werkstattreihe ein: Ab Dezember 2025 werden in mehreren Werkstätten konkrete Handlungspfade für eine gesundheits- orientierte Stadtentwicklung erprobt – mit echten Berliner Fällen, Werkzeug-Prototypen und rechtlichen Hebeln.
Vielen Dank für die aktive Teilnahme am Fachdialog an: Daniel Aichinger, Katharina Auffarth, Jamie Chan, Tyco Coté, Thorsten Deppner, Jochen Flenker, Dr. Ulrich Heink, Dr. Marie-Therese Hölscher, Dr. Ellis Huber, Dirk Jakubczick, Dr. Remzi N. Karaalp, Sebastian Klemm, Agnes Kummelt, Sandra Naumann, Annemarie Nazarek, Rebecca Noebel, Alexa Pastoors, Caroline Paulick-Thiel, Oliver Schruoffeneger, Jordin Tahana, Dr. Bettina Weiß, Dr. Irina Zuschneid
-
Neubewertung von Stadtnatur als lebende Infrastruktur - Fachdialog
PDF-Dokument (142.9 kB)
-
Ökosystembasierte Baumbewertung Berlin Mierendorffinsel
PDF-Dokument (2.8 MB)