Erlebnispfad Stadtnatur im Volkspark Jungfernheide

Station 9: Seerosenplatz

Erlebnispfad Stadtnatur Volkspark Jungfernheide Seerosen

Romantische Aussicht

Lass deinen Blick in die Ferne bis zum Unterstellhäuschen schweifen und genieße die Ruhe und Natur um dich herum. Genauso hatte der Landschaftsarchitekt Erwin Barth sich das vor mehr als 100 Jahren ausgedacht. Und weil alles so wunderbar gelungen ist, ist der gesamte Volkspark Jungfernheide ein Gartendenkmal, welches vom Grünflächenamt besonders gehegt und gepflegt wird.

Volkspark Jungfernheide, Jungfernheideteich, Seerosen

Dürfen wir vorstellen: Nymphaea alba

Ihre Schönheit hat berühmte Maler von je her zu Gemälden inspiriert. Die Weiße Seerose (Nymphaea alba) ist in Mitteleuropa beheimatet und auch im Jungfernheideteich zu finden. Sie bildet von Mai bis September wohlriechende weiße Blüten aus, die bis zu 12 cm groß werden können. Die gelben Staubblätter geben reichlich Blütenstaub ab, für den sich Fliegen, Schilfkäfer und Hummeln interessieren.

Der Sage nach werden Seerosen von Nixen bewacht, die jeden, der sie zu pflücken versucht, in die Tiefe ziehen. Das stimmt zwar (vermutlich) nicht, trotzdem ist die Lehre aus der Geschichte ganz aktuell: Seerosen sind geschützt und dürfen nicht gepflückt werden!

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  • Sagenhaft schön

    Ihre Schönheit hat berühmte Maler zu Gemälden inspiriert, die heute in renommierten Museen auf der ganzen Welt zu finden sind. Zahlreiche Sagen und Geschichten zeugen von der Bewunderung, aber auch dem Misstrauen, das dieser Pflanze entgegengebracht wurde. Und auch botanisch sind sie eine genaue Betrachtung wert: die Seerosen.

    Die Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae) ist über die ganze Welt verbreitet und umfasst 65 Arten. Nur eine, nämlich die Weiße Seerose (Nymphaea alba), ist in Mitteleuropa beheimatet, wo sie in Gewässern mit stehendem oder langsam fließendem Wasser zu finden ist. Optimale Bedingungen findet sie in 1 – 2 m Tiefe mit schlammigem, nährstoffreichem Untergrund, aber sie kann auch in Tiefen bis ca. 3 m wurzeln.

  • Botanische Besonderheiten

    Als Wasserpflanze hat die Weiße Seerose gegenüber den Landpflanzen einige botanische Besonderheiten. Ihre Blätter müssen schwimmfähig und stabil gegenüber mechanischen Herausforderungen sein. Die Spaltöffnungen, über die sie Sauerstoff aufnehmen, liegen an der Blattoberseite – logisch, denn mit der Unterseite liegen sie auf der Wasseroberfläche. Die Blätter enthalten viele Luftkammern und haben gleichzeitig eine wachsartige ledrige Oberfläche, sodass Regentropfen abperlen und die Spaltöffnungen nicht verschließen können Die Blätter sind über lange, flexible Stiele mit dem Wurzelgeflecht verbunden und halten auch einigen Wellengang aus.

    Auch die Seerose braucht Sauerstoff aus der Luft zum Leben und die bekommt sie über die Luftkammern im Gewebe bis in das Wurzelwerk geliefert – im Austausch gegen Nährstoffe, die die Pflanze aus dem schlammigen Untergrund zieht.

  • Wohlriechende weiße Blüten

    Wie der Name schon sagt, bildet die Weiße Seerose wohlriechende weiße Blüten aus, die bis zu 12 cm groß werden können. Die gelben Staubblätter geben reichlich Blütenstaub ab, für den sich zahlreiche Insekten, vor allem Fliegen, Schilfkäfer und Hummeln interessieren.

    Hat die Bestäubung funktioniert, entwickelt die Seerose beerenartige Früchte mit mehreren Samen von 2 bis 5 mm Länge. Die Samen schwimmen an der Wasseroberfläche, weil sie Luft enthalten, was die Verbreitung in angrenzende Gewässer erleichtert. Aber auch Wasservögel eignen sich als Transportmittel, sie tragen die Samen in ihrem Gefieder auch dorthin, wo es noch keine Seerosen gibt.

  • Fülle an Formen und Farben

    Wer sich jetzt wundert, warum hier nur von den Seerosen die Rede ist, wo doch in vielen Gartenteichen auch andere Farben und Formen zu sehen sind, kann hier erfahren, dass die allermeisten Seerosen das Ergebnis intensiver Zuchtbemühungen sind. Wobei auch zahlreiche Arten aus der ganzen Welt Eingang in die Genetik unserer Gartenbewohner gefunden haben.

    Die hier vorgelegte Beschreibung befasst sich nur mit der in Mitteleuropa natürlich vorkommenden Art Nymphaea alba. Tatsächlich hat sie zahlreiche, auch berühmte Verwandte, wie die Victoria oder die asiatischen Lotos-Arten. Wer die exotischen Verwandten der Weißen Seerose bewundern möchte, der kann das zum Beispiel im Botanischen Garten Berlin.

  • Sagenhafte Seerosen

    So viel Schönheit hat zu allen Zeiten Bewunderung, aber auch Neid und Misstrauen hervorgerufen, die sich in entsprechenden Sagen und Geschichten niedergeschlagen haben.

    In der griechischen Mythologie wurde die Weiße Seerose oft mit Nymphen in Verbindung gebracht, was ihren wissenschaftlichen Namen ‚Nymphaea’ erklärt. Diese mythologischen Wassergöttinnen wurden oft in der Nähe von Gewässern und Seerosen gezeigt, was die Verbindung zu Reinheit und Natur verstärkte.

    Der römische Geschichtsschreiber Plinius berichtet zudem, dass die Seerose nach einem weiblichen Naturgeist aus der griechischen Mythologie als „Nymphe” bezeichnet wurde. Besagte Nymphe sollte sich – unglücklich, weil unerwidert – in den Gott Herakles verliebt haben und letztlich an gebrochenem Herzen gestorben sein. Die Götter hatten Mitleid und schenkten ihr eine zweite Existenz als Seerose.

    Andere Sagen behaupteten, dass Nixen die Seerosen beschützen, indem sie jeden, der sie zu pflücken versucht, in die Tiefe ziehen. Das stimmt zwar (vermutlich) nicht, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt in dieser Sage, denn mancher hat sich bei solchem Versuch so sehr in den festen Stielen verheddert, dass er sich nicht mehr befreien konnte und ertrank.

    Die Lehre aus diesen Geschichten ist ganz aktuell: Seerosen aus natürlichen Vorkommen sind geschützt und dürfen nicht gepflückt werden. Wäre ja auch schade, denn wo sonst könnten sich Insekten und Vögel auf dem Wasser so schön für eine Pause niederlassen, wenn nicht auf den stabilen Seerosenblättern?