Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist ein aus der Familie der Zahnspinner stammender Schmetterling, der gegen Abend aktiv wird (Nachtfalter). Der ausgewachsene Falter hat eine Flügelspannbreite von 25 bis 30 mm, und ist über ein weiteres Merkmal, seine hellgrauen/graubraunen Vorderflügel mit dunklen Querbinden und weißgrauen Hinterflügeln, erkennbar. Der Eichenprozessionsspinner legt seine weißen Eier (Ø von ca. 1 mm) an den oberen Teilen dünner Äste von Eichenbäumen ab und bedeckt sie zur Tarnung mit dunklen Afterschuppen.

Anfang Mai schlüpfen die jungen Raupen und benagen die austreibenden Knospen der Eichen. Ihre Nester, die sie als Unterschlupf am Tage verwenden, spinnen sie Ende Mai/Anfang Juni. Dies ist auch der Zeitpunkt der Brennhaarbildung. Die Nester werden an den von Wind und Wetter geschützten Seiten der Bäume auf den Unterseiten starker Äste, am Stamm, in Astgabelungen und manchmal auch in den Kronenbereichen gebaut. In der typischen Prozession wandern die Raupen abends zum Fressen in die Baumkronen und kehren am Morgen in die Nester (diese sind bis zu 1 m lang) zurück.

Die Raupen verpuppen sich ab Juli/August und nach einer Puppenruhe von drei bis fünf Wochen schlüpfen die Falter im Spätsommer und legen ihre Eier ab, welche dann überwintern. Von Ende Juli bis Anfang September fliegt der unscheinbare Schmetterling in den Nachtstunden bis zu zwei Kilometern weit. Die Brennhaare der Raupen werden bei der Verpuppung zwar abgelöst, sind jedoch in die Kokons mit eingesponnen und verbleiben in bzw. an den Nestern. Die Nester können mehrere Jahre als festes Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen erhalten bleiben.

Die Stiel-, Traubeneiche und die Amerikanische Roteiche sind die Wirtspflanzen des Eichenprozessionsspinner. Hier können Sie Bäume/Eichen erkennen bzw. bestimmen.

Die Brennhaarbildung („Gifthaare“)

Die Brennhaarbildung bei der Raupe beginnt zu dem Zeitpunkt, an dem sie zur Wanderung am Baum aktiv werden (Ende Mai/Anfang Juni) und dient der Raupe als Eigenschutz vor Fressfeinden wie z.B. Vögeln und Säugetieren. Nur der Kuckuck ist in der Lage diese Raupen ohne Probleme zu verzehren.

Die bis zu 600 000 Haare, die eine Raupe bildet sind nur 0,1 bis 0,3 mm kurz und mit Widerhaken besetzt. Sie bilden sich anfangs nur auf dem achten Hinterleibsegment. Nach jeder Häutung werden mehr Körpersegmente mit den Gifthaaren besetzt, bis schließlich der gesamte Hinterleib mit den feinen Härchen überzogen ist.

Die erwachsenen Raupen haben ein schwarzes Rückenband, welches in grau-weißen gepunkteten Bändern eingefasst ist. Jedes Körpersegment verfügt über acht braungelbe Warzen mit einem bis zu 1 cm langen Büschel weißer Haare.Innerhalb des Rückenbandes des Hinterleibes befinden sich die rotbraunen Spiegelfelder die die dicht stehenden Brennhaare enthalten. Die Brennhaare enthalten einen Giftstoff vergleichbar dem Nesselgift auf Eiweißbasis (Thaumetopoein). Die Gefahr, mit den sogenannten Brennhaaren in Berührung zu kommen ist von Anfang Mai bis Ende November am ehesten gegeben.

Gesundheitliche Gefährdung

Bei dem Eichenprozessionsspinner handelt es sich nicht nur um einen Baumschädling/Forstschädling, denn die Haare der Raupen können auch für uns Menschen eine gesundheitliche Gefährdung darstellen. Jeder Mensch kann auf Grund seines individuellen Immunsystems unterschiedlich auf eine Berührung mit den Brennhaaren reagieren und nicht bei allen Menschen wird eine allergische Reaktion ausgelöst. Manche Menschen können jedoch bei Kontakt zu den Brennhaaren eine allergische Reaktion haben, wie z.B.
lokale Hautausschläge (Raupendermatitis), Quaddeln/Bläschen am ganzen Körper, Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut, Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung bis hin zu asthmatischen Atembeschwerden.

Bevor eine allergische Reaktion entstehen kann, muss es einen Erstkontakt gegeben haben.

Bei Auftreten von einem oder mehreren allergischen Symptomen sollte der behandelnde Arzt oder Hautarzt aufgesucht werden. Die Krankheitsdauer liegt bei zwei Tagen bis zu zwei Wochen.

Um mögliche allergische Reaktionen zu vermeiden sollten nachfolgende Verhaltensregeln beachtet werden:

Vorsichtsmaßnahmen

  • Befallsgebiete (Eichenwälder) meiden
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • Empfindliche Hautbereiche (zum Beispiel Nacken, Hals, Unterarme) durch Kleidung schützen
  • Auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester erkennbar sind
  • Bekämpfung wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik nur von Fachleuten (Schädlingsbekämpfer) durchführen lassen

Was ist vorbeugend zu tun, wenn es zu einem Kontakt gekommen ist?

  • Schnellstmöglich nach Hause gehen, Kleidung ablegen und sofort den gesamten Körper abduschen, um alle Brennhaare zu entfernen
  • Bei Kontakt mit den Augen, die Augen gut mit sauberem Wasser ausspülen
  • Die komplette Kleidung sofort wechseln und waschen

Wo kommt der Eichenprozessionsspinner vor?

Der Eichenprozessionsspinner befällt zurzeit nur einzelne Eichenbäume!

Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sind für folgende Bereiche Meldungen über Vorkommen registriert:

  • Havelchaussee
  • Teilbereiche der Jungfernheide
  • Gebiet um die Eichkampsiedlung
  • Gebiet der Heerstraßensiedlung

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Die Beurteilung der Notwendigkeit und Wahl der Bekämpfungsmaßnahmen fällt nicht in die Zuständigkeit der Gesundheitsämter.

Grundsätzlich kommen bei der Bekämpfung von Raupennestern und Raupen folgende Maßnahmen in Frage:

  • Mechanische Abwehrverfahren
  • Chemische Abwehrmaßnahmen
  • Fällung von befallenen Bäumen

Wenn der Fachbereich Grünflächen des Tiefbau- und Landschaftsplanungsamtes über einen Befall von öffentlichen Bäumen Kenntnis erlangt, wird das entsprechende Nest nur entfernt, wenn aus objektiver Sicht eine tatsächliche Gefährdungslage zu erkennen ist. So werden zum Beispiel die Beseitigung der Nester auf öffentlichen Spielplätzen unseres Bezirkes, ausnahmslos zur Entfernung beauftragt.

An wen können Sie nun wenden?

Aufgabe des Gesundheitsamtes:
  • Einschätzung der gesundheitlichen Gefährdung
  • Beratung von betroffenen Personen

Vorkommen an öffentlichen Bäumen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
können Sie per E-Mail dem Fachbereich Grünflächen mitteilen.

Hinweise zur Beseitigung von Nestern von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Bilder

Merkblatt zum Eichenprozessionsspinner - Pflanzenschutzamtamt Berlin - Stand April 2011

Merkblatt zum Eichenprozessionsspinner

PDF-Dokument (3.1 MB)