207. Kiezspaziergang am 09.03.2019 mit Bezirksstadträtin Schmitt-Schmelz

Vom Steinplatz zum Käthe-Kollwitz-Museum

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207. Kiezspaziergang Karte
Bild: BA CW, ML

Treffpunkt: Auf dem Steinplatz / Ecke Uhlandstraße
Länge : ca. 1,5 km

Herzlich willkommen zu unserem 207. Kiezspaziergang, der ja wie immer im März, sich dem Thema Frauen widmet. Wir konnten gestern hier in Berlin zum ersten Mal den Internationalen Frauentag als neuen arbeitsfreien Feiertag begehen. Den Internationalen Frauentag gibt es schon seit dem 19. März 1911. Auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 hatte Clara Zetkin die Einführung eines Frauentages proklamiert: Er sollte den Kampf um die Gleichberechtigung, die Emanzipation von Arbeiterinnen und das Frauenwahlrecht befördern. 1921 wurde er auf den 8. März gelegt und inzwischen wird er auch von der UNO getragen. Wer denkt, dass wir heute, mehr als 100 Jahre später, die Gleichberechtigung erreicht haben, der irrt, denn in Deutschland verdienen Frauen immer noch 21 % weniger als die Männer. Wenn Paare Eltern werden, besteht die Möglichkeit Elternzeit zu nehmen, um sich intensiver um den Nachwuchs zu kümmern. Elterngeld wird von 75% der Frauen und von 25% der Männer bezogen, also auch bei der Kindererziehung kann man noch nicht von einer gleichberechtigten Übernahme von Verantwortung sprechen. In Politik und Wirtschaft besteht diesbezüglich auch noch eine lange Wunschliste, die Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg hat 1919 mit 10 Frauen und 78 Männern begonnen, heute sind es 20 Frauen und 35 Männer, im Bundestag beträgt der Frauenanteil zur Zeit 30,9%, im Bezirksamt bin ich eine Frau unter 4 Männern. Es liegt also noch ein langer Weg vor uns, und ich hoffe, wir brauchen nicht noch einmal hundert Jahre zur Umsetzung.
Unser Kiezspaziergang führt uns heute durch die Uhlandstraße zum Stilwerk in der Kantstraße. Auf dem Weg dorthin werden wir von bedeutenden Frauen hören. Am Schluss sind wir Gast im Käthe-Kollwitz-Museum. Dort wird uns die neue Direktorin Frau Dr. Gabler empfangen, die Ihnen sicher auch etwas zu den aktuellen Plänen des Käthe-Kollwitz-Museums sagen wird.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Zeit- und Treffpunkt des nächsten Kiezspaziergangs mitteilen, den wieder Bezirksbürgermeister Naumann führen wird. Treffpunkt ist am Samstag, dem 13.4.2019, um 14 Uhr in der Gedenkstätte Plötzensee im Hüttigpfad. Sie erreichen die Gedenkstätte mit dem Bus 123. Der Weg geht entlang des Erinnerungspfads durch die Kleingartenanlagen zu den beiden Gedenkkirchen: die evangelische Gedenkkirche Plötzensee und die katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum.

Station 1: Steinplatz / Ecke Uhlandstraße

Station 1.1: Steinplatz / Herkunft des Namens

Der Steinplatz ist nach dem Staatsreformer Freiherr vom und zum Stein benannt, der von 1757 bis 1831 gelebt hat. Er ist einer der Protagonisten der Stein-Hardenbergischen Reformen, auch preußische Reformen genannt. Die preußische Niederlage gegen Napoleon 1806 zwang den König Friedrich Wilhelm III., eine Modernisierung des Staates einzuleiten und Ideen der Aufklärung aufzugreifen. In Steins Amtszeit fielen das Oktoberedikt von 1807, das die Leibeigenschaft der Bauern aufhob, und die Städteordnung von 1808, in der die preußischen Provinzen, Kreise und Gemeinden ihre Selbstverwaltung zurück erhielten. Stein setzte auf Dezentralisation und kollegiale Führung und leitete dadurch die Abwendung vom Absolutismus ein. Der König delegierte einen Teil der Verantwortung an Spitzenbeamte, die ihre Gebiete mit einer gewissen Eigenständigkeit verwalteten. Dabei ging es sowohl um die Fachressorts als auch um die Leitung neu gebildeter Provinzen und Regierungsbezirke. Einen preußischen Staat hat es vor 1806 eigentlich nicht gegeben, sondern es gab verschiedene Länder, Provinzen und Staaten, die zu einem beträchtlichen Teil nur von der Person des Königs zusammengehalten wurden. In der Ära Steins und Hardenbergs wurde also aus den preußischen Staaten ein einheitlicher preußischer Staat.

Die Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft hatte eine Verarmung von großen Teilen der Landbevölkerung zur Folge. Dies bewirkte eine starke Zuwanderung in die Städte auf der Suche nach Arbeit, die sich mit der Industrialisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts noch verstärkte. Wir erinnern uns an die schwindelerregende Zunahme der Bevölkerung in Charlottenburg in jener Zeit. Sie wurde hauptsächlich von der Landbevölkerung getragen, die in der Stadt ihr Glück suchte.

Der Steinplatz wurde als gründerzeitlicher Schmuckplatz erstmalig 1885 angelegt. Der erste erkennbare Umbau wurde nach Plänen des Gartenbaudirektors von Charlottenburg, Erwin Barth, in den späten 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts realisiert. Die Mitte des Platzes wurde von Barth mit dem Standbild der Flora herausgehoben. Der Kapitellstein der Säule, auf der sie stand, wurde bei der Neuanlage als Relikt der ursprünglichen Grünanlage integriert. Der Verbleib der Flora ist uns nicht bekannt.

Um 1950 wurde der Platz durch den damaligen Charlottenburger Gartenbauamtsleiter Joachim Kaiser mit Gehölzrahmen und Blumenrabatten neu gestaltet. An der nordwestlichen Platzecke errichtete man 1951 einen Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus, 1953 kam ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus an der südöstlichen Ecke hinzu. Muschelquadersteine der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße wurden dafür verwendet. Es war das früheste West-Berliner Denkmal für NS-Opfer. 1987 wurde auf dem Platz zudem eine Büste des Freiherrn vom und zum Stein als Geschenk des Deutschen Städtetags zur 750-Jahr-Feier Berlins aufgestellt.

Die letztlich in die Jahre gekommene Grünanlage bildete durch ihre massiven Gehölzflächen einen abgeschlossenen Raum, der kaum einsehbar war und nur wenige Bezüge zum umliegenden Stadtquartier hatte. Die Initiative zum Umbau des Steinplatzes wurde 2014 durch den damaligen Baustadtrat Marc Schulte inhaltlich und organisatorisch befördert. In ersten Anrainergesprächen bot sich das Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin an, einen Landschaftsplanerischen Wettbewerb unter den Masterstudenten des Fachbereiches auszuloben, um ein breites Spektrum an Umgestaltungsideen zu erhalten. Der Siegerentwurf überzeugte die Anrainer, das Bezirksamt und die finanzierende Senatsverwaltung. Am 17. August 2018 übergab Stadtrat Schruoffeneger den Steinplatz der Öffentlichkeit. Die Eröffnungsveranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe von künstlerischen Performances und Installationen, die in diesem und den folgenden Jahren für die Dauer von ca. neun Wochen pro Veranstaltung und Jahr im Bereich und mit Bezug auf den Steinplatz umgesetzt werden sollen.

Station 1.2: Steinplatz 4 / Hotel am Steinplatz

Das Haus wurde 1906/1907 von dem Architekten August Endell gebaut. August Endell wurde 1871 in Berlin geboren und starb dort 1925. Bekannt wurde er unter anderem wegen seines Entwurfs des ersten Hofes der Hackeschen Höfen und des Festsaals, in dem sich heute, denkmalgerecht restauriert, das Variété Chamäleon befindet. Endell war Autodidakt. Seine Ideen entstanden aus seiner Beschäftigung mit der Wahrnehmung und ihrer Bedeutung für den Menschen: Es galt aus dem Vielen eine Einheit zu formen. Das Hotel am Steinplatz ist ein herausragendes bauliches Zeugnis des Jugendstils in Berlin. Besonders auffallend ist die denkmalgeschützte olivgrüne Fassade mit zwei Erkern, geometrischen Stuckelementen und unterschiedlich geformten Sprossenfenster. Der Stuck besteht aus Wald- und Nachtmotiven.

Nach seiner Errichtung 1907 diente das Gebäude zunächst als Wohnhaus. 1913 eröffnete Max Zellermayer dann das Hotel am Steinplatz. Es war ähnlich luxuriös wie das größere Adlon. Nach der Oktoberrevolution 1917 zogen russische Adelige und Intellektuelle in die herrschaftlichen Suiten. Das Hotel wurde zum Treffpunkt prominenter Berliner und Reisender, wie zum Beispiel Vladimir Nabokov, Yehudi Menuhin und Zarah Leander.

Während des Zweiten Weltkrieges ging der Betrieb eine Weile improvisiert weiter, ehe es dann doch schließen musste. 1947 wurde es wieder eröffnet. Mit der Künstlerbar Volle Pulle im Untergeschoss etablierte sich ab 1950 der Steinplatz als Treffpunkt und heimliche Bühne von Künstlern, Schauspielerinnen und Intellektuellen. Heinrich Böll, Günter Grass und Romy Schneider verkehrten hier.

Später diente das Gebäude als Seniorenheim und danach stand es leer. Nach dreijähriger Renovierung und Umbau wurde es im Dezember 2013 als 5-Sterne-Hotel wieder eröffnet. Heute wird das Hotel von Marriott International betrieben.

Station 1.3: Steinplatz 3 / Mietshausgruppe

Das Eckgebäude Steinplatz/Carmerstraße/Uhlandstraße wurde von 1894 bis 1895 gebaut. Architekten waren Gustav Haase, Knoll, Bielenberg und Moser. Die Anlage steht unter Denkmalschutz.

Station 1.4: Steinplatz 3 / Gedenktafel für Bernhard Weiß

2008 wurde am Steinplatz 3 eine Berliner Gedenktafel für Bernhard Weiß enthüllt. Sie enthält folgenden Text:

In diesem Haus lebte bis zum März 1933
BERNHARD WEISS 30.7.1880 – 29.7.1951
Jurist, Polizeivizepräsident in Berlin von 1927 bis 1932
Als Jude und Demokrat vom NS-Regime verfolgt
mußte er nach der Erstürmung seiner Wohnung durch die SA
über Prag ins Londoner Exil fliehen
Kurz vor Wiedererlangung der ihm von den Nationalsozialisten
aberkannten deutschen Staatsbürgerschaft
starb Bernhard Weiß in London

Nach dem Abitur im Jahr 1900 studierte Bernhard Weiß Rechtswissenschaften in Berlin, München, Freiburg und Würzburg und schloss das Studium mit der Promotion ab. Im Sommer 1918 wurde er als Stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei in Berlin in den Polizeidienst aufgenommen, 1925 wurde er Chef der Kriminalpolizei und 1927 Vizepolizeipräsident. Weiß, der Mitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei war, griff als Beamter der Republik gegen Rechtsbrüche systematisch durch. Er wurde Opfer regelmäßiger Diffamierungskampagnen der aufkommenden NSDAP unter dem Berliner Gauleiter Joseph Goebbels, der Weiß wegen seiner jüdischen Herkunft stets als “Isidor Weiß” bezeichnete. Besonders in Goebbels Hetzpostille Der Angriff war Weiß ständig Gegenstand antisemitisch motivierter Diffamierungen in Texten und Karikaturen. Mit Weiß hatte Goebbels einen Feind gefunden, der seiner Nazi-Ideologie entsprach: ein Bürger jüdischer Herkunft und Repräsentant der Republik. Weiß führte gegen Goebbels mehr als 60 erfolgreich verlaufende Prozesse. Als Vizepolizeipräsident bekämpfte Weiß die SA-Truppen und gleichermaßen die Kampfformationen der Kommunisten, die der Weimarer Republik ebenfalls feindselig gegenüberstanden. In der Berliner Bevölkerung und in der Polizei war Weiß sehr populär und geachtet. Nach dem “Preußenschlag” Papens 1932 verlor Weiß – wie die gesamte Regierung Preußens – sein Amt. Nach kurzer Haft wurde er freigelassen und lebte bis zum März 1933 in Berlin. Als die Nazis ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatten, ermöglichten ihm Kollegen die Flucht. Weiß floh 1933 über Prag nach London, wo er im Alter von 70 Jahren starb.

Beachten Sie, ehe wir weitergehen, noch das Hoechst-Haus auf der anderen Seite des Steinplatzes von den beiden Architekten Hans Geber und Otto Risse. Wir werden in der Uhlandstraße und am Ku’damm weitere Gebäude der Architekten sehen.

Wir gehen nun in die Uhlandstraße und treffen uns wieder zwischen den Häusern 4/5 und 6.

Station 2: Zwischen Uhlandstraße 4/5 und Uhlandstraße 6

Station 2.1: Uhlandstraße 4/5 / Gedenktafel für Wilhelm von Bode

Die Berliner Gedenktafel am Haus Uhlandstraße 4/5 wurde am 30.10.1987enthüllt.

BERLINER GEDENKTAFEL
In der hier vormals stehenden
Stadtvilla lebte von 1885 bis 1929
WILHELM von BODE
10.12.1845 – 1.3.1929
Generaldirektor der Berliner Museen
von 1906 bis 1920

Wilhelm von Bode war ein bedeutender deutscher Kunsthistoriker und Museologe und gilt als der Mitbegründer des modernen Museumswesens. Bode war eine der zentralen Persönlichkeiten in der deutschen Kultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. 1904 gründete er das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) auf der Museumsinsel.

Er war Generaldirektor der staatlichen Kunstsammlungen und schuf grundlegende Arbeiten zur Geschichte der deutschen, niederländischen und italienischen Malerei und Plastik. Aufgrund seines entscheidenden Einflusses auf die Entwicklung der Berliner Kunstsammlungen wurde er auch „Bismarck der Berliner Museen“ genannt.

Station 2.2: Uhlandstraße 6 / Villa Herter

1899 ließ sich der Berliner Bildhauer Ernst Herter hier ein repräsentatives Wohngebäude und dahinter ein unterkellertes Atelierhaus bauen. Herter wurde 1846 in Berlin geboren und starb 1917 in Charlottenburg. Er war Mitglied der Berliner Kunstakademie und lehrte als Professor in der nahe gelegenen Hochschule der Künste.

Sein Denkmal für den Industriellen, Erfinder und Waffenproduzenten Alfred Krupp steht in der Technischen Universität. Zudem hat er die Skulpturen am Roten Rathaus geschaffen. Auch von der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sissi) erhielt er mehrere Aufträge. Seit 1869 betrieb er eine eigene Werkstatt. Nachdem er 1875 eine Studienreise nach Italien gemacht hatte, ließ er sich in Berlin und ab 1900 in Charlottenburg nieder.

Ernst Herter ließ sich sein Haus im italienischen Villenstil errichten. In der Zeitschrift Berliner Architekturwelt hieß es dazu:

Um den Besitzer nach außen als Bildhauer zu charakterisieren, wurde das Hauptgewicht auf einen figürlichen Fries gelegt … Von Herter selbst modelliert und von R. Schirmer in Kunstsandstein ausgeführt, stellt er die Arbeit und die Erholung nach der Arbeit in Kunst und Wissenschaft dar.

Im Atelierhaus gab es eine Vorrichtung zum Versenken der Modelle. So konnte Herter auch ohne Leiter an hohen Skulpturen arbeiten. Aus gesundheitlichen Gründen verkaufte Herter 1913 das Haus und vermietete das Atelier an seinen Schüler Gustav Schmidt-Cassel, der vor allem mit Skulpturen von Tänzern und Tänzerinnen bekannt wurde. Die Villa Herter wurde 1959 zum Teil umgebaut, der wesentliche Eindruck eines um 1900 entstandenen Künstlerhauses blieb aber erhalten, etwa der Kinderfries an der Fassade. Das Atelier wurde allerdings abgebrochen und das Relief Amazonenschlacht im Foyer des Hauses eingemauert. Bei einer Restaurierung 1984/85 wurde es wieder freigelegt.

Station 2.3: Uhlandstraße / Herkunft des Namens

Was zagst du, Herz in solchen Tagen,
wo selbst die Dornen Rosen tragen.

Dies ist eine Zeile aus einem Gedicht von Ludwig Uhland, nach dem die Uhlandstraße benannt ist. Uhland war aber nicht nur Dichter, sondern auch Philologe, Jurist und Politiker. Uhland wurde 1787 in Tübingen geboren und starb 1862 ebenda. Er gehörte mit seinen Freunden Gustav Schwab, Justinus Kerner und Karl Mayer zum Schwäbischen Dichterkreis. Er arbeitete sowohl als Anwalt als auch als Jurist in der Regierung. Dazwischen war er Professor für mittelalterliche Germanistik an der Universität Tübingen, ein Forschungsgebiet, dem er sich sein Leben lang widmete. Als Politiker engagierte er sich für die Einigkeit und Freiheit im Deutschen Reich. Dazu jetzt mehr: In der napoleonischen Zeit war Württemberg durch den Anschluss umliegender Gebiete erheblich vergrößert worden. Deshalb hatte Herzog Friedrich II. 1806 die landesständische Verfassung außer Kraft gesetzt. Daraufhin wurde jahrelang um die neue Verfassung gerungen. In dieser erbitterten Auseinandersetzung wurde Ludwig Uhland 1815 führender Sprecher der Landstände. Erst unter König Wilhelm I. wurden die Beratungen über die Verfassung 1819 mit einem Kompromiss abgeschlossen. Uhland gehörte bis 1826 dem württembergischen Landtag an. Er selber hielt sich im Allgemeinen zur Opposition und setzte sich erfolglos für Reformen und eine wirksamere Kontrolle der Regierungstätigkeit ein. 1848 wurde er sowohl Mitglied des Vorparlaments als auch Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Dort plädierte er für die Zusammenfassung aller Deutschen einschließlich Deutschösterreichs in gemeinsamen Grenzen. Die Mehrheit der Abgeordneten in der Paulskirche stimmte letztendlich aber für die kleindeutsche Lösung ohne Österreich.
An seinem 75. Geburtstag wurde die Verehrung Uhlands in Deutschland nochmal sichtbar, denn für viele war er das Sinnbild für das Ideal nationaler Einheit und Freiheit. Überall im Land wurden Uhland-Linden und Uhland-Eichen gepflanzt. Uhlands Beliebtheit spiegelt sich auch in den zahlreichen Vertonungen seiner Lyrik, unter anderem von Johannes Brahms, Franz Liszt, Franz Schubert und Robert Schumann. Ich trage nun eines seiner bekanntesten Gedichte vor, ob dies sich nur auf den Frühling oder auch auf die politischen Verhältnisse bezieht, bleibt Ihrer Interpretation überlassen:

Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herz, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen wird nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal;
Nun, armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Wir gehen nun bis zur Ecke und gehen in das Stilwerk hinein. Bitte benutzen Sie dort auch die seitlichen Türen.

Station 3: Foyer des Stilwerks

Station 3.1: Stilwerk

Das Stilwerk wurde 1998/99 von den Architekten Novotny und Mähner aus Mailand gebaut. Im Stilwerk gibt es auf 20.000 Quadratmetern ungefähr 50 gehobene Einrichtungs- und Designergeschäfte. Der Neubau wurde an Stelle des Hauptverwaltungsgebäudes der Dresdner Bank errichtet. Aus statischen Gründen musste darüber das gläserne, abgerundete Eingangsfoyer auf zwei seitwärts gebauten Säulen aufgehängt werden.
Wir haben versucht, den Geschäftsführer des Designladens minimums hier im Stilwerk für eine Einführung in das Bauhaus zu gewinnen, das ja am 12. April dieses Jahr 100 Jahre alt wird. Der neue Feiertag macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn Herr Lembert nutzt ihn für ein verlängertes Wochenende. Herr Lembert ist auch Kurator einer Ausstellung im Stilwerk über Bauhaus-Möbel im September, die Sie sich unbedingt anschauen sollten. Aus diesen Gründen werde ich Ihnen nun eine kurze Einführung geben und Ihnen dann im Anschluss zwei Bauhaus-Künstlerinnen vorstellen: Lucia Moholy und Marianne Brandt.

Der Belgier Henry van de Velde gründete 1902 das Kunstgewerbliche Seminar in Weimar, was als Vorläufer des Bauhauses gilt. Dort führte van de Velde einige Methoden und Prinzipien ein, für die das spätere Bauhaus berühmt geworden ist. Das Staatliche Bauhaus in Weimar entstand durch die Vereinigung von van de Veldes Kunstgewerbeschule mit der Kunstschule Weimar. Erster Direktor wurde auf Vorschlag van de Veldes Walter Gropius. Das Bauhaus nahm seine Arbeit in van de Veldes Schulgebäuden auf, der heutigen Bauhaus-Universität. Das Neue am Bauhaus war die Zusammenführung von bildender, darstellender und angewandter Kunst, Architektur und Handwerk. Es sollte immer ein Gesamtkunstwerk entstehen. Experimentell und manuell wurde eine neue Formensprache entwickelt, die dem industriellen Herstellungsprozess gerecht wird. Das Bauhaus hatte einen großen Einfluss auf das heutige Industrie- und Grafikdesign. In der Architektur haben sich die Ideen nicht nur bei Industrieanlagen, sondern auch bei der Schaffung günstigen Wohnraums zum Beispiel in Satellitenstädten durchgesetzt.

Als Lehrende konnten bedeutende Künstler an das Bauhaus berufen werden. Die Frauen kamen meist auf andere Weise ans Bauhaus. So begann Marianne Brandt 1923 als Auszubildende. Die Designerin, Fotografin, Malerin und Bildhauerin Marianne Brandt wurde als Marianne Liebe 1893 in Chemnitz geboren. Sie studierte Kunst in Weimar und ging mit ihrem norwegischen Mann 1919 nach Norwegen und dann nach Paris. 1921 kehrte sie nach Weimar zurück und studierte dort Bildhauerei. Die Weimarer Bauhaus-Ausstellung im Jahr 1923 faszinierte sie so, dass sie sich intensiver mit den Bauhaus-Ideen beschäftigte, vor allem setzte sie sich mit der neuen konkret-abstrakten Auffassung von bildender und angewandter Kunst auseinander. Im Wintersemester 1923 begann sie dann ihre Ausbildung. Zuvor hatte sie ihre gesamten gemalten Bilder verbrannt. In ihrem Brief an die junge Generation schrieb sie, ich zitiere:

Zuerst wurde ich [in der Metallwerkstatt] nicht freudig aufgenommen. Eine Frau gehört nicht in die Metallwerkstatt, war die Meinung. [Man habe ihr] vorwiegend langweilige mühsame Arbeit [übertragen].

Später habe man das sogar bestätigt. Sie wurde dann aber Leiterin bzw. stellvertretende Leiterin der Metallwerkstatt und war damit eine der wenigen Frauen im Bauhaus in einer leitenden Position. Schon bald hatte sie mit bahnbrechenden Entwürfen von Alltagsgegenständen Erfolg. So entwarf sie unter anderem einen Tintenfasshalter, Aschenbecher und das berühmte Tee-Extrakt-Kännchen MT 49, das noch heute hergestellt wird und als ein Klassiker des Bauhauses gilt. In ihrer Zeit am Bauhaus entwarf Brandt knapp 30 Modelle für Lampen. Früh kooperierte sie mit Beleuchtungsfirmen, so dass ihre Produkte schon 1927 auf den Markt kamen. Besonders die Marke Kandem ist ein Begriff. Einige von ihnen haben ihren Weg ins Museum gefunden, z.B. ins British Museum und ins Museum of Modern Art. Marianne Brandt setzt ihre Entwürfe aus geometrischen Formen zusammen: Kreis, Kugel, Quadrat und Dreieck. Damit einher geht die Abwendung vom Ornament und damit auch vom Historismus, dem wir ja in Berlin auf Schritt und Tritt begegnen. Vielmehr galt nun als wichtigster Leitsatz: Die Form muss sich nach der Funktion richten. Brandt setzte neue Materialien ein und untersuchte dabei ihre Tauglichkeit für eine industrielle Produktion. So sagte sie 1979:

Wir wollten zwar zurück zu einfachen Formen, aber das wichtigste war: Keine Kanne ist aus unserer Werkstatt gegangen, die nicht tropffrei goß. Das Benutzen und besonders das Gießen haben wir ausprobiert … das war ganz selbstverständlich für uns.

Die Ironie der Geschichte will es nun, dass diese als Massenprodukte geplanten Werke heute einen exorbitant hohen Preis erzielen. Von dem in den 20er-Jahren hergestellten Tee-Extrakt-Kännchen gibt es heute noch sieben Stück, davon sind sechs in Museen und eines im Privatbesitz, was bei seinem letzten Verkauf einen Preis von 361.000 US-Dollar erzielte. Auch in der Fotografie setzte Marianne Brandt neue Maßstäbe. Sie experimentierte mit Fotocollagen und fotografischen Verfahren. In vielen ihrer Fotos werden die Hilfsmittel bzw. der Standort der Kamera mit in das Foto einbezogen. Ab 1929 arbeitete sie dann als Innenarchitektin bei so bedeutenden Siedlungsprojekten wie Karlsruhe-Dammerstock oder war Leiterin von Entwurfsabteilungen in Industriebetrieben. Während des Nationalsozialismus hatte sie kaum noch Aufträge. Nach dem Krieg war sie zuerst Dozentin an der Hochschule für Werkkunst in Dresden und dann an der Kunsthochschule Weißensee. Sie starb 1983 in einem Pflegeheim in Kirchberg in Sachsen. Seit dem Jahr 2000 schreibt der Chemnitzer Kunstverein alle drei Jahre den Marianne-Brandt-Wettbewerb aus.

Die zweite Künstlerin ist die Fotografin Lucia Moholy geb. Schulz. Sie wurde 1894 in Prag geboren und starb 1989 in Zürich. Moholy studierte Philosophie, Philologie und Kunstgeschichte und arbeitete danach als Redakteurin und Lektorin. Sie verfasste auch expressionistische Texte, die sie unter dem männlichen Pseudonym Ulrich Steffen veröffentlichte. Die Sommer der Jahre 1918 und 1919 verbrachte sie in Worpswede, wo ihre ersten Fotografien entstanden. Ab 1922 arbeitete sie auf dem Gebiet der experimentellen Fotografie. Von 1923 bis 1928 war sie dann am Bauhaus in Weimar und Dessau als Fotografin tätig. Moholys Texte und Fotografien des Bauhausgebäudes, der Meisterhäuser und der Bauhausprodukte trugen maßgeblich dazu bei, dass die Ideen des Bauhauses in der Öffentlichkeit bekannt wurden. So schreibt die Website 100 Jahre Bauhaus, ich zitiere:

Zu ihren bedeutenden Arbeiten aus dieser Zeit zählen eine große Bildserie vom Neubau des Bauhauses und der Meisterhäuser in Dessau für die Presse und die Bauhausbücher, die ihr den Rang einer authentischen Dokumentaristin des Bauhauses vor 1928 verliehen. Gleichzeitig entstanden Sachfotografien der Werkstattarbeiten und Porträtserien von Bauhaus-Lehrern und Freunden.

Von 1929 bis 1931 gab sie Unterricht in Fotografie an Johannes Ittens privater Kunstschule in Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war Lucia Moholy wegen ihrer jüdischen Abstammung bedroht. Deshalb ging sie über Prag, Wien und Paris nach London ins Exil und arbeitete dort als Autorin, Porträtfotografin und Dozentin für Fotografie. Nach dem Krieg war sie im Auftrag der UNESCO Leiterin von Verfilmungsprojekten zahlreicher bedeutender Archive und Bibliotheken des Nahen und Mittleren Ostens. 1959 zog sie nach einem einjährigen Aufenthalt in Berlin in die Schweiz, wo sie biografische Sammlungen herausgab und als freie Korrespondentin für Kunstzeitschriften arbeitete.

Station 3.2: Kantstraße 152 / Paris-Bar

Wenn wir nun gleich das Stilwerk verlassen, sehen wir links schräg gegenüber die legendäre Paris Bar, einem französischen Bistro und das “Wohnzimmer” zahlreicher prominenter Schauspieler und Künstlerinnen. Sie wurde von einem ehemaligen französischen Besatzungssoldat in den frühen 1950er-Jahren gegründet. 1979 übernahmen die beiden Österreicher Michel Würthle und Reinald Nohal die heruntergewirtschaftete Bar. Sie machten aus der Paris Bar den Künstlertreff West-Berlins. Vor allem zur Berlinale und beim Theatertreffen ist sie “zentraler” Treffpunkt. An den Wänden hängen Fotografien, Zeichnungen und Gemälden, die teilweise der Paris Bar von den Künstlern überlassen wurden, darunter so namhafte Künstler wie Markus Kippenberger. Sein Gemälde „Paris Bar“ hängt allerdings nicht mehr dort, denn die Paris Bar musste es verkaufen. Bei einer Auktion ging es für € 2,7 Millionen über den Tisch. Kippenberger hatte es nicht selbst gemalt, sondern in Auftrag gegeben, der Auftragnehmer hatte dafür € 1000,00 erhalten. Würthle und Nohal mussten die Paris-Bar inzwischen aufgeben, aber das Leben pulsiert dort immer noch.

Wir wechseln nun die Seite der Uhlandstraße und treffen uns wieder vor der Hausnummer 181/183.

Station 4: Uhlandstraße 181/183

Station 4.1: Uhlandstraße 184 / Stolperstein für Rosa Skutsch

Wir sind soeben an dem Stolperstein für Rosa Skutsch vorbeigegangen, er wurde 2014 verlegt. Darauf steht:

HIER WOHNTE
ROSA SKUTSCH
GEB. GLÜCKSMANN
JG. 1857
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
2.9.1942

Rosa Skutsch geb. Glücksmann wurde am 24. April 1857 in Thorn im damaligen Westpreußen geboren, heute liegt die Stadt in Polen und heißt Torun. In Berlin wohnte sie in der Uhlandstraße 184. Im Haus daneben wohnten ihre Verwandten aus der Familie Citron. Marga Citron spendete den Stolperstein. Marga Citron beschreibt sie als eine “Dame”, mit Bubikopf, immer in Schwarz gekleidet, mit leichtem polnischen Akzent. Die Citron-Kinder waren gern bei ihr zu Besuch, es habe immer besondere Leckereien gegeben. Zu jener Zeit, also in den 1920er- und 1930er-Jahren, war sie bereits verwitwet, lebte aber in durchaus guten finanziellen Verhältnissen. So war sie in der Lage, einem ihr bekannten, nicht verwandten jungen Mann, einem Schlosserlehrling, eine Ausbildung zu finanzieren, wofür er ihr lebenslang dankbar war, aber am Ende auch nichts für sie tun konnte. Am 2. September 1942 nahm sie sich das Leben. Die Informationen stammen von Marga Citron und Helmut Lölhöffel.

Station 4.2: Uhlandstraße 181/183 / Stolpersteine

Die vier Stolpersteine vor dem Haus Uhlandstraße 181/183 wurden 2012 verlegt. Darauf steht:

HIER WOHNTE
ELLA ROSENBAUM
JG. 1869
DEPORTIERT 13.1.1942
ERMORDET IN
RIGA

HIER WOHNTE
ANNA GOLDSTROM
JG 1918
DEPORTIERT 19.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

HIER WOHNTE
ERNST LIPPMANN
JG.1898
FLUCHT BELGIEN
INTERNIERT
SAINT CYPRIEN / DRANCY
DEPORTIERT 7.9.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 30.9.1944

HIER WOHNTE
CLARA ARNHEIM
JG. 1865
DEPORTIERT 9.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.8.1942

Clara Arnheim wurde 1865 in Berlin geboren. Gegen den Willen ihrer Eltern setzte sie ein Kunststudium in Berlin und Paris durch, wobei dies damals für Frauen noch nicht an Hochschulen oder Kunstakademien möglich war. In Berlin war sie Schülerin von Franz Skarbina, einem impressionistischen Maler und Mitbegründer der Berliner Secession 1898. Auch im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf haben wir Werke Skarbinas. In Paris war Arnheim Schülerin von Edmond Aman-Jean. Arnheim war im Vorstand des Frauenkunstverbandes aktiv, um sich für eine Verbesserung des Lehr- und Ausbildungsangebotes für Künstlerinnen einzusetzen. Zudem war sie Mitglied des Lyceum-Clubs Berlin, der 1905 gegründet worden war, um Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen ein Netzwerk zu bieten. Der Lyceum-Club Berlin unterstützte Künstlerinnen bei Ausstellungen ihrer Werke und Wissenschaftlerinnen bei der Veröffentlichung ihrer Forschungen. Arnheim war von 1904 bis 1927 Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen. Der Verein der Berliner Künstlerinnen ging aus dem Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin hervor, der 1867 gegründet wurde und damit der älteste heute noch existierende Zusammenschluss von Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 1867 waren Frauen im Deutschen Reich nicht rechtsfähig, deshalb bedurfte es männlicher Gründungsmitglieder, die durch eine Ehrenmitgliedschaft an den Verein gebunden waren, ohne ordentliche Mitglieder zu sein. Die Kunstfreundinnen sicherten dem Verein die Verankerung im Bürgertum und damit nicht zuletzt eine finanzielle Basis. Der Verein führte regelmäßig Kunstausstellungen durch. Nach der Novemberrevolution 1919, als die Rechte der Frauen gestärkt wurden, nannte sich der Verein Verein der Künstlerinnen zu Berlin. Nachher im Käthe-Kollwitz-Museum wird Ihnen Frau Dr. Gabler noch mehr dazu sagen. Clara Arnheim reiste häufig nach Hiddensee, wo sie im Freien malen konnte. Im Lexikon des Vereins der Berliner Künstlerinnen steht darüber:

Arnheims Gemälde und Auqarelle stehen in der Tradition der Hiddenseer Freilichtmalerei, die die Insellandschaft und das Leben der Fischer in impressionistischer Manier würdigt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erhielt Arnheim wegen ihrer jüdischen Herkunft Berufsverbot. Sie wurde systematisch von den Behörden drangsaliert, etwa indem man ihr Lebensmittelmarken vorenthielt. Teile der Hiddenseer Nachbarschaft solidarisierten sich jedoch mit ihr und versorgten sie heimlich. 1942 wurde sie von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert, wo sie einige Wochen später ermordet wurde.

Station 4.3: Uhlandstraße 20-25 / Geschäftshauskomplex

Das Geschäftshaus gegenüber mit der Hausnummer 20 bis 25 stammt von den beiden Architekten Hans Geber und Otto Risse. Hans Geber wurde 1889 geboren und starb 1973, Otto Risse wurde 1898 und starb 1989. Beide Architekten arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg oft zusammen und schufen bedeutende Bauten der Nachkriegsmoderne. Neben dem Gebäude hier zum Beispiel 1955 das Hoechst-Haus am Steinplatz, das wir eben gesehen haben, und 1972 das Raiffeisen-Haus am Ernst-Reuter-Platz.

Wir überqueren nun die Uhlandstraße und treffen uns bei der Skulptur vor der Hausnummer Kurfürstendamm 32 wieder.

Station 5: Kurfürstendamm 32

Station 5.1: Kurfürstendamm 32 / Geschäftshaus

Das Geschäftshaus Kurfürstendamm 32 wurde 1955/56 für die Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG gebaut und steht unter Denkmalschutz. Der Entwurf stammt ebenfalls von den Architekten Hans Geber und Otto Risse.

Station 5.2: Skulptur von Jacqueline Diffring

Jacqueline Diffring wurde 1920 in Koblenz geboren. 1939 emigrierte sie wegen ihrer jüdischen Herkunft nach Großbritannien, wo sie die britische Staatsbürgerschaft erlangte. Sie studierte Bildhauerei, unter anderem bei Henry Moore. Heute lebt sie in Frankreich. Ihre Werke werden in internationalen Galerien und Museen gezeigt. 2007 gründete die Künstlerin die Jacqueline Diffring Foundation in Berlin, eine gemeinnützige Stiftung für Kunst und Kultur, die jährlich einen Preis an junge Bildhauer vergibt. Er richtet sich an noch nicht arrivierte Künstler und Künstlerinnen und wurde zum ersten Mal 2008 vergeben. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Die Bronze-Skulptur vor uns heißt Götter oder Architekturale Skulptur und ist aus dem Jahr 2013.

Station 5.3: Kurfürstendamm 211 / Maison de France

Auf der anderen Seite des Ku’damms sehen wir an der Ecke das Maison de France. Es wurde 1950 als französisches Kulturzentrum eröffnet. Das Haus wurde 1897 von W. Klopsch als Miet-, Wohn- und Geschäftshaus erbaut und 1927 bis 1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit von Hans und Wassili Luckhardt und Alfons Anker zum Haus Scharlachberg umgebaut. Es wurde im Krieg teilweise zerstört. Von 1948 bis 1950 wurde das Haus von dem Architekten Hans Semrau zum französischen Kulturzentrum ausgebaut. Als wichtige Etappe zur Begründung neuer deutsch-französischer Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg schuf Frankreich einen Ort des geistigen Austauschs und der politischen Verständigung. Als eines der ersten wiederhergestellten Gebäude nach dem Krieg stellt es ein bedeutendes Baudenkmal dar und wurde als 1000. Objekt in die Berliner Denkmalliste aufgenommen. Im April 2013 wurden die Schließung und der Verkauf des Hauses für das Jahr 2015 angekündigt, aber nach großen Protesten wurde der Beschluss im Januar 2014 revidiert.

Wir gehen nun auf der linken Seite des Ku‘damms in Richtung Gedächtniskirche und treffen uns wieder vor dem Haus Nummer 29.

Station 6: Kurfürstendamm 29 / Atelierwohnung von Jeanne Mammen

Wir stehen hier vor dem Gebäude, in dessen Hinterhof sich Jeanne Mammens Atelierwohnung befand. Sie ist auch öffentlich zugänglich, aber sie fasst nicht so viele Personen, wie wir heute sind. Mammen ist eine für Berlin sehr wichtige Zeichnerin und Malerin und wird häufig zusammen mit Käthe Kollwitz und Hannah Höch genannt. Alle drei setzten sich kritisch mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinander und hatten ihre große Zeit in der Weimarer Republik, Käthe Kollwitz auch schon davor. Mammen gehört damit, wie Mascha Kaléko im Bereich der Dichtkunst, zu den Vertreterinnen der Neuen Sachlichkeit.

Jeanne Mammen wurde 1890 als jüngste Tochter einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie in Berlin geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Paris, wo ihre Eltern sich 1895 niedergelassen hatten. Nach der Schule studierte sie Malerei, zuerst in Paris, dann in Brüssel und Rom. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges flüchtete die Familie nach Holland. 1916 kam Mammen völlig mittellos nach Berlin zurück und schlug sich als Modezeichnerin und Graphikerin mit Gelegenheitsjobs durch. 1919 zog sie zusammen mit ihrer Schwester und Künstlerkollegin Marie Luise in das Atelier im Hinterhaus hier am Kurfürstendamm 29. In den 20er-Jahren wurden ihre gesellschaftskritischen Zeichnungen und Aquarelle mehr und mehr anerkannt. Mit manchmal sarkastischem Humor porträtierte sie das Berliner Großstadtleben. Ihre Zeichnungen und Aquarelle wurden in Illustrierten, Mode- und Satire-Zeitschriften gedruckt, unter anderem im Simplicissimus, Ulk und Junggesellen.

Kurt Tucholsky schrieb ihr 1929, ich zitiere:

Die zarten duftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblättern veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, dass man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist. Ihre Figuren fassen sich sauber an, sie sind anmutig und herb dabei, und sie springen mit Haut und Haaren aus dem Papier.
In dem Delikatessenladen, den uns Ihre Brotherren wöchentlich oder monatlich aufsperren, sind Sie so ziemlich die einzige Delikatesse.

Ihre erste Ausstellung hatte sie 1930 in der Galerie Gurlitt. Im Auftrag von Fritz Gurlitt schuf sie 1931/1932 Les Chansons de Bilitis [deutsch: Die Lieder der Bilitis], eine Serie von acht zweifarbigen Lithographien als Hommage an die lesbische Liebe. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 verhinderte das Erscheinen der Auflage; nur einige Probeandrucke sind erhalten geblieben. Der Nationalsozialismus trieb sie ins innere Exil. Sie zog sich zurück und veränderte ihren künstlerischen Stil, nun begann die an Picasso orientierte kubo-expressive Phase. Nach dem Krieg wurden ihre Bilder abstrakter und sie experimentierte mit lyrischen Abstraktionen und Glanzpapier-Collagen. 1949/1950 schloss sie sich dem surrealistischen Kabarett Die Badewanne an und trat auch selbst auf. Sie war sowohl Teil des Ensemble, schuf aber auch die Bühnenbilder. Das Kabarett spielte in der Nürnberger Straße 50-56 in der Femina-Bar und bestand nur ein halbes Jahr.

1971 wurde Mammen wieder entdeckt. Die Galerien Brockstedt in Hamburg und Valentien in Stuttgart zeigten Ausstellungen mit ihren Werken. In feministischen Gruppen wurde sie seither populär. 1997 hat ihr die Berlinische Galerie eine umfassende Retrospektive gewidmet. Dort befindet sich auch ihr Nachlass. In ihrem Atelier hier am Kurfürstendamm arbeitete Mammen zurückgezogen fast 57 Jahre bis zum ihrem Tod am 22.4.1976. Heute residiert hier der Förderverein Jeanne Mammen Stiftung e.V.. Er gibt Publikationen über die Künstlerin heraus, betreut wissenschaftliche Arbeiten über Jeanne Mammen und erhält das historische Wohnatelier als Archiv und kleines Museum weitgehend im Originalzustand. Eine Besichtigung des Ateliers von Jeanne Mammen ist nach Terminvereinbarung möglich. Alle Information sind im Internet zu finden unter www.jeanne-mammen.de.

Ihr zu Ehren wurde 1995 eine Berliner Gedenktafel angebracht. Darauf steht:

BERLINER GEDENKTAFEL
Hier – im IV. Stock des Hinterhauses
lebte und arbeitete in ihrem Atelier
von 1919 bis 1976 die Malerin und Grafikerin
JEANNE MAMMEN
21.11.1890-22.4.1976
Im Mittelpunkt ihres Schaffens standen die
realistischen Schilderungen aus dem Berliner
Großstadtleben der zwanziger Jahre

Wir haben vorhin die S-Bahn gekreuzt, dort heißt seit 1999 eine der Passagen entlang der S-Bahn-Bögen –zwischen der Grolmanstraße und der Uhlandstraße – nach Jeanne Mammen.

Wir überqueren an der Ecke den Ku’damm und treffen uns wieder an der Ecke Kurfürstendamm 216.

Station 7: Kurfürstendamm 216

Station 7.1: Kurfürstendamm 217

Das Gebäude auf der anderen Seite der Fasanenstraße wurde 1895/96 erbaut. Architekten waren Heinrich Mittag und Heinrich Seeling, der von 1907 bis 1921 Stadtbaurat in Charlottenburg war. 1921 bis 1928 richtete der Komponist und Pianist Rudolf Nelson in dem Haus das Nelson-Theater ein, hier wurden die legendären Nelson-Revuen aufgeführt, wo 1928 auch Josephine Baker auftrat. 1934 verband Rudolf Möhring das im Erdgeschoss gelegene Restaurant Sanssouci mit dem ersten Obergeschoss und baute es zu einem Kino, dem Astor, mit 500 Plätzen um. Bei einem weiteren Umbau 1993 unter der Leitung von Günther Reiss wurde es auf 300 Plätze verkleinert und die Fassade verschönert. Das Astor war lange Gastgeber der Berlinale mit der Sektion Retrospektive. 2002 wurde es wegen erhöhter Mietforderungen geschlossen. Der Spielbetrieb war von 1934 bis 2002 ununterbrochen aufrechterhalten worden, also auch im Zweiten Weltkrieg wurden hier Filme gezeigt. Nach der Schließung zog Tommy Hilfiger ein. Auf der Seite des Kurfürstendamms befindet sich an diesem Eckhaus auch eine Gedenktafel für den österreichischen Schriftsteller Robert Musil, der hier von 1931 bis 1933 Teile seines Romans Der Mann ohne Eigenschaften geschrieben hat, der in Wien spielt. Hier ein Ausschnitt daraus:

[…] Es war ein schöner Augusttag. Autos schossen aus schmalen, tiefen Straßen in die Seichtigkeit heller Plätze. Fußgängerdunkelheit bildete wolkige Schnüre. Wo kräftigere Striche der Geschwindigkeit quer durch ihre lockere Eile fuhren, verdickten sie sich, rieselten nachher rascher und hatten nach wenigen Schwingungen wieder ihren gleichmäßigen Puls. Hunderte Töne waren zu einem drahtigen Geräusch ineinander verwunden, aus dem einzelne Spitzen vorstanden, längs dessen schneidige Kanten liefen und sich wieder einebneten, von dem klare Töne absplitterten und verflogen. An diesem Geräusch, ohne daß sich seine Besonderheit beschreiben ließe, würde ein Mensch nach jahrelanger Abwesenheit mit geschlossenen Augen erkannt haben, daß er sich in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien befinde. Städte lassen sich an ihrem Gang erkennen wie Menschen. […]

Station 7.2: Kempinski

An der Ecke gegenüber, wo wir eben hergekommen sind, steht das legendäre Kempinski Hotel Bristol Berlin. Hier nun etwas zu seiner Geschichte: Berthold Kempinski gründete 1872 einen Imbiss mit Weinprobierstube und eine Weinhandlung in der Friedrichstraße 76. Da Berthold und Helena Kempinski keinen männlichen Nachkommen hatten, nahmen sie ihren Schwiegersohn Richard Unger in den Betrieb auf. Später übergaben sie ihm die Firma unter der Voraussetzung, den Namen Kempinski beizubehalten. Neben seiner Tätigkeit in der Gastronomie baute Richard Unger bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs ein großes Immobilienunternehmen in Berlin auf. Unger erfand die Marke Kempinski und verkaufte Produkte aus eigener Erzeugung. Das Geschäft wurde ein voller Erfolg. 1918 eröffnete er eine Kempinski-Niederlassung am Kurfürstendamm 27 und 1927 ein Restaurant. Kempinski am Kurfürstendamm war ein nobel ausgestattetes Restaurant mit zivilen Preisen, in dem täglich 2000 Gäste bewirtet wurden. Der Gründer hatte die Idee der halben Portionen zum halbem Preis gehabt, eine “Sozialisierung des Luxus”, die er in seinen Lokalen verwirklichte. 1937 wurde das Kempinski „arisiert“, und die Ungers wanderten in die USA aus. Dazu gibt es eine Gedenktafel am Haus, darauf steht:

Hier stand seit 1928 ein Kempinski-Restaurant. Es war ein weltweit bekanntes Symbol Berliner Gastlichkeit.
Weil die Besitzer Juden waren, wurde diese berühmte Gaststätte 1937 „arisiert“, unter Zwang verkauft. Angehörige der Familie Kempinski wurden umgebracht, andere konnten fliehen.
Das 1952 eröffnete Bristol Hotel Kempinski möchte, dass das Schicksal der Gründerfamilie nicht vergessen wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Friedrich Unger, der Enkel von Berthold Kempinski, ein Hotel auf dem Grundstück am Kurfürstendamm 27. Architekt war Paul Schwebes. Eröffnet wurde das Hotel Kempinski 1952. Das Hotel war bis zum Ende der 70er-Jahre das einzige Hotel der Luxusklasse in West-Berlin und erste Adresse der Film- und Fernsehprominenz. Sophia Loren und Marcello Mastroianni, Kirk Douglas, Roger Moore residierten im „Kempi“. Hildegard Knef bewohnte in den 70er Jahren mit ihrer Tochter Christina und zeitweise mit ihrem Ehemann eine 200 m² Suite für einen Tagespreis von 650 DM. Harald Juhnke war Stammgast im Kempinski Grill. Das Hotel verfügt über 246 Zimmer und 55 Suiten sowie drei Restaurants, eine große Bar, den Schlosssaal, ein Hallenbad und einen kleinen Fitnessbereich.

Wir gehen nun weiter in die Fasanenstraße hinein und treffen uns vor dem Literaturhaus wieder:

Station 8: Fasanenstraße 23-25 / Literaturhaus

Wir stehen nun vor dem Literaturhaus, dem ersten Gebäude des so genannten Wintergarten-Ensembles. Das Wintergarten-Ensemble besteht aus drei durch einen Skulpturengarten verbundenen Stadtvillen im Stil des Historismus. Im Haus Fasanenstraße 23 befindet sich das Literaturhaus mit einem Café-Restaurant und der Buchhandlung Kohlhaas. Es wurde 1889/1890 als spätklassizistischer Backsteinbau für das Ehepaar Hildebrandt von den Architekten Albrecht Becker und Emil Schlüter erbaut. Ende der 1920er-Jahre gelangte das Haus in den Besitz der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die darin ausländische Studierende beherbergte. Nach einer gleichzeitigen Nutzung als Diskothek und Bordell war zunächst geplant, das Haus zugunsten eines Zubringers für die Stadtautobahn abzureißen, was eine Bürgerinitiative verhinderte. Das denkmalgeschützte Gebäude wird seit dem Erwerb durch das Land Berlin und einer umfassenden Instandsetzung und Renovierung durch den Architekten Uli Böhmen seit 1986 als Literaturhaus genutzt. Es war damit das erste einer Reihe von Literaturhäusern in Deutschland.

Im Literaturhaus wird Literatur auf höchstem Niveau gefördert. In den holzgetäfelten Sälen und Räumen finden Lesungen, Buchpräsentationen, Symposien, Diskussionen und Ausstellungen statt. Zu den wichtigsten Aufgaben zählen die Vorstellung deutschsprachiger und internationaler Autoren und Autorinnen sowie die Darstellung literarischer Zusammenhänge und Hintergründe. Es wird auch eine Buchreihe herausgegeben: Texte aus dem Literaturhaus Berlin. Dort werden literarische Texte, Theaterstücke, Hörspiele veröffentlicht, die vom Literaturhaus in Auftrag gegeben wurden. Das Literaturhaus Berlin verlegt die Künstlerbücher der Edition Mariannenpresse und vergibt zusammen mit dem RBB Kulturradio den Walter-Serner-Preis.

Die Buchhandlung Kohlhaas & Company wurde 1988 gegründet und ist seitdem im Souterrain des Literaturhauses ansässig. Neben der Literatur ist die Buchhandlung spezialisiert auf deutsch-jüdische Geschichte, jüdische Lebenszeugnisse, Nationalsozialismus sowie Literatur aus und über Israel. Ein weiterer Schwerpunkt ist Musik, Theater, Kulturgeschichte und Bücher zum Thema Berlin.

Wir schauen jetzt zwei Häuser weiter auf das Haus Fasanenstraße 25, die Villa Grisebach. Sie wurde 1891–1892 von Hans Grisebach als Wohn- und Atelierhaus für sich selbst erbaut und beherbergt heute die Galerie Pels-Leusden sowie das Auktionshaus Villa Grisebach.

Das Haus Fasanenstraße 24 links wurde 1871 als erstes Wohnhaus an der Fasanenstraße von L. Mertens errichtet, 1888 von August Orth sowie 1917 von Ernst Lessing erweitert und umgebaut. Seit 1986 befindet sich das Käthe-Kollwitz-Museum in dem Haus. Wir gehen nun ins Käthe-Kollwitz-Museum hinein, geradeaus durch und versammeln uns im Erdgeschoss.

Station 9: Käthe-Kollwitz-Museum

Nun sind wir an unserer letzten Station angelangt und ich begrüße ganz herzlich Frau Dr. Gabler, die Direktorin des Käthe-Kollwitz-Museums. Ich freue mich sehr, dass Sie uns heute etwas zu der Künstlerin Käthe Kollwitz und dem Berliner Käthe-Kollwitz-Museum und seiner Zukunft berichten werden.

Doch zuvor möchte ich noch etwas zu Käthe Kollwitz sagen. Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg (heute: Kaliningrad) geboren und starb am 22. April 1945 in Moritzburg bei Dresden. Ihr Werk umfasst Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Zeichnungen und Plastiken. Ihr Vater förderte schon früh ihr Interesse an Kunst, so dass sie ab 1881 Unterricht bei dem Künstler Rudolf Mauer erhielt. Sie studierte weiter in Berlin, Königsberg und München. Ihren ersten Erfolg hatte sie 1897 mit ihrer lithographischen Serie Ein Weberaufstand. Sie wurde von der Jury für eine Goldmedaille vorgeschlagen, doch Kaiser Wilhelm II. verhinderte dies. Moderne Kunst bezeichnete er als „Rinnsteinkunst“. Der Kaiser und das Großbürgertum bevorzugten Historismus und Salonmalerei. 1907 folgte Kollwitz‘ Serie Der Bauernaufstand. Beide Zyklen hängen hier im Museum.

Nun möchte ich aber das Wort Frau Dr. Gabler übergeben, die uns sicher noch viel mehr erzählen kann.

Vielen Dank, Frau Dr. Gabler!

Hier endet unser Kiezspaziergang. Bevor Sie sich nun alle auf den Nachhauseweg machen oder das wunderbare Geschenk von Frau Dr. Gabler annehmen und durch das Museum streifen, möchte ich Sie noch einmal an den Treff- und Zeitpunkt des nächsten Kiezspaziergangs erinnern.

Der Aprilspaziergang beginnt wie immer um 14 Uhr am Karsamstag, das ist der 13. April, auf dem Gelände der Gedenkstätte Plötzensee. Von dort geht es auf dem Pfad der Erinnerung zur Gedenkkirche Plötzensee und zur Gedenkkirche Maria Regina Martyrum. Dort endet der Kiezspaziergang.

Zum Abschluss noch ein weiteres Highlight: Wie Sie vielleicht wissen, gehört Charlottenburg-Wilmersdorf seit dem 9.6.2011 zu den knapp 600 Fairtrade-Towns. Darauf sind wir sehr stolz. Marlene Cieschinger und Angelika Michel-Drees, die ich hiermit ganz herzlich begrüße, werden Ihnen heute aus Anlass des Internationalen Frauentages Blumen aus fairem Handel mit auf den Nachhauseweg geben. Zuvor werden Sie Ihnen aber die Projekte vorstellen. Ich übergebe das Wort an Frau Michel-Drees.

Vielen Dank, Frau Cieschinger! Vielen Dank, Frau Michel-Drees!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Museumsrundgang und einen guten Nachhauseweg.

Quellen: