201. Kiezspaziergang

Von der TU zum Steinplatz

TU-Hauptgebäude
Bild: BA-CW, ML

Treffpunkt: Eingang TU-Hauptgebäude / Straße des 17. Juni 135

Länge : ca. 1,3 km

Herzlich willkommen zu unserem 201. Kiezspaziergang. Als erstes begrüße ich ganz herzlich Frau Schubert, Leiterin der Geschäftsstelle des Campus Charlottenburg und heute für uns die Vertreterin der Technischen Universität Berlin. Sie wird es uns ermöglichen, den Lichthof der Technischen Universität von innen zu sehen, und uns auch das Auditorium Maximum der TU zeigen, wo vor 50 Jahren die Studierenden in unzähligen Diskussionen die Gesellschaft aus den Angeln heben wollten. Aber nicht nur die Studentenbewegung war hier aktiv. Zehn Jahre später tagte hier der TUNIX-Kongress, der die Studentenbewegung abschloss und eine neue Ära einleitete. Nach der TU gehen wir in die Hertzallee und schauen uns an, was seit unserem letzten Kiezspaziergang im Januar 2015 von den Planungen in der Hertzallee umgesetzt wurde. Der Kiezspaziergang endet auf dem neu angelegten Steinplatz, wo uns das Künstlerinnenduo mmtt seine neunwöchige Installation erklären wird. Dann möchte ich Ihnen gerne von dem großen Erfolg Ihrer Spenden für unser Brunnenprojekt im Jemen berichten, insgesamt kamen € 1000,00 zusammen. Herzlichen Dank an alle Spender und Spenderinnen!

Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen Zeit- und Treffpunkt unseres nächsten Kiezspaziergangs mitteilen. Der Kiezspaziergang wird wie immer am zweiten Samstag im Monat stattfinden. Das ist das nächste Mal der 13. Oktober. Er beginnt um 14 Uhr an dem kleinen Platz vor der Sammlung Scharf-Gerstenberg in der Schloßstraße 70. Von dort geht es durch die Schloßstraße über den Sophie-Charlotte-Platz und den Witzlebenplatz mit dem ehemaligen Reichskriegsgericht zur katholischen Kirche St. Canisius, wo uns Pfarrer Hösl empfangen wird.

Station 1: Straße des 17. Juni 135 / Vor dem Eingang

Station 1.1: Straße des 17. Juni 135 / Herkunft des Namens

Die Straße des 17. Juni wurde am 22. Juni 1953 auf Beschluss des Senats zum Gedenken an die Opfer des Arbeiteraufstands in Ost-Berlin und der DDR am 17. Juni 1953 umbenannt. Davor hieß der westliche Straßenteil bis zum Charlottenburger Tor Berliner Straße und der östliche Teil bis zum Brandenburger Tor Charlottenburger Chaussee in der Tradition, dass die Straßen nach dem Zielort benannt werden. Die Straße des 17. Juni ist Teil der großen Ost-West-Achse vom Schlossplatz in Mitte bis zum Scholzplatz an der Heerstraße.

Sie wurde von König Friedrich I. als Verbindung zwischen Stadtschloss und Schloss Charlottenburg über die heutige Otto-Suhr-Allee angelegt. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die gesamte Strecke als breite Allee ausgebaut. Hier verkehrten ab 1820 Simon Kremers erste Berliner Pferdeomnibusse, ab 1865 die erste Berliner Pferdestraßenbahn und von 1897 bis 1902 elektrische Straßenbahnen mit Akkubetrieb.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Straße des 17. Juni auf die heutige Breite von 85 Metern erweitert. Sie war die große Ost-West-Achse für die geplante „Welthauptstadt Germania“. Die Straße, wie wir sie heute sehen, wurde im Wesentlichen von Albert Speer entworfen, vor allem die typischen Straßenlaternen. Die Gestaltung steht unter Denkmalschutz. Von den geplanten Gebäuden Speers wurde das Ernst-Reuter-Haus realisiert.

Auf der Straße des 17. Juni bzw. ihren Verlängerungen fanden zahlreiche außergewöhnliche Ereignisse statt: So probierte in den 1920er-Jahren der junge Wernher von Braun hier einen selbstgebauten Raketenwagen aus.

Kurz vor Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straße zeitweise als Flugpiste genutzt, da die Bäume im Tiergarten abgeholzt worden waren. Der Kontrollpunkt befand sich auf der Spitze der Siegessäule.

Heute findet jedes Wochenende von hier aus gesehen rechts hinter dem Charlottenburger Tor der große Antik- und Flohmarkt statt.

Station 1.2: Straße des 17. Juni 135 / Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin

Seit 1878 wurde das Hochschulviertel südlich der Straße des 17. Juni aufgebaut und sukzessive erweitert, seit 1958 auch nördlich davon. Aus der Zusammenlegung der Berliner Bauakademie und der Königlichen Gewerbeakademie entstand am 1. April 1879 die Königlich-Technische Hochschule zu Charlottenburg. Weitere Institute und Akademien kamen mit der Zeit hinzu.

Am 2.2.1950 eröffnete die Technische Hochschule eine Humanistische Fakultät und wurde damit zur Technischen Universität Berlin. Sie ist heute die größte Technische Universität Deutschlands mit rund 34.000 Studierenden. Lehre und Forschung umfassen neben Ingenieur- und Naturwissenschaften Planungs-, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit 1982 gibt es dort das wichtige Zentrum für Antisemitismusforschung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hauptgebäude der Technischen Universität stark zerstört. Wir sehen hier noch die Reste in den beiden Seitenflügeln. Es war von 1878 bis 1884 von Richard Lucae, Friedrich Hitzig und Julius Raschdorff im Stil der italienischen Hochrenaissance gebaut worden. Es hatte fünf Innenhöfe, von denen drei wieder rekonstruiert wurden. Wie das alte Gebäude aussah, können Sie nachher, wenn wir in die Hertzallee kommen, noch gut sehen, da die hinteren Gebäudeteile erhalten sind.

Das neue Hauptgebäude, vor dem wir stehen, wurde von Kurt Dübbers und Carl-Heinrich Schwennicke entworfen. Das zehngeschossige Hochhaus wurde 1965 vor den Altbau gesetzt. Links, der fensterlose vorgelagerte Flachbau, ist das Auditorium Maximum, in das wir jetzt gehen werden, denn das Audi Max der TU war einer der bedeutenden Schauplätze der Studentenbewegung.

Station 2: Audi Max der TU Berlin

Audi Max der TU Berlin
Bild: BA-CW, ML

1967 mit dem Besuch des Schahs in der Deutschen Oper und den Protesten gegen ihn und dem tödlichen Schuss auf Benno Ohnesorg begann die heiße Phase der Studentenbewegung in Deutschland. Der Aufstand richtete sich gegen den Vietnam-Krieg und den Imperialismus auf internationaler Ebene und auf nationaler Ebene gegen die oft noch aus der Nazi-Zeit stammenden Autoritäten, die deutschen Notstandsgesetze und die Art und Weise der Presseberichterstattung, besonders der Springer-Presse. An den Universitäten wollte man eine grundlegende Hochschul- und Bildungsreform durchsetzen mit mehr Mitsprache und anderen Studieninhalten. Es ging um eine Demokratisierung der Gesellschaft und die Emanzipation aller Menschen.

Durch einen Zusammenschluss mit der arbeitenden Bevölkerung sollte [ich zitiere aus der taz vom 27. Januar 2018]

das System als Ganzes zum Umsturz gebracht werden.

Die Technische Universität stand in dieser Zeit oft im Mittelpunkt. Zum Beispiel rief Rudi Dutschke, einer der führenden Köpfe der Studentenbewegung, am 17.2.1968 auf dem Internationalen Vietnamkongress die Weltrevolution aus.

Am Gründonnerstag 1968 wurde auf Rudi Dutschke ein Attentat verübt, was er schwer verletzt überlebte, an dessen Folgen er aber elf Jahre später verstarb. Am Abend nach dem Attentat auf Rudi Dutschke versammelten sich hier im Audimax der TU an die 2000 fassungslose Studierende und Jugendliche. Mit der Nachricht vom Attentat auf Dutschke sprang der Funke der Revolte von West-Berlin nach West-Deutschland über. In 27 Städten kam es an den Ostertagen zu Protesten und Straßenkämpfen. Aber nicht nur die Studierenden radikalisierten sich, auch die öffentliche Meinung äußerte sich immer feindlicher. Man verstand die Forderungen der Studierenden als Angriff auf die eigenen Wertvorstellungen.

Mit und in Opposition zur Studentenbewegung entstand auch die neue Frauenbewegung. In linken Kreisen war die Frauenfrage ein sogenannter „Nebenwiderspruch“ der nach Lösung des „Hauptwiderspruchs“, das heißt nach der Revolution in der Gesellschaft, gelöst werden sollte. Damit wollten sich die Frauen nicht abfinden, sie wollten ihre Rechte jetzt. Das Private wurde politisch: Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, auf antiautoritäre, geschlechtsneutrale Erziehung durch beide Eltern, auf eine eigene Karriere der Frauen waren die wichtigsten Forderungen.

Ein Jahrzehnt später, in dem sogenannten Berufsverbotestreik in Berlin 1976/77 spielten die Studierenden der TU eine entscheidende Rolle, als sie sich in unerwartet großer Zahl dem von der Freien Universität ausgehenden Ausstand anschlossen.

Am 16. Dezember 1976 meldete der Der Tagesspiegel [ich zitiere]:

TU-Präsident Wittkowsky hat zu dem Boykott der Lehrveranstaltungen aus Protest gegen Berufsverbote und verschlechterte Studienbedingungen, der jetzt auf 15 Fachbereiche [von 21] der TU übergegriffen hat, erklärt, er unterstütze die wesentlichen Forderungen der Studenten und halte die studentischen Protestmaßnahmen für zulässig.

Bei den Protesten wurde auch starke Kritik an den miteinander verfeindeten sogenannten K-Gruppen geübt. Die K-Gruppen waren kleine sozialistisch-kommunistisch ausgerichtete Gruppen, die sich über die Auslegung von Karl Marx‘ Denken und den richtigen Weg zum Sozialismus stritten und in den Jahren zuvor die studentischen politischen Bewegungen dominiert hatten.

Während der bundesweiten Streikbewegung kam es auch zu einer Vielfalt praktischer Aktionen, die in die neuen sozialen Bewegungen mündeten.

Es wurden alternative Buchhandlungen gegründet (zum Beispiel die Buchhandlung Stodieck, die wir im Mai besucht haben), Anti-Atomkraftwerk-Initiativen kämpften gegen die Atommeiler, Bio- und Vollwertbäckereien sprossen wie Pilze aus dem Boden, Kinderläden wurden eingerichtet.

Im Januar 1978 fand hier im Audi Max der TUNIX-Kongress statt. Er markiert das Ende der Dominanz der 68er-Generation und den Übergang zur alternativen Projektarbeit der 70er- und 80er-Jahre, u.a. wurde im Oktober 1978 die Alternative Liste Berlin gegründet.

Hier eine Zusammenfassung aus der taz vom 27.1.2018:

[…] zehn Jahre nach 68 [waren] die Fundamente für eine buntere, offenere, alternative Bundesrepublik längst gelegt. [… Der TUNIX-Kongress wurde] zu so etwas wie einem Treibhaus oder einem Nährboden oder vielleicht auch zum Richtfest der bundesrepublikanischen Alternativkultur und damit zum Teil der deutschen Gesellschaftsgeschichte. […] Entscheidend aber war ein Paradigmenwechsel, der sich eben erst nach 68 vollzog und durch Tunix institutionalisiert wurde:

der Wechsel vom Veränderungswillen des Ganzen dazu, die bestehenden Strukturen sozusagen links liegen zu lassen, die in ihnen entstandenen Nischen kreativ zu nutzen und so eine alternative Infrastruktur aufzubauen. […] Den Initiativgruppen von 78 ging es um die Durchsetzung konkreter Projekte. Alternative Parteien, alternatives Leben, alternative Zeitungen. Verbunden mit der Hoffnung, dass diese vielen kleinen Projekte in ihrer Fülle und Diversität zur Entwicklung einer besseren Gesellschaft zusammenfinden würden.
Wir alle wissen aber auch: In diese Zeit fiel auch die Verirrung, zu Gewalt und Terror zu greifen. Beispielhaft sei hier an die RAF erinnert, die vor Morden nicht zurückschreckte. Der demokratische Rechtsstaat war hier aufs Äußerste gefordert.
Ähnlich wie heute, wo nach den Morden der NSU und beispielhaft mit Blick auf die schlimmen Ereignisse in Chemnitz die demokratische Zivilgesellschaft Flagge zeigen muss. Ich war gestern beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Bürgerfest eingeladen und auch er fand klare Worte für Menschlichkeit und Zusammenhalt! Ich zitiere:

Menschlichkeit ist, was uns verbindet und wärmt. Ohne sie gelingt kein Zusammenhalt, ohne sie ist jedes Zusammenleben schwer. Menschlichkeit ignoriert nicht Unterschiede, Vorlieben und Abneigungen, sie ignoriert nicht Angst und Ärger. Aber sie ist ein Schutz, dass nicht alles, was Unzufriedenheit hinterlässt, in grenzenlose Wut und offenen Hass umschlägt. Eine offene Gesellschaft, wie sie die Mehrheit in unserem Land will, leugnet nicht die Schattenseiten und muss die Debatte über diese Schattenseiten auch wollen. Aber vor allem ist sie ein Angebot, nicht nur das Düstere zu sehen, sondern sich um das Licht zu versammeln. Sie muss Offenheit zeigen, auch Kritik und abweichende Meinungen zulassen. Aber – und darauf kommt es mir an: sie darf sich nicht einschüchtern lassen! Und deshalb ist es gut, dass Menschen nicht nur gegen etwas auf die Straße gehen; es ist gut, dass sich auch diejenigen, die für Demokratie und für Zusammenhalt stehen, zeigen.

Wir gehen nun mit Frau Schubert in den Lichthof der TU, wo uns Frau Schubert Aktuelles zur TU Berlin sagen wird.

Station 3: Lichthof der TU

Lichthof der TU
Bild: BA-CW, ML

Vielen Dank, Frau Schubert!

Wir verlassen jetzt das Hauptgebäude und bleiben vor dem Eingang noch einmal kurz stehen.

Station 4: Straße des 17. Juni 135 / Vor dem Eingang

Station 4.1.: Rechts des Eingangs / Relief Gegensätzliche Strukturen von Erich F. Reuter
Das Bronzerelief rechts neben dem Haupteingang der TU ist ein Werk von Erich Fritz Reuter und heißt Gegensätzliche Strukturen. Es ist von Reuter auf das Jahr 1962 datiert, wurde aber erst 1963 in der Gießerei Barth gegossen. Es ist knapp 13 m lang und gut 3 m hoch. Ursprünglich hieß das Werk Chaos und Ordnung und wurde von der Bundesregierung für die Weltausstellung 1967 in Montreal ausgewählt. Seit 1970 befindet es sich an der Fassade des Hauptgebäudes. In der TU Berlin gibt es noch weitere Werke von Erich F. Reuter, zum Beispiel Universitas Aeterna von 1954 oder Die Heilige Barbara von 1968, letztere als Heilige der Bergarbeiter im Gebäude des ehemaligen Instituts für Bergbau und Hüttenwesen. Erich F. Reuter wurde 1911 in Berlin geboren und starb 1997 in Stolpe.

Station 4.2: Skulptur Flügeltor von Reinhard Haverkamp
Die Skulptur links heißt Flügeltor und wurde 1993 von Reinhard Haverkamp geschaffen. Sie besteht aus Edelstahl und ist 7,30 m hoch. Reinhard Haverkamp wurde 1954 in Reichenbach im Rheinland geboren. Er ist für seine vielfach kinetischen Kunstwerke und seine feingliedrigen Metall- und Holzskulpturen bekannt.

Er selbst sagt zu seinen Kunstwerken:

So wie die Natur in ihren Hervorbringungen das Zusammenspiel unterschiedlichster Einflüsse zu einem funktionierenden System vereinigt, sind auch die Skulpturen das Ergebnis von Prozessen, in denen Kräfteverhältnisse wie Materialspannung, Balance und Schwerkraft zu in sich stimmigen Formen führen.

Station 4.3: Franz-Fischer-Bau / Institut für Technische Chemie der TU
Auf der anderen Seite der Straße des 17. Juni sehen Sie das Institut für Technische Chemie. Dort werden unter anderem Wirtschaftsingenieure der Fachrichtung Chemie ausgebildet. Die Forschung beschäftigt sich mit den technischen und wirtschaftlichen Aspekten der Chemie und der Chemieindustrie. Das Gebäude wurde von 1965-1968 nach Plänen von Willy Kreuer gebaut, über den ich gleich noch mehr erzählen werde. Das Institut ist nach dem Chemiker Franz Fischer benannt. Er lebte von 1877 bis 1947 und wurde für seine Forschungen zur künstlichen Herstellung von Treibstoffen bekannt, der Fischer-Tropsch-Synthese, die er zusammen mit Hans Tropsch 1925 entwickelt hat.

Links daneben befindet sich das Mathematikgebäude.

Station 4.4: Straße des 17. Juni 136 / Institut für Mathematik
Das Mathematikgebäude wurde 1981 von den Architekten Georg Kohlmaier und B. von Sartory gebaut. Es hat 11 Geschosse mit 786 Räumen. In der TU firmiert es inzwischen als das alte Mathematikgebäude, weil jenseits der Fasanenstraße ein neues Gebäude geplant ist. Hier eine Beschreibung der Architekten:

Der Planung für den Neubau des Mathematikgebäudes basierte auf einem gewonnenen internationalen Wettbewerb zum Ausbau der Technischen Universität. Das Institut ist ein zentrales Gebäude für sämtliche naturwissenschaftliche Fakultäten der TU Berlin.

Diese Bedeutung drückt sich in der städtebaulich hervorgehobenen Position des Baukörpers aus, der durch seine räumlich wirkende H – Form die Strasse des 17. Juni wirksam einfasst. Bereits in diesem Projekt aus den 80iger Jahren wurde ein komplexes ökologisches Konzept erarbeitet, das das Ziel passiver Energieeinsparung durch große Glasflächen, ausgedehnte Speichermassen in sichtbaren Betonrippendecken und Innenwänden als Sichtmauerwerk beinhaltete.

Die TU Berlin würde das Gebäude gerne sanieren und mit Instituten, die derzeit in Mietflächen untergebracht sind, belegen.

Station 5: Straße des 17. Juni 145 / Erweiterungsbau der Technischen Universität Berlin

Station 5.1: Erweiterungsbau der Technischen Universität Berlin
Der sogenannte Erweiterungsbau der TU Berlin wurde 1902 gebaut, der östliche Teil von Hermann Eggert, der westliche von dem Architekten Körber. Er hat 7 Geschosse und 453 Räume. Heute befindet sich darin das Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. Es hat neun Fachgebiete. Übergreifendes Ziel des Institutes ist die Analyse, Planung und Gestaltung von Mensch-Umwelt-Systemen. Dazu gehört insbesondere die nachhaltige Entwicklung städtischer und ländlicher Räume mit einer hohen Lebensqualität für die Menschen sowie der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.

Station 5.2: Skulptur Helix von Reinhard Haverkamp
Reinhard Haverkamp, der das Flügeltor vor dem Haupteingang geschaffen hat, das wir gerade gesehen haben, ist auch Autor des den Erweiterungsbau mit dem ehemaligen Institut für Bergbau- und Hüttenwesen verbindenden Kunstwerks Helix. Es besteht aus elf viereinhalb Meter langen Aluminiumrohren, die zwischen zwei Stahlseilen aufgefädelt sind. Die Arbeit schwebt auf 4 m Höhe zwischen den beiden Gebäuden. Das Kunstwerk wurde ebenfalls 1993 geschaffen.

Station 6: Hertzallee / Vor dem zukünftigen Café

Station 6.1: Hertzallee / Herkunft des Namens
Die Hertzallee verläuft vom Ernst-Reuter-Platz bis zum Hardenbergplatz. Sie wurde am 30.3.1950 nach dem Physiker Heinrich Hertz benannt. Davor hieß die Hertzallee Kurfürstenallee. Hertz wurde 1857 in Hamburg geboren und starb 1894 in Bonn. Er konnte im Experiment elektromagnetische Wellen nachweisen und erzeugen. Dies war die Geburtsstunde der Radio- und Nachrichtentechnik. Sein Name wurde zur Maßeinheit für die Anzahl der Schwingungen, die ein elektromagnetisches Feld pro Sekunde ausführt.

Station 6.2: Hertzallee / Anfang / Fakultätsgebäude für Bergbau und Hüttenwesen
Ursprünglich war die Hertzallee der Reitweg des Kaisers, der den Zoo über das Knie (heute: Ernst-Reuter-Platz) mit dem Schloss Charlottenburg verband.

Diese Verbindung ist heute durch das Fakultätsgebäude für Bergbau und Hüttenwesen nicht mehr sichtbar. Im Juni 2002 wurde bekannt gegeben, dass das Fakultätsgebäude abgerissen werden soll. Durch die großen Proteste in der Fachöffentlichkeit wurde dies verhindert. Das Gebäude war 1955 bis 1958 nach Plänen von Willy Kreuer gebaut worden. Willy Kreuer ist ein wichtiger Architekt der Nachkriegsmoderne. Er wurde 1919 in Köln geboren und starb 1984 in Berlin. In Charlottenburg und Wilmersdorf hat er neben diesem und dem vorhin gesehenen Franz-Fischer-Bau des Instituts für Technische Chemie 1953 auch noch die Bibliothek im Hauptgebäude der TU und das ADAC Gebäude in der Bundesallee zusammen mit Herbert Stanz enworfen. Außerdem plante er zusammen mit Fritz Bornemann die Amerika-Gedenk-Bibliothek, die als Geschenk der USA an die Berliner Bevölkerung von 1952 bis 1954 gebaut wurde.

Das Fakultätsgebäude für Bergbau und Hüttenwesen ist, wie Sie sehen, inzwischen zum großen Teil saniert. Es fehlt noch das Erdgeschoss zum Ernst-Reuter-Platz hin. Das Erdgeschoss wird aufgebrochen und verglast. Ab Oktober 2018 wird sukzessive das Start-up- und Existenzgründerzentrum hier einen prominenten Standort erhalten. Für die Universität ist es wichtig, die Hertzallee wieder zur Stadt hin zu öffnen und den Studierenden einen Raum zum Verweilen zu bieten. Deshalb ist daneben auch ein Café geplant, das nicht nur die Blickachse vom Ernst-Reuter-Platz in die Hertzallee öffnet, sondern durch die Terrasse, ausgerichtet nach Süden in die Hertzallee hinein, auch ein Ort der Ruhe werden soll. Das Café soll im Frühjahr 2019 den Betrieb aufnehmen, im Moment wird ein*e Pächter*in gesucht.

Der mittlere Abschnitt der umgestalteten Hertzallee ist inzwischen fertiggestellt und wurde am 20. April dieses Jahres der Öffentlichkeit übergeben. Die Entwürfe zur Umgestaltung stammen von den beiden Architekturbüros Treibhaus und Lavaland mit Laura Vahl, die vorher an der TU Berlin studiert hatte.

Hier ein Zitat aus der Beurteilung durch das Preisgericht:

Der Entwurf verschränkt in überzeugender Weise die Idee des Campus als eines geräumigen Ortes mit der Idee der ehemaligen Kurfürstenallee als Transitraum zwischen den angrenzenden städtischen Räumen des Ernst- Reuter-Platzes und des Zooareals mit der Volkswagenbibliothek mit den einfachen Mitteln der Materialwahl für die Bodenflächen. Im gesamten Projektbereich spannt eine Mosaikpflasterdecke aus Basalt einen gleichförmigen, deutlich lesbaren Raum zwischen den Fassaden auf, […].

Für die Baumaßnahme zu dem nördlichen Teil der Hertzallee hier vor uns müssen noch die Mittel eingeworben werden. Ein Antrag bei der Investitionsbank Berlin auf Förderung aus den Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) wird derzeit vorbereitet und noch in diesem Jahr gestellt. Bei positivem Bescheid kann gegen Ende 2020 mit der Baumaßnahme begonnen werden. Die Zeit bis dahin wird für Planung und Antragstellung genutzt.

Wir gehen nun etwa 50 m weiter, wo sich rechts das Physikgebäude befindet.

Station 7: Physikgebäude

[Frau Schubert spricht zum Physikgebäude.]

Nun gehen wir weiter bis zum neu gestalteten Stück der Hertzallee.

Station 8: Allgemeiner Studierendenausschuss der TU Berlin

Allgemeiner Studierendenausschuss der TU Berlin
Bild: BA-CW, ML

Wir stehen hier vor dem Gebäude des Allgemeinen Studierendenausschusses oder kurz AStA der TU Berlin. Der AStA vertritt die studentischen Interessen an der Technischen Universität Berlin. Vor allem hilft der AStA Studierenden dabei, sich zusammenzutun und ihre Rechte gegenüber der Universität und anderen Stellen durchzusetzen. So handeln zum Beispiel Vertreter*innen des AStA den Preis des Semestertickets mit der BVG aus.

Der Allgemeine Studierendenausschuss wird durch den sogenannten Studierendenschaftsbeitrag von € 9,10 finanziert, den die Studierenden einmal pro Semester bezahlen. Durch die Selbstfinanzierung ist der AStA unabhängig. Es gibt zudem ein Parlament der Studierenden, das aus 60 Studierenden besteht und einmal jährlich im Sommersemester von allen Studierenden der Universität gewählt wird. Das Parlament wiederum wählt die verfasste Studierendenschaft und diese führt die Geschäfte des AStA.

Station 9: Entréeplatz an der Fasanenstraße

Es ist schon beeindruckend, wie der Platz sich hier verändert hat. Er wirkt luftig und licht und lädt zum Verweilen ein. Hier noch einmal ein kurzes Zitat des Preisgerichts:

Das Preisgericht hebt lobend hervor, dass dieses Entrée mit seinem Möbelangebot aus Bank, Langbank, Lounger und Tisch Gelegenheit für gemeinsames Arbeiten im Freien schafft. Die Verfasser wollen die Aufenthaltsqualität des Entrées zusätzlich durch eine gastronomische Nutzung erhöhen, die in einem Gebäudehybrid aus Technikanlage, Schaufenster der Wissenschaften und Campus-Kiosk untergebracht ist.

Für die Neugestaltung der Hertzallee hat das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung € 1,3 Millionen im Zusammenhang mit dem Städtebauförderungsgebiet Aktives Zentrum City West erhalten. Kofinanziert wurde das Projekt von der TU Berlin in Höhe der Nebenkosten. Insgesamt wird der Umbau € 1,55 Millionen gekostet haben. Hier kann man gut sehen, wie eine Neugestaltung einen städtischen Raum öffnet und damit eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Bürgertum ermöglicht.

In dem Gebäude rechts neben dem AStA befand sich das Institut für Thermodynamik und Kältetechnik. Es wurde 1896 gebaut. 1956 kam auf der Westseite ein Anbau hinzu. Es hat vier Geschosse mit 174 Räumen. Heute befinden sich dort die Fachgebiete Dynamik und Betrieb technischer Anlagen, Anlagen- und Sicherheitstechnik, Thermodynamik und Thermische Verfahrenstechnik.

Vor uns stehen das Kessel- und Maschinenhaus des ehemaligen Kraft- und Fernheizwerks und das Kraft- und Fernheizwerk. Die Gebäude wurden 1883 gebaut. Die erste Erweiterung erfolgte bereits 1903, 1915/16 erfolgte der erste Umbau von W. Hoffmann. Es gab noch zahlreiche weitere Umbauten. Das ehemalige Kraft- und Fernheizwerk hat heute 237 Räume in 7 Geschossen und beherbergt die Fachgebiete Wasserreinhaltung, Umweltchemie, Kreislaufwirtschaft, Recyclingtechnologie und Umweltverfahrenstechnik.

Wenn wir uns umdrehen, sehen wir die Bildhauerateliers der Universität der Künste.

Die Hertzallee ist aber auch das „Herz“ des Campus Charlottenburg, einem der größten zusammenhängenden innerstädtischen Universitätsareale Europas. Der Campus beherbergt ein dichtes Netzwerk und Miteinander aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik. So sind daran beteiligt: das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, die beiden Universitäten und weitere Kooperationspartner.

Frau Schubert sagt uns jetzt noch etwas mehr zum Campus Charlottenburg.

Vielen Dank, Frau Schubert!

Wir gehen nun vor bis zur Ecke Fasanenstraße

Station 10: Fasanenstraße 88 / Volkswagen-Haus

Gegenüber sehen wir das vor dreizehn Jahren eröffnete Volkswagen-Haus, in dem die Zentralbibliothek der Technischen Universität und die Bibliothek der Universität der Künste untergebracht sind. Interessant ist, dass die Bezirksgrenze direkt mitten durch das Gebäude geht. Die Bibliothek ist die östliche Begrenzung des Campus Charlottenburg.

Pläne für ein eigenes Bibliotheksgebäude der TU Berlin gab es schon im 19. Jahrhundert. Mitte der 1980er-Jahre wurde dann ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, den der Braunschweiger Architekt Jeromin gewann.

Durch den Fall der Mauer wurde das Projekt verschoben und konnte erst um die Jahrtausendwende wieder aufgegriffen werden. Inzwischen war viel Zeit vergangen und die Planung musste neu angepasst werden. Damit wurde der Berliner Architekt Walter Arno Noebel beauftragt. Das zentrale Gliederungselement im Innern der Bibliothek sind die drei Lichthöfe. Alle fünf Geschosse sind von Galerien gesäumt. Von einer der Galerien aus gesehen kann man sich die einzelnen Geschosse als Regale vorstellen. Die Innenhöfe sind auch ein Sinnbild für die Gemeinsamkeit der beiden Bibliotheken, in denen man sich treffen und austauschen kann. Die Universität der Künste nutzt etwa 20% des Gebäudes, der Rest entfällt auf die Technische Universität.

Station 11: Fasanenstraße 1 B

Station 11.1: Fasanenstraße 87 a / Effizienzhaus Plus
Am 7. Dezember 2011 wurde das Effizienzhaus Plus von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet.

Das Haus produziert mehr Strom als es verbraucht. Die Energie wird durch eine Wärmepumpe und eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und an der Fassade erzeugt. Dieser Strom wird in Hochleistungsbatterien gespeichert und unter anderem dazu benutzt, die Elektrofahrzeuge an der hauseigenen Tankstelle aufzuladen. Überschüsse können in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Wärmeverluste werden durch eine optimale Isolierung des Gebäudes und einer optimierten Gebäudetechnik reduziert. Das Haus ist beinahe vollständig recyclebar, da es kaum Verklebungen gibt. Es hat 130 m² Wohnfläche.

Seit 2011 wurde das Haus mehrmals für ein Jahr von Testfamilien bewohnt. Dazwischen wurde es für Veranstaltungen rund um das Thema Energieeffizienz genutzt. Seit Herbst 2017 ist das Haus das Informations- und Kompetenzzentrum für zukunftgerechtes Bauen.

Station 11.2: Fasanenstraße / Studiobühne der Universität der Künste
UNI.T, so heißt das Theater der Universität der Künste Berlin. In den Studiengängen der Fakultät Darstellende Kunst studieren angehende Schauspieler, Opern- Lied- und Konzertsängerinnen, Musicaldarsteller, Bühnenbildnerinnen, Kostümbildner, Theaterpädagoginen und Autoren. Der Theatersaal hat bis zu 330 Plätzen und bietet den Studierenden die Möglichkeit, sich auf und hinter der Bühne zu erproben und einem Publikum zu präsentieren. Dieses Gebäude wurde von Paul Baumgarten konzipiert und von 1971 bis 1975 gebaut. Wie auf der Homepage der UdK erläutert ist,

hat sich [Baumgarten] die Aufgabe nicht leicht gemacht. Für das Opernstudio wurde zunächst nur eine traditionelle Bühne (Guckkasten) gefordert, weil der Bauherr davon ausging, daß die Absolventen für die überall vorhandenen unzulänglichen „Stadttheater“ auszubilden und dementsprechend schon an der Hochschule mit deren Bedingungen vertraut zu machen seien. […]

Der Berliner Musikkritiker Professor Wolfgang Burde begrüßte zur Eröffnung dies „Theaterinstrument von verblüffender Vielfalt“, er erkannte sofort das Angebot, „den Saal sowohl als Guckkastenbühne wie auch als Experimentierfeld neuer möglicher Raumkonzeptionen zu nutzen … Baumgartens Theatersaal ist ein faszinierendes Potential. Man nutze es.“

Station 12: Fasanenstraße / Ecke Hardenbergstraße

Station 12.1: Hardenbergstr. 32 / Ehemalige Berliner Bank
Die Berliner Bank wurde 1950 auf Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter gegründet. Vorrangige Aufgabe war es, den Wiederaufbau der Wirtschaft zu fördern. Zur Errichtung des Gebäudes wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den Gerhard Siegmann gewann. Sein Entwurf im modern-kubischen Stil wurde von 1951 bis 1954 realisiert. Gerhard Siegmann wurde 1911 geboren und starb 1989. Er ist ein wichtiger Vertreter der Nachkriegsmoderne.

Entstanden ist ein achtgeschossiges, streng gerasterters Bürohochhaus, das von einem eingeschossigen Vorbau umgeben ist. Im Erdgeschoss befindet sich eine Kassenhalle. Er wurde auch mit der Ausführungsplanung und der künstlerischen Oberleitung für die Errichtung des Gebäudes betraut. Die Ausstattung der Schalterhalle und der Büros mit funktionalen Möbeln wurde ebenfalls nach seinen Plänen vorgenommen. Von 1975 bis 1977 wurde das Haus durch Jan und Rolf Rave umgebaut: Die Fassade wurde mit Aluminiumelementen verändert. 1994 erfolgte dann die Integration in die Bankgesellschaft Berlin. Der nächste Umbau kam dann 1999. 2006 wurde die Berliner Bank von der Deutschen Bank übernommen und zehn Jahre später aufgelöst. Die Filialen wurden entweder geschlossen oder firmieren nun als Deutsche Bank.

Heute befindet sich in dem Gebäude das neue Berliner Forschungszentrum zur Digitalisierung mit dem Namen Weizenbaum-Institut, das letztes Jahr eröffnet wurde. Dort werden Nutzen und Risiken der Digitalisierung erforscht, zum Beispiel die Datensicherheit oder die Folgen für die Arbeitswelt. Das Direktorium besteht aus fünf Professor*innen und um die 100 Forscher und Forscherinnen. Das Institut ist nach dem deutsch-amerikanischen Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum benannt, der 1923 in Berlin geboren wurde und 2008 in Gröben in Brandenburg starb. 1936 floh er vor dem Nationalsozialismus in die USA und kehrte 1996 nach Berlin zurück. Er war einer der ersten, der die Gefahren einer gedankenlosen Computergläubigkeit aufzeigte.

Station 12.2: Hardenbergstraße 16-18 / Industrie- und Handelskammer
Die Industrie- und Handelskammer war 1902 auf Grund einer Verfügung des preußischen Handelsministers entstanden.

Sie vertritt die Interessen aller Gewerbetreibenden gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

Am 18. Juni 1954 legte der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard den Grundstein für das -Gebäude der Industrie- und Handelskammer in der Hardenbergstraße 16-18. Nur ein Jahr später wurde das im typischen Stil der fünfziger Jahre errichtete Gebäude eröffnet. Der Entwurf für das dreiteilige Ensemble mit Hauptgebäude, kleinem Seitenflügel und einem im Hof gelegenen sechseckigen Börsensaal stammt von den Architekten Franz Heinrich Sobotka & Gustav Müller. Es sind mit Travertin verkleidete Stahlbetonskelettbauten. Mit diesem Neubau setzte die IHK ein starkes Zeichen für den Wiederaufbau der stark zerstörten West-Berliner City und für die Wirtschaft im Westteil der Stadt.

1991 entschied sich die Industrie- und Handelskammer für einen Neubau in der Fasanenstraße. Dafür wurde der Börsensaal abgerissen. Der Entwurf stammt aus dem britischen Architekturbüro Nicholas Grimshaw & Partner. Am 21. September 1998 wurde das neue Haus eingeweiht, das im Volksmund Gürteltier heißt. Warum, kann man sehr gut sehen, wenn man das Gebäude aus der Luft betrachtet.

Das Gebäude in der Hardenbergstraße blieb bis 2010 das Bildungszentrum der IHK Berlin. Heute befindet sich darin die Zentraleinrichtung Moderne Sprachen der Technischen Universität Berlin.

Station 12.3: Hardenbergstraße 33 / Skulptur von Hans Nagel
Die Skulptur auf dem Vorplatz des Konzertsaals der Universität der Künste stammt von Hans Nagel. Sie wurde 1983 aufgestellt, da Hans Nagel bereits 1978 gestorben war, konnte er das Werk nicht mehr selbst fertig stellen. Die Plastik ist etwa 5 m lang, 5 m breit und 3 m hoch. Schwarze PVC-Röhren und -quader sind in drei Gruppen angeordnet und miteinander verbunden. Die gebündelten und sich windenden Röhren bilden links ein Tor.

Station 12.4: Hardenbergstraße 33 / Konzertsaal der Universität der Künste
Der Konzertsaal der Universität der Künste wurde von 1953 bis 1955 von Paul Baumgarten auf dem Gelände der zerstörten Musikhochschule errichtet. Paul Baumgarten wurde 1900 in Tilsit geboren und starb 1984 in Berlin. Außer dem Konzertsaal der UdK baute er noch die Müllverladestation in der Helmholtzstraße, die wir im Januar 2017 besucht haben, und das sogenannte Eternit-Haus im Hansaviertel zur Internationalen Bauausstellung 1957.

Anfang der 60er-Jahre residierten hier die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan, bis die Philharmonie von Hans Scharoun am Kulturforum fertig wurde.

Heute steht der Konzertsaal der UdK unter Denkmalschutz und ist das Zentrum der Fakultät Musik. Hier finden die Probenphasen und Konzerte des Symphonieorchesters der UdK statt, hier werden Konzertexamina absolviert und Wettbewerbe ausgetragen. 2009 und 2010 wurde der Konzertsaal aufwendig renoviert. Neben dem Einbau einer neuen Bestuhlung wurden die Bühnentechnik, die Akustik, das Beleuchtungskonzept sowie die Belüftungstechnik verbessert. Die Konzertsäle der UdK können auch gemietet werden.

Station 13: Steinplatz

Steinplatz
Bild: BA-CW, ML

Station 13.1: Hardenbergstraße 33 / Universität der Künste / Hauptgebäude
Gegenüber sehen wir das Hauptgebäude der Universität der Künste. Es wurde 1898-1902 von Kayser & von Großheim als neobarocker schlossartiger Bau um ursprünglich vier Innenhöfe errichtet. Im hinteren Teil gruppierten sich die Ateliers um einen großen Garten. Ab 1902 errichtete Ludwig Hoffmann Erweiterungsbauten für weitere Ateliers. Nach Kriegsschäden kam es bis in die 1970er-Jahre zu teilweise vereinfachten Wiederaufbauten und Ergänzungsbauten.

Seit dem 1.11.2001 heißt die ehemalige Hochschule der Künste Universität der Künste oder kurz UdK. Die UdK ist die größte Kunsthochschule Europas.

Sie geht auf die 1696 von Friedrich III. gestiftete Kurfürstliche Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst (später Preußische Akademie der Künste) zurück und ist damit weltweit eine der ältesten Schulen dieser Art. Sie entstand durch schrittweisen Zusammenschluss verschiedener Bildungseinrichtungen für Musik, Architektur, Bildende Kunst und Design. Aktuell gliedert sie sich in vier Fakultäten – Bildende Kunst, Gestaltung, Musik und Darstellende Kunst – sowie ein Zentralinstitut für Weiterbildung / UdK Berlin Career College. Darüber hinaus betreibt sie zwei hochschulübergreifende Zentren, das Jazz-Institut Berlin (mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler) und das Zentrum Tanz (mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch). An der UdK Berlin werden über 70 Studiengänge angeboten, die von rund 220 Lehrkräften betreut werden. Davon sind ca. 20 % wissenschaftlich ausgerichtet.

KlangKunstBühne ist der Name einer Sommerakademie für Studierende nach Abschluss ihres Studiums und findet seit 2003 alle zwei Jahre für je drei Wochen statt. Sie wird von den Fakultäten Musik und Darstellende Kunst in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Weiterbildung durchgeführt. Zudem gibt es noch eine Berlin Summer University of the Arts, welche seit 2012 jährlich Kurzworkshops für internationale Künstler und Künstlerinnen aller Disziplinen und fortgeschrittene Studierende anbietet.

Station 13.2: Steinplatz 4 / Hotel am Steinplatz
Das Haus wurde 1906/1907 von dem Architekten August Endell gebaut. August Endell wurde 1871 in Berlin geboren und starb dort 1925. Bekannt wurde er unter anderem wegen seines Entwurfs des ersten Hofes der Hackeschen Höfen und des Festsaals, in dem sich heute, denkmalgerecht restauriert, das Variété Chamäleon befindet. Endell war Autodidakt. Seine Ideen entstanden aus seiner Beschäftigung mit der Wahrnehmung und ihrer Bedeutung für den Menschen: Es galt aus dem Vielen eine Einheit zu formen.

Das Hotel am Steinplatz ist ein herausragendes bauliches Zeugnis des Jugendstils in Berlin. Besonders auffallend ist die denkmalgeschützte olivgrüne Fassade mit zwei Erkern, geometrischen Stuckelementen und unterschiedlich geformten Sprossenfenster. Der Stuck besteht aus Wald- und Nachtmotiven.

Nach seiner Errichtung 1907 diente das Gebäude zunächst als Wohnhaus. 1913 eröffnete es erstmals als Luxushotel. Nach der Oktoberrevolution zogen russische Adelige und Intellektuelle in die herrschaftlichen Suiten. Das Hotel wurde zum Treffpunkt prominenter Berliner und Reisender, wie zum Beispiel Vladimir Nabokov, Yehudi Menuhin und Zarah Leander.

Während des Zweiten Weltkrieges ging der Betrieb eine Weile improvisiert weiter, ehe es dann doch schließen musste. 1947 wurde es wieder eröffnet. Mit der Künstlerbar Volle Pulle im Untergeschoss etablierte sich ab 1950 der Steinplatz als Treffpunkt und heimliche Bühne von Künstlern, Schauspielerinnen und Intellektuellen. Heinrich Böll, Günter Grass und Romy Schneider verkehrten hier.

Später diente das Gebäude als Seniorenheim und danach stand es leer. Nach dreijähriger Renovierung und Umbau wurde es im Dezember 2013 als 5-Sterne-Hotel wieder eröffnet. Heute wird das Hotel von Marriott International betrieben.

Station 13.3: Steinplatz
Der Steinplatz wurde als gründerzeitlicher Schmuckplatz erstmalig 1885 angelegt. Er ist nach Heinrich Friedrich Karl Freiherrn vom und zum Stein benannt. Der preußische Staatsmann leitete ab 1807 mit der Gesetzgebung zur Bauernbefreiung die nach ihm und Hardenberg benannten Reformen in Preußen ein.

Der erste erkennbare Umbau wurde nach Plänen des Gartenbaudirektors von Charlottenburg, Erwin Barth, in den späten 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts realisiert, jedoch ohne eine zuerst vorgesehene geplante zweireihige Baumeinfassung.

Die Mitte des Platzes wurde von Barth mit dem Standbild der “Flora” herausgehoben. Der Kapitellstein der Säule, auf der sie stand, wurde bei der Neuanlage als Relikt der ursprünglichen Grünanlage integriert. Der Verbleib der “Flora” ist uns nicht bekannt.

Um 1950 wurde der Platz durch den damaligen Charlottenburger Gartenbauamtsleiter Joachim Kaiser mit Gehölzrahmen und Blumenrabatten neu gestaltet. An der nordwestlichen Platzecke errichtete man 1951 einen Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus, 1953 kam ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus an der südöstlichen Ecke hinzu. Muschelquadersteine der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße wurden dafür verwendet. Es war das früheste West-Berliner Denkmal für NS-Opfer. 1987 wurde auf dem Platz rechts hinter dem Gedenkstein eine Büste des Freiherrn vom und zum Stein als Geschenk des Deutschen Städtetags zur 750-Jahr-Feier Berlins aufgestellt.

Die letztlich in die Jahre gekommene Grünanlage bildete durch ihre massiven Gehölzflächen einen abgeschlossenen und weitgehend uneinsehbaren Raum mit nur wenigen Bezügen zum umliegenden Stadtquartier. Die Initiative zum Umbau des Steinplatzes wurde 2014 durch den damaligen Baustadtrat Marc Schulte inhaltlich und organisatorisch befördert. In ersten Anrainergesprächen bot sich das Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin an, einen Landschaftsplanerischen Wettbewerb unter den Masterstudenten des Fachbereiches auszuloben, um ein breites Spektrum an Umgestaltungsideen zu erhalten. Der Siegerentwurf überzeugte die Anrainer, das Bezirksamt und die finanzierende Senatsverwaltung. Am 17. August 2018 hat Stadtrat Schruoffeneger den Steinplatz der Öffentlichkeit übergeben. Diese Eröffnungsveranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe von künstlerischen Performances und Installationen, die in diesem und den folgenden Jahren für die Dauer von ca. neun Wochen pro Veranstaltung und Jahr im Bereich und mit Bezug auf den Steinplatz umgesetzt werden sollen. Ich begrüße nun ganz herzlich Frau Ammon, die das Künstlerinnenduo mmtt vertritt und uns ihr temporäres Kunstprojekt Simultan Installation Lab, das wir hier auf dem Steinplatz sehen, erklären wird. Herzlich willkommen in unserer Runde!

Vielen Dank, Frau Ammon!

Hier endet unser Kiezspaziergang. Mir bleibt noch, Ihnen einen schönes Wochenende zu wünschen und Ihnen Zeit- und Treffpunkt des nächsten Kiezspaziergangs zu nennen. Wir sehen uns am Samstag, den 13.10.18, um 14 Uhr vor der Sammlung Scharf-Gerstenberg in der Schloßstraße 70 und wandern dann die Schloßstraße entlang zur St.-Canisius-Kirche. Ich wünsche Ihnen einen guten Nachhauseweg und freue mich auf unsere nächste Tour.