Stolpersteine Konstanzer Straße 8

Diese Stolpersteine wurden am 19. Mai 2015 verlegt.

HIER WOHNTE
JULIUS WALLACH
JG. 1877
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
2.4.1942

Julius Wallach wurde als Isidor Wallach am 10. Juni 1877 in Raboldshausen im Kreis Fritzlar-Homberg in Hessen geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Aron Wallach (*1849) und dessen 19-jährige Ehefrau Siefchen, geborene Goldschmidt (1857-1884), war er das älteste von insgesamt drei Kindern. Als Isidor vier Jahre alt war, wurde seine Schwester Lea (1881-1887), die nur sechs Jahre alt wurde, geboren. Sein Bruder Hermann (*12. Dezember 1883) kam in Oberaula im Kreis Ziegenhain zur Welt. Als Isidor sieben Jahre alt war, starb seine Mutter mit 27 Jahren. Sein Vater heiratete daraufhin Betty Katz, mit der er noch fünf Kinder bekam, Jacob (1886-1886), Jenny Schönchen (1887-1906) David Aron (1889-1937), Willy (1890-1960) und Rika (1898-1942).

Isidor wurde, wie sein Vater, Kaufmann von Beruf. Wann und wo er seine aus Berlin stammende Ehefrau Meta Plessen (*15. Mai 1880) kennenlernte, ist nicht bekannt. Der 30-jährige Isidor und die 27-jährige Meta heirateten am 20. Februar 1908 in Charlottenburg. Als Trauzeugen waren Metas Vater Raphael Plessner und ihre Mutter Ernestine, geborene Goetz anwesend. Sie wohnten damals in der Pestalozzistraße 95 in Charlottenburg.

Im Berliner Adressbuch 1915 war Isidor als Großhändler von Manufakturwaren Engros in der Lortzigstraße 6 in Berlin zu finden. Am 18. August 1917 wurde dem Kaufmann Isidor Wallach die Führung der Vornamen Julius Isidor gestattet. Sein Vater starb am 23. April 1913 mit 64 Jahren in Oberaula.

Als die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Macht kamen, war Julius 55 Jahre und Meta 52 Jahre alt. Durch Gesetze und Verordnungen wurde ihnen das Leben zunehmend schwer gemacht. Julius’ Bruder Hermann wurde nach der Reichspogromnacht im November 1938 vorübergehend im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Julius und Meta in der Konstanzer Straße 8 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet.

Für Meta wurde das Leben zur Last. Sie wählte den Freitod und nahm eine Überdosis Schlafmittel ein. Sie starb im jüdischen Krankenhaus. Auf der Sterbeurkunde wurde als Todesursache Selbstmord durch Schlafmittelvergiftung angegeben und später handschriftlich „Laut Leichenöffnung Lungenentzündung“ hinzugefügt. In der Todesanzeige, die Julius im Jüdischen Nachrichtenblatt Nr. 70/1941 für seine Frau aufgab, hieß es: „Am 2. November verschied nach 34jähriger überaus glücklicher Ehe am Herzschlag meine innigst geliebte Frau, Schwester, unsere Nichte, Schwägerin Meta Sara Wallach, geb. Plessner.“
Meta Wallach geborene Plessner starb mit 61 Jahren und wurde vermutlich wie ihre Eltern auf dem Adass-Jisroel-Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Kurze Zeit später verlor Julius auch seinen Bruder. Hermann Wallach und dessen Ehefrau Berta Wallach geborene Katz (*14. Februar 1894) deportierte die Gestapo am 14. November 1941 nach Minsk, wo sie zu einem unbekannten Datum ermordet wurden.

Fünf Monate später bekam der Witwer Julius Wallach den Deportationsbefehl in den „Osten“, was ihn dazu veranlasste, sich, wie seine Ehefrau, das Leben zu nehmen. Julius Isidor Wallach starb mit 64 Jahren am 2. April 1942.

Julius’ Nichten Gerda (*7. März 1921) und Edith (*4. November 1927), die Töchter seines Bruders Hermann und dessen Ehefrau, meldeten 1946 ihren Anspruch auf das Vermögen ihrer Eltern und ihres Onkels Julius und ihrer Tante Meta bei der Treuhandverwaltung der Generalsteuerdirektion an.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Februar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 38866, Hermann Wallach
  • Stolpersteinbiografie für Emma Wallach geborene Isaac von Dr. Claudia Schoppmann in der Speyerer Str. 21 in Berlin-Schöneberg

HIER WOHNTE
META WALLACH
GEB. PLESSNER
JG. 1880
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
2.11.1941

Meta Wallach wurde als Meta Plessner am 15. Mai 1880 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Raphael Plessner (*29. Dezember 1838) und dessen aus Gnesen (Gniezno, Polen) stammende Ehefrau Ernestine geborene Goetz (*ca. 1848), war sie das jüngste von insgesamt zwei Kindern. Ihr Bruder Max (*29. April 1875) war fünf Jahre älter als sie. Er wurde Tierarzt von Beruf und lebte und arbeitete in Lübbenau im Spreewald.

Wann und wo Meta ihren aus Raboldshausen im Kreis Fritzlar-Homberg in Hessen stammenden Ehemann Isidor Wallach (*10. Juni 1877) kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 27-jährige Meta und der 30-jährige Isidor heirateten am 20. Februar 1908 in Charlottenburg. Als Trauzeugen waren Metas Eltern anwesend. Sie wohnten damals in der Pestalozzistraße 95 in Charlottenburg. Die Ehe blieb kinderlos.

Drei Jahre später, am 6. Dezember 1912, starb ihr Vater kurz vor seinem 74. Geburtstag. Ihre Mutter wurde mit 64 Jahren Witwe. Sie überlebte ihren Ehemann noch mehr als 20 Jahre und starb am 24. Mai 1933 mit 85 Jahren. Beide wurden auf dem Adass-Jisroel-Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Im Berliner Adressbuch 1915 war Isidor als Großhändler von Manufakturwaren Engros in der Lortzigstraße 6 in Berlin zu finden. Am 18. August 1917 wurde dem Kaufmann Isidor Wallach die Führung der Vornamen Julius Isidor gestattet.

Als die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Macht kamen, war Meta 52 Jahre und Julius 55 Jahre alt. Durch Gesetze und Verordnungen wurde ihnen das Leben zunehmend schwer gemacht. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie in der Konstanzer Straße 8 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet.

Für Meta wurde das Leben zur Last. Sie wählte den Freitod und nahm eine Überdosis Schlafmittel ein. Sie starb im jüdischen Krankenhaus. Auf der Sterbeurkunde wurde als Todesursache Selbstmord durch Schlafmittelvergiftung angegeben und später handschriftlich „Laut Leichenöffnung Lungenentzündung“ hinzugefügt. In der Todesanzeige, die Julius im Jüdischen Nachrichtenblatt Nr. 70/1941 für seine Frau aufgab, hieß es: „Am 2. November verschied nach 34jähriger überaus glücklicher Ehe am Herzschlag meine innigst geliebte Frau, Schwester, unsere Nichte, Schwägerin Meta Sara Wallach geb. Plessner.“

Meta Wallach geborene Plessner starb mit 61 Jahren und wurde vermutlich auch auf dem Adass-Jisroel-Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Fünf Monate später bekam ihr verwitweter Mann den Deportationsbefehl in den „Osten“, was ihn dazu veranlasste, sich wie seine Ehefrau das Leben zu nehmen. Julius Isidor Wallach starb mit 64 Jahren am 2. April 1942.

Metas Bruder Max Plessner war 1938 die Tätigkeit als Tierarzt verboten worden. Trotzdem praktizierte er heimlich weiter. Nachdem er die Information über seine bevorstehende Deportation erhielt, beging er am 22. August 1942 wie seine Schwester Selbstmord. Er wurde tot in seinem Badezimmer aufgefunden. Mit einer Morphium-Spritze hatte er seinem Leben ein Ende gesetzt, als die mit seiner Abholung beauftragten Polizisten vor der Tür standen. In seinem ehemaligen Wohnort Lübbenau erinnert heute ein Stolperstein an ihn.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Februar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage

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Koordination
Gisela Morel-Tiemann

Initiator

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