Stolpersteine Kantstraße 59

Hauseingang Kantstr. 59

Diese Stolpersteine wurden am 27.3.2015 verlegt.

Stolperstein Otto Jacobi

HIER WOHNTE
OTTO JACOBI
JG. 1856
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 27.4.1943
SOBIBOR
ERMORDET 30.4.1943

Otto Jacobi wurde am 20. Juni 1856 in Fürstenwalde geboren. Von Beruf wurde er Kaufmann.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau, die aus Woldenberg/Neumark im preußischen Kreis Friedeberg in der Provinz Brandenburg (Powiat Strzelecko-Drezdenecki, Polen) stammende Clara Blumenfeld (*31. August 1859) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten 1882 in Woldenberg, Claras Geburtsort. Am 26. September 1985 wurden sie Eltern einer Tochter, der sie den Namen Katharina, genannt Käthe, gaben. Zwei Jahre später wurde ihre zweite Tochter Martha (*1887) geboren. Ihre dritte Tochter Margarethe (*1889) und ihr jüngster Sohn Louis (*1895) kamen in Beeskow in der Nähe von Berlin zur Welt.

Wann genau die Familie nach Berlin zog, ist nicht bekannt. Ihre jüngste Tochter Margarethe heiratete mit 33 Jahren am 16. Januar 1923 den Handelsvertreter Eugen Hirschberg in Berlin-Charlottenburg. Am 19. Oktober 1925 wurde deren Sohn Heinz Martin (später Harry genannt) geboren. Otto wurde zum ersten Mal Großvater.

Die älteste Tochter Käthe heiratete mit 46 Jahren am 25. Februar 1932 Leo Salomon in Berlin. Sie wohnten in der Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt (heute Berlin-Friedrichshain).

Otto und Claras Tochter Martha blieb ledig. Der jüngste Sohn Louis heiratete am 3. August 1933 die 20-jährige Eva Siedner (*6. August 1912). Am 14. September 1934 wurde deren Tochter Anneliese, auch Amilie genannt, in Berlin geboren und Otto wurde zum zweiten Mal Großvater.

Otto und Clara Jacobi gehörten der Synagoge in der Pestalozzistraße an. Während der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde diese Synagoge nicht zerstört, weil aufgrund ihrer Lage in einem Hinterhof die Gefahr zu groß war, dass die Flammen auf die Nachbarhäuser übergreifen könnten; deshalb wurde sie gerettet.

In einem Interview der USC Shoa Foundation erzählte Ottos Enkel Harry 1998, dass er von 1935 bis 1939 bei seinen Großeltern gewohnt und Otto auch im Ruhestand noch ein Haus verwaltet und für die Familie die Einkäufe erledigt habe.

1937 wanderten der Sohn Louis und dessen Familie nach Amsterdam in den Niederlanden aus. Er gründete dort mit seinem Kompagnon W. Grünberg eine Fabrik für Damenwäsche. Anfang 1939 gaben auch Otto und Clara ihre Wohnung in der Kantstraße 59 in Berlin-Charlottenburg auf und wagten mit 83 Jahren und fast 80 Jahren einen Neuanfang in Amsterdam. Ihre Töchter Martha und Margarethe zogen zu der ältesten Tochter Käthe in die Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt. Ihr Enkel Heinz kam im März 1939 mit einem Kindertransport ebenfalls in die Niederlande, zuerst nach Rotterdam und kurz darauf in ein Kinderheim in Amsterdam.

Als Otto und Clara am 9. März 1939 in Amsterdam ankamen, wohnten sie zusammen mit Louis Familie in der Trompenburgstraat 34. Am 29. April 1940 zogen sie in die Louis Bothastraat 22.

Nachdem die Nationalsozialisten die Niederlande am 10. Mai 1940 in einem Blitzkrieg besetzten, gelang es Truus Weijsmuller, jüdischen Waisenkindern, darunter auch Ottos 15-jährigem Enkel Heinz (später Harry), in letzter Minute die Flucht nach Großbritannien zu ermöglichen. Louis, Eva und Anneliese hatten eine Einreisegenehmigung für die USA. Da Louis aber für seine Eltern keine Papiere bekam und er sie nicht alleine lassen wollte, blieben sie alle in den Niederlanden.

Ottos Töchter Martha und Käthe sowie sein Schwiegersohn Leo Salomon wurden mit dem ersten Deportationszug aus Berlin am 18. Oktober 1941 nach Łódź deportiert. Seine Tochter Margarethe und deren geschiedenen Ehemann Eugen Hirschberg deportierte die Gestapo am 17. November 1941 nach Kauen (Kowno, Litauen) Fort IX, wo sie sie am 25. November 1941 ermordeten. Martha, Käthe und Leo transportierten sie am 8. Mai 1942 in die Vernichtungsstätte Kulmhof (Chelmno, Polen), wo sie in einem Gaswagen ermordet wurden. Von dem Tod ihrer Töchter erhielten Otto und Clara keine Nachricht. Da sie aber fortan nichts mehr von ihnen hörten, waren sie sich sicher, dass sie nicht mehr lebten.

Am 4. Dezember 1942 setzte die SS (Nationalsozialistische Schutzstaffel) Otto und Clara in ihrer Wohnung in Amsterdam fest und internierten sie im Durchgangslager Westerbork. Hier feierten sie noch ihre Diamantene Hochzeit (60 Jahre). Von Westerbork deportierten sie sie am 27. April 1943 in das Vernichtungslager Sobibór in der Nähe von Lublin, wo sie sie am 30. April 1943 ermordeten. Clara Jacobi geborene Blumenfeld starb mit 83 Jahren. Otto Jacobi starb mit 86 Jahren.

Ihr Sohn Louis, ihre Schwiegertochter Eva und ihre Enkelin Anneliese wurden im Juni 1943 ebenfalls im Durchgangslager Westerbork interniert und am 1. Februar 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Dort wurden sie im sogenannten Sternlager, einem Teillager mit potenziellen „Austauschjuden“, interniert. Als die Britische Armee sich dem Lager näherte, verschleppte die Gestapo am 11. April 1945 2.400 Insassen dieses Lagers aus Bergen-Belsen, darunter Louis und seine Familie, per Zug Richtung Theresienstadt, wo sie aber nie ankamen. Bis zum 23. April 1945 irrte der “verlorene Zug” durch Deutschland, bis seine Insassen in der Nähe von Tröbitz von der Roten Armee befreit wurden. An dem Fleckfieber, das im Zug ausgebrochen war, starben mehr als 500 Menschen. Louis, Eva und Anneliese überlebten und gingen nach der Befreiung zurück nach Amsterdam. Louis war später siebzehn Jahre Präsident der „Liberal Jewish Community of Amsterdam“. Er starb am 29. Oktober 1966 mit 71 Jahren.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • USC Shoa Foundation – Interview mit Harry Martin Jacoby (ehemals Heinz Martin Hirschberg) 42896 vom 31. März 1998
  • “Die Familie Eisner” Andere jüdische Familien aus Guttentag – Familie Siedner – Impressum: Prof. Dr. Monika Dobberstein, Lippstadt

Stolperstein Clara Jacobi

HIER WOHNTE
CLARA JACOBI
GEB. BLUMENFELD
JG. 1859
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 27.4.1943
SOBIBOR
ERMORDET 30.4.1943

Clara Jacobi wurde als Clara Blumenfeld am 31. August 1859 in Woldenberg/Neumark im preußischen Kreis Friedeberg in der Provinz Brandenburg (Powiat Strzelecko-Drezdenecki, Polen) geboren. Ihre Eltern waren Salomon Blumenfeld und dessen Ehefrau Johanna Blumenfeld geborene Levy.

Wann und wo Clara ihren späteren Ehemann, den aus Fürstenwalde stammenden Kaufmann Otto Jacobi, kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten 1882 in ihrem Geburtsort. Am 26. September 1885 wurde Clara zum ersten Mal Mutter einer Tochter, der sie den Namen Katharina, genannt Käthe, gaben. Zwei Jahre später wurde ihre zweite Tochter Martha (*1887) ebenfalls in Woldenberg/Neumark geboren. Margarethe (*1889), ihre dritte Tochter, und ihr jüngster Sohn Louis (*1895) kamen in Beeskow in der Nähe von Berlin zur Welt. Wann genau Clara mit ihrer Familie nach Berlin zog, ist nicht bekannt.

Ihre jüngste Tochter Margarethe heiratete mit 33 Jahren am 16. Januar 1923 den Handelsvertreter Eugen Hirschberg in Berlin-Charlottenburg. Am 19. Oktober 1925 wurde deren Sohn Heinz Martin (später Harry genannt) geboren. Clara wurde zum ersten Mal Großmutter.

Ihre älteste Tochter Käthe heiratete mit 46 Jahren am 25. Februar 1932 Leo Salomon in Berlin. Sie wohnten in der Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt (heute Berlin-Friedrichshain).

Claras Tochter Martha blieb ledig. Claras jüngster Sohn Louis heiratete am 3. August 1933 die 20-jährige Eva Siedner (*6. August 1912). Am 14. September 1934 wurde deren Tochter Anneliese, auch Amilie genannt, in Berlin geboren und Clara wurde zum zweiten Mal Großmutter.

In einem Interview der USC Shoa Foundation erzählte Claras Enkel Harry 1998, dass er von 1935 bis 1939 bei seinen Großeltern gewohnt habe und Clara eine hervorragende Köchin gewesen sei.

1937 wanderten ihr Sohn Louis und dessen Familie nach Amsterdam in den Niederlanden aus. Er gründete dort mit seinem Kompagnon W. Grünberg eine Fabrik für Damenwäsche. Anfang 1939 gaben auch Clara und Otto ihre Wohnung in der Kantstraße 59 in Berlin-Charlottenburg auf und wagten mit fast 80 und 83 Jahren einen Neuanfang in Amsterdam. Ihre Töchter Martha und Margarethe zogen zu der ältesten Tochter Käthe in die Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt. Ihr Enkel Heinz kam im März 1939 mit einem Kindertransport ebenfalls in die Niederlande, zuerst nach Rotterdam und kurz darauf in ein Kinderheim in Amsterdam.

Als Clara und Otto am 9. März 1939 in Amsterdam ankamen, wohnten sie zusammen mit Louis‘ Familie in der Trompenburgstraat 34. Am 29. April 1940 zogen sie in die Louis Bothastraat 22.

Nachdem die Nationalsozialisten die Niederlande am 10. Mai 1940 in einem Blitzkrieg besetzten, gelang es Truus Weijsmuller, jüdischen Waisenkindern, darunter auch Claras 15-jährigem Enkel Heinz, in letzter Minute die Flucht nach Großbritannien zu ermöglichen. Louis, Eva und Anneliese hatten eine Einreisegenehmigung für die USA. Da Louis aber für seine Eltern keine Papiere bekam und er sie nicht alleine lassen wollte, blieben sie alle in den Niederlanden.

Claras Töchter Martha und Käthe sowie ihr Schwiegersohn Leo Salomon wurden mit dem ersten Deportationszug aus Berlin am 18. Oktober 1941 nach Łódź deportiert. Claras Tochter Margarethe und deren geschiedenen Ehemann Eugen Hirschberg deportierte die Gestapo am 17. November 1941 nach Kauen (Kowno, Litauen) Fort IX, wo sie sie am 25. November 1941 ermordeten. Martha, Käthe und Leo transportierten sie am 8. Mai 1942 von Łódź in die Vernichtungsstätte Kulmhof (Chelmno, Polen), wo sie in einem Gaswagen ermordet wurden. Von dem Tod ihrer Töchter erhielten Clara und Otto keine Nachricht. Da sie aber fortan nichts mehr von ihnen hörten, waren sie sich sicher, dass sie nicht mehr lebten.

Am 4. Dezember 1942 setzte die SS (Nationalsozialistische Schutzstaffel) Clara und Otto in ihrer Wohnung in Amsterdam fest und internierte sie dann im Durchgangslager Westerbork. Hier feierten sie noch ihre Diamantene Hochzeit (60 Jahre). Von Westerbork wurden sie am 27. April 1943 in das Vernichtungslager Sobibór in der Nähe von Lublin deportiert und dort am 30. April 1943 ermordet. Clara Jacobi geborene Blumenfeld starb mit 83 Jahren. Otto Jacobi starb mit 86 Jahren.

Ihr Sohn Louis, ihre Schwiegertochter Eva und ihre Enkelin Anneliese wurden im Juni 1943 ebenfalls im Durchgangslager Westerbork interniert und am 1. Februar 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Dort wurden sie im sogenannten Sternlager, einem Teillager mit potenziellen „Austauschjuden“, interniert. Als die Britische Armee sich dem Lager näherte, verschleppte die Gestapo am 11. April 1945 2.400 Insassen dieses Lagers aus Bergen-Belsen, darunter Louis und seine Familie, per Zug Richtung Theresienstadt, wo sie aber nie ankamen. Bis zum 23. April 1945 irrte der “verlorene Zug” durch Deutschland, bis seine Insassen in der Nähe von Tröbitz von der Roten Armee befreit wurden. An dem Fleckfieber, das im Zug ausgebrochen war, starben mehr als 500 Menschen. Louis, Eva und Anneliese überlebten und gingen nach der Befreiung zurück nach Amsterdam. Louis war später siebzehn Jahre Präsident der „Liberal Jewish Community of Amsterdam“. Er starb am 29. Oktober 1966 mit 71 Jahren.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • USC Shoa Foundation – Interview mit Harry Martin Jacoby (ehemals Heinz Martin Hirschberg) 42896 vom 31. März 1998
  • “Die Familie Eisner” Andere jüdische Familien aus Guttentag – Familie Siedner – Impressum: Prof. Dr. Monika Dobberstein, Lippstadt

Stolperstein Martha Jacobi

HIER WOHNTE
MARTHA JACOBI
JG. 1887
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
1942 CHELMNO / KULMHOF
ERMORDET

Martha Jacobi wurde am 5. Oktober 1887 in Woldenberg/Neumark im preußischen Kreis Friedeberg in der Provinz Brandenburg (Powiat Strzelecko-Drezdenecki, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Otto Jacobi und dessen Ehefrau Clara Jacobi geborene Blumenfeld, war sie das zweite Kind von insgesamt vier Kindern. Katharina (*1885), genannt Käthe, war ihre zwei Jahre ältere Schwester. Margarethe (*1887) war zwei Jahre und Louis (*1895) zehn Jahre jünger als Käthe. Die jüngeren Geschwister kamen in Beeskow zur Welt. Wann die Familie nach Berlin zog, ist nicht bekannt.

Marthas Neffe Harry Jacobi (früher Heinz Martin Hirschberg), Sohn ihrer Schwester Margarethe, erzählte 1998 in einem Interview der USC Shoa Foundation, dass Martha behindert war und deshalb nicht arbeiten konnte. Sie blieb ledig und lebte bis zu ihrem 53. Lebensjahr bei ihren Eltern in einer 103 qm großen Wohnung in der 3. Etage der Kantstraße 59 in Berlin-Charlottenburg.

Als ihre Eltern im März 1939 in die Niederlande zu ihrem jüngsten Sohn Louis, Marthas Bruder, flüchteten, zog sie zusammen mit ihrer jüngeren geschiedenen Schwester Margarethe zu ihrer ältesten Schwester Käthe, die zusammen mit ihrem Ehemann Leo in einer 2 ½ Zimmer-Wohnung in der Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt (heute Berlin-Friedrichshain) wohnte. Hier war sie am 17. Mai 1939 bei der „Minderheiten-Volkszählung“ gemeldet. Ihre Schwester Margarethe zog am 1. Juli 1940 als Hausangestellte nach Berlin-Wilmersdorf. Martha blieb bei Käthe in der Boxhagener Straße 28.

Am 16. Oktober 1941 erhielten Martha, ihre Schwester Käthe und ihr Schwager Leo Salomon einen der ersten Deportationsbefehle aus Berlin. In der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 hatten sie sich im Sammellager einzufinden. Dort wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Zwei Tage später, am 18. Oktober, ging es zu Fuß in strömenden Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für alle sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug insgesamt 1.251 Personen in den Osten transportierte. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann, in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Hier wurden Martha, Käthe und Leo einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie den Winter und das Frühjahr 1942.

Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielten auch Martha, Käthe und Leo einen „Ausreisebefehl“ für den 8. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurden sie in einem Gaswagen ermordet. Martha Jacobi musste aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien mit 56 Jahren sterben.
Ihre Schwester Käthe starb mit 58 und ihr Schwager Leo Salomon mit 66 Jahren. An sie erinnern Stolpersteine in der Boxhagener Straße 28 in Berlin-Friedrichshain.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • USC Shoa Foundation – Interview mit Harry Martin Jacoby (ehemals Heinz Martin Hirschberg) 42896 vom 31. März 1998
  • “Die Familie Eisner” Andere jüdische Familien aus Guttentag – Familie Siedner – Impressum: Prof. Dr. Monika Dobberstein, Lippstadt

Stolperstein Eugen Hirschberg

HIER WOHNTE
EUGEN HIRSCHBERG
JG. 1888
DEPORTIERT 17.11. 1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1939

Eugen Hermann Hirschberg wurde am 6. November 1888 in Soldin im Kreis Soldin in der preußischen Provinz Brandenburg (heute Myślibórz, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Alexander Hirschberg (*1855) und dessen Ehefrau Jenny Hirschberg geborene Brieger (*1855), war er der älteste von insgesamt zwei Söhnen. Eugens Bruder Arthur Richard, der am 15. August 1895 zur Welt kam, wurde nur zwei Monate alt. Die Eltern wohnten seit Anfang der 20er Jahre in der Breitenstraße 13 in Luckenwalde.

Eugen wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig zum Dienst und wurde mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau Margarethe Jacobi (*3. November 1889)
kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 16. Januar 1923 in Berlin-Charlottenburg. Eugen war damals 34 und Margarete 33 Jahre alt. Am 19. Oktober 1925 wurde ihr Sohn Heinz Martin geboren. Sie wohnten damals in der Zeppelinstraße in Spandau bei Berlin. Eugen arbeitete als Handelsvertreter.

Die Ehe hielt nur sieben Jahre und wurde am 10. April 1930 rechtmäßig geschieden. Margarethe ging nach der Scheidung mit dem 5-jährigen Heinz nach Auerbach im Vogtland. Dort arbeitete sie für ihren Bruder Louis, der Inhaber einer Wäschefabrik war.

Am 28. März 1931 heiratete Eugen in zweiter Ehe die aus Memel (Klaipeda, Litauen) stammende Nichtjüdin Lina Minna Voigt (*14. September 1890) und zog zu ihr in die Alboinstraße 37 in Berlin-Tempelhof. Diese Ehe hielt acht Jahre und wurde am 24. Januar 1939 geschieden.

Als 1935 seine geschiedene Ehefrau Margarethe mit dem gemeinsamen Sohn Heinz Martin zurück nach Berlin kam, sah Eugen seinen Sohn häufiger. Sie unternahmen gemeinsame Ausflüge in den Zoo, in Museen oder besuchten andere kulturellen Veranstaltungen. Heinz Martin besuchte in dieser Zeit die Theodor-Herzl-Schule am Kaiserdamm in Berlin-Charlottenburg.

Nachdem Margarethes Bruder Louis mit Familie 1937 in die Niederlande gezogen war, fragte Eugen Margarethe 1939, was sie davon hielte, wenn sie als Familie auswanderten, doch Margarethe lehnte diesen Vorschlag ab. Anfang 1939 wanderten dann auch seine ehemaligen Schwiegereltern, die Großeltern seines Sohnes, Otto und Clara Jacobi, in die Niederlande aus. Kurz danach, im Februar 1939, ergab sich die Möglichkeit, Heinz Martin mit einem Kindertransport ebenfalls in die Niederlande zu schicken. Auf dem Bahnhof Zoo sah Eugen seinen Sohn zum letzten Mal.

In einem USC (University Southern California)-Interview 1998 erinnerte sich sein Sohn Heinz an seinen Vater als höflichen, freundlichen und interessierten Mann, der mehr Deutsch als jüdisch war. Da er am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, war er überzeugt, dass die Deutschen ihm nichts antun würden.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 war Eugen in der Hauptstraße 37 in Berlin-Schöneberg gemeldet. Seine letzte Adresse vor der Deportation war die Fritschestraße 77 in Berlin-Charlottenburg.

Gemeinsam mit seiner geschiedenen ersten Ehefrau Margarethe deportierte ihn die Gestapo mit dem 6. Osttransport vom 17. November 1941 nach Kaunas (Kowno, Litauen). Wenige Tage später, am 25. November 1941, wurden sie dort ermordet. Eugen Hermann Hirschberg starb mit 53 Jahren. Margarethe starb mit 52 Jahren.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • USC Shoa Foundation – Interview mit Harry Martin Jacoby (ehemals Heinz Martin Hirschberg) 42896 vom 31. März 1998

Stolperstein Margarethe Hirschberg

HIER WOHNTE
MARGARETHE
HIRSCHBERG
GEB. JACOBI
JG. 1889
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Margarethe Hirschberg wurde als Margarethe Jacobi am 3. November 1889 in Beeskow in Brandenburg geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Otto Jacobi und dessen Ehefrau Clara Jacobi geborene Blumenfeld, war sie das dritte Kind von insgesamt vier Kindern. Ihre älteren Schwestern Katharina (*1885), genannt Käthe, und Martha (*5. Oktober 1887) wurden in Woldenberg/Neumark im preußischen Kreis Friedeberg in der Provinz Brandenburg (Powiat Strzelecko-Drezdenecki, Polen) geboren. Ihr jüngerer Bruder Louis (*1895) kam wie sie in Beeskow zur Welt. Wann die Familie nach Berlin zog, konnte nicht recherchiert werden.

Margarethe wurde Näherin von Beruf.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den aus Soldin im Kreis Soldin in der preußischen Provinz Brandenburg (Myślibórz, Polen) stammenden Kaufmann Eugen Hirschberg (*6. November 1888) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 16. Januar 1923 in Berlin-Charlottenburg. Margarethe war damals 33 und Eugen 34 Jahre alt. Am 19. Oktober 1925 wurde ihr Sohn Heinz Martin geboren. Sie wohnten damals in der Zeppelinstraße in Spandau bei Berlin. Eugen arbeitete als Handelsvertreter.

Die Ehe hielt nur sieben Jahre und wurde am 10. April 1930 vom Landgericht Berlin geschieden. Margarethe ging nach der Scheidung mit ihrem 5-jährigen Sohn Heinz nach Auerbach im Vogtland. Dort arbeitete sie für ihren Bruder Louis, der Inhaber einer Wäschefabrik war. Hier schulte sie auch ihren Sohn Heinz ein. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der jüdischen Bevölkerung das Leben zunehmend schwerer gemacht. Margarethe entschied sich deshalb 1935, mit Heinz zurück nach Berlin zu gehen. Sie wohnten bei ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Martha in einer 103 qm großen Wohnung in der 3. Etage der Kantstraße 59 in Berlin-Charlottenburg.

1937 wanderten ihr Bruder Louis und dessen Familie nach Amsterdam in den Niederlanden aus. Er gründete dort mit seinem Kompagnon W. Grünberg eine Fabrik für Damenwäsche. Anfang 1939 gaben ihre Eltern ihre Wohnung in der Kantstraße 59 in Berlin-Charlottenburg auf und wagten mit fast 80 und 83 Jahren einen Neuanfang in Amsterdam.

Margarethes geschiedener Ehemann Eugen fragte sie, was sie davon hielte, wenn sie als Familie auch auswanderten, doch Margarethe lehnte diesen Vorschlag ab. Anfang 1939 bot sich ihrem Sohn Heinz die Chance, mit einem Kindertransport ebenfalls in die Niederlande, auszuwandern. Zusammen mit ihrem geschiedenen Ehemann Eugen Hirschberg verabschiedeten sie ihren Sohn auf dem Bahnhof Zoo.

Heinz wurde in Rotterdam und kurz darauf in einem Kinderheim in Amsterdam aufgenommen.

Margarethe und ihre Schwester Martha zogen zu ihrer ältesten Schwester Käthe, die zusammen mit ihrem Ehemann Leo in einer 2 ½ Zimmer-Wohnung in der Boxhagener Straße 28 in Horst-Wessel-Stadt (heute Berlin-Friedrichshain) wohnte. Hier waren sie alle gemeinsam am 17. Mai 1939 bei der „Minderheiten-Volkszählung“ gemeldet.

Am 1. Juli 1940 zog Margarethe als Hausangestellte nach Berlin-Wilmersdorf. Martha blieb bei Käthe in der Boxhagener Straße 28.

Am 16. Oktober 1941 erhielten Margarethes Schwestern Martha und Käthe sowie ihr Schwager Leo Salomon einen der ersten Deportationsbefehle aus Berlin. Zwei Tage später, am 18. Oktober 1941, wurden sie nach Łódź deportiert. Im dortigen Ghetto wurden Martha, Käthe und Leo einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie den Winter und das Frühjahr 1942. Am 8. Mai 1942 wurden sie in einem Gaswagen in der Vernichtungsstätte Kulmhof ermordet. Martha Jacobi starb mit 56 Jahren. Käthe Salomon geborene Jacobi starb mit 58 und ihr Mann Leo Salomon mit 66 Jahren. An sie erinnern Stolpersteine in der Boxhagener Straße 28 in Berlin-Friedrichshain.

Gemeinsam mit ihrem geschiedenen Ehemann Eugen deportierte die Gestapo Margarethe mit dem 6. Osttransport vom 17. November 1941 nach Kaunas (Kowno, Litauen). Wenige Tage später, am 25. November 1941, wurden sie dort ermordet. Margarethe Hirschberg geborene Jacobi starb mit 52 Jahren. Eugen Hermann Hirschberg starb mit 53 Jahren.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • USC Shoa Foundation – Interview mit Harry Martin Jacoby (ehemals Heinz Martin Hirschberg) 42896 vom 31. März 1998
  • “Die Familie Eisner” Andere jüdische Familien aus Guttentag – Familie Siedner – Impressum: Prof. Dr. Monika Dobberstein, Lippstadt

Stolperstein Harry Martin Jacobi

HIER WOHNTE
HARRY MARTIN
JACOBI
JG. 1925
FLUCHT 1939
HOLLAND
KINDERTRANSPORT
ENGLAND

Harry Martin Jacobi wurde als Heinz Martin Hirschberg am 19. Oktober 1925 in Berlin geboren. Er war das einzige Kind des Handelsvertreters Eugen Hirschberg und dessen Ehefrau Margarethe Hirschberg geborene Jacobi. In den ersten fünf Jahren seines Lebens wohnte er mit seinen Eltern in der Zeppelinstraße in Spandau.

Die Ehe seiner Eltern hielt nur sieben Jahre und wurde am 10. April 1930 geschieden. Danach zog seine Mutter Margarethe mit ihm nach Auerbach im Vogtland. Dort arbeitete sie als Näherin für ihren Bruder Louis, der Inhaber einer Wäschefabrik in Auerbach war. Heinz wurde mit sechs Jahren im April 1932 eingeschult. In der Schule hatte er viele nichtjüdische Freunde. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, nahmen die Diskriminierungen gegen Heinz‘ Familie zu. Als er 1936 auf die Realschule gehen sollte, wurde ihm dieses von dem Bürgermeister in Auerbach verboten, woraufhin seine Mutter entschied, mit Heinz zurück nach Berlin zu gehen. Sie wohnten bei seinen Großeltern in der Kantstraße 59. In Berlin besuchte er die jüdische Theodor-Herzl-Schule am Kaiserdamm.

In einem USC (University Southern California)-Interview erinnerte sich Harry, wie er sich in Großbritannien nannte, dass es im Haus Kantstraße 59 Parterre ein Milchgeschäft gab, dessen Inhaber sehr nett und nie diskriminierend waren. Vom Balkon ihrer Wohnung im dritten Stock sah Heinz einmal Adolf Hitler auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 1936.

Am 22. Oktober 1938 feierte Heinz in Berlin-Halensee im Friedenstempel, der als liberal galt, seine Bar Mizwa. Da seine Mutter keinen besonders großen Wert auf seine religiöse Erziehung gelegt hatte, erwarteten seine Großeltern, die der Synagoge in der Pestalozzistraße angehörten, bei Heinz‘ Bar Mizwa nichts Gutes. Sein Großvater sagte ihm nach den Feierlichkeiten: „Es war nicht so schlecht, wie ich gedacht hatte.“ Als Geschenk bekam er ein Sparbuch mit insgesamt 64 Mark. Von diesem Geld hatte er wenig, denn er musste es kurze Zeit später seinen Eltern geben, weil auch sie für die von den Nazis angerichteten Zerstörungen in der Reichspogromnacht im November des Jahres zahlen mussten. Hierbei wurde der Friedenstempel 18 Tage nach seiner Bar Mizwa zerstört.

Sein Onkel Louis, Bruder seiner Mutter, und dessen Familie waren schon 1937 nach Amsterdam in den Niederlanden geflüchtet. Louis hatte dort mit seinem Kompagnon W. Grünberg eine Fabrik für Damenwäsche gegründet. Anfang 1939 gelang es Louis, seine Eltern, Heinz‘ Großeltern, nach Amsterdam zu holen. Für Heinz hatte Louis eine Bürgschaft unterschrieben, die es ihm ermöglichte, mit einem Kindertransport von Berlin nach Amsterdam auszureisen. Seine Eltern brachten ihn schweren Herzens zum Bahnhof Zoo, wo er sich zuerst von seinem Vater und dann von seiner Mutter verabschiedete, in der Hoffnung sich bald wiederzusehen. Beide sah er nie wieder. Die Gestapo deportierte seine Eltern am 17. November 1941 nach Kauen (Kowno, Litauen) Fort IX, wo sie sie am 25. November 1941 ermordeten.

Der Kindertransport mit Heinz endete in Rotterdam in den Baracken eines Internierungslagers. Nach acht Wochen brachte man ihn und 40 weitere Kinder in ein Kinderheim in Gouda. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen infizierte sich Heinz dort mit Diphtherie. Nach einem Krankenhausaufenthalt erholte er sich vollständig, konnte aber nicht mehr in der bereits überfüllten Wohnung seines Onkels wohnen und kam deshalb in ein Waisenhaus in Amsterdam. Gerade als er anfing, sich ein neues Leben aufzubauen, und eine Handelsschule besuchte, besetzten die Nationalsozialisten am 10. Mai 1940 die Niederlande in einem Blitzkrieg. Heinz war in großer Not. Doch er hatte Glück: Die Holländerin Truus Weijsmuller, die zusammen mit ihrem Ehemann schon vorher den jüdischen Kindern im Waisenhaus geholfen hatte, organisierte Busse, um Heinz und die anderen Kinder zum Hafen von Ijmuiden zu bringen. Dort überredete sie den Kapitän des Dampfschiffs Bodegraven, 40 Kinder und einige Erwachsene an Bord zu nehmen und abzufahren. Die Bodegraven war das letzte Schiff, das auslief. Sie geriet unter Maschinengewehrfeuer deutscher Flugzeuge, woraufhin Heinz sich in ein Rettungsboot rettete. Er überlebte die Überfahrt, und das Schiff durfte vier Tage später endlich in Liverpool anlegen.

Truus Wijsmuller-Meijer ermöglichte den Kindern in letzter Minute die Flucht nach Großbritannien. Zwei Stunden später am 15. Mai 1940 kapitulierte die Niederlande. 1966 wurde Truus Wijsmuller-Meijer als eine der „Gerechten unter den Völkern“ geehrt.

Heinz, der in Großbritannien den Namen Harry Martin Jacobi annahm, verbrachte die restlichen Kriegsjahre in Manchester, wo er als Automechaniker arbeitete und in einem Flüchtlingsheim lebte. Als die Jüdische Brigade 1944 in Großbritannien gegründet wurde, meldete sich Harry sofort freiwillig, wurde aber erst gegen Kriegsende einberufen. Die Begründung für den Einsatz nach dem Krieg lautete: „Ihre Eltern lebten in Deutschland. Bei einem Einsatz wären Sie gezwungen gewesen, auch auf sie zu schießen.“ Von 1945 bis 1948 diente er als Fahrer in Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Während dieser Zeit erfuhr Harry, dass seine Großeltern, Eltern, zwei Tanten, sein Onkel und ein Cousin im Holocaust umgekommen waren.

Sein Onkel Louis und dessen Familie überlebten den Holocaust und kehrten nach Amsterdam zurück. 1948 kam Harry dem Wunsch seines Onkels Louis nach und arbeitete für ihn in dessen Fabrik in Amsterdam. Louis spielte eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau der liberalen jüdischen Gemeinde Amsterdams. Im Juli 1949 besuchte Harry als niederländischer Jugenddelegierter die sechste internationale Konferenz der Weltunion für progressives Judentum (WUPJ) in London. Rabbi Leo Baeck beendete damals seine Antrittsrede mit den Worten: „Gott wartet auf uns.“ Harry schrieb diesen Worten die Wende in seinem Leben zu. Mit der Hilfe und Ermutigung von Leo Baeck und der Gründerin des Liberalen Judentums, Lily Montagu, wurde er zum Rabbiner ordiniert. Vor 1957 heiratete er Rose Salomon in der „North London Synagogue“. Harry und Rose Jacobi wurden Eltern von drei Kindern, die sich alle intensiv im liberalen Judentum engagierten. Harry starb am 24. April 2019 mit 93 Jahren.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • USC Shoa Foundation – Interview mit Harry Martin Jacoby (ehemals Heinz Martin Hirschberg) 42896 vom 31. März 1998
  • “Die Familie Eisner” Andere jüdische Familien aus Guttentag – Familie Siedner – Impressum: Prof. Dr. Monika Dobberstein, Lippstadt
  • Abigail Jacobi (Enkelin) und Harrys eigene Schriften: Einleitung zur Festschrift zu Ehren von Rabbi Harry Jacobi