Inhaltsspalte

Stolperstein Sächsische Straße 67

Bildvergrößerung: Hausansicht Sächsische Str. 67
Hausansicht Sächsische Str. 67
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde am 18.3.2011 verlegt.

Link zu: Stolperstein Johanna Arons
Stolperstein Johanna Arons
Bild: C. Timper

HIER WOHNTE
JOHANNA ARONS
GEB. BLEICHRÖDER
JG. 1861
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
20.9.1938

Johanna Arons stammte aus der Familie der Bankiers Bleichröder und wurde 1861 geboren. Ihr Vater war Julius Bleichröder, der Bruder des berühmten Bismarck-Vermögensverwalters Gerson Bleichröder. Johanna heiratete 1887 Leo Arons, geboren am 15. Februar 1860 in Berlin, der ebenfalls aus einer angesehenen Bankiersfamilie stammte. Er war Physiker mit dem Schwerpunkt Experimentalphysik und entwickelte eine Quecksilberdampflampe. Politisch war Arons in der SPD aktiv, Abgeordneter in Neukölln und in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Wegen seiner sozialdemokratischen Grundhaltung wurde er 1898/99 als Hochschullehrer suspendiert und wirkte danach als Privatdozent. Am 10. Oktober 1919 starb er in Berlin. Sein Bruder, der Bankier Paul Arons (1861–1932), der laut Eintrag im Berliner Adressbuch in demselben Haus wohnte, heiratete einige Jahre später Johanna Arons’ Schwester Gertrud Bleichröder (1865–1917).

Bis 1937 war Johanna Arons als „Witwe” im Adressbuch in der Sächsischen Straße 67 verzeichnet: „Arons Johanna Ww W15 Sächsische Str 67“, 1938 nicht mehr. Offenbar wurde sie aus dieser Wohnung zwangsweise aus- und in eine andere Bleibe in Schöneberg umgesiedelt. Dort nahm sie sich am 20. September 1938 im Alter von 78 Jahren das Leben.

Ihrem Sohn Hans Albert Arons gelang es 1939, mit seiner Frau und den Zwillingen Paul und Martin nach Panama zu fliehen und 1941 in die USA zu emigrieren. Nach Hans Alberts Tod 1949 kehrte seine Witwe mit den beiden Söhnen in den 50er-Jahren nach Berlin zurück. Es ist anzunehmen, dass sie versuchte, wenigstens einen Teil des Vermögens ihrer Schwiegereltern zurückzubekommen und einen Entschädigungs- und Wiedergutmachungsantrag stellte. Einzelheiten dazu sind nicht bekannt, da die Familienakte gesperrt ist.

Vermutlich wurde Johanna Arons bereits bei ihrer Zwangsumsiedlung aus der Sächsischen Straße 67 nach Schöneberg 1938 durch die Nationalsozialisten ihres Hab und Guts sowie des gesamten Vermögens beraubt. Darunter war auch die umfangreiche Familienbibliothek. 2014 tauchten in der Campusbibliothek der Freien Universität in Dahlem mehrere Bücher mit dem Stempel „Dr. Leo Arons“ und einer Unterschrift „Hans Albert Arons“ auf. Die MitarbeiterInnen der Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut“ der FU begannen ihre Recherche. In einem Artikel der TAZ aus dem Jahr 2003 fanden sie einen Hinweis auf die Lebenserinnerungen von Klaus Arons, einem der Enkel von Johanna Arons. Es gelang ihnen, Kontakt zu ihm aufzunehmen und ihm die Bücher seiner Großeltern zurückzugeben.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Quellen und Verweise:

https://www.fu-berlin.de/sites/ub/ueber-uns/raubgut/index.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Arons

https://taz.de/!806872/

„Rambling – destination unknown: Lebenserinnerungen von Klaus Arons“, erschienen bei Katrin Rohnstock Medienbüro, Berlin, 278 Seiten, Telefon: 42 85 22 55, www.katrin-rohnstock.de