Stolperstein Westfälische Str. 63

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Hauseingang Westfälische Str. 63, 2014
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser am 6.5.2014 verlegte Stolperstein ist von Dr. Wolfgang Kaiser (Berlin) und Bernd-Ingo Friedrich (Weißwasser) gespendet worden.

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Stolperstein David Salomon, 2014
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
DAVID SALOMON
JG. 1866
DEPORTIERT
AUSCHWITZ
ERMORDET 18.2.1943

Der Antiquar und Autographenhändler David Salomon wurde am 30. November 1866 in Nakel (Kreis Wirsitz in der Provinz Posen/Poznan; heute Naklo/Polen), geboren. Am 10.1. oder 10.6.1912 ist er „aus dem Judentum ausgetreten“. Seine nicht jüdische Ehefrau Martha Salomon, geb. Thermann, geboren am 10. Januar 1885 in Dessau (Anhalt), wurde nach 1945 als „Opfer des Faschismus“ anerkannt. Sie starb am 01. Januar 1977 in Goslar. Sie hatten in Halensee in der Westfälischen Straße 63 gewohnt.

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Katalog David Salomon
Bild: Privatbesitz

Kataloge des Antiquariats Salomon sind bis 1935 nachweisbar. 1937 und 1938 wurden Autographen aus David Salomons Besitz auf Versteigerungen des Auktionshauses J. A. Stargardt in Berlin angeboten. Am 28.10.1937 waren es 27 Briefe von 21 Personen mit einem Taxwert von 402 RM und am 3.2.1938 noch einmal 343 Briefe von 213 Personen mit einem Taxwert von 4 401 RM, insgesamt also 370 Briefe von 234 Personen im Schätzwert von 4 803 Reichsmark. Es handelte sich dabei um ein offenbar eilig, noch vor dem Erlass der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ am 12.11.1938, welche die Schließung aller jüdischen Geschäfte bis Jahresende zum Inhalt hatte, zusammengestelltes Sortiment mit berühmten Namen. Autographen aus dem Besitz David Salomons, erkennbar an gelben Briefumschlägen mit seiner Handschrift, tauchen gelegentlich noch im Handel auf, darunter auch Stücke aus der Sammlung des Germanisten Dr. Rudolf Wolkan, die Salomon 1931 geschlossen angeboten hatte.

David Salomon ist an einem unbekannten Datum vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert worden. Eine nachträglich ausgefertigte Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen vom 30. Januar 1992 nennt als Todesdatum von David Salomon den 18. Februar 1943, er war 76 Jahre alt.

Der Journalist und Pazifist Berthold Jacob (eigentlich: Berthold Jacob Salomon, 1898–1944), bekannt geworden durch seine Veröffentlichungen über die Pläne der deutschen Reichswehr zur heimlichen Aufrüstung unter des Umgehung des Versailler Vertrags, war ein Sohn aus der ersten Ehe David Salomons.

Recherchen und Text: Bernd-Ingo Friedrich (Weißwasser)

vgl. auch
Bernd-Ingo Friedrich: Verschollene Autographen, vernichtete Existenzen – Ein Stolperstein für den Antiquar David Salomon, auf der Seite www.kulturpixel.de