HIER WOHNTE
GERDA
ROSENBAUM
GEB. ISRAEL
JG. 1910
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET
Die Familie Rosenbaum hatte in der Bleibtreustraße 50 in Charlottenburg ihren letzten frei gewählten Wohnsitz. Rudolf Rosenbaum, Gerda Rosenbaum geb. Israel und ihre Tochter Gittel wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft während der Naziherrschaft in Deutschland verfolgt, gedemütigt, entrechtet und am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Gittel war zu diesem Zeitpunkt noch keine 3 Jahre alt.
Gerda Rosenbaum, geb. Israel, wurde am 10. Juni 1910 in Berlin geboren. Sie war mit Rudolf Rosenbaum verheiratet und hatte mit ihm eine gemeinsame Tochter, Gittel. Über die Mutter von Gerda ist uns leider nichts bekannt, ihr Vater war Leo Israel. Gerda hatte eine ältere Schwester Felicia Israel (geb.1906), die ebenfalls in Auschwitz ermordet wurde. Rudolf Rosenbaum wurde am 12. Juli 1914 in Berlin geboren. Leider wissen wir über ihn auch nur sehr wenig. Laut Volkszählung von 1939 lebte er zusammen mit seiner Mutter Gertrud Rosenbaum in der Pension Bremer, Uhlandstraße 185 in Charlottenburg. Vermutlich ist er nach seiner Heirat mit Gerda in die Bleibtreustraße 50 gezogen.
Gittel Rosenbaum wurde am 31. März 1940 in Berlin geboren. Sie war die gemeinsame Tochter von Gerda und Rudolf Rosenbaum. Im Haus Bleibtreustraße 50 wohnte die Familie Rosenbaum mit im Haushalt von Gerdas Vater Leo Israel. Ebenfalls mit im Haushalt lebte Gerdas Schwester Felicia.
Vom Leben der Familie wissen wir so gut wie nichts. Bis 1939 war Gerdas Vater Leo Israel als Haushaltsvorstand in der Bleibtreustraße 50 gemeldet und ist auch 1940 noch unter dieser Adresse im Berliner Adressbuch zu finden. Danach erfolgte die Zwangseinweisung der gesamten Familie in ein sogenanntes „Judenhaus“, in die Kantstraße 33. Hier lebten sie für 68,60 RM Miete im Erdgeschoss des Gartenhauses in 2 ½ Zimmern und einer Küche.
Vor der Deportation mussten alle Juden und Jüdinnen eine Vermögenserklärung ausfüllen und genaue Angaben über ihren Besitz machen, auch über Möbel und Kleidungsstücke. Hier trug Leo Israel als Haushaltsvorstand für die Familie keine Geld- oder Sachwerte ein, zum Inventar gehörend trug er Mobiliar ein, das nur das Nötigste zum Leben abdeckte. In der „Inventarbewertung“ der Wohnung wurde ein Gartenstuhl, ein kleiner Tisch sowie ein „kleiner Posten Wäsche“ genannt, auch Gittels Kinderkleider wurden aufgeführt und ihre Schaukelente. Der Obergerichtsvollzieher gab einen Gesamtwert von 63,50 RM an, davon behielt er 7,50 RM ein. In einer später folgenden weiteren „Inventarbewertung“ vom 18. März 1943, die nach der Deportation der Familie nach Auschwitz durchgeführt wurde, wurde weiter ein Spiegelspindchen, ein Hocker und ein Kinderbett aufgeführt, was zusammen mit 90 RM bewertet wurde. Der Gerichtsvollzieher berechnete dafür Gebühren im Wert von 10,10 RM.
Am 15. Mai 1943 wurde die Wohnung geräumt. Rudolf Rosenbaum, seine Frau Gerda und die erst zwei Jahre alte Tochter Gittel sind zusammen mit Gerdas Vater Leo Israel am 29. Januar 1943 aus der Kantstraße 33 nach Auschwitz deportiert worden. Als Todesdatum Rudolf Rosenbaums wird der 12. Februar 1943 genannt. Das Todesdatum von Gerda und Gittel ist nicht bekannt. Gerda Rosenbaums Schwester Felicia Israel (geboren am 6. Mai 1906 in Berlin) war schon am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert worden.
Berlin, 14. April 2025. Recherche und Text: Rita Kienzler
Quellen:
Volkszählung 1939, Bundesarchiv, FU,
Mapping the Lives,
Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam, Vermögenserklärung Signatur 36A (II) 16872