HIER WOHNTE
ARTHUR HECHT
JG. 1880
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 20.1.1942
Arthur Hecht wird am 17. April 1880 in Laurahütte (Huta Laura) in der Nähe von Kattowitz (Katowice) in eine jüdische Familie geboren, seine Eltern sind der Gastwirt Nathan Hecht und Fanny Jakobowitz. Über seine Kindheit und Jugendjahre lässt sich nichts rekonstruieren. Seine Mutter verstirbt vor 1895, sein Vater heiratet erneut und verliert im Juni 1896 die zweite Ehefrau und die neugeborene Tochter unmittelbar nach der Geburt.
Seine erste Ehe schließt Arthur Hecht mit 29 Jahren am 6. Mai 1909 in Breslau mit der in Exin geborenen Doris Edith, genannt Edda, Seemann. Er ist Kaufmann in Laurahütte, wo das Paar nach der Hochzeit lebt, hier kommen auch die beiden Söhne zur Welt: Am 15. Februar 1910 wird Max geboren, am 19. August 1911 folgt Alfred.
Am 8. April 1921 meldet sich Arthur als Eigentümer des Hauses in der Lietzenburger Straße 46 in Berlin an; aus den Straßenverzeichnissen der Berliner Adressbücher ergibt sich, dass dieses Haus mindestens sieben Wohnungen hat. Er verlässt wohl kurz nach der Schlesischen Teilung, um 1921/1922 – wie viele andere Deutsche – Oberschlesien, nachdem ein Volksentscheid zwar für den Verbleib im Deutschen Reich entschied, der Völkerbund aber nach Aufständen die Übertragung der Region an Polen beschloss.
Edith verstirbt am 29. März 1922 in München während eines Krankenhausaufenthaltes und wird am 5. April auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee bestattet.
Bereits am 18. Januar 1923 heiratet Arthur Hecht in Berlin-Wilmersdorf die am 11. Dezember 1881 in Lübeck geborene jüdische Oberschwester Dina Goslar, diese wohnt zu diesem Zeitpunkt an ihrem Arbeitsplatz, einer Privatklinik am Kurfürstendamm 141. Arthur wird eine Partnerin gesucht haben, die sich um Haushalt und Erziehung der beiden Söhne kümmern kann. Die Ehe wird bereits am 18. August 1930 wieder geschieden, das Paar hat keine gemeinsamen Kinder und Dina nimmt wieder ihren Geburtsnamen an. Dina flieht 1933 von Berlin nach Frankreich und wird im Januar 1944 nach Auschwitz deportiert. Für sie wurde ein Stolperstein am Schiffbauerdamm 22 verlegt.
Vermutlich aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkauft Arthur Hecht im Jahr 1928 das Haus in der Lietzenburger Straße 46 an den Katholischen Lehrerverband, zunächst wird er dort noch als Bewohner geführt, 1929 ist er dort nicht mehr gemeldet.
Zum Zeitpunkt der Scheidung 1930 lebt Arthur Hecht nur ein paar Straßenzüge weiter in der Uhlandstraße 14 bei der im Januar 1930 verwitweten Frau Rosa Obstfelder. Vermutlich lebt er dort als Untermieter bzw. Kostgänger und hat daher keinen eigenen Eintrag im Adressbuch. Auch wissen wir nichts zu dem Aufenthalt der beiden Söhne.
Einen weiteren Hinweis auf den Aufenthalt gibt sein in die USA ausgewanderter Sohn Max im April 1941 auf dem Registrierungsformular: sein Vater Arthur Hecht soll in der Güntzelstraße 18 in Berlin wohnen, diese ist 750 m von der Uhlandstraße entfernt. Auf einer Meldekarte für die Uhlandstraße 125 ist Arthur Hecht vor der Deportation eingetragen.
In der Synagoge Levetzowstraße werden die Transporte der Berliner Juden zusammengestellt. Mit dem ersten Zug, der das berüchtigte Gleis 17 des Güterbahnhofs Grunewald in Richtung Lodz/Litzmannstadt verlässt, wird Arthur Hecht am 18. Oktober 1941 deportiert. Nur drei Monate später verstirbt er am 20. Januar 1942 im dortigen Ghetto mit nur 61 Jahren unter den unsäglichen Bedingungen – als Todesursache wird „Herzschwäche“ eingetragen.
Auch sein Sohn Alfred überlebt die Shoah nicht, er wird am 29. Januar 1943 ab Berlin nach Auschwitz deportiert. Ob er aufgrund seines noch jungen Alters zunächst Zwangsarbeit leisten muss, ist nicht bekannt. Von diesem Deportationszug überlebt niemand.
Der Sohn Max (in den USA Hill statt Hecht) flüchtet mit seiner Ehefrau Rosa Gerda Schachnow und zwei kleinen Kindern 1938 nach Schweden, 1941 weiter nach Japan, um im April 1941 in die USA auszureisen, dort bekommt das Paar ein drittes Kind.
Arthurs Schwester Regina (geb. 14. Juni 1877 in Laurahütte) wird 1942 aus Breslau deportiert und in Theresienstadt ermordet.
Biografische Zusammenstellung: Corinna Wöhrl
Quellen: