Stolperstein Güntzelstraße 62

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Hauseingang Güntzelstr. 62
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, F. Siebold

Der am 2.4.2013 verlegte Stolperstein zum Gedenken an Gertrud Kirsch wurde von ihrer in London lebenden Tochter Helga Lemer, geb. Kirsch, sowie ihrer Enkelin Barbara Anders, geb. Lemer, und ihrem Enkel Robin Lemer gespendet.

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Stolperstein Gertrud Kirsch
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, F. Siebold

HIER WOHNTE
GERTRUD KIRSCH
GEB. LÖWENBERG
JG. 1895
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Gertrud Kirsch ist am 3. März 1895 in Berlin als Tochter von Hulda und Max Löwenberg geboren. Sie ging in Berlin zur Schule und arbeitete, nachdem sie das Lyceum verlassen hatte, im Buchversandhaus ihres Vaters in der Rosenthaler Straße 13. Am 18. November 1918 heiratete sie Felix Kirsch, der 1937 an einer Bakterienerkrankung starb.
Nach seinem Tod zog Gertrud in die Güntzelstraße 62 – eine Pension, die beliebt bei Menschen war, die ihre Wohnungen verkauft hatten und sich auf die Auswanderung vorbereiteten. Das Haus gehörte damals Margarethe Primus, die als Geschäftsführerin in der Krausnickstraße 11 eingetragen war. Im Erdgeschoss befanden sich ein Gemüseladen und eine Glaserei.

Gertrud Kirsch wird als sehr leutselige Dame beschrieben, die einen großen Freundeskreis hatte und berühmt für ihre Koch- und Backkünste war. Eines Tages im August 1942 wurde sie von Geheimen Staatspolizei abgeholt und in das Sammellager an der Levetzowstraße 7-8 gebracht, von wo aus sie nach der Registrierung für die Deportation am 15. August am Bahnhof Grunewald in einen mit 1004 Menschen überfüllten Zug gedrängt wurde, der nach Riga fuhr. Nach drei Tagen kam sie dort an und wurde wie fast alle Insassen in den Wäldern um Riga erschossen.

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Gertrud Kirsch
Bild: Familienbesitz

Getrud Kirsch lebte offenbar in einer geräumigen Wohnung, in der sie, wie dem Volkszählungsregister vom 17.5.1939 zu entnehmen ist, drei Mitbewohner hatte: Julius Rosenthal, geboren am 5. Juli 1882 in Kempen, seine Frau Zilchen Rosenthal, geb. Holländer, geboren am 19. Juni 1891 in Samter (Szamotuly) in der Nähe von Posen (Poznan, Polen), und Hertha Rosenthal, geb. Hamburger, geboren am 13. Oktober 1911 in Grätz (Grodzisk) ebenfalls nicht weit von Posen. Alle drei wurden kurze Zeit nach ihrer Vermieterin am 5. September 1942 über die als Sammelstelle missbrauchte Synagoge an der Levetzowstraße nach Riga deportiert und dort nach der Ankunft am 8. September erschossen.

Gertrud Kirsh was born on 3 March 1895 to Hulda and Max Loewenberg. She grew up in Berlin. After she left the Lyceum she worked in her father’s Bucherversandhaus in Rosenthaler Straße 13. On 18 November 1918 she married Felix Kirsh who died in 1937 from streptococos. After he died Gertrud turned their home in Güntzelstraße 62 into a boarding home which was particularly popular for people who had sold their homes and were preparing for their immigration. Gertrud was a very popular lady with many friends and was reknown for her good cooking and baking.

Ihre Tochter Helga Lemer sowie ihre Enkel Barbara Anders, Leiterin einer Synagoge in London, und Robin Lemer besuchten im November 2013 den zum Gedenken an Gertrud Kirsch vor ihrem letzten Wohnsitz an der Güntzelstraße 62 verlegten Stolperstein.

Text: Barbara Anders, übersetzt und ergänzt von Helmut Lölhöffel

Siehe auch Artikel im Tagesspiegel vom 29.11.2013 und Artikel vom 21.5.2015