Stolpersteine Markgraf-Albrecht-Straße 8

Hauseingang Markgraf-Albrecht-Str. 8, 22.07.2012

Hauseingang Markgraf-Albrecht-Str. 8, 22.07.2012

Die Stolpersteine für Hans und Erna Krueger, Heinrich Herzog wurden am 08.05.2012 verlegt.

Die Stolpersteine für Margarete und Paul Landsberg wurden am 10.Mai 2019 in Anwesenheit vieler Familienmitglieder vom Künstler Gunter Demnig verlegt und von Leslie Kay gespendet.

Stolperstein Hans Krueger, 22.07.2012

Stolperstein Hans Krueger, 22.07.2012

HIER WOHNTE
HANS KRUEGER
JG. 1921
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Hans Krüger wurde am 5. Juli 1921 in Berlin geboren und am 25. November 1941 in Kowno (Kaunas) im Fort IX von Mitgliedern der SS erschossen. Er teilte sein Schicksal mit seiner Mutter Erna, beide wurden am 17. November 1941 dorthin verschleppt.
Hans kam in Prenzlauer Berg auf die Welt. Seine Mutter hatte ein Jahr vor seiner Geburt den Berliner Kaufmann Max Krüger geheiratet und unmittelbar nach der Hochzeit ihre Heimatstadt Bielefeld verlassen.
Am 22. April 1925 kam Hans’ Schwester Ilse zur Welt. Er war gerade 7 Jahre alt, als sein Vater im Alter von 46 Jahren im Kaiserin Augusta Hospital verstarb.
Für Hans, Ilse und die Mutter Erna begann eine entbehrungsreiche Zeit, nachdem die Familie keinen Ernährer mehr hatte, der für den Lebensunterhalt der Familie sorgen konnte. Erna zog mit den Kindern von Prenzlauer Berg nach Reinickendorf, wo Hans 1928 in die 6. Volksschule eingeschult wurde. Nach dem Umzug in die Markgraf – Albrecht Straße 8, besuchte er ab 1935 die jüdische Mittelschule an der Fasanenstraße.
Im Anschluss an seine Schulzeit fand Hans eine Anstellung bei einem „christlichen Tischlermeister“, der ihm ermöglichte, seinen Wunschberuf des Kunsttischlers zu erlernen. Als Lehrling konnte er 30 RM monatlich nach Hause bringen. 1940 schrieb er stolz an seine in Skandinavien reisende Schwester Ilse: „ …Den letzten Brief von uns nach Dänemark wirst du wohl nicht mehr erhalten haben. Ich schrieb dir darin, dass ich in einer Kunsttischlerei beschäftigt bin. Es gefällt mir dort glänzend. Ich verdiene in der Woche dreissig Mark. Momentan mache ich ein grosses und modernes Küchenbuffet….“
Nach Abschluss der einjährigen Ausbildung arbeitete er als Möbeltischler bei der Jüdischen Gemeinde und verdiente 120 RM monatlich. Lt. Eintrag im Arbeitsbuch arbeitete Hans bis zum 16. November 1941, einen Tag vor seiner Deportation.
Ein Jahr nachdem Ilse Berlin verlassen hatte, wurden Hans und seine Mutter am 17. November 1941 vom Bahnhof Grunewald aus nach Kowno (Kaunas, Litauen), deportiert. Ursprünglich war der Transport mit 1006 jüdischen Menschen für Riga bestimmt, der Zug wurde aber nach Kowno umgeleitet. Nach kurzem Aufenthalt im dortigen Ghetto wurden die Deportierten am 25. November 1941 im Fort IX von der SS erschossen.
Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt.

Recherche und Text: Karin Sievert Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf

Quellen:

Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945

Stadtarchiv Bielefeld
Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde

Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Bundesarchiv – Deportationslisten

Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
Arolsen Archives

Stolperstein Erna Krueger, 22.07.2012

Stolperstein Erna Krueger, 22.07.2012

HIER WOHNTE
ERNA KRUEGER
GEB. HEINE
JG. 1890
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Erna Heine wurde am 12. Juni 1890 in Bielefeld/Ostwestfalen geboren. Im Geburtsregister Bielefeld wurde der Name „Hein“ geschrieben, in der Folge aber immer „Heine“. Dem Eintrag im Geburtsregister wurde später der Zwangsname Sara hinzugefügt.
Ernas Vater war der Kaufmann Simon Heine (1851 – 1927), der als Eigentümer zusammen mit seinem Bruder Samuel die große Bielefelder Eisen- und Metallgroßhandlung „F. Heine“ führte.
Ernas Mutter war Jenny Heine, geborene Schönfeld (1854 – 1912).
Erna hatte sieben Geschwister: Fanny, verh. Brill (2. Februar 1878); Ottilie (*21. März 1879); Hedwig, verh. Sieger ( 11. August 1883); Feibes/Felix (*29. November 1884); Hermann (*12. August 1887); Elfriede, verh. Heilbrunn, verh. Dampf (*26. November 1888) und Robert (*15. November 1891).
Im Juli 1910 verließ Erna Bielefeld und zog nach Köln Nippes, möglicherweise um dort ihr berufliches oder privates Glück zu finden, sie kehrte aber schon im Oktober 1910 in ihre Geburtsstadt zurück. In Bielefeld zog sie dann zu ihrem Bruder Robert und seiner Frau Sophie in die Neuenkirchener Straße 2.
Zwei Jahre danach starb ihre Mutter im Alter von 58 Jahren.
Am 12. Oktober 1920 heiratete Erna den Berliner Kaufmann Max Krüger (*11. Dezember 1881 in Znin/Westpreußen), damals wohnhaft in Berlin Prenzlauer Berg, Wörther Straße 39. Noch am Tag der Hochzeit erfolgte Ernas Abmeldung aus Bielefeld und der Umzug nach Berlin.
Dort wurde am 5. Juli 1921 der Sohn Hans geboren, die Tochter Ilse kam am 22. April 1925 auf die Welt. Inzwischen zog die Familie innerhalb Prenzlauer Bergs um in die Weißenburger Straße 28 (heute Kollwitzstraße).
Innerhalb von zwei Jahren musste Erna den Verlust von Vater und Ehemann erleiden. Simon Heine starb „nach langem, mit großer Geduld ertragenen Leiden“, wie es in der Todesanzeige hieß, am 3. Februar 1927 in Rinteln.
Max Krüger starb 46-jährig am 16. August 1928 im Kaiserin Augusta Hospital in der Oranienburger Vorstadt.
Nur wenige Monate zuvor, am 1. April 1928, war Hans eingeschult worden.
Erna und ihre beiden Kinder zogen zwischen 1935 und 1936 in die Markgraf – Albrecht – Straße 8. Zuvor hatten sie einige Jahre in Reinickendorf gewohnt, wo beide Kinder die ersten Jahre in die Volksschule gingen.
Wie Erna als Witwe den Unterhalt für sich und die Kinder bestritt, ist nicht bekannt. Es muss aber nur knapp zum Leben gereicht haben, in einem Brief an Tochter Ilse schrieb sie 1940, dass ein „Onkel Kurt immer mal etwas mitbringt“. Weiter schreibt sie: „Hans arbeitet und zwar ist er in einer Kunsttischlerei angenommen. Hat Glück gehabt – Die anderen (Tischler) sind fast alle beim Barackenbau, ist doch fein, daß Hans in seinem Fach bleiben kann und weiter lernen, er lernt dort noch vielmehr und was die Hauptsache ist – er verdient eigenes Geld….“.
Welche Ausbildung Ilse gemacht hatte, ist nicht bekannt. Sie verließ 1940 Nazideutschland und machte sich auf eine Reise durch Dänemark, Schweden und Finnland, bevor sie nach Nahariya in Palästina ging und sich dort als Ilse Lehmann mit ihrem Ehemann niederließ.
Ein Jahr nachdem Ilse Berlin verlassen hatte, wurden Erna und ihr 20-jähriger Sohn Hans am 17. November 1941 vom Bahnhof Grunewald aus nach Kowno (Kaunas, Litauen), deportiert. Ursprünglich war der Transport mit 1006 jüdischen Menschen für Riga bestimmt, der Zug wurde aber nach Kowno umgeleitet. Nach kurzem Aufenthalt im dortigen Ghetto wurden die Deportierten am 25. November 1941 im Fort IX von der SS erschossen.
Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt.

Von Ernas Geschwistern wurden weitere vier im Holocaust ermordet.

Fanny Brill starb am 31. März 1944 nach zwei langen qualvollen Jahren im Theresienstädter Ghetto, wohin sie im Juli 1942 aus Unna verschleppt worden war.
Hedwig Sieger wurde am 31. Juli 1942 von Bielefeld aus nach Theresienstadt deportiert, von dort am 23. Januar 1943 weiter nach Auschwitz. Sie wurde für tot erklärt.
Elfriede Dampf lebte ebenfalls in Berlin – Schöneberg. Sie wurde nur 10 Tage nach Erna, am 27. November 1941 nach Riga deportiert, wo sie drei Tage später ums Leben gebracht wurde.
Robert Heine war wenige Tage nach den Novemberpogromen 1938 verhaftet worden und bis zum 23. Dezember 1938 im Konzentrationslager Buchenwald gefangen gehalten, er wurde zusammen mit seiner Frau am 13. Dezember 1941 ebenfalls nach Riga deportiert.
Das Schicksal der anderen drei Geschwister ist unbekannt, wie auch das der vielen Nichten und Neffen Erna Krügers.

Recherche und Text: Karin Sievert Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf

Quellen:
Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945

Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz
Stadtarchiv Bielefeld
https://spurensuche-bielefeld.de/spur/robert-und-sophie-heine
Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde

Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Bundesarchiv – Deportationslisten

Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
Arolsen Archives

Stolperstein Heinrich Herzog, 22.07.2012

Stolperstein Heinrich Herzog, 22.07.2012

HIER WOHNTE
HEINRICH HERZOG
JG. 1870
DEPORTIERT 4.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 26.9.1942
TREBLINKA

Als Heinrich Herzog, der einst mit seinem Bruder einen Backbetrieb besessen und geleitet hatte, 1942 deportiert wurde, lebte seine Frau nicht mehr und seine vier Kinder waren schon in alle Himmelsrichtungen verstreut. Sie hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Heinrich Herzog, der in der Markgraf-Albrecht-Straße 8 im 2. Stock des Gartenhauses wohnte, ist am 7. November 1870 in Schwersenz (Swardzedz) geboren. In die allen Juden vor dem Abtransport abverlangte Vermögenserklärung, die er mit allergrößter Genauigkeit ausfüllte und die im Brandenburgischen Landeshauptarchiv aufbewahrt ist, trug er in die Rubrik Geburtsort ein: „Schwersenz (Polen, jetzt Deutschland)“.

Früher war er nach eigenen Angaben bis 1934 Fabrikleiter in der Mazzefabrik Brüder Herzog in Berlin-Friedrichshain, Andreasstraße 32, und hatte ein Monatseinkommen von 200 Reichsmark. Mazze oder Matze ist ein ungesäuertes Fladenbrot. Jetzt sei er „ohne Beruf“, schrieb der fast 72jährige in das 16seitige Formular. Er gab exakte Auskünfte über das Haus und über seine Wohnung: Eigentümer des Eckhauses Markgraf-Albrecht-Straße/Küstriner Straße (heute Damaschkestraße 21) sei A. Guttmann gewesen, ein in Polen lebender Jude. Das Gebäude sei jedoch „beschlagnahmt“ worden, „weil polnisches Eigentum“, so formulierte Herzog. Die Wohnung beschrieb er so: „1 zweifenstriges und 1 einfenstriges Zimmer, Gesamtgröße und Küche ca 40 qm, W.C., Warmwasser nur 2 Tage in der Woche, kleiner Balkon, Badezimmer, Korridor. Bewohne 1 einfenstriges Zimmer.“ Als Hauptmieter zahlte er 70 Reichsmark Miete. Er vergaß nicht anzumerken: „Das kleine Zimmer ist voriges Jahr neu tapeziert worden, auf meine Kosten.“ Während er selbst also mit diesem Zimmer Vorlieb nahm, vermietete er das größere an Leo und Lucie Linde, geb. Korn. Sie „bewohnen das zweifenstrige Zimmer mit Balkon teilmöbliert für M 70.- “ Der Untermietvertrag sei „nur mündlich abgeschlossen“. Leo Linde, geboren am 15. August 1872, und seine Frau Lucie Linde, geboren am 5. Juli 1890, die vorher in der Johann-Sigismund-Straße 2 bei Hannemann gewohnt hatten, wurden am 19. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort erschossen.

Heinrich Herzogs vier Kinder hatten sich in alle Welt retten können. Eine Tochter, Betty Schimmelburg, geb. Herzog, war nach Mount Lawey, einen Vorort von Perth in Australien, geflüchtet. Ein Sohn Kurt Herzog befand sich in England und war dort, wie der Vater aufschrieb, „interniert“. Ein zweiter Sohn, Norbert Herzog, war nach Santiago de Chile entkommen. Eine weitere Tochter, Margot Mugdan, geb. Herzog, lebte in New York.

In Berlin waren aber außer ihm selbst noch Heinrich Herzogs Brüder Alfred und Julius geblieben. Zusammen mit ihm hatte Alfred, geboren am 5. März 1883 in Schwersenz (Swardzedz), die Mazzefabrik geführt. Er wohnte mit seiner Frau Hedwig Herzog, geb. Rothholz, geboren am 14. April 1892 in Posen (Poznan), und der Tochter Annemarie Charlotte, geboren am 2. August 1921 in Berlin, in der Sybelstraße 12. Alle drei sind am 2. und 3. März 1943 vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden.

Der andere Bruder, Dr. med. Julius Herzog, geboren am 23. März 1878 in Schwersenz (Swardzedz), war Arzt gewesen, durfte aber seinen Beruf nicht mehr ausüben und wohnte in der Sybelstraße 38 als Untermieter bei Paul und Hedwig Weihermann, die am 5. September 1942 nach Riga deportiert und dort erschossen wurden. Julius Herzog wurde am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, sein Todesdatum ist der 23. Oktober 1942.
Aus dem Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26, dem ehemaligen Jüdischen Altersheim, ist der älteste der drei Brüder, Heinrich Herzog, am 4. August 1942 zum Bahnhof Grunewald und vom berüchtigten Gleis 17 ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Am 26. September 1942 wurde er ins Vernichtungslager Treblinka weitertransportiert.
Am 24.10.1942 wurde seine Wohnung in der Markgraf-Albrecht-Straße 8 geräumt. Die auf das Aufkaufen des Eigentums deportierter Juden spezialisierte Firma Paul Borneleit in der Rosenthaler Straße 13 bewertete Herzogs hinterlassene Habseligkeiten mit 100 RM und bekam dafür 70 RM von der Finanzbehörde. Kurz danach, am 14.11.1942, meldete sich noch die Hausverwaltung Kurt Börner, Unter den Linden, und wollte von Heinrich Herzog 68,60 RM Schulden eintreiben.

Recherche und Text: Helmut Lölhöffel

Stolperstein Paul Landsberg

HIER WOHNTE
PAUL
LANDSBERG
JG. 1892
FLUCHT 1942 ITALIEN
INTERNIERT
FERRAMONTI DI TARSIA
BEFREIT 14.9.1943

Stolperstein Margarete Landsberg

HIER WOHNTE
MARGARETE
LANDSBERG
GEB. SCHLESINGER
JG.1894
FLUCHT 1942 ITALIEN
INTERNIERT
FERRAMONTI DI TARSIA
BEFREIT 14.9.1943

Margarete „Grete“ Landsberg

Margarete „Grete“ Landsberg, geb.Schlesinger, wurde am 22. Dezember 1894 im schlesischen Schweidnitz (heute Swidnica in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien, województwo dolnośląskie ) als ältestes der fünf Kinder des Ehepaares Julius und Ruscha Schlesinger geboren. Sie war ein nonkonformistischer Freigeist.

Hochzeit Margarete und Paul Landsberg

Hochzeit Margarete und Paul Landsberg

1920 heiratete sie den Rechtsanwalt Paul Landsberg, den Sohn einer befreundeten Familie aus Schweidnitz.

Wann genau die Landsbergs nach Berlin zogen, ist nicht bekannt. Nach der Machtübergabe an Hitler und der folgenden antijüdischen Gesetze wurde das Leben jüdischer Menschen zunehmend gefährlicher und bedrängter.
Paul Landsberg verlor seine Zulassung als Rechtsanwalt. Dennoch nahmen sie nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 ihren Neffen Claus Schlesinger – später Claus Shelling – für mehrere Monate bei sich auf.

Der Fluchtweg

Als das Ehepaar Landsberg 1942 von der Jüdischen Reichsvereinigung die Information über ihre bevorstehende Deportation bekam, gelang ihnen mithilfe von Schleusern eine entsetzliche Flucht nach Italien.

Das von Mussolini faschistisch regierte Land war aber eine für jüdische Menschen sehr zweifelhafte Zuflucht. Die Landsbergs wurden bald nach der Ankunft in das Internierungslager Ferramonti di Tarsia, 35 km von Cosenca, in einem malariaverseuchten Gebiet auf Sizilien gesperrt. Das 1940 eingerichtete Lager war das größte campo di concentramento für jüdische Menschen in Italien. Margarete und Paul Landsberg waren dort von 1942 bis 1944 interniert. Während dieser Zeit wurden Gretes Mutter Ruscha Schlesinger und ihre drei Schwestern Emma, Margarethe und Lucie nach Riga bzw. Theresienstadt deportiert und ermordet. (Für Ruscha Schlesinger liegt ein Stolperstein in der Konstanzer Str. 7)
Das Lager Ferramonti di Tarsia wurde im September 1943 von britischen Truppen befreit und in ein Lager für displaced persons umgewandelt. Es wurde erst am 6. September 1945 geschlossen.

Paul und Margarete Landsberg 1956

Paul und Margarete Landsberg 1956

Die Landsbergs blieben in Ferramonti die Tarsia bis sie die Aufnahmegenehmigung für ein Flüchtlingslager in den USA, das „Fort Ontario Refugee Shelter“, im Bundesstaat New York erhielten. Im Juli 1944 wurden sie auf dem „USNS Henry Gibbins“, einem Truppentransporter, eingeschifft.
Mit Kriegsende wurde dieses Flüchtlingslager aufgelöst und Paul und Grete Landsberg zogen in die Nähe der San Francisco-Bay, wo ihre Verwandten Elisabeth Lesser, geb. Schlesinger, (Stolperstein in der Köpenicker Str. 174) und Paul Shelling – möglicherweise ein Angehöriger des Neffen, den sie 1938 in Berlin beherbergt hatten – lebten.
Paul Landsberg starb 1959, Grete Landsberg 1970 in San Francisco, Kalifornien.

Recherche und Text: Leslie Kay, ergänzt von Stolperstein-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Paul Landsberg

Margarete “Grete“ Schlesinger & Paul Landsberg Markgraf-Albrecht-Straße 8
Margarete Schlesinger Landsberg was born in Schweidnitz in 1894, now Swidnica, Poland. She was the oldest of five children of Julius and Ruscha Schlesinger. She was a free spirit who was a non-conformist most of her life. As a young adult she married Paul Landsberg, a lawyer, in 1920 who was the son of friends of the family in Schweidnitz.
By 1933, when Hitler was elected Chancellor of Germany, Paul was forced to abandon his law practice because of anti-Jewish laws adopted by the Nazi regime. The Landsbergs moved to Berlin where life became increasingly dangerous for Jews. They harbored their nephew Claus Shelling (Schlesinger) from Schweidnitz (now Swidnica, Poland) after Kristallnacht in November 1938 for several months.

By 1942, with the receipt of a deportation order from the Jewish Office in Berlin, Paul & Grete fled Germany with the assistance of a smuggler who got them through Germany and over the Alps to Italy then ruled by Dictator Benito Mussolini in a harrowing escape. They ended up in the Ferramonti di Tarsia internment Camp in Sicily. Ferramonti was located on a malaria-plagued piece of land, about 20 miles from Cosenza in Calabria, Paul and Grete were in the camp from 1942-44.

During that period Grete’s mother Ruscha Schlesinger was deported from Berlin along with three of her sisters (Emma, Margarethe, and Lucie) to Riga and Theresienstadt where they perished, victims of the Shoah.
The Ferramonti di Tarsia camp was liberated by the allied forces in 1943.

Paul and Grete continued to live in the camp until they were selected for admission to a refugee camp in the US called the Fort Ontario Refugee Shelter near Oswego, NY established by President Franklin Roosevelt shortly before he died. They crossed the Atlantic on the “USNS Henry Gibbins”, a troop transport ship in July, 1944. When the war ended the Refugee Shelter closed.
Paul and Grete moved to the San Francisco Bay Area, California where two of her siblings, Elisabeth Lesser and Rudolph Shelling resided. Paul died in 1959 and Grete in 1970 in San Francisco, California.
Leslie Kay

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