Stolpersteine Lietzenburger Str. 72

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Hauseingang Lietzenburger Str. 72
Bild: Stolpersteine-Initiative Chbg-Wdf, Bukschat & Flegel

Die vor ihrer gemeinsamen Wohnung an der Lietzenburger Straße 72 verlegten Stolpersteine wurden gespendet von Karl-Heinz Klaiber (Würzburg) für Maria Terwiel und von der Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf für Helmut Himpel.
Sie wurden am 13.03.2012 verlegt.

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Stolperstein Maria Terwiel
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
MARIA TERWIEL
JG. 1910
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 17.9.1942
HINGERICHTET 5.8.1943
BERLIN-PLÖTZENSEE

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Stolperstein Helmut Himpel
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, F. Siebold

HIER WOHNTE
HELMUT HIMPEL
JG. 1907
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 17.9.1942
HINGERICHTET 13.5.1943
BERLIN-PLÖTZENSEE

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Maria Terwiel und Helmut Himpel
Bild: Wikipedia

Maria Terwiel und Helmut Himpel waren ein Paar und Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Tyrannei. Sie gehörten zu einer Widerstandsgruppe, die als „Rote Kapelle“ bekannt geworden ist. Beide sind in der Hinrichtungsstätte des Gefängnisses Plötzensee enthauptet worden.

Maria Terwiels Vater war der Katholik und Sozialdemokrat Johannes Terwiel, ihre jüdische Mutter hieß Rosa. Sie wurde am 7. Juni 1910 in Boppard am Rhein geboren und machte 1931 in Stettin Abitur. Wie ihr Vater wollte sie Juristin werden und begann in Freiburg ein Jurastudium, das sie in München fortsetzte. 1935 begann sie mit ihrer Doktorarbeit, die sie aber kurz danach abbrach, weil sie als „Halbjüdin“, wie die Nazis sie auf Grund der damaligen, von ihnen eingeführten Rassengesetze einstuften, keine Aussicht auf eine Referendarstelle hatte. Bis 1942 arbeitete sie als Sekretärin in einem deutsch-schweizerischen Textilunternehmen in Berlin.
Während ihres Studiums in Freiburg hatte sie sich mit dem Zahnmedizinstudenten Helmut Himpel befreundet, verlobte sich mit ihm und lebte nach ihrem Umzug nach Berlin, wo Himpel um 1937 eine Praxis eröffnete, von 1940 an mit ihm zusammen. Heiraten durften sie wegen ihrer jüdischen Abstammung, nicht.
Maria Terwiel, die katholisch war, und der evangelische Christ Helmut Himpel gehörten zum Widerstandkreis „Rote Kapelle“, zu dessen Mitgliedern sie Kontakte hatten. Sie vervielfältige 1941 die Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen (1878-1946) gegen die als „Euthanasie“ bezeichneten Morde kranker Menschen, und 1942 ein Flugblatt mit dem Titel „Die Sorge und Deutschlands Zukunft geht durch das Volk“. Sie verbreitete diese und andere Flugschriften und klebte Zettel mit Protesten gegen das Nazi-Regime.
Am 17. September 1942 wurde sie in Ihrer Wohnung an der Lietzenburger Straße 72 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet, am 26. Januar 1943 wurde sie vom Reichskriegsgericht wegen „Landesverrats“ zum Tod verurteilt. Vom 30. März bis 3. Mai war sie im Frauengefängnis an der Kantstraße 79 inhaftiert, von hier aus kam sie ins Lazarett des Untersuchungsgefängnisses Moabit. Ein Gnadengesuch lehnte Adolf Hitler am 21.7.1943 ab. Das Todesurteil wurde am 5. August vollstreckt. Sie war gerade 33 Jahre alt.
Der im Prozess gegen die „Rote Kapelle“ für die Anklage und für die Todesurteile, insgesamt 56, mitverantwortliche Staatsanwalt Manfred Roeder (1900-1971) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Rechtsbeugung und Aussageerpressung angezeigt. Aber das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde niedergeschlagen. Stattdessen durfte der Nazi-Militärrichter noch 1951 für die damalige neonazistische Sozialistische Reichspartei (SRP) unbehelligt Wahlkampf führen, war später aktives Mitglied der CDU und sogar mehrere Jahre stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Glashütten im Taunus.
An eines seiner Opfer erinnert eine Straße in der Nähe der Hinrichtungsstätte Plötzensee (Terwielsteig), in ihrer Geburtsstadt Boppard und in anderen Städten gibt es Straßen mit dem Namen Maria-Terwiel-Straße.

Helmut Himpel wurde am 14. September 1907 in Schönau im Schwarzwald geboren, studierte Zahnheilkunde in Freiburg und in München. Während des Studiums lernte er seine spätere Verlobte und Lebensgefährtin Maria Terwiel kennen. Sie durften allerdings nicht heiraten, da er evangelisch und sie – nach den Nazi-Rassegesetzen – „Halbjüdin“ war. Nach Himpels Promotion zogen beide nach Berlin, wo Himpel um 1937 eine Zahnarztpraxis eröffnete. Er hatte viele prominente Kunden als Patienten, unter anderen den Schauspieler Heinz Rühmann.
Während der Nazizeit behandelte Himpel heimlich und kostenlos jüdische Patienten, manchmal sogar, damit sie mit ihren Erkennungszeichen, den „Judensternen“ nicht auffielen, in deren Wohnungen. Und er nahm Einfluss auf Untersuchungen zur Wehrtauglichkeit, um Wehrpflichtige von Fronteinsätzen zu verschonen.
Himpel und Terwiel, deren Eltern in Berlin lebten und die mit ihm zusammenzog, kamen in Kontakt zur Gruppe von Harro Schulze-Boysen, die als „Rote Kapelle“ bezeichnet wurde. Beide nahmen an Aktionen der Gruppe teil, besonders an der Verbreitung von Schriften und der Verteilung von Flugzetteln. Auch die Flugschrift „Die Sorge um Deutschlands Zukunft geht durch das Volk“ brachten sie unter Diplomaten und Journalisten.
Beide wurden am 17. September 1942 zusammen verhaftet, Helmut Himpel ist nach seinem Prozess vor dem Reichskriegsgericht als „Landesverräter“ am 13. Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet worden.