Stolpersteine Joachim-Friedrich-Straße 55

Hausansicht Joachim-Friedrich-Str. 55

Diese Stolpersteine wurden am 09.04.2010 verlegt.

Stolperstein für Herbert Wolf

HIER WOHNTE
HERBERT WOLF
JG. 1901
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Herbert Wolf wurde am 16. August 1901 in der Markgrafenstraße 16 in Berlin-Kreuzberg geboren. Für seine Eltern, den Druckereibesitzer Felix Wolf (*29. April 1870) und dessen zweite Ehefrau Charlotte geborene Spiewkowski (*20. Juli 1864), war er das älteste Kind von insgesamt zwei Kindern. Seine Schwester Margarete Johanna (*25. Oktober 1902) kam 1902 zur Welt. Aus der ersten Ehe des Vaters mit Margarete Wolf geborener Loeske (*4. März 1871) hatte Herbert noch einen vier Jahre älteren Halbbruder Helmut (*1897), der wie sein Vater in Glogau (Głogów, Polen) in Schlesien geboren wurde. Ob Herbert mit ihm Kontakt hatte, ist unbekannt.

Herbert wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf. Seine Schwester Margarete heiratete mit 19 Jahren am 8. September 1922 den aus Königsberg (Kaliningrad, Russland) stammenden Kaufmann Max Keller (*14. Oktober 1890). Am 1. Oktober 1923 wurden sie Eltern von Günther. Sie wohnten in der Goltzstraße 26 in Berlin-Schöneberg.

Die Familie Wolf wohnte am Michaelkirchplatz 24 in Berlin-Mitte. Die Druckerei betrieb Herberts Vater in der Dresdner Straße 43 in Berlin-Kreuzberg und später in der Wallstraße 26/27 in Berlin-Mitte. Er druckte unter anderem Flugblätter für die Kommunistische Partei und deren Satzung.

Am 12. April 1931 starb Herberts Mutter Charlotte Wolf mit 66 Jahren.
Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 waren die Wolfs doppelt gefährdet: Weil sie Juden waren und weil sie dem Kommunismus nahestanden. Grund genug, in den Berliner Westen nach Halensee umzuziehen. In der Joachim-Friedrich-Straße 55 fanden sie eine Wohnung und auch die Möglichkeit, ihre Druckerei weiterzubetreiben.

Wann und wo Herbert seine spätere Ehefrau, die aus Bromberg stammende Ellen Jacobsohn, kennenlernte, ist nicht bekannt. Ellen lebte vor der Hochzeit in Stettin. Der 33jährige Herbert und die 25jährige Ellen heirateten am 21. Dezember 1934 in Berlin. Damals wohnte Herbert schon ca. zwei Jahre in der Joachim-Friedrich-Straße 55. Sein Vater Felix Wolf war bei der Hochzeit Trauzeuge und wurde in der Heiratsurkunde als Betriebsführer und nicht mehr als Druckereibesitzer aufgeführt. Im Berliner Adressbuch 1936 war Herbert Wolf als Angestellter ausgewiesen, demnach wurde ihnen die Druckerei genommen.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war das Ehepaar weiterhin in der Joachim-Friedrich-Straße 55 gemeldet. Das Berliner Adressbuch führte Herbert 1939 zum letzten Mal mit dem Zusatz „Buchdruckerei“. Vermutlich noch 1939 zogen sie in die Württembergallee 8 in Berlin-Westend um.

Hier überreichten ihnen Mitte Oktober 1942 zwei Gestapo-Männer in Zivil den Deportationsbefehl. Herbert und Ellen hatten sich umgehend in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße, die als Sammelstelle umfunktioniert war, einzufinden. Vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Moabit transportierte sie die SS zusammen mit ca. 960 Leidensgenossinnen und -genossen in alten Personenwaggons am 19. Oktober 1942 zum “Arbeitseinsatz in den Osten”, wie ihnen gesagt wurde.

Nach dreitägiger Fahrt kamen sie in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1942 in Riga im besetzten Lettland an. Am Morgen des 22. Oktobers wurden sie ausgeladen. 78 arbeitsfähige Männer trennte die SS von Frauen, Kindern und nicht arbeitsfähigen Männern. Ob der 40jährige Herbert zu den 78 arbeitsfähigen Männern gehörte oder umgehend, wie seine Ehefrau, in dem nahegelegenen Wald ermordet wurde, konnte nicht recherchiert werden. Herbert Wolf überlebte den Holocaust nicht.

Seine Schwester Margarete, sein Schwager Max und sein 9jähriger Neffe Günter wurden vier Monate später, am 26. Februar 1943, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet. Seinen Halbbruder Helmut ermordete die SS in Minsk. Felix Wolf, der Vater, starb am 5. November 1944 mit 74 Jahren aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto Theresienstadt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
  • Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage

Stolperstein für Ellen Wolf

HIER WOHNTE
ELLEN WOLF
GEB. JACOBSOHN
JG. 1909
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Ellen Wolf wurde als Ellen Jacobsohn am 23. Mai 1909 in Bromberg, Posen (Bydgoszcz, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Emil Jacobsohn und dessen aus Ostpreußen stammende Ehefrau Frieda Jacobsohn geborene Kahnemann (*18. Januar 1883), war sie die jüngere von insgesamt zwei Töchtern. Ihre Schwester Hildegard (*24. August 1904) war knapp fünf Jahre älter als sie.

Hildegard heiratete mit 22 Jahren am 15. Mai 1927 den Kaufmann und späteren Bankier Willy Max Paul Lienemann (*24. Juli 1891) aus Berlin. Am 30. April 1928 wurden sie Eltern ihrer Tochter Renate Karola.

Ellen wurde Säuglingsschwester von Beruf. Sie wohnte zusammen mit ihrer Mutter in der Schillerstraße 5 in Stettin (Szczecin, Polen). Ihr Vater starb vermutlich im Ersten Weltkrieg.

Wann und wo Ellen ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Herbert Wolf (*16. August 1901) kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 25jährige Ellen und der 33jährige Herbert heirateten am 21. Dezember 1934 in Berlin. Damals wohnte Herbert schon ca. zwei Jahre in der Joachim-Friedrich-Straße 55, wo er wie sein Vater eine Buchdruckerei führte.

Ellens Schwester Margarete verließ Berlin am 30. Januar 1937 zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer 8jährigen Tochter in Richtung Amsterdam. Von dort aus emigrierten sie am 20. März 1937 nach São Paulo in Brasilien. 1942 erhielten sie die brasilianische Staatsbürgerschaft.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Herbert und Ellen weiterhin in der Joachim-Friedrich-Straße 55 gemeldet. Nachdem das Berliner Adressbuch Herbert Wolf 1936 als Angestellten auswies, führte es ihn 1939 mit dem Zusatz „Buchdruckerei“. 1940 gab es keinen Eintrag für Herbert Wolf mehr. Vermutlich zogen sie noch 1939 in die Württembergallee 8 in Berlin-Westend um.

Ellens Mutter gehörte zu den 1.127 pommerschen Juden, davon 846 aus Stettin, die in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar 1940 auf Befehl Himmlers ihre Wohnungen verlassen mussten und mit dem Zug in die Gegend um Lublin deportiert wurden. Bei Temperaturen unter -29 Grad Celsius und 56 Zentimeter hohem Schnee mussten sie über 25 Kilometer nach Lublin marschieren. Mindestens 70 Menschen starben auf diesem Marsch. In Piaski verlor sich die Spur von Frieda Jacobsohn geborene Kahnemann. Diese erste Deportation stellte den Auftakt für die systematische Verschleppung und Ermordung der deutschen Juden dar.

Zweieinhalb Jahre später, Mitte Oktober 1942, standen auch vor Ellen und Herberts Tür zwei Gestapo-Männer in Zivil, die sie aufforderten, ihre Wohnung zu verlassen und sich umgehend in die Sammelstelle in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße einzufinden. Vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Moabit transportierte sie die SS zusammen mit ca. 960 Leidensgenossinnen und -genossen in alten Personenwaggons am frühen Morgen des 19. Oktobers 1942 Richtung Osten. Es wurde Ihnen gesagt, dass es zum Arbeitseinsatz in den Osten gehe. Als der Zug in Bromberg, Ellens Geburtsstadt, zum ersten Mal hielt und sich die Menschen Wasser holen wollten, schlug die SS auf sie ein.

Nach dreitägiger Fahrt, wobei der Zug mehrmals auf freier Strecke gehalten hatte, kamen sie in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1942 in Riga im besetzten Lettland an. Am Morgen des 22. Oktobers wurden sie ausgeladen. 78 arbeitsfähige Männer trennte die SS von Frauen, Kindern und nicht arbeitsfähigen Männern. Ob der 40jährige Herbert zu den 78 arbeitsfähigen Männern gehörte oder umgehend, wie Ellen, in dem nahegelegenen Wald ermordet wurde, konnte nicht recherchiert werden. Ellen starb am 22. Oktober 1942 mit 33 Jahren.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
  • Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lilves; Berliner
  • Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage

Stolperstein für Hedwig Leow

HIER WOHNTE
HEDWIG LEOW
JG. 1889
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
22.10.1942

Hedwig Alice Leow wurde am 14. November 1889 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Richard Leow (*6. März 1851) und dessen Ehefrau Betty Leow geborene Meyer (*1860), war sie die jüngste Tochter von insgesamt vier Töchtern. Ihre älteste Schwester Chatharina Luise (*27. Mai 1880) war neun Jahre, Gertrud Henriette (*24. Juni 1883) sechs Jahre und Else Sophie (*30. Juni 1886) drei Jahre älter als sie.

Chatharina Luise, genannt Käthe, heiratete am 14. Dezember 1903 Simon, genannt Sim, Juda (*19. Juli 1874) Nicht einmal zwei Monate nach der Hochzeit starb Käthe am 4. Februar 1904 mit 24 Jahren an einem Herzschlag.

Else Sophie heiratete am 19. September 1908 Albert Louis Levy (*5. September 1882). Sie wurden Eltern von drei Kindern, Käthe (*20. Dezember 1909), Gerhard (*1911) und Lotte (16. Juli 1915). Sie wohnten am Nikolsburger Platz 3 (heute Trautenaustraße 6) in einer 14-Zimmer Wohnung. Albert Louis Levy war ein erfolgreicher, wohlhabender Kaufmann und betrieb in der Schöneberger Straße 25 die Firma P. Kosterlitz & Co, ein Kolonialwarenhaus engros.

Gertrud Henriette heiratete am 29. März 1910 den Rechtsanwalt Dr. Eduard Fränkel (*6. Mai 1875). Auch sie wurden Eltern von drei Kindern, Peter Eduard (*1911), Klaus Eduard (*1913) und Ottilie Katharina (*1917).

Hedwigs Vater Richard Leow starb am 15. Mai 1919 mit 66 Jahren an den Folgen eines Straßenbahnunfalls. Ihre Mutter Betty Leow wurde mit 59 Jahren Witwe. Hedwig war damals 29 Jahre alt. Sie wohnten in der Kaiserallee 206. Nur ein Jahr später, 1920, starb auch ihre Schwester Else Sophie mit 34 Jahren. Sie hinterließ den 38jährigen Albert Louis Levy, eine 5 und eine 10jährige Tochter sowie einen 9jährigen Sohn.

Als Betty Leow, Hedwigs Mutter, am 14. Oktober 1927 starb, war Hedwig allein.
Das Berliner Adressbuch 1929 führte die Witwe Betty Leow noch in der Güntzelstraße 16, vermutlich wohnte Hedwig dort.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war sie in der Landhausstraße 13 gemeldet. In den Jahren 1934 bis 1937 war sie nicht im Berliner Adressbuch zu finden. Vermutlich lebte sie in dieser Zeit bei ihrer älteren Schwester Gertrud und deren Familie.

Gertruds Ehemann Dr. Eduard Fränkel verlor 1936 seine Zulassung als Rechtsanwalt. Danach setzte er alles dran, um mit seiner Familie aus Deutschland auszuwandern. Sie wohnten vor ihrer Ausreise in der Joachim-Friedrich-Straße 43. So lag es nahe, dass sich Hedwig 1937 eine Wohnung in der Nähe suchte und in der Joachim-Friedrich-Straße 55 fand. 1938 war sie dort das erste Mal gemeldet. Der fünfköpfigen Familie Fränkel gelang 1937 die Emigration nach Rio de Janeiro in Brasilien. 1942 erhielten sie die brasilianische Staatsangehörigkeit.

Auch den Kindern ihrer verstorbenen Schwester Else gelang die Flucht. Käthe wanderte nach Argentinien aus und Gerhard und Lotte nach Palästina. Ihr Schwager Albert Levy starb Anfang 1938, einen Tag nach dem Entzug seines Geschäftes durch die Nationalsozialisten, an einem Herzinfarkt.

Im Berliner Adressbuch 1941 war Hedwig Leow das letzte Mal, diesmal mit dem Zwangsnamen Sara, in der Joachim-Friedich-Straße 55 gemeldet. Wann genau sie die Wohnung verlor und zur Untermiete in die Heilbronner Straße 22 ziehen musste, ist nicht bekannt. Ihre Hauptmieter dort waren die Eheleute Siegfried (*1876) und Elli Rosa Schachian (*1895), die dort seit 1934 im I. Stock des Vorderhauses in einer 6-Zimmer-Wohnung lebten. Von den sechs Zimmern mussten mindestens drei Zimmer für die Zwangsuntervermietung zur Verfügung gestellt werden.

Am 14. August 1942 wurden aus der Heilbronner Str. 22 vier Mitbewohnerinnen in das Ghetto Theresienstadt deportiert, die 75jährige Lucie Baumann geborene Fränkel, die 80jährige Anna Bornhardt geborene Fronsdorff, die 76jährige Jeanette Baender geborene Levinsohn und die 76jährige Hedwig Ascher geborene Boas. Am 19. Oktober 1942 wurde Joseph Julius Goldschmidt (*1878) aus der Heilbronner Str. 22 nach Riga deportiert. Ob auch Hedwig für diesen oder einen der nächsten Transporte vorgesehen war, konnte nicht recherchiert werden. Die Ausweglosigkeit war für sie so groß, dass sie ihrem Leben selbst ein Ende setzte. Am 22. Oktober 1942 wurde sie morgens um 11.00 Uhr tot in der Wohnung aufgefunden. Die Todesstunde konnte nicht ermittelt werden. Als Todesursache wurde von der Polizei „Erhängen“ angegeben.

Hedwig Alice Leow starb kurz vor ihrem 53. Geburtstag.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
  • Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage

Stolperstein für Hermann Eisenberg

HIER WOHNTE
HERMANN EISENBERG
JG. 1876
DEPORTIERT 26.09.1942
RAASIKU
ERMORDET

Dr. Hermann Eisenberg wurde am 10. Oktober 1876 in Leipzig geboren.
Er war Frauenarzt, durfte sich aber nach dem Berufsverbot für jüdische Mediziner nur noch „Heilbehandler“ nennen. Verheiratet war er seit 1941/42 mit Clara, geb. Henczynski, geboren am 16. Februar 1891 in Rostock, die schon einmal verheiratet gewesen war. Ihr 1938 gestorbener Mann hieß Dr. Emil Fridberg, war Zahnarzt und hatte seine Praxis in der Köpenicker Straße 110a, die Witwe zog danach in die Waitzstraße 12.

Hermann Eisenberg hatte eine Schwester Alice Simon, geboren am 19. September 1872 in Leipzig, die – wie Hermann in der Nazi-Sprache schrieb – „im Protektorat“ lebe, womit das Ghetto Theresienstadt gemeint war. Sein jüngerer Bruder hieß Robert Eisenberg, geboren am 19. September 1878 in Leipzig, der nach Italien flüchten konnte und sich am 2. Februar 1942 aus Nizza in Frankreich meldete. Als weiteren Bruder benannte Hermann einen Dr. Fritz Eisenberg, von dem nichts weiter bekannt ist.

Im Juni 1942, kurz vor der Deportation, mussten Hermann und Clara Eisenberg aus der Joachim-Friedrich-Straße 55 in die Sybelstraße 39 umziehen und wurden in zwei Zimmer bei Georg und Rosa Lubszynski eingewiesen.

Am 21.9.1942 erfuhren Eisenbergs von ihrer bevorstehenden Deportation und mussten wie alle Juden eine „Vermögenserklärung“ abgeben. Daraus geht hervor, dass sie Aktien im Wert von 50 000 Reichsmark und ein Guthaben von 10 000 RM besessen hatten. Clara Eisenberg, die auch über das Bankdepot ihres gestorbenen Mannes verfügte, war außerdem Eigentümerin eines Grundstücks mit Haus in Rostock in der Richard-Wagner-Straße 12, für das Einheitswert von 35 000 RM angesetzt wurde. Schließlich gab Clara Eisenberg an, sie habe der Jüdischen Kultusgemeinde 20 000 RM gespendet. Einige Möbel hatten sie Eisenbergs Privatsekretärin Franzi Pollok vermacht. Für den Großteil des Mobiliars berechnete der Obergerichtsvollzieher Donat 798 RM und kassierte für die Schätzung 79,96 RM. Sie besaßen nach eigenen Angaben nur einen „zur Zeit noch nicht übersehbaren Restbestand“ an Kleidungsstücken, wie sie notierten. Alle Werte wurden von den Nationalsozialsten beschlagnahmt.

Am 18.9.1942 beanspruchte der Konsulent (ein ehemaliger Rechtsanwalt mit Berufsverbot, der nur Juden vertreten durfte) Hans Gumpert, Mommsenstraße 56, eine „Gebührenanmeldung“ über 115,15 RM, es war um eine „Ehesache“ gegangen. Das Fernsprechrechnungsamt Berlin schickte noch am 4.12.1942 eine Rechnung über einen „Schuldbetrag“ Eisenbergs von 50,30 RM an das Oberfinanzpräsidium Berlin.

Am 26. September 1942 wurden Hermann und Clara Eisenberg in einen Zug verfrachtet, der aus Frankfurt am Main kam und über Königsberg in Ostpreußen mit über 1000 Menschen nach Reval in Estland fuhr. Dort wurden sie in der Tötungsstätte Raasiku erschossen.

Alice Simon, die in Friedenau wohnte, wurde am 1. September 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert und ist dort am 13. Mai 1943 zu Tode gekommen. Robert Eisenberg, dem zunächst die Flucht aus Berlin gelungen war, ist in Frankreich von der Gestapo gefasst und am 17. Dezember 1943 aus dem Internierungslager Drancy in Frankreich nach Auschwitz deportiert worden.

Stolpersteine zum Gedenken an Clara Eisenberg, Alice Simon und Rudolf Eisenberg sind noch nicht verlegt worden.

Zwei Nichten Hermann Eisenbergs, die in Kapstadt (Südafrika) lebende Gerda Oppenheimer und die in Woodstock (USA) lebende Tana Caro, führten in den 1950er Jahren als Erben von Fritz Eisenberg ein Entschädigungsverfahren, an deren Ende ihnen zur „Abgeltung aller Schäden“, wie die Berliner Behörde formulierte, eine Summe von 9 000 D-Mark zugestanden wurde.

Text: Helmut Lölhöffel

Quellen:
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam
  • Bundesarchiv
  • Entschädigungsamt Berlin
  • Berliner Adressbücher