Stolpersteine Mommsenstraße 56

Hauseingang Mommsenstr. 56

Hauseingang Mommsenstr. 56

Die Stolpersteine für Gertrud und Dr. Fritz Gumpert wurden am 7. April 2010 verlegt.

Die Stolpersteine für Alfred, Martha und Elli Leander wurden am 15. Februar 2014 verlegt.

Die anderen Stolpersteine wurden am 20. Mai 2014 verlegt.

Stolperstein für Gertrud Gumpert

Stolperstein Gertrud Gumpert

HIER WOHNTE
GERTRUD GUMPERT
GEB. HABER
JG.1867
DEPORTIERT 23.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 15.10.1942

Gertrud Gumpert wurde als Gertrud Haber am 28. Juni 1867 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den 28-jährigen Kaufmann Otto Haber (*ca.1839) und seine 27-jährige Ehefrau Ulrike Haber geborene Jaffé (*ca. 1840), war sie das erste Kind. Drei Jahre nach ihr kam am 1. Dezember 1870 die kleine Schwester Elise zur Welt.

Über die Kindheit und Jugend der beiden Schwestern konnte nichts recherchiert werden.
Am 22. Juni 1889 heiratete die fast 22-jährige Gertrud Haber den 10 Jahre älteren aus Schneidemühl, Kreis Kolmar in Posen (Piła, Polen) stammenden Kaufmann Gustav Gumpert (*8. Februar 1857). Die Familie Haber wohnte damals in der Prinzenstraße 71 in Berlin-Kreuzberg. Trauzeugen waren Gertruds Vater Otto und Gustavs ältester Bruder Alexander, da sein Vater Heimann Gumpert schon 1866 gestorben war.

Gertrud und Gustav wurden Eltern von insgesamt vier Kindern. Ihr erster Sohn Hans Waldemar wurde am 10. Juli 1890 geboren.

Gertruds Schwester Elise heiratete am 24. März 1894 den Kaufmann Ludwig Schlesinger. Sie wurden am 15. Juni 1895 Eltern einer Tochter, die sie Eva nannten. Auch Gertrud bekam im gleichen Jahr, am 3. Oktober, ihre Tochter Charlotte Margarethe, die aber nur acht Monate alt wurde. Im gleichen Jahr starb auch Gertruds Schwiegermutter Pauline Gumpert geborene Alexander (*24. August 1819), die auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beigesetzt wurde.

Drei Jahre später, am 29. April 1898, schenkte Gertrud ihrem zweiten Sohn Fritz Leonhard das Leben. Damals wohnten sie in der Sigmundstraße 2 und später Siegmundshof 16 im gutbürgerlichen Hansaviertel. Ihr dritter Sohn Erich Adolf Alexander wurde schon im neuen Jahrhundert, am 23. Januar 1902, geboren.

Gertruds Schwester Elise wurde nur 42 Jahre alt, sie starb am 29. Januar 1913, im gleichen Jahr wie auch ihr Vater Otto Haber, der am 10. September starb. Sieben Jahre später, am 9. Juli 1920, mussten sie auch ihre Mutter Ulrike Haber geborene Jaffé zu Grabe tragen.

Ihr ältester Sohn Hans studierte Rechtswissenschaften in Gießen. Nach dem ersten Staatsexamen 1912 begann er mit dem Einjährig-Freiwilligen-Militärdienst und rückte mit seinem Regiment zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg ein. Nach Ende des Krieges 1918 kehrte er als Leutnant mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse zurück. 1921 schloss er sein Studium in Berlin mit dem Zweiten Staatsexamen ab und wurde als Rechtsanwalt in Berlin zugelassen.

Anfang der 20er Jahre zog die Familie Gumpert nach Berlin-Charlottenburg in die Mommsenstraße 56 in eine 285-Quadratmeter-Wohnung, in der Hans auch seine Rechtsanwaltskanzlei eröffnete.

Hier feierten sie am 11. September 1924 die Hochzeit ihres ältesten Sohnes Hans mit Minna Sophie Lilli Erika Trolldenier (*19. Februar 1900). Von 1923 bis 1927 war Hans als Syndikus der „Algemene Industrien Bank Verenigung Amsterdam“ tätig und wohnte deshalb zeitweise auch in Amsterdam. Seine Ehefrau Sophie war im Berliner Adressbuch 1925 in der Neuen Kantstraße 11 gemeldet.

An Sophies 25. Geburtstag am 19. Februar 1925 starb Gertruds Ehemann Gustav mit 68 Jahren. Hans meldete den Tod beim Standesamt. Gertrud wurde mit 57 Jahren Witwe.
Die Ehe von Hans und Sophie wurde nach vier Jahren Ehe im Dezember 1928 wieder geschieden. Bis 1932 gehörte Hans zugleich der Textilverwaltungs AG Berlin an, zuletzt als Vorstandsmitglied. Nach seiner Rückkehr aus Amsterdam wurde er in Berlin beim Landgericht I als Rechtsanwalt sowie ab 1932 als Notar zugelassen.

In zweiter Ehe heiratete er am 10. Dezember 1932, kurz vor der Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten, die Sekretärin Kitty Elisabeth Stenzel (*24. Oktober 1906). Trauzeuge war Hans’ Bruder, der Geschäftsführer und Doktor der Staatswissenschaften Fritz Gumpert. Was Hans damals noch nicht wissen konnte: Die Heirat mit der nichtjüdischen Kitty würde ihn vor der Deportation bewahren. 1935 wurden Hans und Kitty Eltern ihrer Tochter Gabriele (*2. September 1935). Gertrud wurde mit 68 Jahren Großmutter.

Seit 1935 war Hans das Notariat entzogen und 1938 die Ausübung seines Berufes als Rechtsanwalt verboten worden. Ab 1939 war er als „Konsulent“ nur für jüdische Mandanten zugelassen. Die geplante Emigration scheiterte, weil sein Pass eingezogen wurde.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ waren Hans und Fritz in der Mommsenstraße 56 im 2. Stock vorne in einem Haushalt zusammen mit Hans „arischer“ Frau Kitty und der 4-jährigen Tochter Gabriele gemeldet.

Gertruds jüngster Sohn Erich war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939, damals 37 Jahre alt, in der Nussbaumallee 38 in Berlin-Charlottenburg-Westend gemeldet. Dort befanden sich “Dr. Weiler´s Kuranstalten für Gemüts- und Nervenkranke” sowie “Dr. J. Waldschmidt´s Privat-Heil und Pflege-Anstalt für Gemütskranke”, speziell auch für „Morphinisten“ und „Alkoholisten“. Er wohnte aber 1942 wieder in der Mommsenstraße 56.

1939 lebte Gertrud zusammen mit Max Gumpert (84 J.), Caecilie Gumpert (78 J.), Martha Gumpert (53 J.), Käthe Gumpert (52 J.) und Frieda Gumpert (61 J.) in einem Haushalt.
Max Gumpert war ihr 84-jähriger lediger Schwager aus New York, der zu Besuch in Berlin weilte. Er starb 1943 in New York. Cäcilie Gumpert war die Witwe von Alexander Gumpert, dem ältesten Bruder ihre Ehemannes, der 1933 gestorben war. Käthe (*14. Februar 1887) und Martha (*23. November 1885) waren die unverheirateten Töchter von Cäcilie (*1. Juni 1860) und Alexander Gumpert. Frieda Gumpert geborene Sternberg war die Witwe des Rechtsanwalts Eugen Gumpert, dem jüngsten Bruder ihres Ehemannes Gustav. Ihr gelang noch 1939 die Flucht nach Bombay in Indien. Cäcilie, Martha, Käthe und Frieda Gumpert waren außerdem 1939 in der Wundtstraße 64 in Berlin-Charlottenburg gemeldet. Später wohnten Martha und Käthe Gumpert in der Mommsenstraße 20.

Im Oktober 1941 begannen die Deportationen in den Osten und damit kam die große Angst, selbst deportiert zu werden. Die 75-jährige Gertrud war die erste der Familie Gumpert, die den Deportationsbefehl erhielt. Ihr gesamtes Vermögen von ca. 10.000 RM und 20.000 Kronen musste sie für einen „Heimeinkaufsvertrag“ abliefern. Am 23. September 1942 wurde sie vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen im Ghetto starb sie schon drei Wochen später. Auf der Todesfallanzeige des Ghettos notierte der behandelnde Arzt Dr. Emil Hahn Herzfehler und Herzlähmung. Die Familie wurde nicht vom Tod ihrer Mutter benachrichtigt.

Ihr Sohn Erich war aufgrund seiner „Gemütskrankheit“ nicht erwerbsfähig und wurde deshalb schon am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Osttransport zusammen mit 998 Berlinerinnen und Berlinern, darunter 60 Kinder aus dem Auerbach´schen Waisenhaus im Alter zwischen 2 und 16 Jahren, nach Riga deportiert. Der Zug wurde am Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße abgefertigt. In Riga wurden 81 Männer mit handwerklichen Berufen ausgesucht und den verschiedensten Arbeitskommandos zugeteilt. Alle anderen Insassen des Transports wurden sofort nach der Ankunft in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Erich Gumpert wurde mit 40 Jahren ermordet.

Gertruds Nichte Martha Gumpert wurde am 14. Dezember 1942 und ihre Nichte Käthe Gumpert am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Ihre Schwägerin Cäcilie Gumpert geborene Alexander starb mit 83 Jahren am 17. Februar 1943 im „Siechenheim“ in der Auguststraße14/16, von wo sie deportiert werden sollte.

Dr. Fritz Gumpert war seit 1941 zur Zwangsarbeit verpflichtet. Im Rahmen der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 wurde er von der Gestapo am Arbeitsplatz festgesetzt und in das Sammellager Levetzowstraße gebracht. Von hier aus deportierten sie ihn am 1. März 1943 in das Vernichtungslager nach Auschwitz und ermordeten ihn dort. Dr. Fritz Gumpert starb mit ca. 45 Jahren.

Hans Gumpert lebte mit seiner „arischen“ Frau Kitty in einer sogenannten “Mischehe”. Da aus dieser Verbindung eine Tochter hervorgegangen war, handelte es sich in der Nazisprache um eine „privilegierte Mischehe“, die ihn und seine Tochter Gabriele, die als Halbjüdin auch gefährdet war, vor der Deportation in den Osten schützte. Angesichts der wachsenden Bedrohung versteckte sich die Familie zeitweilig in Staaken. Sie kehrten aber immer wieder in die Stadt zurück, um Lebensmittel zu besorgen. Die Nachbarschaft war über die bedrängte Situation informiert. 1944 musste auch Kitty Gumpert Zwangsarbeit leisten.

Nach der Befreiung im Juni 1945 wurde Hans Gumpert vorläufig wieder als Rechtsanwalt und Notar zugelassen. Da er kein Sternträger war, bekam er keine Anerkennung als „Opfer des Faschismus“. Seine Zulassung wurde ihm 1947 weiterhin nur vorläufig verlängert. Anfang 1949 wurde er zum Richterdienst beim Amtsgericht verpflichtet.

Vermutlich erhielt Hans Gumpert die Nachricht vom Tod seiner Mutter erst im August 1945, drei Jahre nach ihrem tatsächlichen Tod, von der 76-jährigen Hedwig Ems, einer Freundin und entfernten Verwandten der Familie. Hedwig Ems hatte Theresienstadt überlebt und war nach Berlin zurückgekehrt, wo niemand mehr auf sie wartete. Hans, Kitty und Gaby Gumpert nahmen sie am 19. August 1945 „liebevoll und herzlich“ in der Mommsenstraße 56 bis an ihr Lebensende 1958 auf. Gaby wurde zu einer Ersatzenkelin für sie. Ihr Sohn Richard war aus Auschwitz nicht zurückgekommen.

Hedwig Ems schrieb am 16. Juli 1947 ihre sehr lesenswerten Erinnerungen an die Nazizeit in Berlin und das Ghetto Theresienstadt – 28. Oktober 1942 bis 15. August 1945 – auf.

Da Hans vergeblich auf Nachrichten seiner Brüder Erich und Fritz wartete, ließ er sie 1957 für tot erklären. Seine Anträge beim Wiedergutmachungsamt, das Geld für den Heimeinkaufsvertrag seiner Mutter wieder zurückzubekommen, wurden allesamt abgelehnt.

Dr. Hans Gumpert starb 1962 mit 72 Jahren. Kitty Gumpert wurde 92 Jahre alt. Sie starb 1998.

Recherche und Text: Gundula Meiering, April 2025

Quellen:
Mapping the lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives; Landesarchiv Berlin – WGA-Datenbank, Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Simone Ladwig-Winters Rechtsanwaltskammer Berlin (Hg.) Anwalt ohne Recht – Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933, Ausgabe 2022, S. 238 Gumpert, Hans W. Dr.;
Zeitzeugenbericht Hedwig Ems, Charlottenburg, 16. Juli 1947

Stolperstein für Dr. Fritz Gumpert

Stolperstein Dr. Fritz Gumpert

HIER WOHNTE
DR. FRITZ GUMPERT
JG.1898
DEPORTIERT 1.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Fritz Leonhard Gumpert wurde am 29. April 1898 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Gustav Gumpert (*1857) und Gertrud Gumpert geborene Haber (*1867), war er das dritte von ingesamt vier Kindern. Sein älterer Bruder Hans war 1890 geboren und seine 1895 geborene Schwester Charlotte Margarethe war schon mit 8 Monaten gestorben. Vier Jahre nach ihm kam sein kleiner Bruder Erich Adolf Alexander zur Welt. Sie wuchsen im gutbürgerlichen Hansaviertel im Siegmundshof 16 auf.

Wie sein älterer Bruder Hans besuchte auch Fritz ein Gymnasium, welches er ungefähr mit 20 Jahren 1918 mit dem Abitur abschloss. An der Universität Jena begann er ein Studium der Staatswissenschaften, welches er ca. 1923 mit der Promotion zum Dr. rer. pol. – Doktor der politischen Wissenschaften oder Doktor der Staatswissenschaften – abschloss. 1923 schrieb er eine Studie über die Bildungsbestrebungen der freien Gewerkschaften, welche besonders gewürdigt wurde.

Im Februar 1925 starb sein Vater mit 68 Jahren. Vermutlich kam Fritz daraufhin zurück nach Berlin und wohnte wieder bei seiner Familie nun in der Mommsenstraße 56 in Charlottenburg. 1925 schrieb er in Berlin einen Bericht auf Grund persönlicher Information des Zentralsekretariats der Stiftung “Pro Juventute” in Zürich zum Thema „Der Vertrieb der Schweizer Wohlfahrtsbriefmarken ‘Pro Juventute’, welche von der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe in Berlin 1928 herausgegeben wurden”.

Als sein älterer Bruder Hans am 10. Dezember 1932 in zweiter Ehe Kitty Stenzel heiratete, war Fritz Trauzeuge und wurde als Geschäftsführer und Doktor der Staatswissenschaften ausgewiesen.

Viermutlich konnte er die Geschäftsführerstelle nach der Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten 1933 nicht weiter innehaben. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war Fritz in einem Haushalt mit seinem älteren Bruder Hans und seiner „arischen“ Schwägerin Kitty sowie seiner 4-jährigen Nichte Gabriele in der Mommsenstraße 56 – 2. Stock vorne
gemeldet.

Fritz jüngster Bruder Erich war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939, damals 37 Jahre alt, in der Nussbaumallee 38 in Berlin-Charlottenburg-Westend gemeldet. Dort befanden sich “Dr. Weiler´s Kuranstalten für Gemüts- und Nervenkranke” sowie “Dr. J. Waldschmidt´s Privat-Heil und Pflege-Anstalt für Gemütskranke”, speziell auch für „Morphinisten“ und „Alkoholisten“. Er wohnte aber 1942 wieder in der Mommsenstr. 56.

1941 wurde Fritz zur Zwangsarbeit verpflichtet. Seine 75-jährige Mutter Gertrud war die erste der Familie Gumpert, die im September 1942 den Deportationsbefehl erhielt. Ihr gesamtes Vermögen von ca. 10.000 RM und 20.000 Kronen musste sie für einen „Heimeinkaufsvertrag“ abliefern. Am 23. September 1942 wurde sie dann vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen im Ghetto starb sie schon drei Wochen später. Auf der Todesfallanzeige des Ghettos notierte der behandelnde Arzt Dr. Emil Hahn als Todesursache Herzfehler und Herzlähmung. Die Familie bekam keine Benachrichtigung vom Tod ihrer Mutter.

Da Fritz‘ Bruder Erich aufgrund seiner „Gemütskrankheit“ nicht erwerbsfähig war, wurde er schon am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Osttransport zusammen mit 998 Berlinerinnen und Berlinern, darunter 60 Kinder aus dem Auerbach´schen Waisenhaus im Alter zwischen 2 und 16 Jahren, nach Riga deportiert. Der Zug wurde am Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße abgefertigt. In Riga wurden 81 Männer mit handwerklichen Berufen ausgesucht und den verschiedensten Arbeitskommandos zugeteilt. Alle anderen Insassen des Transports wurden sofort nach der Ankunft in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Erich Gumpert wurde am 22. Oktober 1942 mit 40 Jahren ermordet.

Als Fritz am 27. Februar 1943 das Haus in der Mommsenstraße 56 verließ, um zur Arbeit zu gehen, ahnte er nicht, dass er nie mehr zurückkehren würde. Bei der sogenannten „Fabrikaktion“, bei der alle bislang von der Deportation zurückgestellten jüdischen Zwangsarbeiter von der Gestapo verhaftet wurden, wurde auch Fritz an seinem Arbeitsplatz festgesetzt. Er wurde in ein Sammellager gebracht und zwei Tage später, am 1. März 1943, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von den 1800 gelisteten Personen, die am nächsten Tag in Auschwitz-Birkenau eintrafen, wurden nach der „Selektion“ 142 Männer und 385 Frauen als Häftlinge in das Lager eingewiesen. Ob der 44-jährige Fritz Gumpert dazugehörte, ist ungewiss. Der größte Teil der Deportierten wurde in den Gaskammern ermordet. Dr. Fritz Gumpert starb mit ca. 45 Jahren.

Nach der Befreiung Berlins 1945 wartete sein Bruder Hans vergeblich auf Nachrichten seiner Brüder Erich und Fritz. 1957 ließ er sie für tot erklären. Seine Anträge beim Wiedergutmachungsamt, das Geld für den Heimeinkaufsvertrag seiner Mutter wieder zurückzubekommen, wurden allesamt abgelehnt.

Recherche und Text: Gundula Meiering, April 2025

Quellen:
Mapping the lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives; Landesarchiv Berlin – WGA-Datenbank, Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage;
Zeitzeugenbericht Hedwig Ems, Charlottenburg, 16. Juli 1947

Stolperstein für Ilse Simonson

Stolperstein Ilse Simonson

HIER WOHNTE
ILSE SIMONSON
GEB. BAUMANN
JG. 1908
DEPORTIERT 12.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Stolperstein für Else Baum

Stolperstein Else Baum

HIER WOHNTE
ELSE BAUM
JG. 1888
DEPORTIERT 14.11.1941
MINSK
ERMORDET

Stolperstein für Rosa Jacob

Stolperstein Rosa Jacob

HIER WOHNTE
ROSA JACOB
JG. 1887
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Rosa Jacob ist am 18. Juli 1887 in der ostpreußischen Kleinstadt Preußisch Holland (Pasłęk) südöstlich von Elbing geboren. Sie war die Schwester von Sally Jacob, der Junggeselle war. Zusammen mit ihm ist sie zunächst aus der gemeinsamen Wohnung an der Mommsenstraße 56 in die ehemalige, von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) als Sammelstelle missbrauchte Synagoge Levetzowstraße verschleppt worden. Vom Gleis 17 des Güterbahnhofs Grunewald ist sie dann am 27. November 1941 in die lettische Hauptstadt Riga deportiert worden. Alle 1053 Insassen wurden ohne Ausnahme gleich nach der Ankunft drei Tage später im Wald von Rumbula erschossen und in einem Massengrab verscharrt.

Stolperstein für Sally Jacob

Stolperstein Sally Jacob

HIER WOHNTE
SALLY JACOB
JG. 1882
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Sally Jacob ist am 26. Januar 1882 in der ostpreußischen Stadt Preußisch Holland (Pasłęk) in Masuren im Südosten Elbings geboren. Er war der Sohn von Nathan Jacob aus dessen zweiter Ehe mit Terese geb. Berned und Bruder von Rosa Jacob, geboren am 18. Juli 1887 ebenfalls in Preußisch Holland. Sally war nicht verheiratet. Zusammen mit seiner Schwester ist er aus der Mommsenstraße 56 in die als Sammelstelle missbrauchte Synagoge Levetzowstraße 7-8 verschleppt worden. Vom Gleis 17 des Güterbahnhofs Grunewald sind ist sie dann am 27. November 1941 in die lettische Hauptstadt Riga deportiert worden. Alle 1053 Insassen wurden ohne Ausnahme gleich der Ankunft auf dem Bahnhof Skirotava am 30. November in einem Wald bei Rumbula erschossen.

Alfred Jacob, der mittlerweile in London lebte, hat 1979 ein Gedenkblatt für seine Eltern Leo Jacob, geboren am 16. Mai 1873 in Preußisch Holland, und dessen Frau Rosa geb. Pächter, geboren am 5. Mai 1983, die in Berlin in der Waitzstraße 6 lebten – Leo Jacob stand im Adressbuch als „Fabrikant“, beide wurden am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert – bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem eingereicht. Leo Jacob war wie auch Max, der Kaufmann in Werder bei Berlin war, ein Halbbruder von Sally Jacob. Aus dieser ersten Ehe Nathan Jacobs stammten auch Julius und Blanca, die aus Theresienstadt mit einem Sonderzug am 5. Februar 1945 in die Schweiz gerettet wurde.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf mit Informationen von Heinz Burghardt. Weitere Angaben zur Familie Jacob siehe auch: Jüdische Schicksale. Ein Gedenkbuch für die Stadt Werder (Havel) und ihre Ortsteile. Lukas Verlag 2016

Stolperstein Alfred Leander

Stolperstein Alfred Leander

HIER WOHNTE
ALFRED LEANDER
JG. 1864
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 26.12.1942

Alfred Leander wurde am 5. November 1864 in Berlin geboren. Sein Vater Carl Siegfried Leander (1822-1894) handelte wahrscheinlich mit Lebensmitteln. Er stammte aus einer alten Berliner Kaufmannsfamilie, die sich bis in die erste Hälfte der 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Alfreds Mutter Mathilde geborene Steinthal (1828-1912) war eine Kaufmannstochter aus Gommern bei Magdeburg.

Alfred hatte zwei ältere Schwestern, Anna (1849-1880) und Olga (1857-1936), einen älteren Bruder, Willy (1861-?), und einen jüngeren Bruder, Paul (1869-1934).

1885 eröffnete Willy eine Lederhandlung in der Klosterstraße in Berlin-Mitte. Zunächst erteilte er seinem kleinen Bruder Alfred lediglich Prokura, bald jedoch machte er ihn zum Mitinhaber. Das Geschäft firmierte ab spätestens 1890 unter dem Namen „Gebrüder Leander“.

Am 4. Juni 1912 heiratete Alfred in Berlin die zehn Jahre jüngere Verkäuferin Martha Persicaner. Sie stammte aus Beuthen in Oberschlesien (heute Bytom in Polen), wo ihr Vater ein „Specerei- und Destillationsgeschäft” besessen hatte.

Am 31. Januar 1914 bekam das Ehepaar Leander, das damals in Charlottenburg wohnte, eine Tochter, Elli. Spätestens ab 1930 lebte die Familie in der Mommsenstraße 56 in einer Dreizimmerwohnung im Gartenhaus. Tochter Elli, die unverheiratet war, blieb bei den Eltern wohnen.

Alfred Leander wurde zusammen mit seiner Frau am 3. Oktober 1942 im sogenannten „3. großen Alterstransport” zusammen mit über tausend weiteren alten und kranken Menschen vom Bahnhof Grunewald aus nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde der 78-Jährige am 26. Dezember ermordet. Seine Frau Martha musste die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto noch anderthalb Jahre lang erdulden. Am 16. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz überstellt, wo man sie wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergaste. Sie wurde 69 Jahre alt.

Alfreds und Marthas Tochter Elli wurde am 19. Oktober 1942, zwei Wochen nach ihren Eltern, ins Ghetto Riga deportiert. Dort tötete man sie gleich nach der Ankunft am 22. Oktober. Elli Leander wurde 28 Jahre alt.

Alfreds Bruder und Geschäftspartner Willy starb mit großer Wahrscheinlichkeit vor dem Holocaust. Seiner Tochter Else gelang die Flucht. Sie starb 1976 mit 87 Jahren in New York.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
Yad Vashem
Gedenkbuch des Bundes
amtliche Dokumente über MyHeritage
Berliner Handelsregister und Adressbücher
Vermögenserklärung

Stolperstein Martha Leander

Stolperstein Martha Leander

HIER WOHNTE
MARTHA LEANDER
GEB. PERSICANER
JG. 1874
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Martha Leander geborene Persicaner kam am 27. Juli 1874 als Tochter von Simon Persicaner und dessen Frau Emilie geborene Hamburger im oberschlesischen Beuthen (heute Bytom in Polen) zur Welt. Ihr Vater besaß dort ein „Specerei- und Destillationsgeschäft”, ihr Großvater eine Bäckerei mit Wirtshaus.

Martha hatte drei Brüder – Issak (1873-1922), Joseph (1878-1941) und Jonas (1880-1944) –und eine kleine Schwester, Charlotte (1876-1944). Ihre Mutter starb 1895, ihr Vater 1905; bald darauf zog Martha nach Berlin. Ihre Schwester und ihr Bruder Isaak lebten ebenfalls dort, Joseph und Jonas waren nach Frankfurt am Main gezogen.

Martha war als Verkäuferin berufstätig und heiratete erst spät. Am 4. Juni 1912 gab sie dem zehn Jahre älteren Berliner Lederhändler Alfred Leander das Jawort. Das Ehepaar, das in Charlottenburg lebte, bekam am 31. Januar 1914 eine Tochter, Elli. Martha war damals schon fast 40.

Spätestens ab 1930 lebte die Familie in der Mommsenstraße 56 in einer Dreizimmerwohnung im Gartenhaus. Tochter Elli, die unverheiratet war, blieb bei den Eltern wohnen.

Martha Leander wurde zusammen mit ihrem Mann Alfred am 3. Oktober 1942 im sogenannten „3. großen Alterstransport” zusammen mit über tausend weiteren alten und kranken Menschen vom Bahnhof Grunewald aus nach Theresienstadt deportiert. Ihr Mann wurde dort am 26. Dezember mit 78 Jahren ermordet. Martha Leander musste die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto noch anderthalb Jahre lang erdulden. Am 16. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz überstellt, wo man sie wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergaste. Sie wurde 69 Jahre alt.

Alfreds und Marthas Tochter Elli wurde am 19. Oktober 1942, zwei Wochen nach ihren Eltern, ins Ghetto Riga deportiert. Dort tötete man sie gleich nach der Ankunft am 22. Oktober im Alter von 28 Jahren.

Außer Marthas Bruder Isaak, der bereits 1922 in der Berliner Charité verstorben war, fielen auch ihre Geschwister Charlotte und Joseph dem Holocaust zum Opfer. Charlotte Greve geborene Leander, die zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich verwitwet war, wurde 1944 in Auschwitz ermordet; Joseph Leander, der bei Frankfurt am Main eine Lederwarenmanufaktur besaß, 1941 im Ghetto Łódź. Jonas Leander, von Beruf Fotograf, war nach dem Tod seiner Frau in die Niederlande geflohen. Es ist nicht bekannt, wie er dort die Zeit der deutschen Besatzung verbrachte. Er starb 1944 in Alkmaar.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
Yad Vashem
Gedenkbuch des Bundes
amtliche Dokumente über MyHeritage
Berliner Handelsregister und Adressbücher
Vermögenserklärung

Stolperstein Elli Leander

Stolperstein Elli Leander

HIER WOHNTE
ELLI LEANDER
JG. 1914
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Elli Leander wurde am 31. Januar 1914 in Berlin-Charlottenburg geboren. Sie war das einzige Kind von Alfred Leander und dessen Ehefrau Martha, geborene Persicaner. Ihr Vater, der aus einer alten Berliner Kaufmannsfamilie stammte, war gemeinsam mit ihrem Onkel Willy Inhaber einer Lederhandlung in Berlin-Mitte. Ihre Mutter war gebürtig aus Beuthen in Oberschlesien und hatte bis zu ihrer Heirat als Verkäuferin gearbeitet. Sie war bei Ellis Geburt schon fast vierzig Jahre alt.

Spätestens ab 1930 lebte die Familie Leander in der Mommsenstraße 56 in einer Dreizimmerwohnung im Gartenhaus. Elli, die unverheiratet war, blieb bei den Eltern wohnen.

Am 3. Oktober 1942 wurden Alfred und Martha Leander im sogenannten „3. großen Alterstransport” zusammen mit über tausend weiteren alten und kranken Menschen vom Bahnhof Grunewald aus nach Theresienstadt deportiert. Ellis Vater wurde dort am 26. Dezember mit 78 Jahren ermordet. Ihre Mutter musste die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto noch anderthalb Jahre lang erdulden. Am 16. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz überstellt, wo man sie wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergaste. Sie wurde 69 Jahre alt.

Elli Leander wurde am 19. Oktober 1942, zwei Wochen nach ihren Eltern, ins Ghetto Riga deportiert. Dort tötete man sie gleich nach der Ankunft am 22. Oktober im Alter von 28 Jahren.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
Yad Vashem
Gedenkbuch des Bundes
amtliche Dokumente über MyHeritage
Berliner Handelsregister und Adressbücher
Vermögenserklärung

Stolperstein für Cäcilie Rau

Stolperstein Cäcilie Rau

HIER WOHNTE
CÄCILIE RAU
GEB. DALLMANN
JG. 1874
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 8.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Stolperstein für Elise Simon

Stolperstein Elise Simon

HIER WOHNTE
ELISE SIMON
GEB. SCHLESINGER
JG. 1875
DEPORTIERT 14.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 24.3.1943

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