Stolpersteine Knesebeckstraße 31

Link zu: Verlegeort Knesebeckstr. 31, 25.03.2012
Verlegeort Knesebeckstr. 31, 25.03.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat & Flegel

Der Stolperstein für Richard Aronhold wurde am 17.07.2007 verlegt.

Der Stolperstein für Doris Aronhold wurde im Juli 2010 verlegt. Sie konnte den Nazis durch Emigration entkommen. In diesem Fall wurde ebenfalls ein Stolperstein verlegt, um an dieser Stelle unterschiedliche Schicksale innerhalb einer Familie sichtbar zu machen.

Der Stolperstein für Margarete Aronhold wurde am 23.3.2014 verlegt.

Link zu: Stolperstein Richard Aronhold, 25.03.2012
Stolperstein Richard Aronhold, 25.03.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat & Flegel

HIER WOHNTE
RICHARD ARONHOLD
JG. 1878
FLUCHT NACH PRAG
DEPORTIERT 1941
LODZ
ERMORDET 9.4.1942

Richard Aronhold wurde am 21. Januar 1878 in Dresden geboren. Er war das dritte von vier Kindern. Seine Eltern waren Adolf Aaron Aronhold und Sophie geb. Ascher. Seine älteren Geschwister Elise und Martin Hermann sowie seine jüngere Schwester Gertrud wurden in Berlin geboren, wohin die Familie später wieder zog.

Richard Aronhold war Textilkaufmann und in Berlin in der Konfektionsbranche tätig. Seine Frau Margarete Stransky war Directrice im KaDeWe und kam aus Prag. Sie heirateten am 9. Januar 1914 und am 12. März 1916 wurde ihre einzige Tochter, Doris Ingeborg Aronhold, geboren.

Richard und Margarete haben ihre Tochter Doris 1938 nach Kolumbien geschickt. Seine Frau Margarete war unheilbar an Krebs erkrankt (Juden bekamen keine Medikamente) und Mutter und Tochter wussten, dass es ein Abschied für immer sein würde. Es ein sehr trauriger und bitterer Abschied. Richard blieb noch ein Jahr in Berlin bei seiner kranken Margarete, die ihn vermutlich gebeten hat, doch wenigstens sein Leben zu retten. So floh Richard ein Jahr später nach Prag zu seiner Schwägerin Elsa Stransky und ließ seine an Krebs sterbende Ehefrau in Berlin zurück.
Da Juden nicht ohne Erlaubnis ihren Wohnort verlassen durften und als Richard sich schlussendlich in Prag meldete, wurde er wegen illegalen Aufenthalts inhaftiert und nach zweiwöchiger Haft in ein Judenhaus – getrennt von seiner Schwägerin Elsa – gepfercht.

Mit dem ersten Transport aus Prag, am 16. Oktober 1941, wurde er nach Lodz deportiert und dort am 9. April 1942 in Chelmno/Kulmhof vermutlich mit Abgasen auf einem Lastwagen ermordet. Vielleicht hat er in Lodz noch seine Schwester Gertrud getroffen, die mit dem ersten Transport aus Berlin am 18. Oktober 1941 ebenfalls nach Lodz deportiert wurde. Gertrud wurde kurz darauf am 8. Mai 1942 ermordet, seine Schwester Elise in Theresienstadt. Sein Bruder Martin hat in einer Mischehe überlebt, er starb 1946.

Text: Sue Arns (Berlin), Enkelin Richard und Margarete Aronholds und Tochter von Doris Aronhold.

Link zu: Stolperstein Margarete Aronhold, 2014
Stolperstein Margarete Aronhold, 2014
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARGARETE
ARONHOLD
GEB. STRANSKY
JG. 1887
1938 SCHWERKRANK
ZURÜCKGELASSEN
TOT 12.9.1939

Margarete Aronhold, geb. Stransky war die Tochter des Kaufmanns Salomon Stransky und seiner zweiten Frau Lotti, die beide in Prag lebten. Sie wurde am 2. Juni 1887 in Prag geboren. Sie hatte eine jüngere Schwester, Elsa, und vier weitere ältere Halbgeschwister aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Pauline Harpner: Irma Josefa Abarbanell, Melanie Stransky, Klementine Stransky und Oskar Stransky.

In jungen Jahren zog Margarete nach Berlin und wohnte in der Münchener Straße in der Nähe der Synagoge und zog später in die Passauer Straße 39 am KaDeWe, wo sie als Directrice arbeitete. Hier lernte sie auch ihren späteren Mann Richard Aronhold, Vertreter für Lingerie, kennen.
Beide heirateten am 9. Januar 1914 und zwei Jahre später wurde ihr einziges Kind Doris Ingeborg Aronhold geboren. Die Familie zog nach Berlin-Westend in die Kastanienallee und später in die Knesebeckstrasse 31.

Margarete Aronhold mit Eichhörnchen Peterle
Margarete Aronhold mit Eichhörnchen Peterle
Bild: Familienarchiv

Margarete ging ganz in ihrem Dasein als Hausfrau und Mutter auf, spielte leidenschaftlich gern Bridge und wurde als “Bridge-Queen vom Kurfürstendamm” bezeichnet. Tiere waren bei Familie Aronhold immer wichtig: Ob Schildkröten, Kanarienvögel oder das handzahme Eichhörnchen Peterle, das täglich zu Besuch in die Küche kam. Ihre Tochter Doris erzogen sie zu einem tierliebenden Menschen.

Bevor sich Margarete 1937 aufgrund der Bedrohung durch den nationalsozialistischen Staat zur Trennung von ihrer einzigen Tochter gezwungen sah, konnte sie ihr noch zu einer Ausbildung im Modegewerbe verhelfen. Und sie sah, wie Doris sich in Werner Cohen verliebte und diesen im Frühjahr 1937 heiratete. Das junge Paar flüchtete im Herbst auf dem Schiff „Caribia” nach Kolumbien.

Zurück blieb eine gebrochene Mutter, die zudem unheilbar an Krebs erkrankt war. Vermutlich wurden ihr als Jüdin sogar die dringend notwendigen Medikamente verweigert. Ein Jahr später musste ihr Ehemann sie allein zurücklassen und nach Prag zu seiner Schwägerin Elsa fliehen. Margarete starb an den Folgen ihrer Krebserkrankung am 12. September 1939 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin Weißensee beigesetzt. Wie aus Dokumenten des Friedhofs hervorgeht, war sie inzwischen mittellos und wurde von einer Freundin aus dem Ausland unterstützt. Vielleicht ihre Tochter in Kolumbien? Wir wissen es nicht.

Für eine ganze Weile lebte ihre Halbschwester Irma Abarbanell, geb. Stransky, geboren am 7. Oktober 1882 in Prag, im Nebenhaus in der Knesebeckstrasse. Irma wurde am 14. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet.

Text: Sue Arns, Enkelin (Berlin), die ihre geliebte Großmutter nie kennenlernen durfte.

Link zu: Stolperstein Doris Aronhold, 25.03.2012
Stolperstein Doris Aronhold, 25.03.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat & Flegel

HIER WOHNTE
DORIS ARONHOLD
JG. 1916
FLUCHT 1937
KOLUMBIEN
ÜBERLEBT

Doris Aronhold wurde am 12. März 1916 geboren. Sie floh im August 1937 nach Kolumbien.

Ihre an Krebs leidende Mutter, Margarete Aronhold, ließ sie in dem Wissen zurück, sie nie wiederzusehen. Sie starb an ihrem Krebs, denn Juden bekamen keine Medikamente. Ihr Vater, Richard Aronhold, geboren am 21. Januar 1878 in Dresden, floh ein Jahr später nach Prag, wurde von dort aus am 16. Oktober 1941 deportiert und am 9. April 1942 in Lodz/Litzmannstadt ermordet.

Fast die gesamte Familie wurde im Holocaust ausgerottet – dass einige wenige überlebt hatten, hat sie nie erfahren und ihrer Tochter Sue weder das Judentum noch die Familiengeschichte vermittelt. Ihr Schmerz und ihre Schuldgefühle, als einzige überlebt zu haben, bereiteten ihr solch große Qualen, dass sie nie den Mut zum Reden fand, auch nicht dann, wenn ihre Tochter nachfragte, warum sie als einziges Kind auf der Deutschen Schule in Barranquilla keine Großeltern, Tanten, Onkel und Cousinen hatte wie andere Kinder. Sie antwortete dann lapidar „… sind alle tot“.

Fast jeder dritte Satz von Doris Aronhold begann mit „… in Deutschland ist dieses besser (schöner, sauberer, leckerer …)“ – in Deutschland sei alles besser, so erinnerte sie sich. Mitte der 1960er Jahre plante Doris Aronhold, nach Deutschland zurückzukehren. Leider erkrankte sie an Krebs und starb entwurzelt, vereinsamt, schwerkrank und mit großer Sehnsucht nach ihrer Heimatstadt Berlin mit nur 52 Jahren im Exil in Kolumbien. Sie starb am 12. Mai 1968 voller Sehnsucht nach ihrem geliebten Berlin – nach Deutschland, ihrer Heimat, die sie leider nie wiedersah und die sie doch so liebte.

Ihre Tochter Sue Arns hat das Vermächtnis ihrer Mutter erfüllt und lebt seit 1982 in Berlin. Erst nach 2008 konnte sie einen Teil der Familiengeschichte und somit ihre Wurzeln finden.

Text: Sue Arns