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Gisela Scholtze: Die drei Rathäuser der Stadt Charlottenburg

Text von 1986, im Jahr 2006 überarbeitet von Monika Thiemen (Bezirksbürgermeisterin a.D.) und Karl-Heinz Metzger (ehem. Pressesprecher)

5.4.1705 Stadtrechte für Charlottenburg

Sophie-Charlotte, Königin in Preußen, Gemahlin König Friedrich I. verstarb am 1. Februar 1705. Um ihr Andenken zu ehren, verfügte der König, das bis dahin Lützenburg genannte Schloss in Charlottenburg umzubenennen. Darüber hinaus gab der König am 5. April 1705 einen Erlass an seine Kanzlei heraus, in dem es unter anderem heißt:
„… nachdem Wir allergnädigst resolviret der Charlottenburg zum Andenken Weyland Unserer Hoch- und Hertzgeliebtesten Gemahlin der Königin Mayes, mit der Stadtgerechtigkeit zu begnadigen, und einen Besonderen Magistrat daselbst zu setzen; Alß befehlen Wir Euch hiermit in Gnaden, das gewöhnliche privilegium deßhalb abzufaßen und auszufertigen…“.
Dieses „gewöhnliche privilegium“ ist zwar nie ausgefertigt worden, aber die Stadt war gegründet. Bewohner dieser winzigen Stadt waren zunächst vor allem Hofbeamte.

König Friedrich I. ehrenhalber Bürgermeister

Der König selbst übernahm das Amt des Bürgermeisters und ernannte seinen Sohn Friedrich Wilhelm – den späteren „Soldatenkönig“ – zu seinem Stellvertreter. Hof- und Staatsbeamte bildeten als Stadtverordnete den Magistrat.

Erstes Rathaus – Schloßstraße

Zum Rathaus bestimmte der König das Palais des Oberstallmeisters d’Ausson de Villarnoux in der Schloßstraße. Er kaufte das von Eosander von Göthe entworfene und innen prächtig ausgestattete Haus für 8.500 Taler und versah es mit einem kleinen Turm und einer Schlaguhr. Dieses zierliche Gebäude diente der nur langsam wachsenden Stadt rund 150 Jahre als Rathaus.
Nach dem Umzug der Verwaltung in das zweite Rathaus verkam es zum Armenhaus und Obdachlosenasyl und wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts abgerissen. Auf dem Grundstück wurde die 3./4. Gemeindeschule errichtet, die ihrerseits dem 2. Weltkrieg zum Opfer fiel. Heute befindet sich an dieser Stelle in der Schloßstraße 2/2a ein Seniorenwohnhaus.

Zweites Rathaus – Berliner Straße, heute Otto-Suhr-Allee

1860 wurde das zweite Rathaus in der Berliner Straße bezogen. Dieses Haus war 1791 als Wohnsitz des Oberhofstallmeister Encke erbaut worden. Encke hatte als Bruder der Gräfin Lichtenau, der Maitresse Friedrich Wilhelm II. in der besonderen Gunst des Königs gestanden und von diesem das Palais zum Geschenk erhalten.
Dieses Gebäude erwarb nun die Stadt Charlottenburg von der Berliner Charité, der es zu jener Zeit gehörte. Es wurde für die Zwecke der Verwaltung hergerichtet und im Jahre 1860 eingeweiht. Da noch nicht alle Räume benötigt wurden, blieb genügend Platz für die Dienstwohnung des Bürgermeisters August Wilhelm Bullrich (Bürgermeister von 1848 bis 1877) im ersten Stock.
Das starke Anwachsen der Bevölkerungszahl– von 10.000 Einwohnern um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf 182.000 um die Jahrhundertwende – erforderte auch eine Vergrößerung des Verwaltungsapparates, für den in diesem Gebäude bald kein Platz mehr war. Verschiedene Abteilungen mussten in gemieteten Gebäuden der Stadt untergebracht werden. Charlottenburg war von einem verträumten Städtchen, das beliebtes Ausflugsziel und Sommerfrische der Berliner gewesen war, zu einer Großstadt geworden, die mit Wiesbaden wetteiferte, die reichste Stadt Preußens zu sein.
Schon 1884 hatte man das dem Rathaus benachbarte Grundstück Berliner Straße 72 für 150.000 Mark gekauft. Nach jahrelangen Beratungen entschloss man sich 1897, ein neues Rathaus auf den Grundstücken Berliner Straße 72/73 (seit 1957 Otto-Suhr-Allee 100) und Lützower Straße 11/12 (seit 1937 Alt Lietzow) zu errichten, wobei das bisherige Rathaus der Spitzhacke zum Opfer fallen musste.

Wettbewerb 1897

Ein allgemeiner Wettbewerb wurde ausgeschrieben, bei dem fünf Preise im Gesamtwert von 25.000 Mark ausgesetzt waren. 52 Entwürfe gingen ein; den ersten Preis – 10.000 Mark – erhielten die Architekten Reinhardt und Süßenguth, denen auch die künstlerische Leitung des Gesamtbaus übertragen wurde.

Bauzeit 1899-1905

Baubeginn war am 17. Juni 1899. Zunächst wurde das Gebäude an der Lützower Straße mit den anstoßenden Seitenflügeln und dem Mitteltrakt errichtet. Am 19. Juni 1902 erfolgte die Grundsteinlegung für das Gebäude an der Berliner Straße, und drei Jahre später war das Rathaus fertig gestellt.
Die Turmuhr wurde in der Nacht zum 27. Januar, dem Geburtstag Kaiser Wilmhelms II. in Gang gesetzt. Die feierliche Übergabe des neuen Rathauses an den Magistrat bildete am 20. Mai 1905 den Auftakt für die 200-Jahrfeier der Stadt.
Die Kosten für den Bau waren beträchtlich höher als die veranschlagten 3 Millionen Goldmark. Sie beliefen sich auf 4.147.000 Goldmark. Das war für die damalige Zeit ein sehr hoher Betrag.

Erweiterungsbau 1910

Zudem stellte sich schon bald heraus, dass der Bau zu klein geraten war, und bereits 1910 entschloss sich der Magistrat zu einem Anbau, für den Stadtbaurat Heinrich Seeling den Auftrag erhielt. Dieser Erweiterungsbau – heute Otto-Suhr-Allee 96 (Heinrich-Schulz-Bibliothek, die Bezirkszentralbibliothek) – kostete den Magistrat noch einmal über 3 Millionen Goldmark, also fast die Summe, die für den Hauptbau veranschlagt gewesen war.
Ein Erweiterungsbau bis an die heutige Wintersteinstraße heran ist nie zustande gekommen. So sind auch heute – nach der Bezirksgebietsreform im Jahre 2000 – die verschiedenen Abteilungen der Verwaltung maßgeblich an zwei Standorten (Otto-Suhr-Allee und Fehrbelliner Platz) untergebracht, weil im Rathaus Charlottenburg nicht genug Platz für sie ist.
Waren die ersten beiden Rathäuser ursprünglich Wohnbauten gewesen, die für die Zwecke der Verwaltung erst umgebaut werden mussten, so ist das heutige Rathaus Charlottenburg von vornherein für seine Bestimmung geschaffen worden.
Gemeinsam aber ist allen dreien ihre Lage an Straßen, die strahlenförmig zum Schloss hinführen auf Grundstücken, die ehemals Hofbeamten gehört hatten.

Zweiter Weltkrieg

Während des zweiten Weltkrieges wurde das Rathaus schwer beschädigt. Einer der schlimmsten Luftangriffe ereignete sich in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943, bei dem der Turm des Rathauses auf der Ostseite durchschlagen wurde. Der durch einen Bombentreffer schwer angeschlagene Turm wankte, die hölzerne Treppe zu dem Beobachtungsstand der Brandwache wurde durch den Luftdruck fortgerissen. Den Männern auf dem Turm, ein städtischer Angestellter und zwei Polizisten, war der rettende Rückweg abgeschnitten. Niemand hörte infolge Feuer und Qualm ihre Hilferufe. Endlich gelang es einem der Männer, sich an einer frei in die Tiefe hängenden Eisenstange herabzuhangeln und Helfer aus dem Löschtrupp heranzuholen. Aber erst am Morgen, als die Brände eingedämmt waren, konnte die rettende Steckleiter angelegt werden.
Das sich rasch ausbreitende Feuer zerstörte weite Teile des Gebäudes, so verbrannten unter anderem die Festsäle zu beiden Seiten des Turmes und das im so genannten „Turmzimmer“ befindliche Heimatarchiv. 1946 konnten einige Dienststellen, die in anderen Gebäuden Zuflucht gefunden hatten, wieder in das Rathaus zurückkehren. 1954 waren die Restaurierungsarbeiten weitgehend beendet.

Das Dritte Rathaus

Das Rathaus bedeckt inklusive Innenhöfe eine Fläche von 12.603 qm.

Rathausturm

Der Turm erreicht die Höhe von 87,50 m. Damit erregte er seinerzeit Anstoß beim Kaiser, da das Rathaus somit an Höhe das Schloss Charlottenburg beträchtlich überragte. Der Kaiser nahm fortan den Umweg über die Bismarckstraße, wenn er von Berlin aus das Schloss zu besuchen wünschte. Auf diese Weise ignorierte er das Ärgernis.
Das wuchtige Gebäude mit seinem imposanten Turm war schnell zu einem der Wahrzeichen Charlottenburgs geworden.
Leider können wir den Turm aus Sicherheitsgründen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Blick von oben auf Charlottenburg ist fantastisch.

Fassade

Aus mächtigen Quadern Wünschelburger Sandsteins besteht die symmetrische Fassade des Bauteils von 1905, in der Mitte beherrscht von einem etwas vorspringenden Risaliten, der das Portal umschließt und in Form eines Giebels in den Turm übergeht.
Das Rathaus steht unter dem Schutz von Pallas Athene. Direkt über dem Schild mit dem Charlottenburger Wappentor ist sie mit Helm abgebildet, über ihr ein kreisrundes Gebäude. Sie ist hier die griechische Schutzgöttin der Burgen und Städte. Der Helm zeigt, dass sie wehrhaft ist, aber Angriffswaffen fehlen. Sie ist auch die Göttin der Verträge und des Friedens – ein schönes Symbol für eine Kommunalverwaltung.
Darunter stehen rechts und links vom Balkon des Bürgermeisterzimmers zwei überlebensgroße Frauengestalten. Diese beiden Portalfiguren aus der Hand Prof. Vogels versinnbildlichen „Gerechtigkeit“ und „Weisheit“.
Die Justitia (links) stützt mit ihrem rechten, angewinkelten Bein das Gesetzbuch ab und hält es, nach außen geöffnet dem Betrachter entgegen. Die linke Hand umfasst das Schwert, das auf dem rechten Unterarm liegt. Zu Füßen der Justitia erinnern zwei ineinander verschlungene Schlangen an den Gegensatz von Gut und Böse.
Die Figur der Weisheit auf der rechten Seite hat ihre Beine gekreuzt, ihr in eine Kapuze gehüllter Kopf ist über ein Buch gesenkt, in dem sie liest. Die rechte Hand hat sie zum Schwur erhoben, als wollte sie die eben erfahrene Weisheit beschwören. Als Symboltier hat der Bildhauer ihr zu Füßen eine Eule beigegeben.
Mehrere Künstler gestalteten den Figurenfries über den Festsaalfenstern: „Handwerk“ und „Handel“ stammen von Dirscher, „Kunst“ und „Wissenschaft“ von Götz, „Religion“ und „Verwaltung“ von Prof. Haverkamp und „Ackerbau“ und „Industrie“ von Günther-Gerau. Die in Kupfer getriebenen Turmfiguren sind ein Werk Otto Stichlings. Der Frauenkopf unmittelbar über dem Eingang stellt ebenfalls die Stadtgöttin Pallas Athene dar.

Erweiterungsbau

Die etwas einfacher gestaltete Fassade des Seelingschen Erweiterungsbaus wird beiderseits des Eingangs zur heutigen Heinrich-Schulz-Bibliothek von zwei allegorischen Figuren aus der Hand des Bildhauers August Vogel geschmückt; Rübezahl als Beschützer der Armen und ein besiegter Polyphem, der die überwältigte Habgier versinnbildlicht. Über den Eingangstüren ist in einem Rundbogen ein Mosaik eingefügt.

Innen

Auch das Innere des Rathauses wurde sehr großzügig gestaltet. Ornamente und Figuren beleben Wände, Säulen und das Geländer des Haupttreppenhauses.
Schon in der Haupteingangshalle, von der eine Treppe in die erste Etage führt, befinden sich zu beiden Seiten Reliefs an den Wänden. Sie stellen „Kunst“, „Wissenschaft“, „Schulwesen“, „Hochbau“, „Tiefbau“, „Krankenpflege“, „Feuerwehr“, „Beleuchtungswesen“, „Gewerbegericht“ und „Steuerwesen, Standesamt“ dar. Sämtliche Bildhauerarbeiten für das Innere des Rathauses stammen von H. Giesecke.
Breite Gänge mit gewölbten Decken durchziehen das Rathaus. Besonders eindrucksvoll ist das Haupttreppenhaus. Die beiden doppelläufigen geschwungenen Treppen A und D führen vom ersten bis zum dritten Obergeschoss hinauf. Das steinerne Geländer weist reichen Figurenschmuck auf. Die abgebildeten Tiere symbolisieren den Lebenskampf.
Die heute leeren Postamente am Ende des Aufgangs A trugen früher Beleuchtungsfiguren, die Otto Stichling geschaffen hat. Sie haben den Krieg leider nicht überstanden.
Am Treppenaufgang in der zweiten Etage ist eine Büste des früheren Oberbürgermeisters Kurt Schustehrus (1899-1911) aufgestellt. In der dritten Etage steht eine Büste von Friedrich Ebert, erster Reichskanzler.
Erhalten geblieben sind im Aufgang D in Höhe der dritten Etage die Symbole der Zünfte. Es sind Wappenschilde und so ausdrucksvolle Köpfe, dass man vermuten könnte, es handele sich um Portraits der Handwerksmeister.
Einst waren die Aufgänge des Haupttreppenhauses mit bleiverglasten Fenstern versehen, die von Künstlern wie Prof. Richard Guhr (ausgeführt von Scherer) und dem Charlottenburger Maler Franz Eissing entworfen worden waren. Von den Eissingschen Fenstern fehlt leider jede Spur, sie werden nur in einem Artikel von Max Creutz in der Berliner Architekturwelt, 1906, erwähnt. Von den Guhrschen Fenstern existieren noch zwei kleine Fotos. Auch von diesen Fenstern berichten die zeitgenössischen Architekturzeitschriften.
Man darf wohl davon ausgehen, dass sich außer dem Figurenschmuck auch noch Malereien an den Wänden des Rathauses befunden haben. Die restaurierten Wandmalereien im Bereich des Eingangs Alt-Lietzow deuten jedenfalls in diese Richtung, wenn sich auch die Architekturzeitschriften jener Zeit darüber ausschweigen.

Säle

Wie einst die Säle und Amtszimmer ausgesehen haben, können wir uns nur noch anhand alter Fotos vergegenwärtigen.
Lediglich der der Minna-Cauer-Saal (ehem. Pommernsaal), der Gertrud-Bäumer-Saal und Helene-Lange-Saal – alle im zweiten Stock gelegen – zeigen mit ihren erhalten gebliebenen Holzvertäfelungen noch ihre alte Pracht. In den Sälen mahnen Sinnsprüche die Tagenden, sich auf das Wesentliche des Lebens zu beschränken. Der Satz “Wer gar zu viel bedenkt wird wenig leisten“ aus dem “Wilhelm Tell” von Friedrich Schiller wirkt an diesem Ort besonders passend.
Vor diesen Sälen ist eine Fotogalerie mit Widerstandskämpfern und Opfern der NS-Herrschaft zu sehen.
Im Lily-Braun-Saal sind heute die gemalten Porträts vieler Charlottenburger Oberbürgermeister, Bürgermeister, Bezirksbürgermeisterinnen und Bezirksbürgermeister aufgehängt.
Der Bürgersaal, seinerzeit Sitzungssaal der Stadtverordneten, brannte im 2. Weltkrieg restlos aus und konnte nicht wiederhergestellt werden.
Der im Bereich des Ratskellers gelegene Intarsiensaal hingegen konnte so restauriert werden, dass er nahezu sein altes Aussehen erhalten hat.

Märkischer Saal – früherer Sitzungssaal der Bezirksverordneten

Der frühere Sitzungssaal der Bezirksverordnetenversammlung, eingeweiht am 9. April 1954, befindet sich im Seelingschen Anbau. Früher war dies der so genannte „Märkische Saal“, den Wappen verschiedener Städte der Mark Brandenburg schmückten. Er wurde bis zur Bezirksgebietsreform Ende 2000 als Charlottenburger BVV-Saal genutzt. Er wurde inzwischen umgebaut und wird seit dem April 2013 wieder als BVV-Saal genutzt.

Sparkassenhalle

Wer heute die Heinrich-Schulz-Bibliothek aufsucht, betritt einen riesigen Raum, der seinerzeit für die Sparkasse entworfen worden ist, deren Domizil er auch über viele Jahre war. Nur die gewölbte Decke und die seitlichen Rundbögen verraten einiges über sein ursprüngliches Aussehen.
Von der mittleren Eingangstür bis zur Rückwand, an der ein heute nicht mehr existierenden farbiges Fenster den Abschluss bildete, erstreckte sich der Kundenraum. Zwischen den Rundbögen rechts und links befanden sich die Kassenschalter. Die Wände waren mit Keramikfiguren geschmückt, die – teilweise zerbrochen – im Turm gelagert sind.

Ratskeller

Änderungen hat auch der Bereich des Ratskellers erfahren. Neben dem Intarsienraum – damals Ratsstübchen genannt – gab es eine Weinstube. Leider gibt es kein altes Foto dieser Weinstube. Ob sich dort etwa das einzige noch vorhandene bleiverglaste Fenster – heute im so genannten Rondell (Hofeingang Alt-Lietzow / Warburgzeile) angebracht – befand, wissen wir nicht. Die Herkunft des Fensters mit dem Bild eines sich auf zwei Frauen stützenden betrunkenen Satyrs konnte bisher nicht ermittelt werden.
Im Ratskeller gab es einen besonderen Raum für Gesellschaften, heute Teil der Kantine, ein Rauchzimmer und ein Damenzimmer. Der im zweiten Weltkrieg stark zerstörte Figurensaal konnte wieder hergestellt werden.

Ehrenhalle

Besonderer Erwähnung bedarf noch die im zweiten Obergeschoß des Rathauses befindliche Ehrenhalle. Nach einem Entwurf Heinrich Seelings gestaltet, ist sie im wesentlichen erhalten geblieben. Eine Bronzefigur, die den Brunnen in der Mitte schmückte, wurde allerdings gegen Ende des zweiten Weltkrieges gestohlen. Auch acht vergoldete Reliefs mit Sinnbildern menschlicher Tugenden verschwanden spurlos. Auf drei großen Tafeln an der Rückwand sind die Namen von Gefallenen des ersten Weltkrieges verzeichnet.
An die Opfer der Gewaltherrschaft 1933-1945 und an die Opfer des Krieges 1939-1945 gemahnen schlichte Kreuze mit Dornen, die an den Pfeilern links und rechts angebracht sind.
Ein in den Fußboden eingelassener Mosaikstreifen umgibt die Gedenkstätte auf allen vier Seiten.

Kunstbesitz

Das reiche Charlottenburg verfügte über einen umfangreichen Kunstbesitz: hauptsächlich Gemälde und Skulpturen. Im Rathaus befinden sich neben den Gemälden der früheren Oberbürgermeister bzw. Bezirksbürgermeister im Sitzungssaal 3, in der zweiten Etage Gemälde von Friedrich Kallmorgen.
Im Zimmer der Bezirksbürgermeisterin befinden sich folgende Gemälde:
Kurpromenade von Karlsbad von Skarbina, die Testamentseröffnung von Geyer, der Dianasee von Leistikow und eine Ansicht aus dem Spreewald von Genzmer.
In der dritten Etage zieren seit 2005 (300. Geburtstag der Stadt Charlottenburg) zwei neue Bilder die Flurwände: „Sophie-Charlotte“ gemalt von der Künstlerin Gabriela Ribow-Worresk und gesponsert von dem Unternehmer Hans Wall; „Bonjour Charlotte“ von dem Maler Uwe Müller Fabian als Leihgabe einer Bank.

Magistratsbibliothek

Die Königliche Magistratsbibliothek zu Charlottenburg ist eine sehr alte, traditionsreiche Einrichtung. Der älteste Hinweis ihrer Existenz, der bisher gefunden wurde, datiert vom 19.1.1898. Es ist eine Anweisung zur Führung der Magistratsbibliothek. Die “neuen” Räume im Rathaus Charlottenburg bezog die Königliche Magistratsbibliothek 1911.
Um die Jahrhundertwende, inmitten des Booms der Gründerzeit, hatte der Magistrat der Stadt Charlottenburg Wichtiges zu entscheiden. Dies spiegelt sich auch in dem Buch- und Zeitschriftenbestand jener Zeit. Entsprechend ihrer Bedeutung legte die Stadt Charlottenburg großen Wert auf die Vermittlung von Wissen und neuesten Kenntnissen an ihre Bediensteten und an die politischen Entscheidungsträger. Zur Information der Stadtverordneten wurden Bücher und Zeitschriften zu allen Problemkreisen der Kommunalpolitik angeschafft, insbesondere aber zu den Gebieten Recht, Staat, Verwaltung, Sozialwissenschaften, Kunst, Städtebau und städtische Infrastruktur. Diese Schwerpunkte machen 80% des Bestandes aus. Mit dem Bauboom durch die sprunghaft ansteigende Bevölkerung stiegen auch die sozialen Probleme. Hier suchte und fand die Stadt Charlottenburg innovative Lösungen. So finden wir in den Magistratsakten beispielsweise Hinweise auf die Einrichtung von Milchhäuschen, die die Säuglingssterblichkeit senken sollten.
Mit der Schaffung von Groß-Berlin 1920 wurde die Entscheidungskompetenz des nunmehr zum Stadtbezirk degradierten Charlottenburg sehr stark eingeschränkt. Auch das spiegelt sich im Bestand. Fortan überwiegen Gesetzes- und Amtsblätter, Entscheidungssammlungen der Gerichte, Gesetzestexte und Kommentare in der Erwerbungspolitik der Bibliothek.
Der Bestand der Königlichen Magistratsbibliothek zu Charlottenburg umfasst ungefähr 15.000 Bände. Es ist ein wertvoller, in sich geschlossener Bestand, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus nah und fern anzieht. Die ganze Buchsammlung ist im Berliner Gesamtkatalog nachgewiesen und damit bundesweit auffindbar.
Das älteste Buch ist ein Rubens von 1622. Es ist das einzige Architekturwerk des Malers, in dem er die Stadtpaläste von Genua gezeichnet hat. Das Standardwerk von Palladio zur Architektur gehört ebenso zum Bestand der Magistratsbibliothek wie Handschriften aus der Gründungszeit der Stadt Charlottenburg.
Insbesondere der Bestand seit 1860 ist vom Papierzerfall bedroht. Die Ursache dafür ist die zunehmende Verwendung industriell gefertigter Papiere im ausgehenden 19. Jahrhundert, die nicht mehr alterungsbeständig sind. Im Herbst 2000 wurde daher im Rahmen eines ABM-Projektes der größte Teil des gefährdeten Bestandes entsäuert, so dass diese wertvollen Dokumente nun für die nächsten Jahrzehnte gerettet sind. Die Magistratsakten konnten nicht entsäuert werden. Diese Unikate kopieren wir auf alterungsbeständiges Papier und binden sie neu. Danach stehen sie wiederum der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Heutige Nutzung

Seit der Bezirksfusion ist im Rathaus Charlottenburg der Sitz des Bezirksbürgermeisters.