Man spricht nicht gerne darüber. Aber man findet sie in a l l e n Berliner Bezirken: Häusliche Gewalt gegenüber Frauen, Männern und Kindern. Diese Gewalt ist kein einkommensspezifisches Verhalten; sie geschieht unabhängig vom Bildungsstand und der so genannten sozialen Schicht. Trotz des Aufbruchs zahlreicher Tabuisierungen ist es ein durch Mythen und Vorurteile belastetes, gesamtgesellschaftliches Problem. Häusliche Gewalt umfasst psychische Gewalt wie Drohungen, Erniedrigungen, Beleidigungen und Isolation. Sie kennt körperliche Gewalt, von leichten Schlägen, dem Ausdrücken einer Zigarette auf einem Arm, bis zum Mord. Sexueller Missbrauch und sexuelle Erniedrigung fügen Frauen und Kinder besonders schwerwiegende körperliche und/oder seelische Schäden zu. Ökonomische Gewalt (z.B. durch Entzug oder Vorenthaltung von Geld, Untersagung / Erschwerung einer Berufstätigkeit) verhindert die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Betroffenen. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von
Verletzungen bei europäischen Frauen zwischen dem 16. und 44. Lebensjahr, mehr als durch Verkehrsunfälle und Krebs zusammen genommen. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Psychologie und Sicherheit kommen über 300 Frauen jährlich hierdurch zu Tode. Häusliche Gewalt geht, nach der polizeilichen Statistik des Landes Berlin von 2009, in 76 Prozent der Fälle von Männern aus. Opfer sind überwiegend Frauen im Alter von 30 bis 40 Jahren (25,4%). Eine Erklärung könnte die hohe Scheidungsquote dieser Altersgruppe sein. Der leichte Rückgang polizeilich registrierte „16.285 Fälle“ im Jahre 2009 um 0,6 Prozent (97 Fälle) gegenüber 2008 (16.382) täuscht nicht darüber hinweg, dass der Anstieg ab 2003 mit 10.371 Anzeigen unübersehbar ist.
- Anzeigen häusliche Gewalt: 10.371(2003), 11.659 (2005), 13.222 (2007), 16.285 (2009)
- Verstöße GewSchG: 622 (2003), 844 (2005), 939 (2007), 584 (2009)
- Polizeilicher Platzverweise: 1.036 (2003), 1.180 (2005), 1.469 (2007), 1.641 (2009)
Unter den registrierten Delikten gab es 2.453 weibliche Täter (geringfügige Steigerung zu 2008).
Auch hier waren die männlichen Opfer mit 22,4% zwischen 30 – 40 Jahre alt. Übersicht
Seit Einführung des Polizeilichen Landessystems zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung (PO-LIKS) im April 2005, werden differenzierte Daten zu den Opfern und Tätern häuslicher Gewalt ermittelt. Sie dienen auch als Grundlage, um Präventivmaßnahmen, Beratungs- und Betreuungsangeboten entwickeln zu können.
Von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen werden 6 Berliner Frauenhäuser mit einer Aufnahmekapazität von 317 Plätzen, 40 Zufluchtswohnungen mit 117 Plätzen (plus Plätze für ihre Kinder), 5 Beratungsstellen und die zentrale BIG-Hotline gefördert.
http://www.berlin.de/polizei/notfall/krisendienste.html#frauenhaeuser
In den Jahren 2003 bis 2009 haben jährlich durchschnittlich 1.369 Frauen und 1.332 Kinder aus Berlin diese Frauenhäuser aufgesucht Dabei sind die Belegungszahlen seit Jahren relativ konstant geblieben. 2009 lag die Verweildauer bei ca. 86 % der Frauen bei einem Tag bis zu 3 Monaten.
- Frauen: 1.376 (2003), 1.320 (2005), 1.420 (2007), 1.397 (2009)
- Kinder: 1.340 (2003), 1.250 (2005), 1.379 (2007), 1.409 (2009)
- Gesamt: 2.716 (2003), 2.570 (2005), 2.799 (2007), 2.806 (2009)
- Auslastung in %: 94 (2005), 88,64 (2007), 86,21 (2009)