EU-Projekt "Lebendige Erinnerungsorte"

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Projekttitel: Vernetzung von deutsch-polnischen Erinnerungsorten für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, insbesondere Krankenmorde; Entwicklung von Angeboten für Bildungs- und Erinnerungstourismus
Kurztitel: Lebendige Erinnerungsorte
Projektzeitraum: 01.01.2026-31.12.2028
Förderprogramm: Interreg Brandenburg-Polen

Projektpartner:

  • Stadt Międzyrzecz/Meseritz (Polen) (Partnerstadt von Charlottenburg-Wilmersdorf) (Lead Partner)
  • Marschallamt der Woiwodschaft Lebus (Polen)
  • Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin (Deutschland)
  • Stadt Seelow (Deutschland)
  • Stadt Seebad Ueckermünde (Deutschland)
  • Universitätsmedizin Rostock (Deutschland)

Projektzusammenfassung:

Projektziel ist die Erlebbarmachung, Vernetzung und Vermarktung von grenzübergreifend bedeutsamen Erinnerungsorten zur “Geschichte der NS-Krankenmorde” sowie für die Bewahrung der “Spuren jüdischen Lebens” in Meseritz, Seelow, Berlin und Ueckermünde. Durch die Aufwertung und inhaltliche Verknüpfung von bedeutenden Erinnerungsorten entstehen neue Angebote für grenzübergreifenden Bildungs- und Erinnerungstourismus. Erwartet werden ein besserer Zugang zu den beteiligten Erinnerungsorten und damit zur gemeinsamen Geschichte der deutsch-polnischen Grenzregion, welche im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Westverschiebung Polens einzigartig ist.

Die Zusammenstellung des Projektkonsortiums ergibt sich aus der Verteilung und Rolle der NS-Täterorte im ehemaligen Reichsgebiet. Menschen mit geistigen Behinderungen wurden in der ehemaligen Klinik in Berlin isoliert, selektiert und zur Tötung u. a. in die Heilanstalt nach Meseritz-Obrawalde deportiert, wo etwa 10.000 Menschen ermordet wurden.
In der Landesheilanstalt Ueckermünde wurde erstmals ein Krematorium zur Vernichtung von NS-Opfern auf einem Klinikgelände errichtet und erprobt.
Im Benehmen mit der geringen Anzahl und Verteilung heutiger Erinnerungsstätten zum Komplex der NS-Krankenmorde entsteht der Bedarf, bisher ungenutzte Potenziale der Erinnerungsarbeit (Meseritz, Ueckermünde) zu heben und die Geschichte im Zusammenhang erlebbar zu machen.

Wesentliche Outputs des Projekts sind:

  • grenzübergreifende Maßnahmen zum Wissensaustausch und zur Netzwerkbildung
  • Revitalisierung des Friedhofs mit einer Gedenkstätte in Meseritz-Obrawalde
  • Errichtung eines Besinnungsgartens in Meseritz-Obrawalde im Rahmen von deutsch-polnischen Jugendbegegnungen
  • Verbund von neuen und bestehenden digitalen Ausstellungen zur Geschichte der NS-Krankenmorde
  • Ausstellung zur Geschichte der NS-Krankenmorde in Ueckermünde
  • zielgruppenorientierte Module für Bildungstourismus zur Geschichte der NS-Krankenmorde bei den Projektpartnern, inhaltlich vernetzt und grenzübergreifend vermarktet

Rolle des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf:

Berlin verantwortet mit der Ausstellung “totgeschwiegen” einen wesentlichen Baustein bei der Vermittlung der Geschichte der NS-Krankenmorde im internationalen Kontext. Träger der Ausstellung auf dem Gelände der früheren “Wittenauer Heilstätten” ist der gemeinnützige Verein totgeschwiegen e. V., mit dem der Bezirk hierzu eng kooperiert. Die Heilanstalt war Durchgangsort für viele Opfer, die später in Meseritz(-Obrawalde), seit 1993 Partnerstadt von Charlottenburg-Wilmersdorf, und anderen Kliniken getötet wurden und führte Tötungen auch am eigenen Standort durch. Die gemeinsame, durch die Medizinverbrechen gekennzeichnete Geschichte der Anstalten von Berlin und Meseritz soll dabei u. a. zum Anlass für einen deutsch-polnischen Jugendaustausch werden – in gemeinsamen Projektwochen mit Auszubildenden beider Seiten zur Pflege bzw. Instandsetzung der Anstaltsfriedhöfe inklusive begleitender Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Der Erhalt des Naturerbes soll durch die gemeinsame Ausbildungszeit erlebbar gemacht, die Geschichte durch gegenseitiges Lernen greifbar werden.

Vorgesehen sind drei deutsch-polnische Projektwochen zur Denkmal- und Friedhofspflege für die Vorbereitung und Realisierung des Gartenbaukonzepts “Besinnungsgarten” in Meseritz-Obrawalde mit je zehn Auszubildenden von Ausbildungsstätten aus Charlottenburg-Wilmersdorf (Fachbereich Grünflächen des Bezirksamts) und Meseritz (Fachschule für Landschaftsarchitektur in Meseritz-Bobowicko).

Zeitplan:

  • Projektwoche 1 in Berlin (2. Halbjahr 2026)
  • Projektwoche 2 in Meseritz (1. Halbjahr 2027): Entwicklung eines Konzepts für den Besinnungsgarten
  • Projektwoche 3 in Meseritz (2. Halbjahr 2027): Bepflanzung des Besinnungsgartens

Kontakt

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Europabeauftragter
Gunnar Betz