LoGo! Europe: Sabine Marmulla berichtet aus Paris

Im Wohnungsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf ist Sabine Marmulla im Bereich Zweckentfremdung tätig. Der Bereich hat zur Aufgabe, bestehenden Wohnraum zu schützen und darauf zu achten, dass dieser nicht zu anderen als zu Wohnzwecken genutzt wird. Denn bis auf wenige Ausnahmen ist das ohne Genehmigung verboten. Im Februar und März 2026 hospitiert Marmulla für vier Wochen in der entsprechenden Abteilung der Stadtverwaltung von Paris. Hier ihr Bericht:

Seine

1. Woche

Mein Lernaufenthalt in Paris startete am Montag, 16.02.2026, bei der “Direction du Logement et de l’Habitat – Encadrement des Loyers”, 103 Avenue de France, 75013 Paris. Hier begrüßte mich die Abteilung, die für die Einhaltung des Mietendeckels zuständig ist. In Frankreich wurde 2018 mit der “Loi Elan” ein Pilotprojekt gestartet, welches feststellen soll, ob ein Mietendeckel in Regionen mit einem angespannten Wohnungsmarkt geeignet ist, das Ansteigen der Mietpreise tatsächlich, effektiv aufzuhalten. 72 Kommunen nehmen an dem Projekt teil. Paris ist die einzige der 72 Kommunen, welche auf Antrag die Kompetenz übertragen bekommen hat, die Maßnahmen zur Überprüfung und Sanktionierung illegaler Mieten eigenständig umzusetzen. Nun bearbeitet das Team, das mich empfängt, die ca. 4.600 angezeigten Fälle. Es sind fünf Sachbearbeiter:innen mit ganz unterschiedlichem Background. Das Team ist jung und noch in den letzten Wochen gewachsen. Es sitzt in einem sehr modernen Büroraum zusammen, wodurch es sich gut austauschen kann. Sie führten mich durch das Gebäude und stellten mich bei der Abteilung für Kommunikation und Partnerschaften, im Sekretariat und in der Personalstelle vor. Ich wurde ganz herzlich empfangen und mit Dokumentation, Arbeitsmaterial und Zugangsdaten ausgestattet. Nur mit einem Online-Zugang klappte es leider erstmal nicht. In diesem Gebäude sitzt nur ein Teil des Amtes für Wohnangelegenheiten. Ich konnte mich an diesem Tag in die gesetzlichen Grundlagen, Strukturen und Hintergründe einlesen und bekam einen ersten Eindruck der Arbeit. Zur Mittagspause ging es – wie jeden Mittag – gemeinsam in die hauseigene Kantine. Hier wurde nicht über Arbeit geredet, sondern über einen Arte-Beitrag über Waschbären in Berlin und Wildtiere in der Stadt.

Am Nachmittag war das Abteilungstreffen. Um das Team mehr einzubinden, gibt es mehre Rollen, welche reihum wechseln: Moderation, Protokoll, Mediation und Wächter über die Zeit. Die zwei letzten sollen sicherstellen, dass man nicht zu lange bei einem Thema hängen bleibt. Beim nächsten Termin darf ich Wächterin über die Zeit sein. Themen waren der Umzug in ein neues Gebäude, das gerade eingerichtet wird. Es wird von mehreren Berichten über die Wirksamkeit des Mietendeckels gesprochen. Im Mai soll Bilanz gezogen werden, und dann muss das Parlament über die Fortsetzung entscheiden. Der Tag wird mit Crêpes beendet, da es das erste Team-Meeting nach der Chandeleur, also Lichtmess am 02.02.2026 ist: Wer es an diesem Datum schafft, eine Crêpe mit der Pfanne in der Luft zu drehen und gleichzeitig eine Goldmünze in der Hand hält, wird ein glückliches Jahr haben. Lichtmess kombiniert heidnische und christliche Traditionen. Man feiert das Ende des Winters und ein erfolgreiches bevorstehendes Jahr und isst dabei viele Pfannkuchen. Der Pfannkuchen-Wettbewerb ist bei Jung und Alt sehr beliebt.

Am Dienstag begleitete ich Valérie und Agnès bei einer “Vor-Ort-Kampagne” im 18. Arrondissement. Daher begann der Tag für mich mit einer Einführung ins Pariser Zweckentfremdungsrecht, mit Fokus auf Ferienwohnungen. Es wurden ausgewählte Immobilien angesteuert, um vor Ort bei Betreiber:innen und Anwohner:innen Aufklärung zu leisten und Missstände aufzuklären. Zeitgleich gehen im selben Bezirk weitere fünf Teams andere Routen ab. Sie werden von einem Pressevertreter und manchmal von Abgeordneten begleitet. Jedes Team wählte ca. zehn Objekte, die sich in einer guten Laufdistanz befinden und wo es viele Gäste-Übernachtungen gibt. In Frankreich sind die Betreiber-Plattformen bereits verpflichtet, die Anzahl der Übernachtungen zu melden. Die entsprechende EU-Verordnung wird in Deutschland dieses Jahr erst umgesetzt. In diesem Punkt können wir von Paris lernen, wie ein guter Umgang mit der großen Menge an Daten aussieht. Aber jetzt ging’s erst einmal ins Feld. Viele Pariser Häuser haben keine Klingelschilder, sondern die Haustüren werden mit Codes geöffnet. Das hieß für uns warten, dass jemand aus dem Haus kommt. Wir klärten die angetroffenen Anwohner über das Gesetz auf und fragen sie, ob es in dem Haus Störungen gibt. Gleichzeitig schauten wir nach Schlüsselboxen und ob Touristen anzutreffen sind. Wir hatten an diesem Tag viel Glück und konnten in jedem Haus brauchbare Informationen und Zugang erhalten: In manchen Häusern ist alles in bester Ordnung, in anderen gibt es Beschwerden über laute Partys oder Hinweise, dass z. B. der Eigentümer die Wohnung nicht selber bewohnt, sondern zu 100 % zweckentfremdet. Wir treffen auch deutsche Touristen an, hier kann ich direkt behilflich sein. Die alten Pariser Häuser sind sehr beeindruckend: Verwinkelt, alte Bausubstanz, herrschaftliche Fassaden und Eingangstore, winzige Aufzüge und unendlich Treppen, verzaubernde Hinterhöfe … und viele freundliche Begegnungen. Oft gibt es eine Conciergerie im Haus. Wenn es im Haus illegale Ferienwohnungen gibt, weiß der Hausmeister Bescheid. Unser letztes Zielobjekt lag am berühmten Friedhof Montmartre, daher führte der Rückweg einmal quer über den wundersamen, kunstvollen, alten Friedhof zurück zur Metro. Vielleicht werde ich in den kommenden Tagen mehr zur Auswertung des Kampagnentags erfahren.

Am Nachmittag nehme ich an einem Webinar zum Berufsethos teil. Hier wird viel Wert darauf gelegt, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass man sich insbesondere auf Arbeit, aber auch in der Öffentlichkeit immer vorbildlich zu verhalten hat. Mitarbeiter:innen der Behörde sind Diener des Volkes und haben die Arbeit in diesem Sinne zu erledigen. Wir diskutierten in der Gruppe zu einigen Punkten.

Der Mittwoch startete mit einer Runde von Fallbesprechungen. Hier wurden komplizierte Sachlagen erörtert und die besten Vorgehensweisen in der Gruppe besprochen. Es wurde auch ein Konzept für eine Telefonsprechstunde, die demnächst eingeführt werden soll, besprochen. Die Sachbearbeiter:innen zeigen mir dann das operative Vorgehen, wie die Anzeigen und Mietverträge aussehen, worauf zu achten ist: Über ein Online-Formular zeigen die Bürger:innen die Mietpreisüberhöhung an. Die Daten werden mit dem Mietvertrag, Energieausweis und mit einem Register des Finanzamts verglichen. Insbesondere werden Eigentümer:innen, deren Anschrift, Wohnungsgröße, Baujahr und Beginn des Mietvertrags überprüft. Mit diesen Angaben wird die Höhe des Deckels berechnet und überprüft, ob die Miethöhe dem entspricht und wie hoch ggf. die Überzahlung ist. Im zweiten Schritt werden die Eigentümer darüber informiert, dass die Miethöhe illegal ist und aufgefordert, den Mietvertrag anzupassen und ggf. die Überzahlungen zu erstatten. Sie erhalten eine Übersicht der genutzten Eckdaten. Sie haben zwei Monate Zeit, darauf zu reagieren und relevante Unterlagen einzureichen.

In einem Austausch mit den Abteilungsleitern wurden mir insgesamt die Ziele, Herausforderungen und der Stand der Umsetzung des Pilotprojekts vorgestellt. Sie legten auf folgende Punkte Wert: Seitdem die Kommune Paris die Umsetzung übernommen hat, wurde viel darin investiert, die Bürger:innen aufzuklären und einen einfachen Zugang zu Informationen und zum Anzeigeformular zu schaffen. Seither sind die Zahlen der Anzeigen um ein Vielfaches gestiegen. Es wird in erster Linie auf eine Neuverhandlung des Mietvertrags und Ausschüttung der Überzahlung hingearbeitet. In 21 % der bearbeiteten Fälle wurden die Mieten angepasst und die Mieter:innen haben durchschnittlich ca. 4.100 € an Rückzahlungen erhalten. Dabei muss bedacht werden, dass es kaum unbefristete Mietverträge gibt und die Mietdauer i. d. R. auf 1-3 Jahre festgelegt ist. Die Eigentümer müssen nachweisen, dass sie sich mit den Mietern geeinigt haben, ansonsten wird mit einem Bußgeld weiterverfahren und die Mieter müssen die überzahlte Miete bei einer Schlichtungskommission geltend machen, bevor im Zweifel ein Gericht entscheidet.

Die Arbeitsgruppe Mietendeckel ist in eine Reihe von Maßnahmen der Mietenpolitik und Wohnhilfe eingebettet. Diese werden mir am Donnerstag vorgestellt. Anhand von Flyern des Wohnamts wurden mir das Gesamtkonzept und die zentrale Rolle der Öffentlichkeitsarbeit erklärt. Die Bürger:innen sollen ihre Rechte kennen, Zielgruppen individuell angesprochen werden und die Bürgerdienste einfach abgerufen werden.

Im weiteren Verlauf des Tages zeigten und erklärten mir die Sachbearbeiter:innen weitere Feinheiten des Verfahrens.

Dank Teilzeit konnte ich mich am Freitag in ein Wochenende auf dem Land aufmachen. Ich besuchte mit meinem Cousin Arras – die Stadt, wo sich meine Großeltern kennenlernten – und das Denkmal an die Gefallenen des Ersten Weltkrieg in Rancourt.

  • Grand'Place in Arras

    Grand'Place in Arras

  • Soldatenfriedhof in Rancourt

    Soldatenfriedhof in Rancourt

2. Woche

Die zweite Woche startete ich ebenfalls in der Abteilung “Encadrement des Loyers” – Mietendeckel. Hier erklärten mir die Sachbearbeiter:innen die Schritte nach der Aufforderung, den Mietvertrag zu legalisieren und die überzahlten Mieten zu erstatten: Die Mieter:innen werden ebenfalls über die festgestellten Werte und das Ergebnis der Prüfung informiert, allerdings mit einer Woche Verzögerung, damit das Einschreiben dem Eigentümer in der Zwischenzeit sicher zugestellt wurde. Des Weiteren legte ich diese Woche mehrere Vorgänge an, prüfte die Daten und ermittelte die Höhe der überzahlten Miete. Anschließend erstellte ich einen Entwurf für das Schreiben an die Eigentümer:in. Auch hier ist es manchmal schwierig, die richtigen Eigentümer:innen zu ermitteln, insbesondere wenn ein Eigentümerwechsel stattfand oder eben nicht die Eigentümer:innen den Mietvertrag unterzeichneten. In diesem Fall muss man sich an beide Parteien wenden und ermitteln, ob der Mietvertrag auch nach dem Eigentümerwechsel weiter besteht. Aber in erster Linie richtet man sich nach den Daten aus dem Mietvertrag.

Des Weiteren machte ich mich mit dem “courrier d’information à l’amende” – was bei uns der Anhörung entspricht – vertraut. Das Bußgeldverfahren wird nur eingeleitet, wenn der Eigentümer der Verpflichtung, den Mietvertrag zu korrigieren und die überzahlte Miete zu erstatten, nicht nachkommt. Für diesen Schritt fasst man die bisherigen Austausche mit Mieter:innen und mit Eigentümer:innen zusammen und informiert die Eigentümer:innen über die Konsequenzen. Damit wird diesen eine letzte Möglichkeit gegeben, sich regelkonform zu verhalten.

Am Dienstag durfte ich im Rathaus des 5. Arrondissements der ADIL bei einer Beratung für Wohnangelegenheiten beiwohnen. Die ADIL ist ein Verein, der in Partnerschaft mit dem Wohnamt in den verschiedenen Rathäusern Sprechstunden für Mieter:innen und Eigentümer:innen anbietet. Sie gibt eine erste juristische Beratung, betreibt Aufklärung und hilft dabei, die nächsten Schritte bei Problemen rund ums Wohnen einzuleiten und auf die richtigen Institutionen zu verweisen. Des Weiteren erstellt die ADIL auch einen Wohnungsmarktmonitor im Auftrag der Stadt. An diesem Nachmittag kamen sechs Bürger:innen mit Fragen zu Ruhestörung, Subventionen bei energetischen Renovierungen, Kündigung des Mietvertrags, Ungeziefer im Haus und Umsetzung beim Dachausbau in die Sprechstunde.

  • Hinweisschild Mairie Vème
  • Mairie du Vème Arrondissement

    Rathaus des 5. Arrondissement von Paris

Am Mittwoch begleitete ich eine Sachbearbeiterin, welche Nutzungsänderungen von Wohnraum in Gewerberäume für die entsprechende Abteilung der Zweckentfremdung von Paris bearbeitet. Sie erklärte mir, dass im Gegensatz zur Berliner Verordnung eine Nutzungsänderung grundsätzlich erlaubt ist, wenn Ersatzwohnraum zur Verfügung gestellt wird. Der Ersatzwohnraum muss, je nach Wohnlage, zwei oder drei Mal dem vernichteten Wohnraum entsprechen, und ein Teil des Ersatzwohnraums muss im selben Arrondissement liegen. Die Räumlichkeiten werden bei Antragstellung und bei Abschluss der Arbeiten begangen, und wir machten eine Ortsbegehung bei einem Objekt in der Nähe des Arc de Triomphe. In Frankreich werden Baugenehmigungen immer einen Monat vor Inkrafttreten an dem Gebäude und online veröffentlicht, damit betroffene Dritte Widerspruch erheben können.

Bei der Abteilung, die sich mit der Zweckentfremdung von Wohnraum durch Ferienwohnungen befasst, hospitierte ich noch einmal am Donnerstag. Hier hatten wir eine große Frage-Kaffee-Austausch-Runde mit vielen Fachfragen zu Gesetzesgrundlagen und Vorgehensweisen. Ich interessierte mich insbesondere für die Übermittlung der Daten durch die großen Anbieterplattformen, da diese eine Thematik ist, mit der wir dieses Jahr konfrontiert sein werden. Die Daten kommen in Form einer Excel-Tabelle. Sie erhalten ausschließlich Daten zu Anzeigen, die eine Registriernummer ausweisen. Die Anzahl der Übernachtungen von allen Plattformen übertragen sie auf eine GIS-Karte, um Wohnungen zu finden, wo es im letzten Jahr mehr als 150 Übernachtungen gab, um offensichtliche Gesetzeswidrigkeiten zu erkennen, zu prüfen und zu ahnden. In diesem Zusammenhang wurde mir erklärt, dass ein Richter das Bußgeld festsetzt. Sollte das gesetzeswidrige Verhalten durch die Zweckentfremdung fortdauern, sind 1.000,- EUR pro Tag als weiteres Bußgeld angesetzt.

Am Wochenende habe ich den Louvre besucht. Die Ausstellungen und die Größe des Museums sind sehr beeindruckend und überwältigend. Auch nach 8 Stunden hatte ich nicht alle Hallen ablaufen können.

  • Pyramide des Louvre

    Pyramide am Eingang des Louvre

  • Die Freiheit führt das Volk

    "Die Freiheit führt das Volk" von Eugène Delacroix

3. Woche

Die Zeit in Paris vergeht furchtbar schnell und nun, da ich mich gut eingelebt habe und gut zurechtfinde im Trubel dieser tollen Stadt, ist auch schon die dritte Woche vorüber. Die ersten Wochen waren besonders aufregend, da alles neu war. Ich merke auch, wie die leichten Kommunikationsschwierigkeiten vom Anfang verschwunden sind und Gespräche sowie der fachliche Austausch viel leichter werden. Ich fühle mich hier richtig wohl und bin den Menschen, die mich hier so offenherzig in Empfang genommen haben und mich an ihrem Alltag teilhaben lassen, sehr dankbar.

Ich verbrachte einen Tag bei der Abteilung für Zweckentfremdung durch Ferienwohnung, wo ich mit den zwei Sachbearbeiterinnen, die ich zur Ortsbegehung begleitet hatte, ein Ordnungswidrigkeitenverfahren bearbeitet habe. Sie erklärten mir, dass sie nicht selber das Bußgeld festsetzen, sondern ein:e Richter:in. Sie müssen daher ein Dossier zusammenstellen, das alle Nachweise enthält und zusammenfasst. Somit beantragen sie ein Bußgeld und begründen dessen Höhe. Ich bin von der Beweisführung sehr beeindruckt: Die Angebote auf allen Plattformen werden lückenlos aufgenommen, es werden Gewinnsimulationen gemacht, und da sie die Zahlen der Übernachtungen von den Plattformen erhalten, können sie die illegalen Gewinne besser beziffern. Da alles digital bearbeitet wird, wird die Akte nicht chronologisch, sondern logisch zusammengestellt, und über Querverweise kann man sich ganz einfach durchklicken.

Zwei Vormittage wohnte ich als Beobachterin einem Schlichtungsgremium bei. Die “commission départementale de conciliation” setzt sich aus je zwei Vertreter:innen von Vermieter:innen und Mieter:innen zusammen und versucht, einen Dialog zwischen den Parteien herzustellen, um zwischen den Standpunkten zu vermitteln und den Gang vor Gericht zu vermeiden. Meistens wird es von Mieter:innen einberufen. Die Vermieter:innen werden zwecks Vermittlung eingeladen, aber erscheinen nicht immer. Wenn keine Schlichtung möglich ist, berät das Gremium und teilt den Parteien seine Einschätzung mit. Erst nach diesem Schritt können die Beteiligten das Gericht damit befassen. Die häufigsten Fälle betreffen: die Rückerstattung überzahlter Mieten und Anpassung des Mietvertrags (sofern dies aufgrund der Aufforderung durch die Abteilung Mietendeckel zuvor nicht stattgefunden hat), die Rückerstattung von Mietkautionen, die Begründetheit von Nebenkosten sowie Kündigungen.

Am Mittwoch hielt ich eine Präsentation über den Berliner Mietspiegel, den aktuellen Stand beim § 5 WiStG und über das Zweckentfremdungsverbotsgesetz in Berlin. Die Mitarbeiterinnen und die Direktorin der Abteilung für Wohnungswesen waren zu diesem Austausch eingeladen.

In der weiteren Zeit habe ich mit der speziellen Problematik von Co-Living-Einrichtungen in Paris befasst, Akten angelegt und einen ersten Einblick in die Bearbeitung von Ordnungswidrigkeitenverfahren beim Mietendeckel bekommen. Am Rande dieser Aktivitäten habe ich immer ganz viele, sehr nette, lustige und interessante Gespräche geführt, die natürlich manchmal mehr, manchmal weniger von den Kernthemen abschweiften.

Der Frühling ist in der Stadt eingezogen und bei schönstem Wetter bin ich am Wochenende viel spazieren gegangen. Ich war in Montmartre, im Jardin du Luxembourg, an der Seine und beim Eiffelturm. Außerdem habe ich die kulinarischen Angebote der Stadt weiter entdeckt – Highlights: Tajine, Salat mit gebackenem Ziegenkäse und Crêpes mit salzigem Karamell. Leider habe ich wahrscheinlich nicht genug Zeit, allen Restaurantempfehlungen von Freund:innen, Family und Kolleg:innen zu folgen.

  • Vor dem Eiffelturm
  • Metrostation
  • Präfektur der Region Île-de-France

    Präfektur der Region Île-de-France

  • Zitat aus der Comicreihe "Asterix"

    "Und denkt daran! Das Einzige, das wir zu fürchten haben, ist dass uns der Himmel auf den Kopf fällt!" (Zitat aus der Comicreihe "Asterix")

  • Salat mit gebackenem Ziegenkäse

    Salat mit gebackenem Ziegenkäse

4. Woche

Die vierte Woche begann ich wieder bei der Abteilung Mietendeckel. Zusammen mit einer relativ neuen Mitarbeiterin und mit einem erfahrenen Mitarbeiter bearbeiteten wir ein Ordnungswidrigkeitenverfahren. Das hieß für die Präfektur (“Direction régionale et interdépartementale de l’Hébergement et du Logement”), welche das Bußgeld in diesem Fall festsetzt, einen Bericht darüber schreiben, was bisher geschah und alle relevanten Unterlagen heraussuchen sowie sortieren. In diesem Fall hatte ein Mieter dem Eigentümer nunmehr in einem Zeitraum von mehr als drei Jahren mehrere Tausend Euro an überhöhter Miete gezahlt. Letzterer hatte auf keines der Schreiben der Stadt reagiert. Daher wurde nun ein Bußgeld gefordert, um den Eigentümer zu bewegen, die Miete zu senken. Bußgelder gehen in diesen Fällen an den Staat und der Mieter müsste seine Forderungen, was die überzahlte Miete in diesem Fall angeht, über das Schlichtungsgremium CDC und oder das Gericht einklagen.

Des Weiteren nahm ich bei der Vorstellung der Software zur Unterstützung der telefonischen Sprechstunde teil und konnte meine Erfahrungen mit der telefonischen Sprechstunde hier teilen.

Am Dienstag war ich noch einmal bei einer sehr spannenden Sitzung des Schlichtungsgremiums, wo die Parteien nach langer Verhandlung zu einer Einigung über die Höhe der Miete und die Streichung einer zusätzlichen Pauschale für Möblierung und Ausstattung der Küche kamen. Leider konnten auch heute nur zwei von vier Verhandlungen stattfinden, weil zwei Eigentümer nicht erschienen. Die drei Fälle, wo es zu keiner Schlichtung kam, müssen vor Gericht gehen, um eine Entscheidung herbeizuführen.

Am Nachmittag nahm ich an einer Präsentation über das “Dispositif Nouvel Exécutif” teil. In ganz Frankreich finden aktuell Wahlen statt, und jede Verwaltung muss für die neu gewählten Vertreter eine Beschreibung und Bilanz aller Aufgaben und Maßnahmen verfassen. Hier werden auch die wichtigsten zu treffenden Entscheidungen aufgeführt. Allein für die “Direction du Logement et de l’Habitat” beträgt das Dokument fast 400 Seiten.

Einen Tag begleitete ich noch mal einen Mitarbeiter der Abteilung für Nutzungsänderungen. Er präsentierte mir den Fall und erklärte die Richtlinien für Ersatzwohnraum und das Vorgehen. Dann besichtigten wir einen Büroraum, der wieder zu Wohnraum umgebaut wurde. Eine wunderschöne Wohnung im 9. Arrondissement. In Paris ist es beeindruckend, dass hinter jeder Ecke wunderschöne Altbauten, Kirchen und Paläste stehen. In diesen herrlichen Frühlingstagen bin ich immer auf unterschiedlichen Wegen nach Hause gelaufen, um in den Einkaufsstraßen zu bummeln und schön zu Abend zu essen. Aber zuvor verfasste ich mit dem Mitarbeiter noch die vorläufige Genehmigung zur Nutzungsänderung, mit dem Hinweis, dass ein weiterer Ersatzwohnraum noch fertiggestellt und begangen werden muss. Er erklärt mir, dass es hier kaum Probleme mit der Fertigstellung von Ersatzwohnraum gibt.

Den letzten Tag verbrachte ich bei der Abteilung für Hygiene und Sicherheit im Wohnungswesen. Diese prüft und überwacht, dass von den Bauten, deren Zustand und deren Nutzung keine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. An diesem Tag ging ich mit zwei Sachbearbeiter:innen zu einem Termin, wo eine Mieterin die Sicherheit ihrer 7,80 m² großen Wohnung inkl. Waschecke und Küchennische überprüfen lassen wollte. Es wurde festgestellt, dass dieser Raum nicht zum Wohnen geeignet ist, da die reine Wohnfläche unter 8 m² liegt. Ich bekam eine Einführung in die weiteren Arbeitsgebiete der Gruppe, die sich u. a. mit folgenden Risiken befasst: Schimmel, Feuchtigkeit, Brand- und Einsturzgefahren, bröckelnde Fassaden, Ungeziefer und das Diogenes-Syndrom. Sie arbeiten eng mit der Polizei zusammen, um die von Menschenhandel Betroffenen sicher unterzubringen. Ein Problem, das ich aus Berlin noch kenne, aber was in Paris ganz groß ist, sind die “dark kitchens”, wo für Lieferdienste in Wohnungen gekocht wird und gleichzeitig zu viele Mitarbeiter:innen untergebracht werden.

Der Abschied von den vielen tollen Kolleg:innen ist mir nicht leicht gefallen, denn ich habe sie richtig lieb gewonnen. Obwohl ich zugegebenermaßen zwischendurch auch mal Heimweh hatte, ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Ich hatte so viele schöne und interessante Begegnungen. Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Umtrunk mit den Kolleginnen, um meinen Abschied und die Verbeamtung zweier Kolleg:innen zu feiern. Das war ganz schön, und ich habe sogar eine Urkunde und ein Souvenir bekommen. Aber bevor ich mich von der Stadt verabschiede, habe ich noch ein paar Tage Zeit für Entdeckungen. Bevor es dann heißt … au revoir, Paris!

  • Park im Frühling
  • Markt
  • Palais
  • Blick vom Eiffelturm

    Blick vom Eiffelturm auf die Seine und das Trocadéro. Im Hintergrund das Hochhausviertel La Défense.

Kontakt

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Europabeauftragter
Gunnar Betz