LoGo! Europe: Silke Oppermann berichtet aus Stockholm

Im Ordnungsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf ist Silke Oppermann im Bereich Veranstaltungen tätig. Der Bereich beschäftigt sich u. a. mit allen erforderlichen Genehmigungen für Veranstaltungen in Charlottenburg-Wilmersdorf in der Funktion als Straßenbaulastträger, Straßenverkehrsbehörde und Gewerbebehörde. Im November 2025 hospitierte sie für vier Wochen in der Sportverwaltung in Stockholm. Hier ihr Bericht:

1. Woche

Am Montag, meinem ersten Arbeitstag, wurde ich sehr nett von Peter begrüßt, der mir zunächst den Aufbau der Stockholmer Verwaltung vorgestellt und dann speziell über die Aufgabenbereiche und Ziele der Sportverwaltung berichtet hat. Ich wurde den Mitarbeitenden vorgestellt und mit den Räumlichkeiten vertraut gemacht.
Die Büroarbeit ist anders als in Charlottenburg-Wilmersdorf organisiert: es gibt Co-Working-Spaces und mobiles Arbeiten, davon in der Regel zwei Tage in der Woche im Homeoffice. Das ist eine effektive Raumnutzung und funktioniert auch deshalb so gut, weil fast nur noch digital gearbeitet wird. Weiterhin gibt es verschiedene Konferenzräume, die alle transparent mit Glas abgeteilt sind und die von den Mitarbeitenden für Besprechungen gebucht werden können. Es gibt zentral auf der Etage gelegen einen großen Pausenraum mit voll ausgestatteter Küche, in dem kostenfrei Obst, Kaffee und Tee zur Verfügung gestellt werden. Dort trifft man sich zur Fika, der schwedischen Kaffeepause, oder zum Mittag. Gemeinsames Essen hat eine wichtige soziale Funktion in der Behörde.

Am Dienstag war ich in der Straßenverkehrsbehörde (Trafikkonturet), die unter anderem Veranstaltungen und Filmarbeiten genehmigt. Da dies meinem Arbeitsgebiet in Berlin entspricht, sind die Ausführungen hierzu etwas detaillierter. Es war ein sehr interessanter Austausch mit Therese, Gordon und John, und erstaunlicherweise sind die Arbeitsweisen und Probleme sehr vergleichbar. Der größte Unterschied ist, dass in Stockholm alle Vorgänge digital geführt werden. In Berlin werden die Erlaubnisse grundsätzlich von der Veranstaltungsgruppe als Straßenbaulastträger und Straßenverkehrsbehörde erteilt. In Stockholm macht das noch federführend die Polizeibehörde, eine Gesetzesänderung ist in Vorbereitung. Zukünftig soll das Verfahren ähnlich wie in Berlin ablaufen. Die Straßenverkehrsbehörde ist dort auch gleichzeitig Straßenbaulastträger und teilt der Polizeibehörde mit, welche Nebenbestimmungen in die Erlaubnis aufgenommen werden müssen, einschließlich Verkehrszeichenplan und anfallende Kosten. Die Gebühren werden dann nach der Veranstaltung erhoben, um auf Änderungen reagieren zu können. Die Anhörung der zu beteiligenden Behörden wie Feuerwehr oder Umweltverwaltung und die Weiterleitung der Stellungnahmen an die Polizei erfolgt auch von der Straßenverkehrsbehörde. In beiden Städten gibt es keine digitale Übersicht über Veranstaltungen, was alle Beteiligten bedauern. Für den Umfang der Absicherung von Veranstaltungen ist dort die Straßenverkehrsbehörde federführend zusammen mit der Polizei zuständig, entsprechendes Material wird von der Stadt zur Verfügung gestellt. Verantwortlich für die ordnungsgemäße Durchführung einer Veranstaltung ist jedoch auch in Stockholm der Veranstalter.

Am Mittwoch hatte ich vormittags im Rathaus (Stadshuset) ein Treffen mit Patrik, der für Veranstaltungsstrategien von großen Veranstaltungen in Stockholm zuständig ist. Er berichtete von erfolgreich umgesetzten und geplanten Konzepten z. B. anlässlich der Eishockey-WM und des Konzertes von Taylor Swift. Sehr interessant fand ich, dass Veranstaltungen in Stockholm als ein Werkzeug angesehen werden für ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeit ist Teil der Veranstaltung und steht nicht für sich selbst. Da an dem Tag eine Polizeiübung im Gebäude stattfand, habe ich eine Privatführung bekommen inklusive des “blauen” und des “goldenen” Saales, in dem jährlich die Nobelpreisfeierlichkeiten stattfinden.

Nachmittags durfte ich an einem Workshop durchgeführt von Magnus, Jenny, Jenny (es arbeiten dort drei Jennys), Ruben und Thomas von der Sportverwaltung mit Vertretern vieler verschiedener Sportverbände (ca. 25) zum Thema Förderung des Elitesports in Stockholm teilnehmen. Als Ergebnis wird ein Programm beim Sportausschuss der Stadt eingereicht und im Frühjahr 2026 ein Beschluss dazu erwartet. Es gibt in Stockholm offenbar sehr kurze Entscheidungswege.

Am Donnerstag habe ich an einem Treffen bezüglich Nachhaltigkeit auf Veranstaltungen teilgenommen, das in einem alten Transformatorgebäude stattgefunden hat. Es wird heute für die Jugendhilfe von der Arbeitsverwaltung genutzt. Hier gab es viele Räume mit Werkstätten und Musikstudios und auch Möglichkeiten, Kontakt zu Arbeitsvermittlern oder Sozialarbeitern aufzunehmen. Hier wurde über die soziale Nachhaltigkeit von Veranstaltungen berichtet. Zum Beispiel hatten Jugendliche (16-29 Jahre) die Möglichkeit, während der Eishockey-WM, die im Zeitraum 9.-25.05.2025 u. a. in Stockholm stattfand, zu jobben und Geld zu verdienen. Außerdem wurde Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, bestimmte Spiele in der Avicii-Arena zu besuchen.

Am Freitag habe ich mich mit Andreas am Stadion getroffen, das für die Olympischen Spiele in Stockholm 1912 gebaut wurde. Er hat mir Informationen über die Verwendung und die technische Unterhaltung der Sportstätten gegeben. Wir haben eine Rundfahrt zu verschiedenen Sportplätzen gemacht und uns einige renovierte und einige ältere Plätze angeguckt. Bemerkenswert war, dass die Plätze grundsätzlich für das Publikum zum Trainieren geöffnet sind. Im Sommer werden sie für z. B. Fußball benutzt und im Winter wird eine Eisfläche erstellt und man kann Eishockey oder Bandy (Vorläufer von Eishockey ohne Schutz und mit anderen Regeln) spielen. Auch die beliebte Eisfläche auf dem Platz Kungsträdgården mitten in der Stadt wird von der Sportverwaltung betrieben. Die Offenheit der Schweden für neue Sportarten sieht man auch daran, dass gerade ein Parcours für Hobby Horsing gebaut wird, der für alle nutzbar sein wird.

2. Woche

Am Montag habe ich im Homeoffice gearbeitet, u. a. weil mein Laptop im Büro noch keinen Internetzugang hat. Das liegt aber nur daran, dass ich letzte Woche an sehr vielen Treffen außerhalb des Büros teilgenommen habe. Ich konnte so meinen Bericht der letzten Woche vervollständigen und neue Termine organisieren.

Am Dienstag war ich erneut einen Tag in der Straßenverkehrsbehörde (Trafikkonturet), die auch Aufgaben als Straßenbaulastträger (Straßen- und Grünflächenamt) wahrnimmt. Vormittags hatte ich ein Gespräch mit Felicia und Nick und wir haben uns über Wochenmärkte ausgetauscht. In Stockholm gibt es ca. 50 Wochenmärkte, die von Montag bis Sonntag jeweils ca. 7.30 Uhr bis 17/18 Uhr stattfinden. Dadurch gibt es in Stockholm ein Kontrollproblem und nicht alle Plätze sind mit Elektrik/Wasser ausgestattet, daran wird gearbeitet. Die Wochenmärkte bestehen teilweise aus nur wenigen Ständen, die Genehmigungen werden in der Regel jährlich erteilt. In diesem Bereich ist nicht die Polizei für die Erlaubniserteilung zuständig. Mittags (11 Uhr) trafen wir uns mit Kollegen im Speisesaal, in dem jeder seine mitgebrachte Lunchbox in der Mikrowelle warmmacht und man dann zusammen ist und sich austauscht.
Nachmittags durfte ich bei der Gruppenbesprechung des Bereiches Handel und Märkte (dazu zählen auch Weihnachtsmärkte) teilnehmen. Stina hat dankenswerterweise die Organisation des Termins mit mir übernommen. Es wurden einzelne Anträge besprochen, danach die jährliche Planung mit Änderungen bestimmter Bearbeitungsweisen für nächstes Jahr und Änderungen der Nebenbestimmungen für einzelne Nutzungsarten. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, was abgestimmt wurde, weil die Bearbeitung sehr ähnlich zu der in Berlin abläuft. Auch in Stockholm werden z. B. kurioserweise nur Plakate für Wahlwerbung und Zirkuswerbung erlaubt. Ich fand bemerkenswert, dass die Anträge am großen Bildschirm für alle, auch die im Homeoffice tätigen Kollegen, gezeigt und besprochen werden mit Hilfe von Google Street View. In diesem Bereich läuft die Bearbeitung analog zum Veranstaltungsbereich, die Polizei erteilt aber abschließend die Erlaubnis.

  • Trafikkonturet
  • Foto Wochenmärkte
  • Märkte Handel

Am Mittwoch habe ich erst im Büro mit Peter die Internetverbindung für meinen Laptop hergestellt, so dass ich jetzt auch von dort arbeiten kann. Danach habe ich mich informiert, welche Vorgänge zurzeit in Berlin aktuell sind und meinen Bericht weitergeschrieben. Nachmittags habe ich mit Anna und Jenny an einer Kick-off-Veranstaltung teilgenommen bezüglich des jährlich stattfinden “Laxsläppet”, das im Mai 2026 wieder stattfinden soll. 2023 wurde das 50. Jubiläum gefeiert und der König war anwesend, darauf wird auch nächstes Jahr gehofft, Einladung geht raus. Bei dieser Veranstaltung werden jährlich verschiedene gezüchtete Fische wie Lachs, Forellen und Heringe an verschiedenen Stellen in der Nähe von Stockholm eingesetzt, in der Innenstadt von Stockholm dann öffentlichkeits- und pressewirksam von einem LKW mit einem Schlauch direkt in den Strömmen, einer Bucht der Ostsee mitten in Stockholm.

Am Donnerstag habe ich im Büro gearbeitet und vormittags am Zoom-Meeting “Internationales Netzwerk” mit Akteuren von verschiedenen Stockholmer Verwaltungen teilgenommen. Das Treffen findet vierteljährlich statt, um sich über EU-Themen wie Finanzierungsmöglichkeiten oder Umsetzung von EU-Recht und über internationale Zusammenarbeit und Strategien auszutauschen. Nachmittags habe ich mit Peter die Woche und den Wochenplan der nächsten Woche besprochen. Danach habe ich mit ihm an einer digitalen Infoveranstaltung zum Stand des Projektes “Platssamverkan Rågsved” teilgenommen (Zusammenarbeit Rågsved – ein Stadtteil von Stockholm mit unterschiedlichen sozialen Problemen, der durch das Projekt gestärkt werden soll).

Am Freitag habe ich mich mit Anna auf dem Kungsträdgården getroffen. Auf dem Platz mitten in der Stadt befindet sich jeden Winter eine Eisbahn, die für alle zugänglich und sehr beliebt ist. Bis jetzt war es noch zu warm, aber die Kaltfront naht und die Eisbereitung hat begonnen. Auf dem Platz fand die Auftaktveranstaltung anlässlich der Eishockey NHL Global Fan Series in Stockholm vom 14. bis 16. November 2025 statt. Es werden am Wochenende zwei NHL-Spiele der Pittsburgh Penguins und der Nashville Predators in der Avicii-Arena gespielt. Aus dem Anlass finden viele familienfreundliche Aktivitäten und Veranstaltungen statt. Bei der Auftaktveranstaltung, zu der vormittags Schulklassen eingeladen waren, gab es viele Spielemöglichkeiten für Kinder und Informationen, u. a. über “Fler på is” (“Mehr auf dem Eis”). Das Projekt richtet sich vor allem an Kinder zwischen 7 und 13 Jahren, denen die Möglichkeit gegeben werden soll, Schlittschuhlaufen zu testen und den Sport Eishockey kennenzulernen. Ein Teil des Projektes ist auch “Easy Hockey”, eine einfachere Form des Eishockeys, zu der man zunächst keine Ausrüstung braucht. Sehr interessant fand ich ein Gespräch mit dem Vertreter der Fritisbanken. Das ist eine gemeinnützige Organisation, die an vielen Stellen in ganz Schweden das kostenfreie Ausleihen von Sport- und Outdoor-Ausrüstung für bis zu 14 Tage für alle ermöglicht, analog zum Ausleihen von Büchern in einer Bibliothek. Grundsätzlich werden alle Ausrüstungsgegenstände gespendet, was auch ein großartiger Beitrag zur Nachhaltigkeit ist. Da das Nachmittagstreffen bezüglich O-Ringen 2027 (weltgrößter Orientierungslauf) wegen Krankheit ausfiel, durfte ich am Nachmittag das wundervoll sonnige Wetter für einige touristische Unternehmungen nutzen, bei der ich mir auch einige “Utegym” (kostenlose Outdoor-Fitnessgeräte) angeschaut habe.

  • Fler pa is 1
  • Fler pa is 2

3. Woche

Am Montag habe ich im Homeoffice angefangen, meinen wöchentlichen Bericht fertig geschrieben und mir einen Überblick über den Posteingang in Berlin verschafft. Auf dem Weg ins Büro habe ich einige Kolleginnen getroffen, die auf ihrem Spaziergang im Rahmen des Gesundheitsmonats der Sportverwaltung waren. In dem Rahmen werden die Mitarbeiter aufgerufen, u. a. an Spaziergängen teilzunehmen, die Tageslicht, Bewegung und sozialen Zusammenhalt vereinen sollen. Im Büro angekommen, haben wir an einem Escape-Spiel (angelehnt an einen Escape-Room) teilgenommen. Damit wurde auf die Woche der Kinderrechte aufmerksam gemacht, in der auch das 10-jährige Bestehen der Ombudsperson für Kinder (“Barnombudsman” – Vermittler in Konflikten) gefeiert wird.

Nachmittags habe ich mit Anna und Jenny an einer Videokonferenz zum Thema Cheerleading in Schweden und speziell in Stockholm teilgenommen. Es war ein Kennlerntreffen, indem der Sport Cheerleading allgemein vorgestellt wurde und dann ein Austausch über die Möglichkeiten der Einbindung von Cheerleading in Veranstaltungen der Stadt stattfand. Interessant war, dass es den Sport für alle Altersgruppen gibt und dass er stark wachsend in Schweden ist.

Am Dienstag waren Anna und ich den ganzen Tag im Büro der SBR – Stockholm Business Region und hatten vier unterschiedliche Termine: Zuerst haben wir einen Vortrag von einer Firma, die Stockholms Standing im Vergleich zu anderen europäischen und internationalen Städten zu verschiedensten Themen, z. B. Tourismus, Wirtschaft, Attraktivität, untersucht hat. Danach hat ein Netzwerktreffen zum Thema Erlaubniserteilung für Veranstaltungen stattgefunden, bei dem ich berichtet habe, wie das Erlaubniserteilungsverfahren in Berlin abläuft. Vor der Mittagspause gab es noch eine Präsentation über die größte nordische Veranstaltung im Orientierungslauf “O-Ringen”, die 2027 in Stockholm stattfinden wird mit 18.000 Teilnehmern zwischen 2 und 100 Jahren und einem riesigen Campingplatz mit 10.000 Campern. Es ist ein 5-tägiger Wettbewerb und ein Familienfest zugleich. Nach der gemeinsam verbrachten Mittagspause gab es einen Informationsaustausch mit den Veranstaltern des Mitternachtslaufes (Midnattslöppet), der jährlich im August stattfindet. Es finden Kinderläufe, 5-km-, 10-km- und 21-km-Läufe in der Innenstadt von Stockholm statt, Start der Hauptläufe ist um 21.15 Uhr. Es ist ein Lauf und Fest zugleich mit Musik und Verkleidungen.

  • Tillstandsnätverket
  • O-Ringen

Am Mittwoch hat der “Tag der Veranstaltungen 2025” (Evenemangsdagen 2025) im Rathaus stattgefunden, organisiert von Patrik, der im Rathaus der Veranstaltungsstratege ist. Es waren viele Angehörige von Verwaltungen anwesend, die mit der Planung, Genehmigung und Durchführung von Veranstaltungen in Stockholm zu tun haben. Zuerst wurde über verschiedene Projekte berichtet, u. a. über die Eishockey-WM 2025, dann hat Patrik den Internetauftritt auf start.stockholm bezüglich Veranstaltungen kurz erklärt und auf die neue kostenlose Möglichkeit für alle Interessierten verwiesen, einen 2-stündigen Kurs über Veranstaltungssicherheit selbst online durchführen zu können. Die Teilnahmebescheinigung soll zukünftig den Anträgen auf Veranstaltungen seitens der Veranstalter verpflichtend beigefügt werden. Nach einem Bericht über die Durchführung barrierefreier Veranstaltungen gab es die Möglichkeit zum Informationsaustausch.

  • Stadshuset 1
  • Evanemangsdagen

Nachmittags habe ich mich mit Erik und Herman in der Sozialverwaltung getroffen und mich über die Genehmigungserteilung für den Verkauf und Ausschank von alkoholischen Getränken ausgetauscht. Die Sozialverwaltung liegt mitten in einem Einkaufscentrum. In Schweden ist der Verkauf von Alkohol allgemein staatlich geregelt, er darf nur in speziellen Geschäften, die “Systembolaget” heißen, verkauft werden an Personen über 20 Jahre. Für die vorübergehende Erlaubniserteilung für den Alkoholausschank (Gestattung) muss neben dem Alkohol (kein Schnaps!) immer ein zubereitetes warmes Essen angeboten werden. Der Verzehr darf nur vor Ort erfolgen. Daher gibt es z. B. auf dem Weihnachtsmarkt in der Altstadt nur alkoholfreien Glögg. Eine Gestattung kostet ca. 400-500 €, also ca. das Vierfache der Gebühren in Berlin. Es erfolgen täglich Kontrollen der erteilten Genehmigungen, die Ahndung übernimmt die Polizei, da es im Gegensatz zu Berlin keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat ist.

Der Donnerstag begann mit Büroarbeit und nachmittags bin ich zur Veranstaltung “10 Jahre Ombudsmann für Kinder” mitgegangen. Nach einer kurzen Rede gab es einen Erfahrungsaustausch unter den Anwesenden. Danach habe ich mit Peter den Plan für die nächste Woche besprochen.

Am Freitag durfte ich an der Veranstaltung “Sportinformationsaustausch 2025” (Idrottsmingel) in der 3Arena teilnehmen. Es war ein Treffen von Politikern, Vertretern der Verwaltung und Vertretern der Sportverbände, das nur unregelmäßig alle paar Jahre stattfindet. Es wurde nach einem kleinen Willkommensfrühstück zuerst auf dem Podium über ein bestimmtes Thema berichtet, gesprochen oder diskutiert, dann fand an verschiedenen Tischen in kleinen Diskussionsrunden ein Erfahrungsaustausch zu diesem Thema statt, bevor das nächste Thema behandelt wurde. Themen waren die Entwicklung der Sportstadt Stockholm bis 2035, der Umgang mit Spitzensport in Stockholm und Schweden und die Situation der Sportanlagen, die Planung und Zusammenarbeit. Beendet wurde die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Mittagessen. Ich empfand es als Privileg, dass ich dabei sein durfte.

4. Woche

Am Montag habe ich mit Büroarbeit begonnen und den Bericht der letzten Woche fertig gestellt. Zum Mittagessen habe ich mich mit Hans getroffen, der bei SBR – Stockholm Business Region für Veranstaltungen in Stockholm zuständig ist. SBR übernimmt u. a. die Koordination aller Stakeholder von großen Veranstaltungen in Stockholm und versucht, neue Veranstaltungen für die Stadt zu akquirieren. Wir haben uns über den Aufbau der Berliner und der Stockholmer Verwaltung ausgetauscht und über den Umgang mit vor allem großen Veranstaltungen in Berlin. Nachmittags hat das Arbeitsplatztreffen der Sportstrategischen Einheit in der Sportverwaltung stattgefunden, bei dem u. a. von Karin der Bericht zur Barrierefreiheit von Sporthallen für hör-, seh- und bewegungseingeschränkte Personen vorgestellt wurde. Dann wurden allgemeine Themen behandelt und Peter hat von Veranstaltungen berichtet, die zuletzt stattgefunden haben. Wie man sieht: ein sehr nettes Team!

Am Dienstag habe ich eine Schulung zum Thema “Veranstaltungssicherheit” gemacht. Diese ca. 2-stündige Schulung wird seit kurzem kostenfrei für Veranstalter und alle Akteure, die mit Veranstaltungen zu tun haben, von der Stadt Stockholm angeboten. Ich finde das eine sehr wichtige Initiative und Hilfestellung. In Berlin hat das Thema Sicherheit eine hohe Priorität bei der Veranstaltungsgenehmigung und es gibt zurzeit Unklarheiten über Zuständigkeiten.
Am späten Nachmittag durfte ich an der Sitzung des Sportausschusses des Parlamentes von Stockholm (Stockholms Stadsfullmäktige) teilnehmen. Der Sportausschuss ist die oberste politische Instanz für den Sport in der Stadt und hat die Aufgabe, die körperliche Aktivität der Stockholmer Bevölkerung zu fördern. Er tagt 9 x im Jahr und besteht aus 12 Mitgliedern und 12 Stellvertretern. Die Sportverwaltung setzt die Beschlüsse des Ausschusses um. Im Anschluss an die Beschlussfassung unterschiedlicher Anträge wurde von Kolleginnen der Sportverwaltung über die Bevölkerungsprognose Stockholms bezogen auf die steigende Anzahl von Senioren gesprochen und welche Herausforderungen daraus für zukünftige staatliche Aufgaben bestehen.

  • Schulung Veranstaltungssicherheit
  • Idrottsnaemnden

Am Mittwoch war ich mit Karin bis nachmittags beim Treffen des Rates für Menschen mit Funktionsbeeinträchtigungen (Funktionshinderrråt). Es wurde ein Bericht über den Parasport in Schweden gegeben, dann erfolgte eine Erläuterung, welche Beeinträchtigungen unterschieden werden bei intellektuell-, bewegungs- und sinnesbeeinträchtigten Personen. Es wurde über die Parasportverbände in Schweden berichtet, welche Zusammenarbeit es gibt und wie sich der Parasport seit 2012 in Stockholm entwickelt hat. Das Treffen fand in der Beckomberga Schwimm- und Sporthalle statt, die als das Vorzeigeobjekt für die Ausübung unterschiedlicher Sportarten durch funktionsbeeinträchtigte Menschen gilt und entsprechend ausgerüstet ist. Es erfolgte ein beeindruckender Rundgang durch die Anlage mit Schwimmhalle, Sporthallen und Kraftraum. Nachmittags habe ich an einem konspirativen Treffen zum Thema Jugend-EM im Basketball 2026 und Frauen-EM Basketball 2027 teilgenommen, bei dem Ideen ausgetauscht wurden, wie man die beiden Veranstaltungen durch kleinere Basketball-Veranstaltungen im Vorfeld öffentlich bewerben kann.

  • Funktionshinderrat
  • Barrierefreier Trainingsraum

Am Donnerstag bin ich ins Kulturhaus zur jährlichen Security-Konferenz (Trygghetskonferens) gegangen. Dort wurde von verschiedenen Verwaltungen über Maßnahmen zur Herstellung einer größeren Sicherheit in der Stadt durch Vertrauensschaffung zwischen Behörden und Bevölkerung gesprochen. Themen waren in dem Zusammenhang die persönliche Betreuung von Sozialdiensten vor Ort, das Problem der Desinformation und die Verbreitung durch soziale Netzwerke und die Gewaltprävention. Interessant war ein Bericht aus Järva (problematischer sozialer Stadtteil), der von der Einbindung der Nachbarschaft bei der Planung und Einrichtung eines Außenfitnessstudios (Utegym) handelte. Gemäß den ermittelten Bedürfnissen der Nachbarschaft wurde ein senioren- und behindertengerechtes Utegym in Järva gebaut.
Nachmittags habe ich im Büro gearbeitet und es wurde eine Kollegin der Sportverwaltung nach 49 Jahren in die Rente verabschiedet. Abends habe ich mit einigen Kollegen an einer Afterwork-Veranstaltung im benachbarten Hotel verbunden mit einem Krimi-Spiel teilgenommen, ein passender Abschluss!

Am Freitag musste ich mich aus Stockholm verabschieden nach sehr intensiven, interessanten und abwechslungsreichen 4 Wochen. Ich werde den herzlichen, informativen und interessanten Austausch mit den Kollegen nicht vergessen und möchte mich für die außergewöhnliche Betreuung vor allem bei Peter herzlich bedanken!

Fazit

Die Teilnahme am Projekt “LoGo! Europe” hat meine Erwartungen übertroffen. Es war für mich persönlich eine Herausforderung, in einer anderen europäischen Stadt und in einer anderen Sprache zu arbeiten. Meine schwedischen Sprachkenntnisse haben aber dazu geführt, dass ich den zahlreichen interessanten Treffen und Themen folgen und somit sehr viele neue Informationen und Erkenntnisse sammeln konnte. Sehr positiv fand ich auch, dass seitens der schwedischen Kollegen großes Interesse an der Arbeitsweise in Berlin bestand. Das Miteinander war sehr herzlich, offen und wertschätzend. Es war eine außergewöhnliche und bereichernde Erfahrung, so dass ich die Teilnahme an dem Projekt nur weiterempfehlen kann.

Da in Stockholm fast ausschließlich digital in Co-Working-Spaces gearbeitet wird, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es die alltägliche Arbeit sehr erleichtert und ich hoffe, dass das in Berlin auch möglichst schnell weiter vorangetrieben wird. Die Teilnahme an dem Projekt hat mir ermöglicht, konkrete Ideen für Verbesserungen meiner Tätigkeit in Berlin zu entwickeln. Wir arbeiten in Berlin aus meiner Sicht zu wenig in Netzwerken und tauschen uns zu wenig auch behördenübergreifend aus. Die bessere und effizientere Nutzung vorhandener technischer Einrichtungen könnte im Arbeitsalltag, z. B. bei Teambesprechungen, hilfreich sein.

Sehr interessant fand ich für mein Arbeitsgebiet, dass in Stockholm die Veranstaltung als das Werkzeug für soziale, wirtschaftliche, ökologische und demokratische Nachhaltigkeit betrachtet wird. Das Thema Nachhaltigkeit hat einen hohen Stellenwert in Stockholm, was ich auch auf jeden Fall als Denkanstoß mit nach Berlin nehme.

Beeindruckt hat mich die Einrichtung “Fritidsbanken”, die spendenbasiert der schwedischen Bevölkerung ermöglicht, im ganzen Land kostenfrei Sportgeräte und -ausrüstung auszuleihen, an einigen Stellen auch spezielle Geräte für funktionsbeeinträchtigte Personen.

Während meiner Tätigkeit habe ich mitbekommen, dass die Wertschätzung einen sehr hohen Stellenwert hat und bestimmte Skills zur Zufriedenheit beitragen (z. B. Kaffeeautomat und Obst). Die schwedische Art, “lunch” (Mittag) oder “fika” (Kaffeepause) zusammen mit Kollegen zu verbringen, habe ich persönlich und kollegial als sehr bereichernd empfunden.

Zum Schluss möchte ich anmerken, dass Stockholm touristisch auch im November sehr viel Abwechslung bietet: Natur, Kultur, Sport und Geschichte, die Lage am Wasser und kurze Wege, Sauberkeit und sehr freundliche Menschen.

Stockholm

Kontakt

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Europabeauftragter
Gunnar Betz