LoGo! Europe: Michaela Gleiniger berichtet aus Temeswar

Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ist Gärtnermeisterin Michaela Gleiniger für die Pflege von Grünanlagen zuständig, darunter das Gartendenkmal Volkspark Jungfernheide. Im Oktober 2025 hospitiert sie für drei Wochen bei den Kolleginnen und Kollegen im rumänischen Temeswar. Hier ihr Bericht:

Blumenschale

1. Woche

Nach einer anstrengenden Autofahrt bin ich in Temesvár/Timișoara/Temeswar (oder auch Temeschburg) – der Name der Stadt wird in drei Sprachen angegeben, da hier Ungarn, Rumänen und Deutsche leben – gut angekommen. Mit meiner schönen Blumenschale als Gastgeschenk, angefertigt von unserer Bezirksgärtnerei, habe ich mich im Rathaus, welches fußläufig erreichbar und sehr schön in der Altstadt gelegen ist, vorgestellt.

Die persönliche Mitarbeiterin des Bürgermeisters der fünftgrößten Stadt Rumäniens mit 250.849 Einwohnern, Frau Monika Groß, hieß mich herzlich willkommen. Zunächst erhielt ich eine Arbeitsschutzbelehrung, welche obligatorisch ist für alle Mitarbeiter/Praktikanten/Studenten. Dann wurde ich dem “Grünflächenamt” der Stadtverwaltung vorgestellt. Der Leiter hier, Herr Raul, machte mich mit seinen Mitarbeitern, einer Gartenarchitektin und vier weiteren Technikern/Meistern, bekannt, die die Pflege und Neugestaltung der Grünanlagen der Stadt organisieren, koordinieren, verwalten, abrechnen.

Banner

Der 1. Tag war ein “Kennenlerntag”. Eine Mitarbeiterin zeigte mir einige sehr schön mit Sommerblumen bepflanzte Stadtplätze im Stadtzentrum. An den nächsten Tagen wurde der botanische Garten von Temeswar mit neuen Gehölzen bepflanzt. Hier schaute ich mir die Gehölzarten genauer an. Vieles ist ähnlich wie in Deutschland.

Aus EU-Mitteln wird vieles mitfinanziert. Das wird an großen Bannern aufgezeigt.

Bei der Neubepflanzung habe ich beim Ausstellen der Gehölze, die aus der eigenen Baumschule kamen, mitgeholfen. Angenehm ist, dass es eine Trinkwasserstelle für die Parkbesucher gibt. Das könnte in den Berliner Parkanlagen noch ausgebaut werden.

  • Neubepflanzung 1
  • Neubepflanzung 2
  • Neubepflanzung 3

In den nächsten drei Tagen wurden entsiegelte Seitenstreifen an zwei Hauptstraßen mit neuen Gehölzen bepflanzt. Auch hier war die Ähnlichkeit der Vorgehensweise wie bei uns bemerkenswert.

Beim Ausstellen habe ich wieder mitangepackt. Gepflanzt wurde unter der Anleitung des Vorarbeiters, der noch sehr jungen Gartenarchitektin, die mich immer wieder um praktische Hinweise bat, und einer Technikerin.

  • Seitenstreifen 1
  • Seitenstreifen 2

Ich bin mit zum Pflanzenlagerplatz gefahren und habe mir die Gehölzarten genauer angeschaut.

Die Gehölze hier werden aus Ungarn und Italien bezogen. Das könnte für uns wegen der Preise interessant sein. Sicher spielen auch die Transportkosten eine nicht unwesentliche Rolle.

2. Woche

Um ein besseres Gesamtbild haben zu können, möchte ich etwas auf die Geschichte Rumäniens eingehen.

Im 18. Jahrhundert lag Temeswar mitten im Habsburger Kaiserreich. Hier bestieg 1740 Maria Theresia den Thron und wurde bereits mit 23 Jahren Kaiserin. Mit dem Frieden von Aachen erlangt die 16-fache Mutter Stabilität in ihrer Regentschaft. Sie ist Herrscherin im Hause Habsburg über Österreich-Ungarn und regiert über 40 Jahre das Habsburger Reich, bestehend aus Österreich-Ungarn und Gebieten in Nord-Ost-Serbien (= “Transsilvanien”), in Kroatien und im nord-westlichen Rumänien, nämlich dem “Banat”, wo auch Temeschburg (heute Timișoara) liegt. Amtssprache ist Deutsch.

Temeschburg wird Regierungssitz für das Banat. Hier ist die Entstehungsgeschichte für die überaus große Pracht der Bürgerhäuser, Palais, Villen, Banken, Regierungssitze früherer Generäle, Regierungsbeamter des Banat, vieler Gärten und Parks zu suchen. Nicht zuletzt deshalb wird Temeschburg bis heute als “Klein-Wien” bezeichnet.

Nach dem 1. Weltkrieg wird das Kaiserreich zerschlagen. Das Banat wird vom rumänischen König übernommen und gehört fortan zum rumänischen Königreich. Dieses existierte bis zum 2. Weltkrieg. Danach muss der König das Land verlassen. Es entsteht ein sozialistischer Staat auf dem von der Sowjetunion eroberten Gebiet.

Die frühere Pracht der Gebäude aus der österreichisch-ungarischen Kaiserzeit ist zu großen Teilen wieder hergestellt. Ebenso werden die 26 (!) Parks der Stadt mit viel Liebe gepflegt.

Der Rosengarten der Stadt wurde von einem Österreicher vor über 150 Jahren angelegt, später von seinem Sohn weitergeführt. Temeswar wird auch als “Stadt der Rosen” bezeichnet. Immer wieder begegnen dem Besucher Beete und Grünanlagen, in die schöne Rosenbeete hineinkomponiert wurden.

  • Rathaus von Temeswar

    Rathaus von Temeswar

  • Platz der Freiheit

    Platz der Freiheit

  • Platz der Freiheit

    Platz der Freiheit

  • Platz des Sieges

    Platz des Sieges

  • Platz des Sieges

    Platz des Sieges

  • Platz der Einheit

    Platz der Einheit

  • Platz der Einheit

    Platz der Einheit

3. Woche

Nachdem ich mich nun zwei Wochen mit vielem bekannt gemacht habe, wurde mir in der 3. Woche durch Alina, eine der Planerinnen, noch die Gärtnerei gezeigt. Alina war zwei Jahre für die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter des Gartenbauamtes zuständig. Auch diese Funktion des Sicherheitsbeauftragten gibt es wie bei uns.

In der Gärtnerei werden jährlich 60.000 Stiefmütterchen herangezogen, die schon für das nächste Frühjahr bereitstehen. Auch werden am gleichen Standort aus Italien und Ungarn gekaufte Gehölze/Bäume zwischengelagert.

  • Gärtnerei 2
  • Gärtnerei 3
  • Gärtnerei 4
  • Gärtnerei 5
  • Gärtnerei 6
  • Gärtnerei 7
  • Gärtnerei 8
  • Gärtnerei 9

Der Fuhrpark ist ähnlich wie bei uns.

  • Fuhrpark 1
  • Fuhrpark 2

Platz des Sieges

Da ich sehr viele Parks und Plätz gesehen hatte, konnte ich mich jetzt einigen Besonderheiten widmen.

Auf dem Platz des Sieges (Piata Viktoreii) wurde ein Denkmal für die in der Revolution 1989 getöteten Bewohner Temeswars errichtet. Auch der Großvater von Elena, der Technikerin, die sich die ganze Zeit rührend um mich gekümmert hatte, ist hierbei erschossen worden. Es sind alle Namen aufgezeichnet.

Der Platz ist umgeben von Buchsbaumhecken und Rosen. Leider ist auch hier der Buchsbaumzünsler unersättlich. Es gibt Überlegungen, den Buchsbaum durch Ilex crenata zu ersetzen.

Eine der Architektinnen berichtete, dass in der vormals riesigen Industriestadt Reșița sehr schöne Grünanlagen entstehen würden. Die Stadt liegt 100 km entfernt.

Die Gleisbetten der Straßenbahnen sind mit schwach wachsendem Rasen versehen. Das ist ein spezieller Rasensamen, hierfür bestens geeignet. Auch war ich von der bienenfreundlichen Gestaltung des Stadtgrüns mit bestäuberfreundlichen Stauden beeindruckt. Es sieht nicht so wild aus, alles wurde genau geplant.

  • Resitza 2
  • Resitza 3
  • Resitza 4
  • Resitza 5
  • Resitza 6
  • Resitza 8

Weiterhin kann ich berichten, dass auch hier im Sommer mit der Trockenheit zu kämpfen war – von ca. 500 neu gepflanzten Bäumen in diesem Jahr sind mindestens 20 % vertrocknet, trotz Bewässerung. Die Baumbindungen sind etwas anders, oft nur ein Zweierbaumbock. Auch werden recht junge Bäume mit geringerem Durchmesser (U = 15 cm) gepflanzt. Dies kann die Anwachsquote erhöhen.

Die Baumschulware aus Rumänien entspricht meistens nicht den internationalen Standards, so dass in Ungarn und Italien eingekauft wird. Leider habe ich auch keine Gießringe aus PVC gesehen.

Es gibt Versuche mit einer unterirdisch eingebauten Wurzelbefeuchtung an neu gepflanzten Straßenbäumen, was bei der großen Hitze (40 Grad Celsius im August dieses Jahres) erfolgreich war.

  • Abschlussbericht

    DOCX-Dokument (8.2 MB)
    Dokument: Michaela Gleiniger

Kontakt

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Europabeauftragter
Gunnar Betz