LoGo! Europe: Jochen Flenker berichtet aus Wien

Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf leitet Jochen Flenker den Fachbereich Grünflächen. Im April 2025 hospitierte er für drei Wochen bei den Kolleginnen und Kollegen der Wiener Stadtgärten (Magistratsabteilung 42), um mehr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Arbeitsweisen in Berlin und Wien zu erfahren. Hier sein Bericht:

1. Woche

Mit dem ICE ging es in rund acht Stunden direkt von Berlin nach Wien. Wien kenne ich bereits von meinem Studium, aber die Stadt hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Klimaanpassungsmaßnahmen werden überall im öffentlichen Raum umgesetzt. Das Ziel ist, die Lebensumstände der BewohnerInnen zu verbessern. Ich wohne die nächsten drei Wochen in Meidling im 10. Bezirk. Ein sehr zentraler Bezirk mit einer sehr internationalen Bevölkerungsstruktur. Vergleichbar mit dem Wedding.

Am Montag geht es los mit einem Auftakttreffen aller LoGo!-Europe-Teilnehmenden aus Deutschland. Neben mir ist auch eine Dame aus Düsseldorf dabei, welche im Jugendamt hospitieren wird. Insgesamt absolvieren rund 150 Menschen jährlich aus der Verwaltung in Deutschland ein Praktikum in Wien.

Gleich im Anschluss fahre ich zu meiner Dienststelle, der Magistratsabteilung 42/Wiener Stadtgärten (kurz die MA 42). Der Leiter der Gartenregion 1 Clemens Weiss begrüßt mich herzlich und stellt mir sogleich sein Team vor. Als Erstes fällt auf, dass sich wirklich alle duzen, was sehr sympathisch rüberkommt. Insgesamt ist Wien in vier Gartenregionen eingeteilt. Die Gartenregion 1 ist für die Bezirke 1-9 und den 20. Bezirk zuständig. Auf dem Flur des mehrstöckigen Bürogebäudes sitzen insgesamt 20 KollegInnen. Die Struktur und Aufgabenverteilung ist ähnlich meinem Fachbereich. Ich gehe darauf später nochmal näher ein. Es fällt auf, dass in den Büros kaum Akten existieren. Der Grund ist die nahezu komplett digitale Verwaltung der MA 42. Clemens erklärt mir die Strukturen, Aufgaben, die Herausforderungen und die aktuellen Projekte der MA 42.

Die offenen Türen auf dem Flur erleichtern es mir, auf die neuen KollegInnen direkt zuzugehen und mich ungezwungen mit ihnen zu unterhalten. Mir werden sehr geduldig und ausführlich die aktuellen Aufgaben und Projekte erklärt. Mein Kalender für die ersten Tage ist bereits vor der Mittagspause fast voll. Ich kann bei zahlreichen Außenterminen mit verschiedenen KollegInnen dabei sein und die für mich passendsten Themen heraussuchen. Es fällt auf, dass sehr viele Termine per Rad oder den Öffis angefahren werden. Das liegt sowohl an der sehr guten Infrastruktur als auch an der schwierigen Parkplatzsituation in den Innenstadtbezirken.

In Wien legen die Bezirke ihre Schwerpunkte in der Grünflächenentwicklung selber fest. Die MA 42 ist daher eine Art Dienstleister für die Bezirke, berät aber diese. Aktuell kalkulieren die KollegInnen die Budgets fürs kommende Jahr mit den Bezirken. Eine sehr zeitaufwendige Aufgabe, dennoch erklären sie mir ausführlich die Hintergründe und die Prozesse. Ich fühle mich thematisch sehr gut abgeholt und schätze die offene Art der KollegInnen. Zu den Budgetverhandlungen kann ich allerdings nicht mitkommen, da diese mit den politischen VertreterInnen der Bezirke stattfinden und es teilweise sehr kontrovers zugeht. Auf die Entscheidungen hat die MA 42 am Ende keinen Einfluss. Allerdings wird sehr oft den Empfehlungen der MA 42 gefolgt.

Anders als im Straßen- und Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf werden Bürgeranfragen direkt an die zuständigen KollegInnen zur Beantwortung geleitet. Dadurch entsteht jeden Tag eine große Flut an Mails. Mit der App “Sags Wien” ist das Beschwerdeaufkommen in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Skurrile Beschwerden, wie etwa die falsche Blütenfarbe bei den gepflanzten Tulpen bis hin zu einer leeren Bierdose auf einer Wiese, zeugen von der Vielfalt der Anfragen.

Veranstaltungen in Parks sind wie bei uns ein sehr großes Thema in Wien. Es gibt zahlreiche Anfragen, Feste, Partys oder Märkte in Grünflächen zu veranstalten. Die MA 42 handhabt die Zustimmung allerdings sehr restriktiv und versagt nahezu alle Anfragen. Ich komme schnell mit den KollegInnen ins Gespräch, wie es in Berlin gehandhabt wird. Die KollegInnen sind sehr interessiert daran, wie unsere Strategie diesbezüglich ist (sehr ähnlich). Politische Feste und Veranstaltungen werden hingegen zugelassen. Der Unmut über diese ungleiche Behandlung ist spürbar und nachvollziehbar, da sie auch bei den BürgerInnen zu vielen Nachfragen führt. Ein sehr bekanntes Fest ist das “Volksstimmenfest” im Prater. Die Schäden durch die Menschenmassen sind enorm und belasten das Budget der MA 42 stark.

Generell sind der Nutzungsdruck auf Grünflächen und seine negativen Begleiterscheinungen auch in Wien ein wichtiges Thema. In den letzten Jahren wurden auf Wunsch der ParknutzerInnen Ökotoiletten errichtet. Innerhalb einer Woche brannten 11 Stück davon durch Brandstiftung ab. Auch ist die Vermüllung ein großes Problem. Anders als in Berlin reinigt aber die MA 48 (Straßenreinigung) alle Parks in der Stadt. An Hotspots mit viel Müll sogar mehrmals am Tag, auch am Wochenende. Ein Zustand, den man den Parks auch ansieht. Auch gehen die NutzerInnen deutlich sensibler und wertschätzender mit den Grünflächen um.

Die eingangs erwähnten Klimaanpassungsmaßnahmen im Straßenraum führten zu zahlreichen neuen Grünflächen, teils sehr kleinteilig, im Fachvermögen der MA 42. Die Unterhaltungsbudgets wurden allerdings kaum angepasst. Die Pflege stellt die KollegInnen daher vor große Herausforderungen. Auch wenn die Personalzahl und das Budget erheblich größer sind als in Berlin, so ist die Unzufriedenheit über diese Entwicklung spürbar. Ich merke aber auch eine sehr große Ruhe und Gelassenheit in der täglichen Arbeit, was mir sehr gut gefällt und auch Berlin gut tun würde. Die Klimaanpassungen werden seit Jahren von der Stadt gefördert. Dadurch ist es für die Bezirke sehr attraktiv, diese Maßnahmen, welche bei der Bevölkerung oft sehr positiv wahrgenommen werden, umzusetzen. Die Förderquote beträgt 60-80 % und fließt im nächsten Jahr wieder den Bezirken zu. Erfahrungen mit Haushaltssperren oder gekürzten Budgets kennt man bei der MA 42 nicht.

Die Verkehrswende und Grünraumoffensive wird politisch bewusst gefördert. Über alle Parteigrenzen hinweg. Neue Fahrradwege, Stellplätze für Leihräder oder breite Fußwege finden sich überall in der Stadt. Dadurch macht es mir richtig Spaß, viele Wege, anders als in Berlin, auch mal spontan zu Fuß oder mit dem Leihrad zurückzulegen. Überall und ständig trifft man auf Straßenbegleitgrün, üppig bepflanzte Baumscheiben oder begrünte Bushäuschen.

Die Bewässerung erfolgt zu meiner Überraschung zu 100 % mit Trinkwasser. Das ist dem Umstand geschuldet, dass Wien aus den umliegenden Bergen ausreichend mit Schmelzwasser und Grundwasser versorgt wird. Interessiert hören sich die KollegInnen meine Erfahrungen mit dem verringerten Regenwasser und den daraus folgenden Problemen aus Berlin an. Überhaupt merkt man eine unglaubliche Fachexpertise bei jedem Kollegen der MA 42. Auch ein breites Wissen über andere Fachbereiche wie Tiefbau oder Stadtplanung ist jedem anzumerken. Ich fühle mich bereits nach wenigen Tagen sehr wohl in der MA 42.

Mit dem Umweltmagistrat (MA 22) pflegt die MA 42 einen sehr engen Austausch. Ähnlich wie bei uns. So wird versucht, ein auf Biodiversität angepasstes Mahdmanagement einzuführen und zu etablieren. Die Suche nach geeigneten Flächen ist jedoch auch hier eine große Herausforderung.

Die Mittagspausen werden in aller Regel gemeinsam verbracht, was den Teamgedanken sehr fördert. Ich werde immer wieder mitgenommen und so entsteht bereits nach der ersten Woche ein sehr guter Austausch.

Nach einer aufregenden und thematisch sehr abwechslungsreichen Woche, teils mit Workshops und Vorträgen in anderen Direktionen, erkunde ich am Wochenende einige Stadtteile zu Fuß und Rad. Die KollegInnen sind auch hierbei mit Tipps und Tricks eine gute Hilfe. Meidling hat viele interessante Ecken. Tolle Beisl und Restaurants gibt’s über die ganze Stadt verteilt.

  • Begrünte Sitzelemente

    Begrünte Sitzelemente

  • Begrünte Wartehäuschen

    Begrünte Wartehäuschen

  • Wartehäuschen mit Dachbegrünung

    Wartehäuschen mit Dachbegrünung

  • Bepflanzte Baumscheibe

    Bepflanzte Baumscheibe

  • Baumpflanzungen

    Baumpflanzungen

  • Parkanlage Nordbahnhof – Freie Mitte

    Parkanlage Nordbahnhof – Freie Mitte

  • Einladung

    Einladung

  • Naturnaher Spielplatz in Wien

    Naturnaher Spielplatz in Wien

  • Überdachter Spielplatzbereich

    Überdachter Spielplatzbereich

  • Johann-Strauß-Denkmal

    Johann-Strauß-Denkmal

  • Werbung der Stadtgärten beim Stadtparkfest

    Werbung der Stadtgärten beim Stadtparkfest

2. Woche

Die neue Woche startete mit einem Workshop bei der MA 22 zum Thema Biodiversitätsförderung. Es wurden die Ergebnisse der Biotypenkartierung der Wiener Wiesen vorgestellt und die Daten mit der MA 42 diskutiert. In den letzten Jahren fand eine starke Veränderung der Flächentypen statt. Ähnlich wie in Berlin ruhen die Hoffnung auf der Aufwertung von Grünflächen hin zu mehr Biodiversität. Dazu soll vermehrt regionales Saatgut ausgebracht werden und angepasste Mahdrhythmen stattfinden.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass in Wien dieselben Probleme auf Grünflächen bestehen wie in Berlin. Hoher Nutzungsdruck und zu wenige Schutzflächen. Auch ist das Thema sehr komplex, um kurzfristig die MitarbeiterInnen darin zu schulen. Ungeklärt auch, woher das notwendige Budget und der Personalzuwachs kommen. Ich habe von unserer Biodiversitätsstrategie berichtet und Umsetzungsmöglichkeiten erläutert.

Die Wiener Verwaltungseinheiten sind über die ganze Stadt verteilt. Daher finden Abstimmungsrunden sehr häufig als Videokonferenzen statt. Über die notwendige Technik verfügt jeder Mitarbeiter. Auch die notwendigen Unterlagen sind in der digitalen Verwaltung Wiens hinterlegt. Am Nachmittag fand die Abstimmung zu einem neuen großen Wohnprojekt daher als Onlinemeeting statt.

Beim Projekt Sophienspital wird ein ehemaliges Krankenhaus zu einem Wohngebäude und anderen Nutzungseinheiten umgebaut. Die Grünflächen innerhalb des Areals werden durch die MA 42 zu öffentlichen Parkflächen entwickelt. Wie bei Bauprojekten der Stadt Wien üblich, sitzen von Anfang alle Verantwortlichen am Tisch zusammen und nehmen so Einfluss auf die Gestaltung.
Eine belebte Erdgeschosszone gehört genauso dazu wie eine Kita. Die Nutzung der Grünflächen orientiert sich daher auch an den Bedürfnissen dieser Gruppen. Die Wiener Bauordnung regelt diese soziale Mischung. Überhaupt fallen die zahlreichen Bauprojekte in der Stadt auf. Vorwiegend von der Stadt werden jährlich mehrere tausende Wohnungen neu gebaut.

Die einvernehmliche Zusammenarbeit verschiedener Verwaltungen der Stadt Wien wurde auch bei einem weiteren Projekt im Klieberpark deutlich. Dort soll auf Wunsch des Bezirkes eine Ökotoilette installiert werden. Die Bezirke sind die Auftraggeber für grüne Infrastrukturmaßnahmen. Die MA 42 führt diese aus und berät die Bezirke. Innerhalb von 30 Minuten wurden gemeinsam mit den Wiener Wasserwerken, dem Tiefbauamt und der MA 42 Standortalternativen diskutiert. Am gewählten Standort wurden vor drei Jahren Jungbäume gepflanzt, welche aber im Zuge der Baumaßnahme umgepflanzt werden sollen.

Das Stadtbaummanagement der Stadt Wien ist europaweit für seine innovativen Ansätze bekannt. Ich habe in den ersten Tagen bereits umfassende Einblicke zu diesem Thema erhalten. Auch sieht man im Stadtbild zahlreiche neue Baumscheiben. Sehr auffällig sind die sehr großen Abmessungen dieser Baumgruben. Unter 9 m² wird kein neuer Baum gepflanzt. Überdies gehört eine Einfriedung mit einem Metallzaun und eine dichte Staudenbepflanzung zu jeder Baumscheibe dazu. Anders als in Berlin bereitet das Tiefbauamt die Baumstandorte nach festen Vorgaben vor, welche in einer Verwaltungsvereinbarung festgeschrieben sind.
Die MA 42 übernimmt anschließend die Pflanzung. Die Bäume werden in ein eigens angemischtes Baumsubstrat gepflanzt. Jeder Standort wird überdies mit einer automatischen Bewässerung versehen. Für die Bewässerung wird fast immer Trinkwasser verwendet.
Die Staudenbepflanzung erfolgt mit festgelegten Pflanzmischungen der MA 42. Dabei geht es je nach Standort vor allem um die optische Wahrnehmung der Baumscheiben. Im gesamten Stadtgebiet finden sich viele unterschiedliche Baumscheibentypen. Es gibt aber auch Nachteile. Die Staudenpflege ist sehr personal- und zeitintensiv. Die MA 42 plant daher vermehrt auf Kleingehölze umzusteigen, um den Pflegeaufwand zu reduzieren.

Mitte der Woche durfte ich an einer Begehung von Spielplätzen teilnehmen. Ähnlich wie in Berlin gibt es in Wien Kinder- und Jugendparlamente. Diese schreiben einmal im Jahr ihre Wünsche und Vorschläge für genaue Spielplätze auf. Diese Bedarfsliste wurde gemeinsam mit einer Kollegin der Bau- und Planungsabteilung an den Standorten diskutiert. An jedem Standort wurden die Wünsche besprochen und diskutiert. Viele Wünsche sind aus technischen oder pflegerischen Gründen nicht möglich. Stattdessen werden Alternativen vorgeschlagen. Interessant war die Vielfalt der Spielplätze.
Oft geht es um zusätzliche Schattenplätze. Statt Sonnensegel werden vermehrt Pergolen gebaut. Ein System, was in Berlin vielleicht auch funktionieren könnte. Die Maßnahmen auf den Spielplätzen werden zu großen Teilen von der Stadt Wien finanziert. Die Förderungen haben sich in den letzten Jahren erhöht, so dass die Ausstattung der Spielplätze sehr hochwertig ist. Die zahlreichen Bolzplätze fallen auf. Bei Sanierungen werden neue Zaunsysteme aus dem Lawinenschutz verbaut. Diese sind wesentlich geräuschärmer als die bekannten Doppelstabmatten.
Nebelduschen, Trinkbrunnen und weitere Sitzmöglichkeiten wurden ebenfalls gewünscht. Interessant die zahlreichen Sitzkombinationen der Stadt Wien. Es gibt auch hier feste Vereinbarungen, wie das Sitzen im öffentlichen Raum in Wien stattfinden und ermöglicht werden soll. Es gibt dazu sogar eine eigene Publikation, die “Wiener Sitzfibel”. Auch hier zeigt sich, dass klare und eindeutige Vereinbarungen die Gestaltung und Entwicklung des öffentlichen Raumes verbessern. Ein System, das im Straßen- und Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf auch eingeführt werden sollte.
Wasserspielplätze finden sich über die ganze Stadt verteilt. Aufgrund der problemlosen Trinkwassernutzung und dem großen Wunsch der Bevölkerung werden diese Spielangebote ausgebaut.
Fast jeder Spielplatz verfügt über eine Toilette. Oftmals sind es Ökotoiletten, manchmal Dixi-Toiletten. Die Unterhaltung dieser Einrichtungen wird sehr kontrovers diskutiert, da auch hier der Vandalismus und die Wartung sehr kostenintensiv sind.

Nach einer interessanten Woche habe ich verschiedene Sportplätze am Wochenende besucht. Die ältesten Fußballclubs Österreichs spielen in Wien. Die First Vienna spielt in Döbling in einem Naturstadion mit begrünten Tribünen, ähnlich dem Wilmersdorfer Stadion. Auch das Stadion des Wiener SC mit seiner legendären Friedhofstribüne in Ottakring ist einen Besuch wert. Auch die Außenbezirke sind mit dem Fahrrad sehr gut erreichbar.

  • Begrünte überdachte Sitzmöglichkeit

    Begrünte überdachte Sitzmöglichkeit

  • Sitzmöglichkeiten unter einer Pergola

    Sitzmöglichkeiten unter einer Pergola

  • Spielplatz mit Klettermöglichkeiten

    Spielplatz mit Klettermöglichkeiten

  • Spielplatz mit altem Baumbestand

    Spielplatz mit altem Baumbestand

  • Standortbegehung für eine Ökotoilette

    Standortbegehung für eine Ökotoilette

  • Stadion des Wiener SC

    Stadion des Wiener SC

3. Woche

Die letzte Austauschwoche startete mit einer internen Fachbereichsrunde der Gartenregionsleitung Mitte. Regelmäßig kommen alle personalverantwortlichen MitarbeiterInnen zusammen und tauschen sich über aktuelle Themen aus. Bei uns vergleichbar mit der Grün-Runde im Fachbereich. Die Themen waren sehr vielfältig. Es ging um Personalführung, aktuelle Entwicklungen beim Jobticket, anstehende Prüfungen des Rechnungshofes und Probleme in den Revieren.
Eine Besonderheit der MA 42 sind die zahlreichen Saisonarbeitskräfte, die von März bis Oktober angestellt werden. Die Personalmaßnahme geht auf die Wiener Internationalen Gartenschauen 1964 und 1974 zurück. Bis heute hält die Stadt daran fest, da man die saisonalen Arbeitsspitzen damit erfolgreich abfängt. Die Gartenregion hat regulär 250 MitarbeiterInnen. In der Gartensaison ergänzen rund 100 bis 150 MitarbeiterInnen den Fachbereich. In der MA 42 arbeiten insgesamt 900 MitarbeiterInnen. Während der Saison rund 1.500.
Aufgrund der Kurzfristigkeit entstehen aber auch immer wieder Probleme im Personalmanagement. Mit Beginn der Gartensaison wurden zahlreiche Fragen dazu diskutiert. Anschließend berichten die Revierleiter aktuelle Entwicklungen.
Ein bekanntes Problem ist das Abstellen von Fahrrädern in Baumscheiben. Die MA 42 will mit Schildern künftig für mehr Sensibilität werben. Das Sitzungsprotokoll wurde vom Geschäftszimmer erstellt und im Anschluss an alle TeilnehmerInnen versendet.

Auf Einladung des Revierleiters besuchte ich den Stadtpark, einen der bekanntesten Parks in Wien mitten im 1. Bezirk. Der Fluss Wien teilt den rund 1 ha großen Park in zwei Bereiche. Der Stadtpark ist Wiens erste öffentliche Parkanlage und wurde 1862 eröffnet. Im Stadtpark treffen malerische Wiesen, ausgedehnte Wasserflächen und kunstvoll angelegte Beete aufeinander. Hohe Alleebäume dienen als natürliche Barriere zur Ringstraße. Es gibt besondere Baumarten, wie Ginkgo, Christusdorn, Pyramidenpappel und Kaukasische Flügelnuss, die unter Naturschutz stehen.
Den hohen Pflegeaufwand stemmen insgesamt 20 GärtnerInnen. Aufgrund von Personaleinsparungen (früher waren hier 50 MA tätig) müssen die MitarbeiterInnen viele Aufgaben übernehmen, die über das klassische Gärtnerhandwerk hinausgehen. Holzverarbeitung, Malern, Maurerhandwerk und Wassertechnik gehören zu den Kenntnissen der ReviermitarbeiterInnen. Das Team ist sehr motiviert und sehr eingespielt. Die Ausbildung ist mit fünf GärtnerInnen integriert.
Der Stadtpark hat von allen Wiener Parks die meisten Denkmäler und Skulpturen. Das bekannteste ist das Strauss-Denkmal. Daneben gibt es im Stadtpark Denkmäler und Skulpturen viele anderer Persönlichkeiten, u. a. des Komponisten Franz Schubert. Die Denkmäler werden von der Denkmalbehörde unterhalten. Die gärtnerische Pflege und Bepflanzung orientiert sich an historischen Vorbildern, wird aber an aktuelle Entwicklungen angepasst.
Auffällig war die weitläufige Bewässerung (150.000 m³ jährlich). Das Revier Stadtpark betreut darüber hinaus 14 ha weitere Flächen im Umkreis. 2.600 Bäume gehören ebenfalls zum Revier (davon 1.062 im Stadtpark). Interessant ist die Entwicklung des Parks bis heute in die Neuzeit. Erst seit 2007 dürfen die Rasen- und Wiesenflächen betreten werden.
Die Wege werden auch im Winter regelmäßig geräumt. Die Müllbeseitigung erfolgt auch am Wochenende in mehreren Zeitfenstern, wodurch der Park sehr sauber wirkt. Der zentrale Teich wird aus Trinkwasser und Grundwasser gespeist. Die Reinigung erfolgt alle zwei Jahre durch das Revier. Der Fischbesatz wird besonders behandelt. Auch ein kapitaler Wels gehört zum Inventar.
Auf der anderen Parkseite befinden sich zahlreiche Spiel- und Sportangebote, welche für unterschiedliche Aktivitäten und Altersgruppen geeignet sind. Sportbegeisterte können auf den beiden Ballspielplätzen Fußball und Basketball spielen. Für die jüngsten BesucherInnen gibt es zwei vielseitige Kleinkinderspielplätze, auf dem die Kinder klettern, rutschen, schaukeln, im Sand spielen und wippen können. Auch Skaten ist auf einer eigenen Fläche möglich. Der Stadtpark zeigt, dass klassische Stadtparks auch modern genutzt werden können. Allerdings sind die Einschränkungen durch die Denkmalpflege wesentlich geringer als in Berlin und beschränken sich lediglich auf die Gebäude wie den Kursalon oder den Uhrenturm.

Ganz andere Eindrücke ergaben sich bei der Befahrung mit dem zuständigen Revier im 23. Bezirk. Am Stadtrand dominieren Grünflächen. Die Befahrung erfolgt regelmäßig mit dem Gartenregionsleiter. Ziel der gemeinsamen Begehung ist es, die Pflegeaufträge an das Revier zu definieren. Hierfür wird ein Bewertungsbogen von den Teilnehmern ausgefüllt. Einmal pro Quartal werden solche Befahrungen durchgeführt. Auch im 23. Bezirk fanden sich die bekannten Entwicklungen auf den Spielplätzen (Pergola, Wasserspiele und Ökoklos) wieder.

Auch in Wien ist das Grillen auf öffentlichen Plätzen ein kontroverses Thema. Es existieren in einigen Bezirken Grillplätze, welche von so genannten “Grillplatzmeistern” betreut werden. Das sind Personen, welche die kulturellen Hintergründe der jeweiligen Gruppen kennen und meist aus deren Community stammen.
Insbesondere arabische und philippinische Menschen treffen sich auf dem größten Grillplatz Wiens, dem Grillplatz Draschepark. Bis zu 5.000 Menschen kommen in Spitzenzeiten zusammen. Das Mobiliar hat einen hohen Verschleiß. Brandlöcher auf Bänken und Tischen waren deutlich erkennbar. Insbesondere das rituelle Schlachten war lange Zeit ein großes Problem.
Die Grillplatzmeister haben zur Entspannung der Situation beigetragen. Der finanzielle und personelle Aufwand ist enorm, wird aber politisch unterstützt. Ob sich das Modell auch für Charlottenburg-Wilmersdorf eignet, muss geprüft werden.

Eine interessante Befahrung mit dem Umwelt- und Naturschutzamt (MA 22) stand am nächsten Tag an. Gemeinsam fuhren wir mit dem Rad eine Kontrollfahrt durch den gesamten Prater. Durch die zentrumsnahe Lage, die gute öffentliche Anbindung und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten hat der Prater einen hohen Stellenwert als Grün-Oase für BesucherInnen. Der Grüne Prater wurde 1978 unter “Landschaftsschutz” gestellt.
Ziel der MA 22 ist die Erhaltung der typischen Struktur einer fast unberührten Aulandschaft. Insbesondere die Straßen behindern den Wildwechsel. Hierfür wurden eigens Unterführungen für Amphibien eingerichtet. Die Wartung erfolgt durch die MA 42. Die Abstimmung ist nicht immer konfliktfrei. Der Umweltschutz ist in der Grünraumplanung oftmals ein Randthema, was die Arbeit oft erschwert. Die Unterhaltung ist auch vielmals ungenau geregelt.

Der Besuch der Baumschule der Stadt Wien in Mauerbach war ein absolutes Highlight. Dort werden alle Straßenbäume Wiens kultiviert. Der im Wienerwald liegende Betrieb ist klimatisch besonders begünstigt. In manchen Monaten fällt hier doppelt so viel Niederschlag wie an den Standorten der Betriebe im pannonischen Raum. Aus diesem Grund ist es möglich, hier auch Gehölze mit besonderen Ansprüchen zu kultivieren. Umweltbewusstsein und Naturverbundenheit werden in der Baumschule Mauerbach großgeschrieben. So wird auf Herbizideinsatz absolut verzichtet. Die Unkräuter werden mechanisch bekämpft. Insektizide und Fungizide werden nur in äußersten Notfällen angewendet, wobei auch auf eine nützlingsschonende Wirkung geachtet wird. Ich habe viele Anregungen hinsichtlich Sortiment und Anbauverfahren für unsere Baumschule mitgenommen. Der Boden wird durch hohe Kompostzugaben und Stallmist gesund gehalten, der durch die Erdballen abgehende Teil wird dadurch gleichzeitig ergänzt. Handelsdünger wird nur sparsam verwendet.

Die Woche endete mit einer sehr spannenden Führung durch die Seestadt Aspern. Auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern wächst eines der weltweit innovativsten und mit 240 Hektar Grundfläche größten Stadtentwicklungsprojekte Europas heran. Seit 2014 werden in mehreren Etappen hochwertiger Wohnraum für mehr als 25.000 Menschen und über 20.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen. Diese “Stadt zum Leben und Arbeiten” verbindet dabei auf Basis innovativer Konzepte hohe Lebensqualität mit Umweltbewusstsein und Wirtschaft. Die Quartiere sind von Beginn an als multifunktionale Stadtteile geplant worden. Durch den Rundgang mit den verantwortlichen Planerinnen bekam ich sehr spannende Einblicke. Zum Beispiel der Fahrradspielplatz ist eine gute Vorlage für unseren Bezirk.

Der Naschmarkt ist immer einen Besuch wert. Auch die Donauinsel und die Ostermärkte sind im Frühjahr immer gut besucht. Wenn man tief in die Kulturszene abtauchen will, kann ich das Programm im Stadtsaal empfehlen. Ein Abend mit Nino aus Wien und Ernst Molden ist große Wiener Kultur.

  • Stadtpark

    Stadtpark

  • Karte des Stadtparks

    Karte des Stadtparks

  • Öffentlicher Grillplatz

    Öffentlicher Grillplatz

  • Grabstele von Falco

    Grabstele von Falco

  • Vorbereitete Baumschulware

    Vorbereitete Baumschulware

  • Großzügige Baumscheiben in Aspern

    Großzügige Baumscheiben in Aspern

Fazit

Der Verwaltungsaustausch war ein voller Erfolg. Ich kann jeder Kollegin bzw. jedem Kollegen raten, an diesem Projekt teilzunehmen. Der Austausch mit den Stadtgärten Wien hat mich auf vielfältige Art sehr beeindruckt. Für meine Arbeit als Fachbereichsleiter habe ich konkrete Maßnahmen und Ideen mitgenommen und plane diese auch bei uns umzusetzen.

Baumpflanzungen, Entsiegelungen und Begrünungen von öffentlichen Flächen werden in Wien “aus einer Hand” geplant und umgesetzt. Auch die Pflege und Unterhaltung dieser Flächen wird mitgedacht und entsprechend umgesetzt. In Charlottenburg-Wilmersdorf planen wir bereits mit dem Fachbereich Tiefbau gemeinsame Entsiegelungsprojekte.

Straßenbaumpflanzungen haben in Wien höchste Priorität. Auch die Ertüchtigung der Baumstandorte wird mit Nachdruck verfolgt. Für unsere Baumpflanzungen strebe ich ebenfalls die Verbesserung der Baumstandorte an. Die notwendigen Klimabäume werden in Wien in einer eigenen Baumschule produziert. Diese Möglichkeiten will ich künftig in unserer Baumschule ebenfalls prüfen.

Die Einbindung der Wiener Stadtgärten im Rahmen von Bebauungsplänen ist in Wien sehr erfolgreich. Da von Anfang an alle Beteiligten beim Projekt einbezogen werden, kommen die notwendigen Bauanträge schneller zum Abschluss. Dies wäre auch für Charlottenburg-Wilmersdorf eine sinnvolle Maßnahme.

Stellenbesetzungen bei der Stadt Wien dauern maximal drei Monate. Im Vergleich dazu dauert es bei uns sechs Monate, bis überhaupt eine Stellenausschreibung veröffentlicht wird. Dieses Tempo wäre wünschenswert!

Kontakt

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Europabeauftragter
Gunnar Betz