Bezirkliche Treibhausgasbilanz nach BISKO für Charlottenburg-Wilmersdorf

Aktuelles

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat im Zusammenhang mit einem Projekt zu Kooperationsvereinbarungen vereinfachte Treibhausgasbilanzen für die Berliner Bezirke aus der Treibhausgasbilanz des Landes Berlin abgeleitet. Diese ergeben für das Jahr 2015 Emissionen von 2.184.269 t CO2-Äquivalente für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Das Rechenverfahren der Senatsverwaltung ist gegenüber dem BISKO-Verfahren stark vereinfacht und daher nicht ohne Weiteres vergleichbar.

Zahlen und Informationen

Treibhausgasemissionen für 2016 nach Energieträgern. Alle Informationen auch in untenstehender Tabelle.
Bild: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Treibhausgasemissionen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf betrugen im Jahr 2016:

2.305.637,74 Tonnen CO2-Äquivalent.

Dies entspricht 6,86 Tonnen pro Einwohner und liegt damit – typisch für Großstädte – deutlich unter dem Bundesmittel. Erwartungsgemäß entfallen die Emissionen überwiegend auf die Energieträger Strom, Benzin und Diesel sowie Fernwärme, Erdgas. Für Großstädte untypisch gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf noch verhältnismäßig viele Heizölheizungen – 3917 Stück.

Der bezirkliche Anteil des Grunewaldes bindet jedes Jahr zusätzliche 4.155 Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgasen. Eine deutliche Senkung der Emissionen bleibt daher notwendig.

Es wurde soweit für Bezirke sinnvoll möglich das Rechenverfahren nach Bilanzierungssystematik kommunal (BISKO) verwendet. Es handelt sich um eine Bilanz nach Territorialprinzip, die die Sektoren Stromverbrauch, Wärme und Verkehr berücksichtigt. Das Ergebnis kann daher mit anderen BISKO-Bilanzen verglichen werden.

Eine Aufteilung in die Sektoren Haushalte, Gewerbe, Kommune und Industrie konnte aufgrund fehlender Daten nicht vorgenommen werden.

Das Projekt wurde durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz mit einer Zuwendung von 1.605 € finanziell gefördert. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Herrn Fabian Reitemeyer, bearbeitet.

Treibhausgasemissionen nach Energieträgern im Bilanzjahr 2016

  • Energieträger

    t CO2-Äquivalent

  • Benzin

    174.344,51

  • Biobenzin

    3.505,51

  • Biomasse

    95,59

  • CNG bio

    234,91

  • CNG fossil

    1.142,19

  • Diesel

    264.065,81

  • Diesel biogen

    6.336,34

  • Erdgas

    322.829,00

  • Fernwärme

    468.336,00

  • Flüssiggas

    3.913,68

  • Heizöl

    298.060,45

  • LPG

    4.841,97

  • Solarthermie

    1,88

  • Strom

    757.929,90

  • Gesamt

    2.305.637,74

Treibhausgas-See Charlottenburg

Darstellung des Schlosses Charlottenburg mit einer blauen Linie in 18 Meter Höhe, die die Höhe eines Treibhausgassees der jährlichen Emissionen begreifbar macht.
Bild: Gemeinfrei, Darstellung der Höhe durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Würde man die gesamten Treibhausgasemissionen des Jahres 2016 über dem Bezirk “ausgießen” und gleichmäßig verteilen, so wäre der gesamte Bezirk bis zu einer Tiefe von 17,99 Metern in einem See aus Treibhausgasen eingesunken.

Das Schloss Charlottenburg wäre bis zur Dachkante eingetaucht.

Inhalt

Ausgangslage und Motivation

Das Berliner Energiewendegesetz gibt den Bezirken vor, sich eigene Treibhausgas-Minderungsziele zu setzen.

Um sich ein Ziel zu setzen, das nachvollziehbar ist, überprüft und voraussichtlich erreicht werden kann, ist es notwendig, die Treibhausgasemissionen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorfs zu ermitteln. Bisher wurden die Emissionen nur für das gesamte Land Berlin errechnet.

Zusätzlich ergibt eine vorhandene Treibhausgasbilanz Vorteile im European Energy Award und bei Antragstellung für Projektfinanzierungen.

Rechenweg

Da die Emissionen von Kohlendioxid und weiteren Treibhausgasen überwiegend dezentral (Schornsteine, Auspuffanlagen usw.) auftreten können sie nicht direkt gemessen werden. Stattdessen werden sie aus den Verbräuchen von Energieträgern für Strom, Wärme und Verkehr hochgerechnet.

In zahlreichen anderen Kommunen in Deutschland werden regelmäßig Treibhausgasemissionen errechnet. Es gibt hierfür eine einheitliche Methode, die Bilanzierungssystematik kommunal (BISKO) des IFEU-Instituts. Ein einheitlicher Rechenweg ist vor allem dann notwendig, wenn sich Kommunen miteinander vergleichen wollen.

Obwohl Bezirke keine Kommunen sind, so sind sie doch weitgehend vergleichbar mit anderen Kommunen. Eine Treibhausgasbilanz sollte daher soweit möglich dem BISKO-Verfahren entsprechen.

Projektablauf

Die notwendigen Ausgangsinformationen wurden ermittelt. Dafür kommen eine Vielzahl an Datenquellen in Betracht, unter Anderem:

  • Berliner Energieatlas
  • Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
  • Vattenfall Europe Sales GmbH
  • Bundeswasserstraßenverwaltung
  • Schornsteinfegerinnung

Die ermittelten Daten wurden in einem BISKO-konformen Rechenwerkzeug, Klimaschutz-Planer oder ECOregion, verarbeitet und ausgewertet. Daraus ergibt sich das Endergebnis.

Weiteres Vorgehen

Das Rechenverfahren wirft einige Fragen auf.

Beispielsweise ist kein Flugverkehr berücksichtigt, da Charlottenburg-Wilmersdorf keinen Flughafen hat. Die Einwohner des Bezirks tragen natürlich trotzdem – durch die Nutzung anderer Flughäfen – zu den Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs bei.

Auch der Konsum, beispielsweise von Lebensmitteln, oder die Treibhausgasemissionen durch Neubautätigkeit werden nicht erfasst.

Die Treibhausgas-Bindungswirkung der Biomasse, beispielsweise Waldflächen im Grunewald, sollte, obwohl sie nur ca. 0,2% der entstehenden Emissionen beträgt, ebenfalls berücksichtigt werden.

Um das Bild der Treibhausgasemissionen des Bezirks zu vervollständigen und genauer darzustellen werden momentan diese und weitere Sektoren im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erfasst. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich zu Anfang des Jahres 2019 vor.

Zusammenfassender Vortrag (Fabian Reitemeyer)

PDF-Dokument (1.2 MB) - Stand: 16.12.2018