Ein Text von Elisa Wüstenhage (TU Berlin)
Heute steht an der Trautenaustraße 5 in Berlin-Wilmersdorf das Pangea-Haus – ein interkulturelles Begegnungszentrum. Ein Ort der Begegnung war das Haus allerdings schon vor mehr als 100 Jahren. 1906 wurde es nämlich als Klinik für Chirurgie mit Badeanstalt erbaut und diente vielen Patient:innen als Heilanstalt.
Die Privat-Klinik Wilmersdorf, die sich in den oberen beiden Stockwerken befand, war eine jüdische Einrichtung und wurde vom Kommerzienrat Hans Löwenstein und dem Internisten Alfred Hirschfeld betrieben.
Im Erdgeschoss des Hauses befand sich zudem das medizinische Cecilien-Bad. Der Name lehnte sich an die nahegelegene Cecilien-Schule an, die damals eine reine Mädchenschule war und auch von vielen jüdischen Schülerinnen besucht wurde. Vom November 1938 an durften jüdische Menschen die Badeanstalt nicht mehr betreten, geschweige denn zu Freizeitzwecken benutzen.
In den 1930er Jahren kam es im Rahmen der „Arisierung“ – der Enteignung jüdischen Eigentums und der Übertragung auf nichtjüdische (“arische”) Profiteur:innen – und unter erheblichem Druck dann zum Verkauf des Hauses.
Im Jahr 1935 erwarb der Steuerberater Curt Pelny bereits das ganze Gebäude von einer jüdischen Erbengemeinschaft. Im Jahr 1942 wurde dann auch die Privat-Klinik Wilmersdorf für einen Preis von 1000 Reichsmark von ihm gekauft. Bereits seit dem Jahr 1933 hatte Curt Pelny mehrere Grundstücke mit Klinikgebäuden aus jüdischem Besitz erworben und somit die Notlage der Eigentümer:innen ausgenutzt.