Die Entwicklung Charlottenburgs und Wilmersdorfs zu zentralen jüdischen Wohngebieten war zunächst vor allem Teil einer Westwanderung jüdischer Familien aus dem Berliner Zentrum in die neuen westlichen Stadtteile. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen zusätzlich viele jüdische Migrant:innen aus Osteuropa nach Berlin, vor allem aus Russland, Litauen und Galizien. Wegen der vielen daraufhin entstandenen russischen Gastronomien, Kultureinrichtungen und Geschäfte bürgerte sich für Teile Charlottenburgs zeitweise die Bezeichnung „Charlottengrad“ ein.
In den 1920er Jahren gehörten Charlottenburg und Wilmersdorf zusammen mit Berlin-Mitte zu den Bezirken mit den höchsten jüdischen Bevölkerungsanteile der Stadt. 1925 lag der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Charlottenburg bei 8,85 Prozent, in Wilmersdorf sogar bei 12,98 Prozent. Besonders rund um den Kurfürstendamm und die Kantstraße lebten viele jüdische Bewohner:innen. Dort war etwa ein Viertel der Einwohner:innen jüdisch. Im selben Jahr lebten 30 Prozent aller deutschen Jüdinnen und Juden in Berlin (Silbergleit 1930: 24).
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 änderten sich die Lebensbedingungen jüdischer Berliner grundlegend. Sie wurden entrechtet, aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben verdrängt und verfolgt. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Berlin rund 160.000 Jüdinnen und Juden – mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. Viele konnten zwischen 1933 und 1939 emigrieren. Für Zehntausende war eine Flucht jedoch nicht möglich. Von Oktober 1941 bis zum Kriegsende wurden mindestens 50.000 Berliner Jüdinnen und Juden deportiert. Die meisten von ihnen wurden ermordet.
Auch zentrale Orte jüdischen Lebens wurden zerstört. Die Synagoge in der Fasanenstraße wurde während der Novemberpogrome 1938 in Brand gesteckt, 1943 weiter zerstört und schließlich 1957/58 endgültig abgerissen.
Nach 1945 begann jüdisches Leben in Berlin unter schwierigen Bedingungen neu. Nur wenige Tausend Berliner Jüdinnen und Juden hatten Verfolgung, Deportation, Lagerhaft oder das Leben im Versteck überlebt. Dennoch fanden bereits wenige Tage nach Kriegsende wieder erste jüdische Gottesdienste statt. So leitete etwa am 11. Mai 1945 ein sowjetischer Armee-Rabbiner einen Gottesdienst in der kleinen Synagoge des jüdischen Krankenhauses.
Auch in Charlottenburg entstanden in den folgenden Jahren wieder zentrale Orte des Gemeindelebens: Die Synagoge in der Pestalozzistraße wurde 1947 wieder eingeweiht. 1959 entstand auf dem Grundstück der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße das Jüdische Gemeindehaus, das bis 2006 Hauptsitz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war. Heute befinden sich dort unter anderem Bildungs-, Kultur- und soziale Angebote der Gemeinde.
Gemeinden und Synagogen erzählen dabei nur einen Teil der jüdischen Geschichte des Bezirks. Jüdische Gegenwart zeigt sich genauso im alltäglichen Leben, in Nachbarschaften, Arbeitsräumen, kultureller Praxis und privaten Netzwerken.
Seit den 1990er Jahren veränderte insbesondere die Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion die Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung in Berlin. Auch Jüdinnen und Juden aus Israel, den USA und anderen Teilen der Welt zogen in den folgenden Jahren nach Berlin. Heute leben Jüdinnen und Juden in Charlottenburg-Wilmersdorf in unterschiedlichen religiösen und säkularen Zusammenhängen, innerhalb der Gemeinde ebenso wie unabhängig von ihr. Jüdisches Leben ist Teil des Alltags im Bezirk.