Ein Text von Henrik Frankemölle (TU Berlin)
„Schon seit Wochen konnte man auf der Anlage des Tennisclubs Bar Kochba sehen, dass große sportliche Ereignisse bevorstanden. Die Plätze wurden einer vollkommenen Umgestaltung unterworfen, neue Zäune wurden gezogen, neue Absperrungen, eine große Tribüne, neue Zugänge zu den einzelnen Courts mußten errichtet werden. Mehr Sitzgelegenheiten für die zu erwartenden Zuschauer waren erforderlich.“ (Wir berichten über: Das Tennis-Ereignis. Jüdische Rundschau, 31. Juli 1936)
Bevor das Grundstück des heutigen Walter-Benjamin-Platz und der Leibniz-Kolonnaden nach dem Zweiten Weltkrieg brachlag und dann als Parkplatz genutzt wurde, war es ein wichtiger Ort jüdischen Lebens in Charlottenburg, speziell des jüdischen Sports.
Während sich im Juli 1936 die Weltöffentlichkeit des Sports und die Propaganda des NS-Regimes auf die Olympischen Sommerspiele in Berlin fokussierten, richtete die Jüdische Rundschau ihren Blick auf einen anderen sportlichen Wettkampf: das „Tennis-Ereignis“, das Internationale Makkabi Tennisturnier des Tennisclubs Bar Kochba Berlin. Dieses Turnier fand in den Jahren 1935 bis 1937 auf der Tennisanlage des Tennisclubs Bar Kochba Berlin in der Leibnizstraße 49-53 in Charlottenburg statt, dem heutigen Walter-Benjamin-Platz. Die zeitgenössischen Berichte, wie bspw. in der Central-Verein-Zeitung bezeichneten das Turnier als „eines der wesentlichsten und bedeutendsten Ereignisse im jüdischen Sport“. Der Tennisclub Bar Kochba Berlin war zur Zeit des Turniers Teil des Makkabi-Verbandes und wurde 1937 als einen der stärksten jüdischen Tennisvereine eingeschätzt. Die Spieler:innen von Bar Kochba traten in der Zeit nicht nur bei Wettkämpfen in Berlin an, sondern nahmen auch an überregionalen Turnieren und Wettkämpfen teil, wie zum Beispiel den Makkabi-Tennismeisterschaften in Köln.