Am 30. Mai 2025 weihten Mitglieder der Gedenktafelkommission Charlottenburg zusammen mit Gästen aus Klötze/Sachsen-Anhalt und Staßfurt/Sachsen-Anhalt vor dem Haus Bismarckstraße 10, Berlin-Charlottenburg eine Gedenktafel für den Unternehmer und langjährigen Charlottenburger Stadtverordneten Dr. Adolph Frank ein.
Der Text der Tafel lautet:
“In dem früher hier stehenden Haus lebte
von 1910 bis 1916
Prof. Dr. Adolph Frank
(20.1.1834 – 30.5.1916)
Der Chemiker und Unternehmer entwickelte unter Anderem industrielle Verfahren zur Herstellung von Kunstdünger für die Landwirtschaft. Von 1878 bis 1916 war er Mitglied der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung. Ihm zu Ehren wurde 1918 eine Straße benannt, die die Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Herkunft 1938 in Heubnerweg umbenannten.”
Prof. Dr. Adolph Frank (geboren am 20. Januar 1834 in Klötze/Altmark, gestorben am 30. Mai 1916 in Charlottenburg) stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Nach einer 1848 begonnenen Apothekerlehre und seiner Militärzeit studierte er ab 1854 in Berlin Pharmazie, Naturwissenschaften und Technologie. Nach der Promotion an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über die Zuckerfabrikation arbeitete er als Chemiker für die Staßfurter Rübenzuckerfabrik Bennecke, Hecher & Co. und erwarb mehrere Patente für die Produktion von Zucker und Kalidünger für die Landwirtschaft. 1861 gründete er die erste Kalidüngerfabrik Deutschlands in Staßfurt, die ihren Absatz bis in die USA erstreckte. 1876 zog er nach Charlottenburg und übernahm die technisch-wissenschaftliche Leitung der Glashütte nahe der Dovebrücke, die er bis 1885 führte. In dieser Zeit erfand er das braune Glas zum Schutz des Bieres gegen Sonnenlicht.1895 entwickelte er mit einem Partner Verfahren zur Produktion von Kalkstoffdünger und gründete dafür 1899 die Cyanid-Gesellschaft mbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie war die spätere Eignerin der Bayerische Stickstoffwerke AG in Trostberg, Oberbayern, aus der 1939 die Süddeutsche Kalkstickstoff-Werke AG hervorging.
Von 1898 bis zu seinem Tod war Frank Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Seit 1878 war er Mitglied der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung, der er bis zu seinem Tode angehörte. Der Geheime Regierungsrat war mit 38 Jahren Dienstzeit das mit Abstand dienstälteste Mitglied der Stadtverordnetenversammlung der damals noch unabhängigen Stadt Charlottenburg. Als Stadtverordneter erreichte er, dass in Charlottenburg als erste deutsche Stadt Gaslaternen eingeführt wurden. Er setzte sich besonders für die Errichtung der städtischen Gaswerke ein. Zusammen mit seiner Ehefrau Meta gründete Frank die Meta-Frank-Stiftung und hinterließ der Stadt testamentarisch 7500 Mark, „um sie für Kinder zu verwenden, die in die Ferienkolonien gesandt werden“. Nach Frank wurde 1918 die Frankstraße nahe dem Charlottenburger Schlosspark benannt. Sie wurde 1938 wegen seiner jüdischen Herkunft nach dem Kinderarzt Otto L. Heubner in Heubnerweg umbenannt. Auf Anregung des Geburtsorts Klötze wurde 2016 im Heubnerweg ein Straßenergänzungsschild angebracht.
In Staßfurt wurde 1949 das dortige Gymnasium nach Dr. Frank benannt. In seiner Heimatstadt Klötze gibt es seit 1954 einen Adolph-Frank-Platz.
Besonders wegen seiner Verdienste als Forscher für den Einsatz von Kali als Dünger in der Landwirtschaft und wegen seiner außerordentlich langen Tätigkeit als Charlottenburger Stadtverordneter ist die Ehrung mit einer Gedenktafel mehr als berechtigt. Für seine Verdienste wurde ihm 1913 der Königliche Kronen-Orden 2. Klasse verliehen, zuvor bereits der Rote Adlerorden IV. Klasse. Den Professorentitel erhielt er ehrenhalber, ohne doziert zu haben.
Das Haus, in dem Adolph Frank von 1910 bis zu seinem Tod im Jahr 1916 gelebt hat, existiert nicht mehr. An dessen Stelle befindet sich ein im Eigentum des Landes Berlin stehendes Bürogebäude aus dem Jahr 1961, das das Charlottenburger Innovationszentrum (CHIC) beherbergt.
Das Grab von Adolph Frank und seiner Frau Meta (geb. Warburg, gest. 1910) befindet sich auf dem Evangelischen Luisenfriedhof II, Königin-Elisabeth-Straße 46 in Westend.