Die letzte bezirkliche Baumschule Berlins

Neben der Bezirksgärtnerei ist auch die Bezirksbaumschule ein wichtiger Baustein für ein klimaangepasstes und artenreiches Stadtgrün. Im Zuge des Berliner Klimaanpassungsgesetzes wird der Bedarf an Neu- und Nachpflanzungen in den kommenden Jahren weiter steigen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist davon in besonderem Maße betroffen, da er über einen sehr dichten Straßenbaumbestand verfügt und zahlreiche Grünanlagen, Parks und Straßenstandorte langfristig gepflegt und weiterentwickelt werden müssen.

Um diese Aufgabe stärker aus eigener fachlicher Kompetenz heraus zu bewältigen, reaktiviert der Bezirk seine Baumschule im Volkspark Jungfernheide. Dort sollen künftig Bäume und Gehölze herangezogen werden, die bereits unter Berliner Standortbedingungen kultiviert werden. Das Ziel ist es, robuste Jungbäume und Gehölze zu entwickeln, die Hitze, Trockenheit, verdichtete Böden und die besonderen Belastungen des Stadtraums besser vertragen.

Die Bezirksbaumschule steht damit für eine langfristige und vorausschauende Stadtbaumentwicklung. Statt Bäume ausschließlich als fertige Handelsware einzukaufen, können Gehölze über einen längeren Zeitraum fachlich begleitet, beobachtet und an die lokalen Bedingungen angepasst werden. Das stärkt die eigene Pflanzenkompetenz des Bezirks und schafft eine wichtige Grundlage für gesunde, langlebige und klimaresiliente Stadtbäume.

„In der Bezirksbaumschule wachsen die Stadtbäume von morgen unter Berliner Bedingungen heran.“

Klimabäume für Berlin

Stadtbäume leisten im urbanen Raum weit mehr als Verschattung. Sie kühlen ihre Umgebung, verbessern die Luftqualität, binden Kohlenstoff, speichern Wasser, strukturieren Straßenräume und schaffen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gerade in dicht bebauten Quartieren sind sie ein zentraler Bestandteil der Klimaanpassung und tragen wesentlich zur Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum bei.

In der Bezirksbaumschule werden sogenannte Zukunftsbäume und klimaangepasste Gehölze kultiviert. Dazu zählen Arten, die mit Hitze, Trockenperioden und städtischen Standortbedingungen besser umgehen können. Beispiele sind Hainbuche, Vogelkirsche, Mehlbeere, Wollapfel und weitere robuste Baum- und Straucharten. Welche Arten sich langfristig besonders gut eignen, kann unter lokalen Bedingungen erprobt und fachlich bewertet werden.

Damit wird die Bezirksbaumschule zu einem praktischen Versuchsort für das Stadtgrün von morgen. Sie verbindet Gehölzanzucht, Klimaanpassung, Artenvielfalt und Pflegepraxis an einem Standort.

Ökologisch bewirtschaftet

Die Bewirtschaftung der Bezirksbaumschule orientiert sich an ökologischen Grundsätzen. Auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel soll verzichtet werden. Stattdessen werden natürliche und mechanische Verfahren genutzt, um Boden, Wasser und Luft dauerhaft zu schützen.

Dazu gehören Mulchschichten zum Erhalt der Bodenfeuchte, mechanische Pflege, standortgerechte Kulturführung und die gezielte Förderung von Nützlingen. Blühstreifen, Totholzbereiche, unversiegelte Randzonen und strukturreiche Flächen schaffen zusätzliche Lebensräume für Insekten, Vögel und Bodenorganismen. So wird die Baumschule selbst zu einem Ort der Biodiversität.

Eine Baumschule für Charlottenburg-Wilmersdorf

Ziel der Bezirksbaumschule ist es, Jungbäume und Gehölze zu klimaangepassten Stadtbäumen weiterzukultivieren. Die Qualität des Pflanzmaterials ist dabei entscheidend. Nur vitale, gut entwickelte und standortangepasste Bäume haben die Voraussetzung, im Stadtraum langfristig zu bestehen und ihre ökologische, klimatische und gestalterische Wirkung vollständig zu entfalten.

Die in der Baumschule herangezogenen Gehölze können künftig an unterschiedlichen Standorten im Bezirk eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Parkanlagen, Grünzüge, Straßenstandorte und öffentliche Freiflächen. Genannt werden können beispielsweise der Volkspark Jungfernheide, der Messelpark, der Lietzenseepark, der Volkspark Wilmersdorf sowie weitere bezirkliche Grünflächen und Straßenräume.

Die Bezirksbaumschule stärkt damit die Unabhängigkeit des Bezirks, sichert gärtnerisches Fachwissen und ergänzt die Arbeit der Bezirksgärtnerei um den wichtigen Bereich der Gehölzproduktion.

Was die Bezirksbaumschule besonders macht

Die Bezirksbaumschule ist mehr als eine Anzuchtfläche für junge Bäume. Sie ist ein Lern-, Versuchs- und Zukunftsort für das öffentliche Grün.

  • Anzucht klimaangepasster Bäume und Gehölze
  • Vorbereitung robuster Jungbäume für Berliner Standortbedingungen
  • Stärkung der bezirklichen Gehölzkompetenz
  • Erprobung neuer Arten unter lokalen Bedingungen
  • ökologische Bewirtschaftung ohne chemischen Pflanzenschutz
  • Förderung von Nützlingen, Insekten und Bodenleben
  • Blühstreifen, Totholzbereiche und strukturreiche Randzonen
  • Beitrag zur langfristigen Stadtbaumversorgung
  • Verbindung von Baumschule, Ausbildung, Pflegepraxis und Klimaanpassung
  • Ergänzung zur Bezirksgärtnerei und zum Wildstaudenprogramm

Teil einer größeren Strategie

Die Bezirksbaumschule ist Teil einer umfassenden ökologischen Weiterentwicklung des öffentlichen Grüns in Charlottenburg-Wilmersdorf. Gemeinsam mit der Bezirksgärtnerei, dem Wildstaudenprogramm, angepassten Mähkonzepten, Baumscheibenbepflanzungen und weiteren biodiversitätsfördernden Maßnahmen verfolgt der Bezirk das Ziel, Grünflächen klimaresilienter, artenreicher und pflegefachlich zukunftsfähig zu gestalten.

Damit zeigt Charlottenburg-Wilmersdorf, wie kommunales Grünflächenmanagement praktisch auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren kann. Die Bezirksbaumschule leistet hierzu einen besonderen Beitrag: Sie denkt Stadtbäume nicht erst ab der Pflanzung, sondern bereits ab der Anzucht.

  • Bezirksbaumschule

    PNG-Dokument (1.1 MB)